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Der Israelit · 1927-12-15 · Heft 50 (15.12.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 50 (15.12.1927)
Date
1927-12-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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vr.ro IM Hin Hhetto.Woman von S. Schachnowitz. (Fortsetzung.) Im Nebengemache, wo Nathan, der Sohn SkZ DosWkN, WWkN SSögWMkN ZZÜchkkregalen seinen Bereich hatte, koste ElLbs den jÜNf gen Gemahl, mit den lachenden Äugen nur. „Die Hochzeitsfeierlichkeiten gehen mit dem heutigen Abend zu Ende, wir werdest nun, Geliebter^ uns^ ans allein gehören!" Arie Löb sah schweigend, etwas finster nach dem verhängten Fenster. „Du schweigst? Ist Dir etwas nicht recht?" .„Wir gehören uns, uns allein," sprach er gedäm^rft^ mit abgewaudtem Gesichts. „Aber noch fordert die Zeit ein kleines Opfer von uns. Ich werde heute n och, mit der Postkutsche, die nach Mitternacht über Hanau und Fulda'in östlicher Richtung fährt, abreisen müssen." Ms schwieg wie betäubt. Ihr GM Mg noch nicht recht begonnen und drohte, schon, abzubrechen. Weich, aber bestimmt, sprach er weiter: „Ich habe, wie Du weißt, eine Mission und mich, nich^ eher HUUU§ füllten, bis die erfüllt ist." , . . „Heute noch?" kam es aus ihrem Munde unter Tranen. .... „Es muß heute noch sein, Vater.weiß und tzMzt u, JSi ss? Taxispost ist fast eine ganze Woche später, und da ich mich noch in Berlin und anderen Gemeinden aufhalten muß, könnte inzwischen der Termm Mguskll M8 MkkkZ MN8 über Männer, die Israel in Not deigestandett haben." „Und mußt Du es sein, kann es kein anderer tun?" Etwas .Stolz - auf den jungen Gatten leuchtete aus dem Dunkel ihrer Körte. „Kein anderer, Geliebte. Die heilige Gemeinde Posen hat m i ch zu ihrem Gesandten gemacht. Wie könnte ich, wie könnten wir nur eine Wsnüle ünferes füöH VIÜ^W» [8(<?n§l nicht die frohe Botschaft und das erlösende Geld dorthin überbracht ist? Huch in anderen Gemeinden ist in der Sache noch mancherlei zu tun und $t8 V88MWN ]M in W, n B S f ^eberdies machte mich auch die heilige Gemeinde Frankfurt zu ihrem Sendboten. Ich trage den Berufungsbrief an Rabbi Naftoli Hakohen in der Tusche. Wie darf ich da noch zögern?" - ,Mle langes" Sie klimme brach kurz ah, um nicht unter Tränen zu ersticken. „Wenn alles gut geht und Gott mir Glück auf den Weg gibt, dann vielleicht, wenn der Mond zweimal seinen Kreislauf gernacht hat. ®tims° gffitn, Dann wrihm Mi'unstr neues Heim mit den Chanukahlichtern ein . . ." Elsbe schwieg. Akibas Weib hatte zwölf Jahre auf den Gatten gewartet und ihn dann für wettere zwölf Lahre in die Fremde geschickt. Wie oft hatte sie diese fromme Geschichte gehört und gelesen und doch nie geahnt, welche Kraft, welches Heldentum sich dahinter barg.- M VW hllttM sich Mit MöhMMvöl löntu stunde verzogen. Es blieben die dem Haufe Schotten Nächststehenden. Sie alle begleiteten Arie Löb vom Haufe des Hofjuden zum Osttore des Ghetto' hin. Me WWn ans geWassene önnminr: Verke, der rote Luchs, einer der Wächter, kam langsam, unwillig und verschlafest mit einer Laterne in der Hand.aus seinem Wachthäuschen heraus und gurgelte mürrisch, die Augen, die fei* MM Namen alle Me machten, kmrch klte schwam Nachthülle scharf auf die bewegliche Schar gerichtet: „Wer da in später Nacht und was bemtr Wie er aber Schotten und Oppenheim erkannte, erschrak er ein wenig und stotterte abgehackte Entschuldigungen. Es fei so spät und schärfer Befehl, und so finster, daß ' man die Hand vor den Äugen nicht sehe. Eine neue, bessere Laterne hätte der Vorstand längst bewilligen sollen. „ Schon gut. Lüzker," lobte Oppenheim, „bist An muss Wöchtsr und sin ganprMßfl.' Mit der neuen Laterne soll es auch werden. Nun, wachs Tor auf". ,; „Gleich, rasch, schon gehe ich," überstürzte sich der röte .Luchs, „werde gleich Menke Wach h o tüii mellen, er Nt tlle Schlüssel zu Kochen!" .Berte, der rote.Luchs, hatte bei. der Veschneidung in der polnischen Stadt Luzk vor vierzig oder sechzig Jahren — seiner verwitterten Gestalt und seinem rotgrauen Bart war. das Alter auf Wsngjg Dschk nicht sngWhrn “ ^n ÄfinR Namen Dowber Grpnem erhalten. Wie er von Luzk nach Frankfurt verschlagen, wurde, wußte er selber nicht mehr. Er hieß hier eine Zeickäng Luzk oder der Lüzker Als er . es aber bis Zum Amte eines Tkrellolorwachlers brachle» machte der Ghettowitz aus dem Luzk einest Luchs, nicht allein m Anpassung an seine Späheraufgabe, auch wegen der zwei scharfen verschiedenen Äeuglein, die in diesew rotumhaarten Gesichts faßen, , von benenn bas eine immer lachte, wenn das andere traurig und weinerlich vor sich hinsah. Es sah auch immer so aus, als würde das linke traurige Auge wütend zum rechten, lachenden Hinübsrschielsn. Rothaarig und rötbärtig war er auch noch, das paßte gerade. 8nd so würbe aus Verke Luzk der rote Luchs. Aber auch seinem Kollegen und Oberwächter, Menke Wachholder, einem kräftigen, robusten nnb Minien MnWst mar in feiner fmfißßn Heimat dieser xvohlduftende Name nicht in die Wiege gegeben. Seine Familie stammte von Wachenhausen und hatte sich seit undenklichen Seiten so genannt. Aber WcrchholdeH so sand die Gasse, klang schöner und der Würde seines erhöhten Postens eher angepaßt. Aber Menke Wachholder war jetzt weder wach noch hold. Er schnarchte auf seiner fPnlftfje wie eine ganze 8ägemn^Ie ünb brülüe, da ihn Luchs unsanft wachrüttelte: „Was gibts, wo brennts, du Eselskopf, du Bastard von einer sauren Weichselkirsche, du MllMHlW mST WW Mtr Nr8kl8slknki Lump, daß nachts kein Tor geöffnet wird, und wenn sie alle zerplatzen, nicht aufgemacht, sag ich, und wenn der Kaiser selbst kommt!-.—" „Aber Ahron Oppenheim, der Hofjud", schrie ber rote 8uchs fchrlü mitten Ins wüste paustnlvst Geschimpfe hinein. „Der Hofjud?" — Wachholder rieb sich die Augen und sprang behende auf — „der Hofjud!" das ist was anderes. Warum sagst uiHt gleich, vu lvusrusr Golem, baß es der DvfM U7" Sogleich hörte man das Geklirre des Schlüsselbundes. Wachholder schlug fast wie ein Soldat die Hacken zusammen und stand stramm: , „Nicht für ungut, und mit gütigem Verlaub! Es treibt sich da in letzter Zeit allerhand Gesindel nachts und Sonntags vor dem Tore herum, gröhlen und johlen etwas von der Stättigkeit, die sjß ZeMjßen wüllmr und fiiß üuöenleißer mit: Ein Konstabler war vom Magistrat hergeschickt» wir sollen scharf üufpassen und nach zehn nachts die Tore geschloffen halten, daß keine Katze durchschlüpft, wenns nicht anders bald am Galgen nach Wnchhalksr ratfjm unD Mt rate LnW dicht daneben baumeln soll, , daß die Stadt und Gaffe hüben und drüben ihre Helle Freude hätten! Ja, so hat er gesagt, bei meiner Ehr!" „Schon gut," unterbrach Oppenheim den Slhwall Mi dnifömfötaunasmorte. „Nun macht auf und bleibt eine Weile innen auf dem Posten, bis wir zurückkommen; wenn die Wagen abgefahren linD. m fann eine kleine halvs Mnnlle dauern." Die Schlüssel drehten sich schwer im Schlosse. Durch den schmalen Spalt schoben sich die paar Männer mit Elsbe hinaus. Dis Türen fielen hinter ihnen hart ins Schloß. Gleich hinten neben dem Gasthof „Zur großen Kanne" standen wohlbespannt und mit Leinwandzelten überdeckt, die drei Kutschen der lampoft mtßmilß in Mt Mrillßn Mcht dnrch die drei matten Lichtkügelchen, die in genau gleichen Abständen geisterten. Viele Menschen bewegten sich im Dunkel vor den Wagen, die Gepäcks verstauten, Plätze belegten und sich Worte Des WMvkZ znriefeii: Drei Konflalllkr m Frackuniform, mit- Bändern und Schnüren und gelbem Riemenzeug, den Topfhelm wie sturmbereit um das- Kinn gebunden, Gewehr überschultert, gingen gemessenen Schrittes hin und her M ümtmstkn M knlttn flfiöjgütfigfrB diensttuender Menschen die Wagen. Die Lichtslämmchen ihrer Brustlaternen funkelten in der Nacht wie bewegliche Irrlichter. Ihrer einer mit Tornister auf dem Rücken nahm als letzter Platz Im hlnlerflen Wagen» bie anberen zwei fehlen ihre Runde fort. —- Ahron Oppenheim, erfahren und viel gereist, gab Arie Löb einige gute Ratschläge für die weite Fahrt und nad) einige Empfehlungen dahin und dorthin. Rabbi Schmuel Schotten Hakohen umarmte den Schwiegersohn und Schüler, dann schloß er die Augen und breitete die Hände über feinen Kopf, und indem er Wort für Wort, den P r i e st e r s e g e n halblaut sprach, dachte er an i {< > ooa : . ii« •St,' » : » li ii die sechzig Worte dieser Segenssormel, die die „sechzig Helden" waren am Bette Salomos, von den „Helden Israels, alle fchwertumgürtet, kriegsgeübt, jedermann das Schwert an der Mtür nm Die Asngsts öer Nach! jn Wnchsn.." Alle Reisenden, zumeist Nichtjuden, auch die bereits ihre Plätze in den Kutschen innehatten, standen im Dunkel der Nacht und hörten bedeckten ^ausites, mit gefalteten Händen auf die unverständlichen, segnenden Worte des Rabbi, nahmen sie als glückliches Omen auch für ihre Reise und das Gelingen ihres Unterfangens. Dann sahen Arie Löb und Elsbe am Zei^ernben Gkctjle bes fehlen Wägens {i<| eine Weile tief in die Llugen. Wie Kinder, die sich um die Wette gegenseitig zum Lachen bringen wollen! Sie verlor. Ihr umflortes Auge löste M ln flm iräntn; W nur k r Ml LW jrop konnte. Wie tief innerlich und unverwischlich für alle Zeiten kann doch ein Abschiednehmen sein, das, durch keinen Kuß und keinen Händedruck bekräftigt. Zwei Seelen so ineinander fließen läßt, daß jede der anderen einen Teil mit fab hinausnimmt... Drei mächtige Peitschenknalle durchschnitten die herbstfrische Nachtluft. Ein kalter, dünner Regen f^»rü^te vom Blei^immel ^erab. Drei Wagen MIM stry zuglöiry ln Döwögung. „Cs segne dich der Herr! . . betete ihnen Rabbi Schmuel nach. Die Begleiter machten jidj nun auf den Rückweg zur Gasse. Rabbi Scymuel führte Elsbe an der Hand und seinen linken Arm hatte Nathan, der Sohn Oppenheims, daß er sich sicheren Schrittes durch die Dunkelheit finden konnte. Djz ZWzj Drsllzg tzrv öfftMichm Gmsft stsnZsü noch da, als warteten sie auf etwas. Ahron Oppenheim trat ihnen näher, sie standen stramm, wie vor einem Vorgesetzten. Er zwinkerte ihnen zu und es ging. im Dunkel etwas von Hand zu HW. Ms läHsttm ößfrißöiöt .imö blißhW an ihrer Stelle. Sie wußten Bescheid . . . (Fortsetzung folgt.) "vi

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