Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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wm W f t ft: Seite 8 Nr. 2 Der Israelit .-B l ä t t e r 19. Januar 1928 drängung, Sichhüten vor Versuchung, Meiden von sittlichen Gefahren, ehrliche Kenntnis' der Umwelt, auf zugänglichen Wegen wahrer Kunst, Literatur, Wissenschaft erworben, Charakterstärkung und Körperstählung (ohne Sportfererei!) — das alles sind nur kurze Ueberschriftön der Themen, die teils berührt, teils ausführlich bchandelt wurden: es war schon so, wie Arnold Merzbach sagte: der Bundestag wurde zu einem, v'-iissn dt# zum Tage des 'iii und auch zum Gelöbnis der besseren Zukunft! Um 3 Uhr nachm, begann der Delegiertentag mit der Verlesung des Geschäftsberichts durch Dr. Hofmann (an anderer 'Stelle veröffentlicht), darauf erstattete Edgar C o r i, der Kassier des O. V., den Kassenbericht. Die Organisation ist s ch u l d e n f r e i. Heinrich Landau- Fürth berichtet über die Ergebnisse der nächtlichen Delegiertenaussprache: Man hat sich für Ressortteilung im Sinne Jsaac Rosenheims entschieden, ferner für den erneuten Versuch klärender Aussprache mit den agudistischen Führern des Esra. allerdings erst nach Aufstellung und Durchführung eines neuen Erziehungsprogramms. Dr. Ernst F r e i m a n n - Frankfurt meint, es sähe noch immer so aus, als wäre Agudas Jisroel eine Organisation des Austritts, die Gemeindeorthodorie fühle sich oft noch abgestotzen. Agudas Jisroel müsse für jeden. d’öp ui' Platz bieten. Wols S. Jacobsohn -Hamburg teilt mit, daß der Rabbinische Rat Deutschlands, der in der Rekonstruktion begriffen ist, sofort nach dem Zusammentritt die Frage der Stellung der Agudas Jisroel zur Gemeindeorthodorie einer erneuten Prüfung unterziehen wird. Auf Vorschlag von Bernard I. Jacobsohn- Hamburg wird dem Organisationsvorstand Entlastung erteilt. Frankfurt s. M' wird wieder zumMorort der Organisation per Akklamation gewählt, ebenso' D'r. Willy H o f m a n n zum Vorsitzenden des O. V. Dieser dankt, nimmt die Wahl an und verspricht, sich der Aufgabe nach-Kräften zu widmen. Nunmehr werden die fünf Gruppen, die Vertreter für den O. V. stellen, gewählt. Die Wahl fällt auf Berlin, Breslau, Köln, Hamburg und Nürnberg-Fürth. Nach längerer, teilweise erregter Geschtzftsoronungsdebatte werden durch namentliche Abstimmung der Delegierten der Frankfurter Mitglieder des Vorstandes en bloc gewählt. Mit 72 gegen 6 Stimmen trifft die Wahl die Herren: Dr. Arnold.Merzbach, Joel Sänger, Fritz Stern, Isaak Rofenheim, Edgar Cori, Gerson Schnerb, Fritz Strauß und Mar Feuchtwanger. Bis auf Dr. Merzbach und Mar Feuchtwanger, die neu hinzutreten, ist somit die alte Leitung wiedergewählt. Die Anträge; werden der vorgeschrittenen Zeit halber einer Kommission überwiesen. Um 6.30 Uhr abends wird der Delegiertentag geschlossen, der Bundestag nimmt seinen Fortgang. Es folgt als letztes Referat das von Mar Landau über „Unsre Einstellung zu Erez Jisroel". Er schildert die geistige Stellung, die Erez Jisroel im System der jüdischen Weltanschauung einnimmt. Dort sei es möglich, die wahre Synthese von Lehre und Leben zu finden, die Einheit Gott — Volk Land wiederherzustellen. Die ni-n habe immer Opferwilligkeit für das Land der Sehnsucht gezeigt, die thoratreue Judenheit müsse auch heute ihre Pflicht erkennen. Die Möglichkeit, auf geheiligtem Boden ein Kulturzentrum in unserem Sinne zu schassen, besteht, von diesem Zentrum kann belebender Einfluß ausgehen, der auch die Länder der zur höheren Harmonie von Lehre und Leben bringen kann. Um 7.30 Uhr abends nimmt Dr. Stein das Wort zu einer Schlußansprache. Er dankt allen, die zum Gelingen der Tagung, die jedem Teilnehmer ein Erlebnis bedeutet habe, beitrugen, insbesondere dem Frankfurter O. V. und den Gastgebern Frankfurts. Er betont, daß leider zu den Referaten des zweiten Tages keine Diskussion mehr habe stattfinden können. Das bedeute nicht, daß die Teilnehmer mit allem Gehörten einverstanden waren. Dr. Willy H o f m a n n dankt dem Präsidium, vor allem dem unermüdlichen Tagungsleiter Dr. Siegmund Stein, der es wieder verstanden hat, mit souveräner Beherrschung aller Situationen, mit überlegenem Humor und feinem Takt die Leitung zu führen. Nicht zuletzt ihm ist der harmonische Verlauf der Tagung der für einen Ägudatag geradezu sensationellen. Disziplin der — man darf sagen: Massen zu danken. Dr? Hofmann dankt schließlich noch dem Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft mit herzlichen Worten für die unentgeltliche Ueberlassung der Schulräume für die -Zeit der Tagung. Das Merzbachfche Wort vom Jaum Hakipurim ausgreifend, versprach er im Namen des O. D., nunmehr b'vV>n», zum Aufbau der miv des stolzen Baues der Organisation in dem auf der Tagung in Erscheinung getretenen Sinne zu eilen. Wols S. I a c o b s o h n faßte noch einmal in einer zündenden Schlußanspräche die wesentlichen Ergebnisse des Bundestages zusammen und sprach die Hoffnung aus, daß das in Frankfurt Gehörte und Erlebte zu intenstver Gruppenarbeit beitragen möge. Es ist nicht an uns, die wir lediglich einen sachlichen Bericht zu erstatten haben, das Eemeinfchaftserlebnis dieser Tagung, die wunderbar gehobene Stimmung der Teilnehmer und all die Grfühlsmomente zu schildern, die den Besuchern unvergeßlich sein werden: Davon lasse sich jeder, der nicht kommen konnte, von den Anwesenden berichten. Und am schönsten wäre es, wenn man dies alles aus den Taten erkennen könnte, die hoffentlich bald allenthalben zeigen werden, daß der Bundestag der Agudajugend in den Chanukkatagen 5688 einen Markstein in ihrer Entwicklung, den Beginn.neuen Aufstieges zu altem Ziele bedeutete. Neu sei der Weg. — alt und unverrückbar das Ziel: nwi'b nivsn i'mnb- Die öffentliche Kundgebung der Agudas Zisroel Ortsgruppe Berlin anläßlich der Zentralrakskaguug. Eine Kundgebung, wie sie die Berliner Orthodoxie in diesem Ausmaß wohl selten aufzuweisen hat, war das Massenmeeting am Mittwoch, den 4. Teweth, im großen Festsaal des „Hackeschen Hofes".. Der Saal vermochte die ungeheure Menschenmenge nicht zu fassen u-nd Viele, Me sich vergeblich mühten, Eingang in den Saal zu finden, mußten wieder heimkehren. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Berlin, Herr Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, eröffnete die Versammlung und wies in seinen Begrüßungs- Worten auf das Charakteristische dieser Veranstaltung hi-r, welche aus Anlaß der Zentralratstagung und zu Ehren der zu diesem Zweck in Berlin weilenden . zahlreichen Delegierten des In- und Auslandes von der Ortsgruppe , arrangiert worden ist. Als Hauptredner des Abends sprach der Präident des Geschäftsführenden Ausschusses der llgudas Jisroel, Herr Dr. Pinchas K o h n, Wien, der kurz vorher von einer längeren Erez Jisroel-Reise zurückgekehrt ist, über die dort gewonnenen Eindrücke. Redner, welcher die hauptächlichsten Punkte des Heiligen Landes aufgeucht hat, schilderte zunächst den überwältigenden Eindruck, den Erez Jisroel auf ihn gemacht hat, gab alsdann ein Bild über die inneren Verhältnisse des Landes auf wirtschaftlichem, religiösem und politischem Gebiet und wandte sich dann der Lage innerhalb der Gesetzestreuen in Erez Jisroel zu. Herr Dr. Kohn berichtete über die wachsende Stärke und das zunehmende Ansehen der Orthodoxie nach innen gegenüber der jüdischen Bevölkerung und mach außen gegenüber den Regierungsbehörden des Landes, die den berechtigen Forderungen der Orthodoxie auf religiösem und gemeindepolitischem Gebiet zu einem wesentlichen Teil heute volles Verständnis entgegenbringen und wohlwollende Berücksichtigung angedeihen lassen. .Redner schloß seine äußerst ineressanten Darlegungen mit der Hoffnung, daß es den Bemühungen der Aguda-Leitung vergönnt ein möge, alle Jereim des Heiligen Landes zu einer einzigen orthodoxen Kehilloh zu vereinigen, um den Frieden in Erez Jisroel zu sichern. Als nächster Redner sprach der bekannte Rakower Raw, Herr Rabbiner Kalman o w i t s ch, über die Bedeutung der Agudas Jisroel für Chisuk Hatauroh und Chisuk Hadas in allen Ländern. Ihm folgte, von der Versammlung lebhaft begrüßt, Herr Jrzchok Meier L e t»;i n , Warchau, der Schwiegersohn des Gerer Rebben, mit einer Darlegung der großen erzieherischen Aufgabe der Agudas Jisroel, und wies insbesondere auf den großen Segen, den das Bes Jaakauw- Schulwerk mit feinen über 10 000 zählenden Schülerinnen im ganzen Osten verbreitet. Aus einer tiefen Ahawas Jisroel heraus begründete )er Redner, daß die Agudas Jisroel sich an jeden Einzelnen wende, der willens ist, den jüdischen Klall „al pi Hatauroh Wehajiroh" aufzubauen. Als letzter Redner ergriff, wie 'immer stürmisch gefeiert, Herr Jacob Rosen he im, Frankfurt ä. M., das Wort, einen kurzen Rückblick auf den Verlauf und die Ergebnisse der Zentralratstagung, die der weiteren Arbeit der Leitung einen starken Antrieb geben werden, werfend. Roch ganz unter dem Eindruck der oeben ^abgeschlossenen großen Jugendtagüng der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. stehend, prach der Redner voller Ergriffenheit die frohe Zuversicht aus, daß es mit dieser zielbewußten Jugend m. G. H. gelingen wird, trotz aller Schwierigkeiten die Agudas Jisroel zu dem werden zu affen, was den Gründern als Hochziel vorgechwebt hat. Nicht endenwollender Beifall, aus lern die tiefe Dankbarkeit der Versammelten sprach, - folgte den hinreißenden Worten Jacob Rosenheims, \ Mit einem kurzen Dankeswort' an die Referenten des Abends schloß der Vorsitzende die eindrucksvolle Kundgebung. , Aus der Bewegung. Halbecstadt. Am 23. November fand die diesjährige Generalversammlung statt. Der Vorsitzende, Herr Räbb. Dr. Schlesinger, erstattete, den Geschäftsbericht der letzten anderthalb Jahre und führte aus, daß die Tätigkeit der hiesigen Ortsgruppe wie wohl der meisten Ortsgruppen hauptsächlich in der Pflege des Agudohgedankens durch Vorträge und Zusammenschluß der Agudisten bestehe. Dem wurde Rechnung getragen durch Vorträge, u. a. von Wölf Jacobson, Hamburg: Wahrheit und Frieden, Nabb. Dr.. Frankl: Hesped auf Rabb. Dr. Sälomon Breuer b"2t Albert Jacobson: Agüdoh und Zentralverein. Den Monat' Adar hatte der GA. zu einem Werbemonat für das Schulwerk in Palästina bestimmt. Zur Förderung des Zweckes wurden , nebst einer groß angelegten Purimseier. mehrere Vorträge veranstaltet. Als Redner hierfür waren die Herren Dr. Ehrmann, Dr. Emil Hirsch und Jacob Rosenheim gewonnen. Eine hieran sich anschließende Sammlung ergab ein ansehnliches Ergebnis, das der Palästinas-Zentrale zugeführt wurde. Nach dem Kassenbericht betrugen die Einnahmen im Jahre 5687: Mk. 1196,50; die Ausgaben Mk. 580 (darunter Zuschuß an die Jugendgruppe für den hebräischen Sprachlehrer, Reisespesen. an Unsere auswärtigen Redner, Zuschuß zur Purimseier, für Drucksachen und Porti). An die Landesorganisation wurden insgesamt 600 Mk. abgeführt. Die Eingänge aus dein „Spendenbuch": 263 Mk., darunter Ausgaben: 200 Mk. für Keren Hathora, Bes Jakob-Schulen, Schulwerk in Palästina. An den Geschäftsbericht schloß sich eine rege Diskussion an, an der sich die Herren Rabb. Dr. Frankl, Strauß. Königshöser, Dr. med. Auerbach, Leisner beteiligten. Den Kernpunkt der Debatte bildete die Frage nach der künftigen Tätigkeit in dir Ortsgruppe, ferner eine Anregung des Behrend-Lehmann-Vereins, auswärtige „prominente" Redner auf gemeinsame Kosten und für Mitilieder beider Vereine kommen zu lassen. Das Rssume über den letzten Punkt ergab das Einverständnis darüber, daß man gegebenenfalls nach Üebereinkunft der Vorstände beider Vereine den einen oder den anderen Redner berufen wolle. In der hierauf folgenden Vorstandswahl wurden wiedergewählt: Rabb. Dr. Schlesinger als Vorsitzender, Königshöser als Beisitzer, Strauß als Kassierer, Lundner Schriftführer, und für das ausgeschiedene Mitglied Mar Seckbach, Herr Leisner, als 2. Schriftführer. Zu Punkt „Verschiedenes" trat der Vorsitzende für die Gründung von „Bezirks-Ortsgruppen" ein. Herr Rabb. Dr. Frankl und Dr .med. Auerbach begrüßten diese Idee. An der sich anknüpfenden.Aussprache beteiligten sich Lehrer Lundner und Herr Rosendorf, Ersterer namentlich m seiner Eigenschaft als Keren Hathora-Kommissar. Er betonte, daß der Keren Hatorah ein wesentlicher Bestandteil der Agudoh sei, daß unsere ostjüdischen Brüder gerade wegen der Tätigkeit des Keren Hatorah- Gründung der n*n> Unterstützung und Erhaltung der jm'V — für "die Agudoh gewonnen werden können und empfahl daher den Keren Hatorah in den Mittelpunkt zu stellen. Herr Rosendorf wollte die Erez Jisröel- Arbeit im Vordergrund wissen. Der Vorsitzende gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß die festgesetzten Beiträge von 4 Mk. und 1 Mk. Kopfsteuer von vielen Mitgliedern aus freien Stücken erheblich erhöht werden möge und schloß die Versammlung mit dem Dank an die erschienenen Damen und Herren. Spendenliste kerey hathora in Deutschland: Einzelspenden: - Hamburg: NN. 200, Dr. I. Streim 10, Adolf Warisch 50, ftv p'« Hildesheim 42.60. Bremen: N. Grünberg 100, Alfred Grünberg 100. Ladenburg: Gebr. aufmann 60. Berlin: Dr. Marcus Birnbaum 60, M. Lehmann 50, A. Neustadt 2, Sally. Weil 10, Dozent Dr. M. Auerbach 10. '? - Leipzig: Dr. S. Halevy. 41.10, Jacob Hepner 10. Hanau: Frau Lehrer Oppenheimer 12. Würzburg: Senta Seckbach 12.50. Neckarsteinach: I. Ledermann 8. Stuttgart: Albert Mayer 3. Fulda: Rabb. Dr. Leo Cohn 20. Ansbach: Rabb. Dr. Munk 40. München: Manfred Neuberger 15. Heilbronn: Dr. Bachrach 10. Kattowitz: Bruno Altmann 10. Mosbach: Rabb. Grerlsheimer 5. Treuchtlingen: B. Fulder 1.30. Gelsenkirchen: Dr. M. Meyer 6. Sewaldsbrück: I. W. Lundner 21, S. Lundner 4.14, I. Timberg 2.86, Frau Glaß 1.90, B. Wiesner 2.53, A. Singer 12.58. v Kirr npjp ftvj.. - Dch. Käthe Jacobfon, Hamburg 51, dch. Frau Alice Kohn, Leipzig 95, dch. A. J.-Mädchengruppo, Frankfurt a. M. 50, von Lilly Freimann, Hamburg 10, von M.; Reichelsohn, Puthelange 16.45.