Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1927-12-22 · Heft 51 (22.12.1927) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 51 (22.12.1927)
Date
1927-12-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2450442-2450493--74561-2532041
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seire 14 Nr \V\ Ö D e r I s r a elit 22. Dezember 182? Haustüre. „Es ist Jungfer Elsbe, Tochter von Rabbi Schotten oder gar schon Eheweib, weiß es nicht, sie haben mich nicht zur Hochzeit geladen", klärte dey ankere, es war Dayjd GsüllW, Mkll Gönner Johann Jakob Schudt, auf. „Ja, Eheweib schon." Schudt konnte es bestätigen, war ja bei Ahron Oppenheim dabei gewesen. Er hatte sie jetzt auf den ersten Blick nicht mie-ber erkannt.- (Fortsetzung folgt.) Jbn Esra. Dss MMrt? KHz. Mit sanften, purpurnen Farben war der Abend aufgeglüht. Es war einer jener weich fliehenden Abende, die den Menschen mit Traum und machsenber Aehnsuchi ersüsien. Dehuba Halevi ging in seinem Zimmer auf und ab und formte ein Gedicht, Die Wände rauschten, alles im Raum sprach, auch das Herz des Dichters sprach; Worte sprangen, ^üpsten, tankten, surrten in seinem Innere einen Reigentanz auf. Jeden Augenblick fetzte sich Jehuda Halevi an den Tisch und aus seiner Feder sickerten Worte aufs Papier. Aber kaum hatte er das Gedicht zu Ende geformt. Da ging Die Xiir des Gemaches auf and des Dichters Frau trat ein. „Störe ich dich?" — fragte sie. „Was willst du Mir sagen?" warf Halevi sinnend und träumend hin. Äte ®düin öes Dichiers iauctrfe ihren 93(icf in die Augen des Mannes und fragte: „Ist Baruch aus Toledo .noch hier?" „Nein, er ist heute westergefahren." „Haft du mit ihm wegen Mirjam gesprochen?" „New..." „Das dachte ich mir gleich. Ein Gedicht machen ist dir wichtiger, als deine einzige Tochter zu verheiraten," sprach die Frau vorwurfsvoll. „Du weißt hoch, haß es mein Wunsch ist, unsere Mirjam mit Jbn Esra zu verheiraten. Er ist aus unserer Familie, er ist ein Gelehrter und reich . . Man sagte mir, daß er sich auf L» Wsndsrschzst bssiud« — iü mW dich n«t etwas gedulden ..." „Gedulden, gedulden, das sagst du schon zwei Jahre lanig, indessen wird Mirjam nicht jünger. Sie rvird jetzt schon neunzehn — mein Vater verheiratete mich schon mit siebzehn Jahren . . . Uebrigens, du kennst doch Jbn Esra gar nicht von Angesicht zu Angesicht — vielleicht paßt er nicht zu unserer Tochter . . . Aber ich sage dir Wn hklltk.' öiöh nur Dich wird M MM treffen, wenn —-" „Aber was soll ich nun tun?", unetrbrach sie Halevi un<d hob ein wenig die Brauen. «Was dg tun sollflf Mx WgnSkMLNi vörüberziehenden Schüler, die m unserem Haufe geweilt, hast du weiterziehen lassen, ohne an deine -Tochter zu denken — und jetzt fragst du mich, was du tun sollst? ..." Jehuda Halevi erhob sich von seinem Stuhl und begann, im Zimmer unruhig umherzugehen. Seine Brauen zitterten und seine Nasenflügel zuckten. Und mit einer Stimme, Du m ClWgUttg dllkHbebi war, sprach er; „Ich tue ein Gelübde, daß ich nun den ersten Mann, der von heute ab unser Haus betritt, unserer Mirjam zum Mann gebe!" Dis Arsll Häleyrs erschauerie im ersten Augenblick. Sodann beruhigte sie sich aber; sie begann, sich in! Gedanken an den vernommenen Worten zu weiden und ihr Herz dehnte sich vor Freude und Hoffnung. Durch ihre Vorstellungen gingen ohne Unterlaß verschiedene Bilder, und ihre Gedanken umkreisten die Gestalt eines Unbekannten, der bald erscheinen! würde. Es vergingen wenige Tage, da erschien int Häüse Halevis rin Wanderer. Er trug abgetragene Kleider, geflickte und ganz abgetragene Schuhe. Die Frau Halevis erschrak und das Blut wich aus ihrem Gesicht, als sie der fremden Erscheinung ansichtig wurde.. Denn sie dachte des Eklüddes, das ihr Mann getan hatte, den ersten Taft, der sein Haus betreten würde, für seine Tochter zu wählen. Doch beruhigte sie sich bald und sagte sich, das Aeußere sei beim Menschen nicht die Hauptsache, sicherlich sei der Fremde ein grvM TklkkMl. Tik M den Fremden nWp treten und bewillkommttete ihn. Als bald darauf Halevi von einem Patienten Zurückgekommen war und den Fremden in feinem Haufe fand, begrüßte er ihn und begann, sich mit dem Gast zu unterhalten. Er spann ihn in ein Gespräch Über Talmud und Philosophie Sin, versuchte, rytt Fragen ihm Ansichten und Worte zu entlocken — aber vergeblich. Aus den Lippen des Fremden sprach weder Wissen noch Gelehr- (ämtäii. nocß SBeisijeik £)aieot rltfjiete Tiioci) andere Fragen an den Unbekannten, aber dieser runzelte die Stirn, als könnte er den Sinn der Worte Halevis nicht begreifen; enthielt .sich jeder Äeußerung, Die auf SSifjert beuten tonnte. Die Frau Halevis, die der Unterhaltung beigewohnt, zuckte auf, als sie die unwissenden Antworten aus dem Munde des Fremden hörte und ihr Gesicht bekam den Ausdrucks als sei' sie vom Blitz getroffom Jehuda Halevi unternahm es nun,« den Fremden zu unterrichten und ihn in der Lehre zu unterweisen. Tag für Tag widmete er dem Schülök einige EtunDen tmD Uttbök-ätttt^ tat so, als ob er ungelehrt sei und lernte nun jetzt mit Eifer./ Mittlerweile entstand nun -eine geheime Liebe zwischen dem Fremden und der Tochter Halevis. . Gleich am ersten Ta^e w ber Unbekannte von der Schönheit und Klugheit des jungen Mädchens getroffen und gefangen, und sein Herz entfaltete sich. Auch das -junge Mädchen fühlte jedesmal eine neue Welle von Zuneigung zu Diesem Fremden in sich auffteioen, Dstttt es wäf von Ahnungen erfüllt, baß dieser Unbekannte ein großer Mann sei und nur vorläufig sein wahres Wesen verstelle. Die Frau Halevis ging mit einem dumps^g GesüHf hxs Neue einher, ihr Blick war feucht von unterdrückten Tränen und ihre Seele von banger Unruhe erfüllt. Noch mehr betrübte es sie, wenn sie beobachtete, wie ihre Tochter dem Unwissenden immer besser leiben mochte. Ihre Züge verernsteten sich noch mehr, als sie eines Tages selbst Zeugin davon wurde, wie sich ihre junge Tochter vor dem Fremden auf den unentweihten Mund küssen ließ. GMM sie dvH immer, öosi ihre Tochter sich einen Gelehrten zum Manne wünsche. War sie nicht immer von der Unnahbarkeit ihres Wesens überzeugt? Ihre einzige Tochter, die allen Männern gegenüber von kühler Zurückge- Mmhöit umschlossm ülisb, Dkg bis nun eine Sphäre von Unnahbarkeit umgab — hatte sie sich so gewandelt? Einmal belauschte die Frau ein Gespräch zwischen ihrer Töchter? tmD Dem gtemDin. „Gestern erschien mir im Lehrhaus ein Geist, der mir heimlich versiegelte Botschaft brachte," erzählte der Fremde. „Von wem?" fragte bas Mädchen. „Von dir!" „Von mir . . .? Was kündete dir die Botschaft?" „Sie fünöQte mir. Daß Du mein Weib wirst." „Und was war dann?" „Dann? Dann! sah ich dich neben mir, wir standen Antlitz in Antlitz. Herz -an Herz, wir wawn nerton in einem Missen Trsum trunkener Küsse . . 7 Die Sterne hielten ihren Atem an . . . der Himmel lauschte ..." „Du sprichst wie ein Dichter." Als Die Frau Halevis Diese Zwiesprache vm nommen hatte, wurde sie noch unruhiger. War das alles Wirklichkeit oder ein Traum? Am nächsten! Tage geschah es, daß Halevi in feinem Qimmev aus und ab ging und ein Gydschs formte. Cr hatte schon einige Strophen niedergeschrieben, nur die letzte wollte ihm nicht gelingen. Indessen erschien seine Frau bei ihm und bat ihn zum Essen. Halevi mochte aber nicht efPv essen, bis der MxsjW «Sr. M Ms gingen Stunden — und der Vers war nach nicht geschrieben. Da schickte seine Frau den fremden. Schüler zu ihm, damit er ihn zum Essen bitte. Ald er bei ihm war, fragte der Schüler Wr: Was beschäftigt dich so sehr, Meister, daß du „Nichts," fagte Halevi und sein Gesicht barg einen spöttischen Ausdruck. „Sag es mir, Meister," drängte sein Schüler. Jehuda Halevi zeigte seinem Schüler das unö3Üälli!eie iiiii üin feine ßippen {plelie noch immer ein spöttisches Lächeln. Der Schüler aber nahm sofort die Feder, besserte einige Stellen am Gedicht aus und schrieb den letzten DerZ Dazu. W HlllWi sein WDicht bsenDet sah, blieb er starr stehen vor Erstaunen. „Dichtest du auch?" fragte er seinen Schüler voller Neugier. S« Schul« wich Äer seE Frage aus und bat seinen Lehrer zum. Essen. „Dichtest du auch?", fragte später nochmals Halevi, als sie alle an der Tafel beisammensaßen. Der Wüter gvg kill Pktzikr aus feiner Lasche und zeigte es Halevi. Dieser las ein Gedicht, verfaßt von Jbn Esra. „Bist du Jbn Esra???" „Ja . Grenzenlose Ueberraschung hüllte Halevi und seine Frau ein. Noch am gleichen Abend verlobte Jehuda Halevi seine einzige Tochter mit Jbn Esra und schenkte ihm sein ganzes Vermögen. A nnoncon-Büro Julius Schmidt Frankfurt a. M., Langoslr. 7 Telefon Hansa 4641 Postscheck-Konto Frankfurt am Main 142353 Einzige Inseraten -Annahme für Frankfurter Geschäfisinserate des - „IS RA EL IT “ Ausserdem Annahme ven Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochen« u. Fachbläffer zh Originaipreisen M.75.- mtit&Avmen UQHTuKRftFT-ßNLAGEN Das Restaurant PlaLt in Nürnberg hat anerkannt erstklassige K Ü-NMM SSAeM MD FefliMeMn in allen Ausführungen. Brrcmtwortlich für den allgemeine« Teil and das jtorilletOK S. Schach aowttz, Fraurfurt a. M.; Inserate i. B.r S. Schach» nanib; ebenda. — Für .bie öäbaaoatf&e Beilagei- Lehrte S. RaaiHiiin ta SmablLW Mit 8MDM: - mrillg ■3srasra"i «.Md'S', Stomnurt LÄ, - Drua sermo» smao«* «ngesMchaft. Srmüfnrt a.«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.