Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1928)
- Date
- 1928-01-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. i Der Israelit 5 Ianuav 1928 Ahron Oppenheim hatte in ber politischen Führung nach innen und außen in Rabbi Naft tali Freund und Berater, wie Rabbi Schmuel Schotten in all seinem geistigen Schaffen und seinen religiösen Aspirationen im polnischen Rabbi die festeste-Stütze fand. Das Schottensche Manuskript unter dem Titel: „Kelch des Heiles" , war inzwischen nun wiederum stark angewachsen, 'aber vieles aus und in den alten Blättern wurde auf Anraten Rabbi Naftalis ausgeschaltetumgeändert oder in neues Licht gerückt. So wie Rabbi. Naftali wiederum bei der Niederschrift seiner Entdeckungen oft den Rat Schottens und der anderen Gelehrten seines Kollegiums befcheidentlich einholte. Von den Dingen über unserem Begreifen sprachen sie mit Rabbi, Naftali nie, wagten nicht, daran zu rühren, wie man nicht wagen darf, in eines anderen Schatzkästchen zu greifen. (Fortsetzung folgt.) Aus der Geschichte der oskfriesischen Juden. Von 2os. Heymann in Frankfurt a. 21t. Nur wenige Einzelheiten sind bisher über die Geschichte der Juden Ostfrieslands bekannt. Ob das Fehlen von diesbezüglichen Nachrichten auf einen Mangel an historischem Sinn bei den Juden Ostfrieslands zurückzuführen ist, bleibt eine Frage, der Untersuchung wert. Von allgemeinem Interesse dürfte es daher fein, wenn es gelingt, die Archivquellen zu erschließen, um so zur Bereicherung der wenigen Abhandlungen, die über die Juden Ostfrieslands bisher erschienen sind, beizvtragen. Man darf es in unsren Kreisen besonders dankbar begrüßen — zumal in Zeiten des wogenden Antifemitismus wie heute — wenn ein Nichtjude zu jüdisch-historischen Fragen Stellung nimmt. Der jetzige Bürgermeister von Aurich, Herr Dr. K. Anklam, eine besonders Menschen- und judenfreundliche Persönlichkeit, hat es unternommen, in seiner Abhandlung „Die Judengemeinde in Aurich", Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M., IS S., die geschichtliche Entwicklung der Judengemeinde in Aurich, unter Berücksichtigung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse, seit ihren ersten Anfängen bis zur Gegenwart zu geben. Mit einer seltenen Liebe und Anhänglichkeit zum Gegenstand, wie es nur ein Judenfreund vermag, entledigt Anklam sich der gestellten Aufgabe. Unter Benutzung der vorliegenden Quellen des Staatsarchivs,Aurich gibt der Verfasser unter Berücksichtigung der Gesamtgeschichte des Landes, dessen Hauptstadt Aurich von altersher ist, die erste zusammenhängende und in großen Strichen zusammenfassende Darstellung der Geschichte der Juden in Aurich, in der ihm eigenen schlichten Art. Wenn sich auch alles um die Judengemeinde Aurich kristallisiert, so versteht es der Verfasser denoch, von Zeit zu Zeit interessante Seiten-r blicke auf die Geschichte der Juden Ostfrieslands überhaupt zu werfen. Daß schon im 14. Jahrhundert der Regent Ostfrieslands italienische Juden erstmals zur Belebung des Handels nach Aurich kommen ließ, bleibt wohl eine Legende, die durch Urkunden nicht zu belegen ist. Jedenfalls ist aber aus der Gesetzgebung Edzard I., der im ostfriesischen Landrecht schon 1515 Mischehen mit Juden verbot, klar zu erkennen, daß damals bereits Juden im Lande waren. Und zwar sind es vornehmlich italienische, spanische und portugiesische Juden, die, wenn auch erst' einige Zeit später, aus Italien über Amsterdam sich in Ostfriesland ansiedeln. Wenn es dafür der Belege bedarf, so sind dies nicht nur die Familiennamen wie z. B. von der Walde (spanisch silveira; van Dyk, Holland), sondern auch der Minhag Venezia, der heute noch in Aurich gilt. Auch sollen die Judentypen Italiens heute noch eine auffallende Aehnlichkeit mit denjenigen Ostfrieslands haben. Wie in manch anderen Gemeinden, so schloß sich auch die Judensiedlung in Aurich der Privilegierung eines einzelnen Juden als Hofjuden an. Die älteste im ^Staats-, archio von Aurich vorhandene Urkunde ist aus dem Jahre 1592, von Graf Edzard H. ausgestellt. In chronologischer- Aneinanderreihung erläutert der Verfasser die Judenschutzbriefe oder Generalprivilegien, auch sogen. Geleitsbriefe, die alle von den ostfriesischen Fürsten für die in den verschiedenen Bezirken des Landes mit Namen bezeichneten Juden ausgefertigt wurden. So gibt er den Inhalt der Judenschutzbriese (Generalprivilegien) wieder und zeigt, daß. die regelmäßige Befristung dieser Schutzbriefe mit dem Zweckgedanken der wirtschaftlichen Nutzbarmachung des Judenregals ihren klaren Sinn empfängt.' Bemerkenswert ist es, daß von Anfang des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine Familie das unbedingte Vertrauen des Fürsten genießt. "Es ist die Familie des Hofjuden Aaron Abraham Beer. Diese Familie vereinigt viele, viele Generationen hindurch die Funktionen eines Hofjuden, Parnaß, Rabbi und Richter. Unbegrenztes Vertrauen schenkte der Fürst diesem Hofjuden, seine Vermittlung in Darlehnssachen wird als eine besonders lobenswerte bezeichnet, auch zu besonders vertraulichen Verhandlungen nahm mam gerne Glieder dieser Familie in Anspruch. Als 1710 Beschwerden der Krämergilden gegen den. Hofjuden Ahron Abraham Beer eingehen, weist der Fürst jedesmal die Beschwerdeführer ab. Das Argument, welches in feiner.Angelegenheit Beer oorträgt, nämlich, „daß in Ostfriesland die mit Geleit versehenen Juden und in specie in dieser Stadt Aurich in unvordenklicher Possession des freien Handels und Wandels sich jederzeit befunden haben," erwies sich also als durchschlagend.. Aus einem Schutzbrief des Jahres 1740, der dem Hoffaktor Levi Beer, einem Urahnen, meiner, väterlichen Familie, von dem damaligen Fürsten Ostfrieslands, Carl Edzard, ausgestellt worden ist, geht hervor, daß Vser den ehrenden Auftrag erhielt, nach der Stadt Amsterdam zu reifen, um von dort einen Kasten Silbergeschirr nach Aurich zu bringen. Diese Ergänzung aus unsrer Familienchronik dürfte einen weiteren Beweis erbringen für das unbegrenzte Vertrauen, das man fürstlicherseits dieser jüdischen Familie schenkte und das diese Familie auch in ihrem ganzen Ausmaße, zu würdigen wußte. Der Verfasser versteht es, mit besonderem Geschick die rechtlichen und sozialen Beziehungen der Juden, wie sie sich in den ihm vorgelegenen Dokumenten widerspiegeln, in ihrem inneren Zusammenhang zu beleuchte^ um dann auf die Entwicklung der Eidesformel kurz einzugehen. Von zwei Taufen, hören wir, u. a. von der eines „Rosche" Solomons. Auch seit dem Erlöschen des ostftiesifchen Fürstenhauses 1744 und dem Beginn der preußischen Entwicklung änderte sich grundsätzlich wenig. Es gibt „geleitete Juden" und nicht speziell privilegierte Juden. Eine merkwürdige Tatsache, die sich nicht recht motivieren läßt, ist diejenige, daß die Juden in Aurich bis 1764 ihre Toten in Norden beisetzen mußten. Auch das Edikt Josef II. von 1781 änderte nichts am Schicksal-der Juden, im Gegenteil, selbst die erweiterten Betätigungsmöglichkeiten im Handwerk blieben ihnen verschlossen.' Interessant ist es, wie der Verfasser eine angeblich in Aurich vorgekommene Ritualmordqeschichte auf ihren Ursprung hin verfolgt und nachweist, wie sich ihre ganze Entstehung nur aus der mißverstandenen Passahgeschichte herleitet. Der Verfasser zeigt, daß die Juden ebenso vaterländisch gesinnt sind, wie die andren Bürger, wie sie trotz aller Fortschritte ihrer Rechtslage die Fremdherrschaft Napoleons drückend empfanden und sich im Freiheitskriege gegen das Joch Napoleons dank ihrer vaterländischen Gesinnung auflehnten, wie ein Jahrhundert später im Weltkriege 13 Juden der Gemeinde Aurich den Tod für das Vaterland erlitten. Das wissen auch die Behörden zu würdigen. In dem Herzen der jüdischen Gemeinde zu Aurich pulsiert noch frisches, gesundes Blut, denn sie hält an den Ueberlieferungen ihrer Väter treu fest, und die Vorstände der Gemeinde haben seit Jahrhunderten ihre ganze Kraft der Gemeinde nur „lischmoh" zur Verfügung gestellt. Dieser gesunden inneren Entwicklung. entspricht es, daß der äußere Verlaus der Geschichte der Juden in Aurich in der neueren Zeit sichtlich kein besonders bewegter ist und so schließt der Herr Bürgermeister seine Geschichte mit den von Herzen kommenden Worten: „Die hiesige jüdische Gemeinde verbindet ein festes Band unter sich, und treues Festhalten an ihren religiösen Gewohnheiten, ihre innere Beständigkeit wird, wie sie das bisherige Gemeindeleben in sicheren Bahnen verlaufen ließ, auch ihre Zukunft verbürgen." Nur wer das Büchlein selbst zur Hand nimmt, wird zu. würdigen verstehen, was der Verfasser geleistet, hat. Möge es recht viele Leser finden, mögen aber auch andere Bürgermeister und sonstige Behörden sich diese ihre Juden ehrende Tat zum Vorbild nehmen. Wochenkalender. v. 7. 14. Jan. 1928 - e. 14. — 21. Tebeth 6688. Samstag 7 14 'N'l Sonntag 8 15 Montag Jan. 9 16 Dienstag 10 rau. 17 Mittwoch 11 18 vonnerstag 12 19 Freitag 13 20 Samstag 14 21 rnaer Briefkasten. B. S. in A. Wir raten Ihnen, sich mit Ihren vier halachifchen Fragen an das Rabbinat Ihrer Gemeinde zu wenden. Eine Redaktion ist keine rabvinische Instanz zur Entscheidung religiöser Fragen. Z. in L. Wir können nur solche Sammelgelder ausweisen. die durch Uns ihrem Zwecke zugeführt wurden. t E. D. K. Der 19. Mai 1846 entspricht dem 23. Iiar 5606. ' 31, Nach altem Brauch 30 Tage vor Pessach. l. L. P. Warschau. 1. Ist uns nicht bekannt. 2. Wenden Sie sich an die bekannten hieig.m jüdischen Buchhandlungen. M. K. in Fr. Es ist uns bis jetzt nichts Näheres über die Ausstellung bekannt geworden. Familienvachrichten. . B armi zw o: Simon, Sohn des Herrn Max Neuberger. Berlin. Elsässerstr. 24. msa *ia ,riiM 's- Ainderecke. KammrAsel. Don Kans Adam. ^Die Buchstaben A A A A A A A B D C E F HII L M M N N O P PR S SST ll sind so in die Felder einzuotdnen, daß Wörter folgender Bedeutung entstehen. Senkrecht: 1. Religiöses Lied. 2. Hoher Priester. 3. Hasen in Palästina. 4. Monat. 5. Sohn von Ahron. Die oberste wagerechte Reihe nennt die Bezeichnung für die Verkünder der göttlichen Lehre. Annoncen-Büro Julius Schmidt Frankfurt a. M-, Langestr. 7 Telefon Hansa 4641 Postscheck-Konto Frankfurt am Main 142 353 Einzige Inseraten -Annahme für Frankfurter Geschäftsinserate des „ISRAELIT“ Ausserdem Annahme von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter zu Originalpreiseh APARTE BELEUCHTUNGSKÖRPER r*« 72 90 firmen nja,- 'UCHTJ.KRPIFT-ANLAGEN Verantwortlich für den allgemeinen Teil und, dar Feuilleton S. Sich ach «owttz» Frankfurt a. M.; Inserate t; B>: S-Schach» nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Vellage: Lehrer L. tkaufmaNn in Sprendlingen (Sr. Offenbach). — Verlag .Israelit", Tr«.b.H., FranNurta. M. — DruckHermou Verlag»» Mtiengefellschäft, Frankfurt a. M.