Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-01-05 · Heft 1 (5.1.1928) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 1 (5.1.1928)
Date
1928-01-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450496--74609-2532090
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

TT?, DMKN. m3 KOK Bm ebdjb 1 Die Frankfurter Zugendkagung der A. 2. ). O. . Eindrücke.? ' ' 1. Das waren beglückende und erhebende Tage, die wir in Frankfurt feierten, diese Tage der Agudajugend-Woche. Wieder und wieder hatten wir es gehört, die -deutsche Jugendorganisation sei tot, sie befinde sich in gefährlichster Krise, ihr fehlten die Führer, man suchte bei ihr vergebens die geistigen Menschen, der Agudaidee ermangele es an dem Schwung, Jugend zu begeistern, die Politik habe alle nach Verinnerlichung strebenden Menschen, alle Um ihr eigenes Ich ringenden, alle jugendbewegten Gemüter abgestoßen — und siehe da: Aguda rief — und alle, alle kamen. Sie kämen aus allen Gauen Deutschlands und weit darüber hinaus, aus Wien und Preßburg und Budapest, aus Zürich und Luzerne aus Amsterdam und Rotterdam und dem Haag, aus London, aus Kopenhagen, und auch Polen, das zu gleicher Zeit in Warschau eine Tagung seiner Jungagudisten veranstaltete, brachte durch einen seiner aktivsten Menschen Grüße und den Hauch des Ostens. Es war eine gewaltige Kundgebung, nicht im Sinne einer nach außen gerichteten De? mon stra ti on , sondern im Sinne einer innere n S a m m tu n g. Es war eine h e r r l i ch e Tagung, nicht im Sinne einer rauschenden -und darum schnell wieder abebbenden Begeisterung, vielmehr im Sinne nachhaltiger, in die Tiefe gehender Wirkung. Gewiß, unsere Frankfurter Freunde verstehen die Aufmachung vortrefflich, und doch, das Ergebnis der Tagung war nicht eine Summe von gastfreundlicher Bewirtung, herzengewinnender, wenn auch manchesmal magenverstimmender Aufnahme, von schönen Reden und wohlorganisierten Veranstaltungen, es. war von vornherein gesichert und verankert in dem.Willen, Mt dem die Vielen kamen: „Ich gelobe mich dir an für die Ewigkeit!" Die gekommen waren, wollten nicht etwas „Mitmachen", das waren nicht „Aüchagudisten", daß waren, der Mahrzahl nach zumindest, junge Menschen mit einem, der Agudo. ganz aufgeschlossenen und treu ergebenen Herzen. — Sie wollten nicht für Agudo sich begeistern lassen, uielmehr die in ihnen wache Begeisterung in die richtigen Kanäle lenkenin die rechte und richtigste Arbeit bi>2n ummünzen lassen. Es war d i e Jugend, die die Zukunft Ägudas Jisröels garantiert, die Jacob Rosenheim in Viertln, tiefergriffen und die. wohl zweitausend Hörer tief ergreifend sprechen ließ: „Wer von uns Alten diese Jugend sah, der weiß es: auch wenn wir nicht Mehr sind, Agudas Jisroel i st!"? ... - 2. . ' Wodurch zeichnete sich diese Jugendtagung aus? Bor allem durch Eines: durch r e st - l ose E h.'rli ch k e i t! In ehrlicher Form träten die Gegensätze zutage, in ehrlicher Form wurden sie ausgetragen. Die Einen wollen vor allem einen wetteren straffen Ausbau der Organisation, nicht als Ziel, sondern als Voraussetzung für richtige, nach innen gewandte Arbeit, die Andern meinen, daß durch Lockerung des oragnifatorifchen Zwanges und der organisatorischen Formen dieses Ziel gerade und schneller erreicht wird. Diese sehen in den Birnbaumschen Anregungen, wie sie das Äulimprogramm gibt, einen Weg, alle Röte ihres Herzens und ihrer Seele zu bannen, sie stoßen sich auch nicht daran, daß „Orden" an Kirche und Mönchstum tzemahnt und wissen in ihrer Strebung „nach oben" ganz genau, daß zu irgendwelcher Selbstüberhebung bei uns kein Raum und kein Anlaß ist. Jene lehnen die Aulimidee ab, weil nach ihrer Meinung Agudas. Jisroel selber dem nach ihrem letzten Inhalt Ringenden genug Antrieb zum Aufstieg gewährt. Professor Dr. I. H. Bondt Man hat auf dieser Jugendtagung nichts beschönigt, im Gegenteil, nach meiner Meinung hat man Kritik am O. V. und sich selbst in einem Maße geübt, das über das Notwendige weit hinausging: Man. sprach stundenlang von der Krisis, um dann beruhigt feststellen zu können, daß eine solche kaum vorhanden ist, daß sie jedenfalls völlig überwunden sein wird, wenn es dem neuen O. V. gelingt, seine „organisatorischen" Menschen zu durchgeistigen, seinen „geistigen" Menschen zu organisatorischer Mitarbeit anzuhalten, notfalls zu zwingen. „Wir wollen uns nicht selber was vormachen!" mit diesem Worte ist die ganze Situation der Tagung gekennzeichnet. Dieser Wille sprach aus allen Referaten, ob es sich nun um den Ausbau der Organisation — Eli Munk und David Ullmann — oder um den Aufbau des jungen geistigen Menschen — B. S. Jacobson — oder um die Gestaltung der sittlichen Persönlichkeit — Arnold Merzbach und Lilly Freimann handelt. „Währ und ehrlich wollen wir sein als;'Y ';; Y Y.-Ty Uli Agudisten, Menschen und Juden'!" so tönte es uns wieder und wieder entgegen. Und ohne die andern Referate in ihrer Bedeutung und in ihrem Wert herabzumindern, sei es gesagt, daß die Ausführungen Arnold Merzbachs von ungeheuer ergreifender Wirkung waren. Man sprach im Verlauf der weiteren Tagung wiederholt von der miisvnm'- Stimmung, die seine Worte geweckt, und dies zeigt vielleicht deutlicher als jedes Wort des Lobes, wie tief sie zum Herzen der Hörer gingen. — Und in gleicher Weise soll Lilly F r e i m a n n ihre Hörerinnen um und um geschüttelt haben, soll auch sie den zahlreichen Mädchen, die der Tagung beiwohnten, eine hohe Weihestunde bereitet haben. Und auch die Aelteren! Die geistvolle «mo Ehrmanns, wie merkte man ihm an, daß er viel lieber seine glänzende talmudische Begabung in den Dienst einer nbmp als des Landes gestellt hätte, der schöne und herzliche N21M -Vortrag Schachnowitzs, wie wirkte sie aufmunternd und den Mut zu jüdischer Tat weckend, die Mussar Worte Dr. A sch e r s, wie spürten wir in jedem Worte den 1122 1217W Darr vnVri' den treuen Schüler Mordechai Amram Hirschs — und das große Referat Jacob Rosenheims: „Die Politik der Agudas Jisroel", wie war das für uns alle ein Erlebnis von Dauer, von seelenweckender Wirkung. "tr»' b2» im« N212 rnrmp« Diese. Jugendtagung nannte einer der Schlußredner eine Reihe von Tagen der Heiligung und Segnung — und wir glauben, er hat nicht übertrieben, wenn er so sprach. 3. In Samson Raphael Hirschs Schule, auf heiligem, historischem Boden, fand die Tagung statt, das vergaß man keinen Augenblick. Und so zogen wir die Schuhe von unseren Füßen, streiften den Hochmut und die Selbstsicherheit ab uNd waren bescheidene, demütig um die große Idee der Agudas Jisroel ringende Menschen. Und dennoch als man am achten N2im -Abend im Hause entzündete und mehr denn 1200 Kerzen von allen Fenstern, der Schule auf die Straßen ihren Lichtschein warfen, da überkam uns mächtig die Hoffnung: daß das ein 2iv fein möge, daß das Licht der brriM rmx weiter und weiter strahlen, in die Herzen auch derer, die noch draußen auf der Straße stehen, hineinleuchten möge. — Und wieder, wie in allen gehobenen Momenten, stieg aus dem Strahl der Lichter Gerson Langes Bild vor uns auf: er grüßte uns und sprach uns Mut zu und wir huldigten seinem gesegneten Andenken.-- Gerson Lange dankt die A. I. I. O. ihr Sein und Werden;, daß sie aber diese schöne, jüdische Tagung veranstalten konnte unseren Frankfurter Freunden im gegenwärtigen O. V., die alles so trefflich organisiert hatten: vom vorzüglich klappenden Bahnhofsdienst, der uns bei unserer Ankunft schon? uMer die Kontrolle der dortigen Freunde stellte, an bis zum Augenblick der Abfahrt klappte alles vorzüglich: denn jeder wirkte an seiner Stelle in ganzer Hingebung und .■ - .; Yi'/ri'';.- - Y!: , Y . ■' : . ■ / I;j , i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.