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Der Israelit · 1928-02-02 · Heft 5 (2.2.1928) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 5 (2.2.1928)
Date
1928-02-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 5 Der I s raelit 2. Februar 1928 mehr. Der Erlöser sei da. Und alle klatschten sie in die Hände und tobten, als wäre es Purim oder Simchasthora. Und mitten driin die Weiber..." Löb Schnapper konnte nicht mehr. Er setzte sich unaufgefordert und rang nach' Luft. Das Ungeheuerliche war heraus, war Wort geworden und damit Wahrheit, kein ^böser. Traum mehr Löb Pfeifer, der Schulklopfer, schüttelte den spitzen Kopf. Es war alles wahr, so wahr, wie er jeden Morgen die Schul aufschloß und die Gemeinde zum Schulengehen weckte. „Habt Ihr nicht gesucht, Einlaß zu bekommen, zu ihnen zu reden?" fragte Rabbi Naftali, nach dem sich Schnapper ein wenig erholt hatte. . „Ich klopfte an die Türe, und wie klopfte ich", berichtete er. „Man machte langsam und vorsichtig auf. Man zog uns hinein und wollte uns mit in den Taumel zerren. Ich wehrte mich wie gegen Räuber und Mörder und schrie: „Ich .komme nicht darum. Bin Gerichtsbote des Besdin. Ihr sollt heute noch vor Sonnenuntergang in die Besdinstube kommen", und hielt ihnen die schriftliche Vorladung vor. Proßnitz riß mir sie aus der Hand und lachte, als hätte ich einen Witz gemacht: „Was Besdin? Wir kennen keine Rabbinen. Sie und ihre Torheitslehren gelten uns nichts mehr, es sei denn, daß sie zu uns kommen und sich mit uns zum Messias, der in uns fortwirkt, bekennen." Ich fuhr mit der Rechten aus, um dem Lästerer ins Gesicht zu schlagen, da war ich von Fäustemergriffen und unter Püffen und Schlägen an die Tür gesetzt. Löb Pfeifer hatte schon vorher die Flucht ergriffen." „So war es", bestätigte der Schulklopfer, zitternd im Nacherleben all dieser Geschehnisse. Eine Weile herrschte lähmende Stille im Raume. Bleich vor Entsetzen starrten die Gesichter. Dann sagte Rabbi Naftali und seine Stimme zitterte: „Es sind zwei Zeugen. Wir werden all das zu Papier bringen und von den Augenzeugen unterschreiben lassen." „Und dann?" Zwölf Augenpaare richteten sich fragend zum Ehrensessel des Oberabbiners. „Dann stellen wir ihnen noch eine schriftliche Vorladung mit kurzer Frist zu. Lassen sie den Termin verstreichen, ohne zu kommen, dann greifen wir nach dem letzten schärfsten Mittel. Und wir hätten damit unsere Seele gerettet." (Fortsetzung folgt.) Ainderecke. Das Neujahr der Bäume. Ein Chamischo-oßor be Schwat-Märchen. Don Minna Ireund Warft in Kaifa. Es lebte einmal vor vielen tausend Jahren in einem Gebirgsdörfchen in Judäa ein junger Bauer namens Elieser ben David. Er war ein schlichter einfacher Mensch, der nicht viel grübelte, sondern das Leben nahm, wie der Herr es ihm befchieden. Er bestellte seinen Acker, pflanzte den Weinberg, und freute sich von Herzen, wenn der liebe Gott seine Arbeit segnete und er in schwer beladenem Wagen den Erntesegen heimführen durfte in sein Haus. In diesem Hause, dessen schneeweiße Mauern in die Landschaft hinaus leuchteten, waltete emsig und still Elieser ben Davids frommes Weib, Leah bath Sarah. Vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergänge arbeitete sie in Haus und Hof, fütterte das Vieh und melkte die Kühe, versammelte auf dem Hühnerhofe das buntgefiederte Volk der Hähne und Hennen, der Kücken und Tauben um sich und streute aus ihrem Futterkorb die gelben Körner auf die Erde, um die sich das ewig hungrige Federvieh raufte und zankte und die es aufpickte mit spitzen Schnäbeln und vor Behagen glänzenden Aeuglein. I Aber während sie noch die Schnäbel wetzten lim fröhlichen Genüsse, blinzelten sie schon gierig! nach dem Garten, in dem Levkojen standen und j Nelken glühten, dunkle Rosen mit schillernden Falterü plauderten und Reseden ihren Dust äushauchten in berauschender Süße. Dorthin durften sie nicht und wenn sie einmal doch übenden niedrigen Zaun hüpften, war die Hausfrau böse und jagte sie mit zürnendem Husch — Husch aus dem Garten. Wenn die letzten Sonnenstrahlen der Mutter Erde den Gutnachtkuß gaben und sich in purpurne Bettlein am Himmelsfaüm schlafen legten, dann setzte sich Frau Leah auf die hellblau getünchten Stufen vor ihrem Hause und schaute aufs Feld hinaus, ihrem heimkehrenden Manne entgegen. Der kam müde mit schwerem Bauernschritt über den schmalen Wiesenpfad, auf sein Haus zu. Aber je näher er dem Haufe kam, desto mehr beschleunigte er seine Schritte, und die Müdigkeit schwand aus seinen Zügen und wich dem Ausdrucke einer heiteren Freude, wie er über die Schwelle trat und fein Weib ihn mit einem herzlichen „Scholaum" begrüßte. Das einfache kräftige Mahl stand dampfend, auf dem Tische, frischgebackenes Brot erfüllte den Raum mit angenehmem Dufte und als einziger Schmuck stand ein roter Strauß. Nachdem Elieser und Leah sich die Hände gewaschen hatten, setzten sie sich an den Tisch und verzehrten frohgemut ihr Abendmahl. Während des Essens erzählten sie sich gegenseitig von den kleinen Begebenheiten des verflossenen Tages, besprachen die Arbeitseinteilung des nächsten und erfreuten sich an dem steten Wachsen ihres Besitzes. „Wenn Gott in diesem Jahre eine gute Ernte beschert, kaufen wir noch eine Kuh, liebe Leah." „Wird auch nötig sein, denn übers-Jahr wird unser Kindchen viel Milch trinken wollen." Sie sagte es ganz leise und neigte anmutig ihr dunkelgelocktes Haupt auf Eliesers Schulter. Der sprang auf und tanzte vor Freude mit der jungen Frau durch die Stube. „Ein Kindlein, ein Kindlein!" „Nun wirds erst recht fröhlich sein in unserem Hause. Hier, wo die Sonne am hellsten ins Zimmer scheint, wird die Wiege stehen. Und was für eine Wiege! Wenns draußen stürmt und regnet und ich nicht hinaus kann aufs Feld, werde ich Meines Kindchens Lagerstatt zimmern — und der schönste Baum aus unserem Wäldch^r soll das Holz dazu schenken. Gib mir meine Axt, liebes Weib, ich fühle mich so frisch und möchte noch heute ins Gehölz gehen, um einen Baum zu wählen für die Wiege:" „Nur nicht so stürmisch, lieber Mann," lächelte Frau Leah. „Erst heute haben mir die Engel die Botschaft gebracht und es wird noch eine geraume Weile währen, bis sie uns das Kindchen bringen. Komm nur hübsch zur Ruhe und am Morgen wollen wir beide in den Wald gehen, und einen Baum heimbringen." Am nächsten Morgen zogen sie hinaus mit Axt und Späten, um ein Bäumchen auszuwählen. Es war der Morgen des fünfzehnten Tages im Monat Schewat. Die Regenwolken, die um diese Zeit oft den Himmel Palästinas bedecken und das Nahen des Regens verkünden, hatten an diesem Tage einer tiefblauen Decke Platz gemacht, die den ganzen Himmel umspannte und auf der die Königin Sonne lustwandelte und ihr Strahlenlächeln zur Erde sandte. Wie die beiden Menschenkinder in den Wald kamen, empfing sie ein Chor von Singvögeln und die kleinen gefiederten Sänger hüpften von Baum zu Baum, als sei der Frühling schon ins Land gezogen und hätte seine ganze, große Musikkapelle mitgebracht. ,Hör nur Elieser, wie munter die Vöglein zwitschern. Die lieben Engel haben ihnen gewiß gesagt, daß wir einen kleinen Gast bekommen werden und nun bringen sie uns ihre Glückwünsche dar." Die Bäume rauschten ihnen einen Willkommgrüß und wie sie unter den Blätterkronen dahinschritten, wars, als ob jeder Baum sich neigte und ihnen zuriefe: „Ihr Glücklichen, Ihr Glücklichen." " Enger schmiegten sie sich aneinander und genossen ihr Glück am Herzen der Natur. Und als sie müde waren, breitete der Mann eine Decke aufs, weiche Moos und sie setzten sich nieder und konnten einander gar nicht genug erzählen von dem Kindchen, das ihnen verheißen wurde. „Es wird gewiß ein Mädchen werden", sagte Elieser und Deine braunen samtnen Augen, Deine dunklen Locken wird es als schönste Gabe des Himmels mit auf die Erde bringen." „Nein, ein Knabe wird es sein und zu einem Manne von so edlem Wuchs heranreifen, wie Du mein Elieser." „Ich wünsche mir ein Mädchen." „Und ich möchte gerne einen Knaben haben. „Wenn wir uns durchaus nicht einigen können, wäre es schon am besten, der liebe, Himmel bescherte uns gleich zwei auf einmal." „Du hast für eines noch nicht die Wiege gezimmert", lachte Frau Leah. „Sitzen hier und träumen und wir haben noch immer keinen Baum, gewählt." Da erhoben sie sich und gingen weiter und nun prüften ihre Augen jeden Baum, ob er auch schön genug sei, daß eine Wiege aus ihm gearbeitet werde. „Ja, aber es darf kein junges Bäumchen sein," sagte Elieser. „Die jungen Bäume müssen geschützt werden und es ist eine große Sünd^, die Axt anzulegen an ein Baumleben, das noch viele, viele Jahre währen könnte. Wir müssen einen altersmüden Baum suchen, ein liebes Baumgroßmütterlein, das gerne unseres Kindchens Wiege sein wird." Nach langem Suchen fanden sie einen alten Baum und Elieser rüstete sich, ihn umzuhauen. Aber wie er die Axt anlegte, sprang ein winziges Zwerglein aus der Rinde, pflanzte sich mit seinen stämmigen, braunen Veinchen vor Elieser auf und rief: „Halt ein, wißt Ihr denn nicht, Ihr törichten Menschenkinder, daß heute Feiertag ist im Walde? Kommt mit mir und ich will Euch zur Waldkönigin führen — sie wird Euch nicht zürnen, denn sie liebt die kleinen Menschenkinder und für eine Wiege opfert sie gerne einen Baum aus ihrem Reiche auf. Auch wenn einer ein Haus bauen will, schenkt sie ihm Balken und Bretter; mit freigebiger Hand gibt sie Holz her für Betten und Schränke, für Tische und Stühle, für Zäune um Gärten und für Stall und Hühnerhof. Für alle friedlichen Zwecke hält sie ihre Schätze bereit: nur wenn böse Menschen kommen, die miteinander Krieg führen und die Wälder zerstören, junge Bäume ausroden und mit dem Holze Lagerfeuer entzünden, dann wird die Königin böse und verläßt die Stätte, wo die wilde Kriegslust herrscht. Und dort wachsen keine Bäume mehr, der Regen schwemmt die nährende Erde vom Gestein und nackt und kahl wird das Land, das früher im Grün der Bäume prangte. Darum hütet Euch und lebet in Frieden mit Euern Nachbarn." - „O, das brauchst du uns nicht erst zu sagen", erwiderte Leah. „Mein Elieser ist der friedliebendste Mensch, denn er ehrt Gottes Gebot: Du sollst nicht töten. Und alle Judendie rings um uns wohnen, sind friedliebend wie er. Und nun führe uns zu deiner Königin, liebes Waldmännchen." (Fortsetzung folgt.) PM\RtE BELEUCHTUNGSKÖRPER UCHTu KmFT-ßNLßGEN

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