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Der Israelit · 1927-11-24 · Heft 47 (24.11.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 47 (24.11.1927)
Date
1927-11-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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iüi WM; «Bar \o° ', .8 ff an die jüdislhe 6W8WM. Der „ W i r t s cha f t s b e i h il s e " gewidmet. Sage mir noch einmal einer dreist: Du stolprtaft Mir in WM, ladttst nur den Gaumen. erhitztest dich nur für Sport und schwelgtest nur beim Tanz, liebe Oesfentlichkeit! Nein und dreimal nein! Das ist alles nur Mantille, Umhang, Dekoration! Und drunter schlägt und guckt hervor ein warmes, braves, goldenes, jüdisches Herz, das niemals derer vergiß, öie nicht lll PölPll stolzieren, sondern in Lumpen frieren, Die nicht den Gaumen laben, sondern vor Hunger zusammenzubrechen drohen. Die nicht dem Sport zusondern fickvor Qebenssorgen schlaflos auf dem Lager wälzen. Die nicht am 8azz ökgötzen, sondern dem Lallen und Stöhnen ihrer Kinder weinend lauschen. Ach, liebe, gute jüdische Oesfentlichkeit, wenn du wüßtest, was sich da tut! bas kann ich zu deiner Ehre nicht annehinett, -aß du es wüßtest und nur so tatest, ä(^ ob du es nicht weißt. Dazu bist du viel zu weich und edel, liebe Oesfentlichkeit! Brauch' ichs denn wirklich dir zu erzählen, wie Leute, die in Samt und Seide prangten, sorglos und seelenvergnügt in den Tag hinein lebim, durch döst 5[öÖf8inB lichen Gedeihens, die Inflation, verarmt sind? Wie der Mittelstand verelendet ist? Wie Geschäfte abbröckeln, die man für die Ewigkeit gegründet wähnte? Wie sich mein,, dein, unser aller Herz zusämmsnkkampsst wmn wir die Rot ö?n S?uteTT aus den bleichen, verhärmten Gesichtern starren sehen, Leuten, die ihren Stolz, ihre Würde immerdar darein gesetzt haben, nur vom Spender alles Guten und allen Glücks, alles Lebens und aller Leden-MMllttg ZU öttlpslllWn? ÜNV öik sich nun doch überwinden müssen, von Menschen zu empfangen? Freilich, Menschen sind ja, recht betrachtet, nur Mittler, sind ja nur Beauftragte des Herrn. Auch ihr Geld und Gut ist ja nur geliehenes^ nur anvertrautes Gut. für dessen Verwendung sie dermaleinst ern{{ \mb feierlich Rechenschaft werden ablegen müssen. Denn „der Reichtum und die Ehre sind Sein!" Und doch gehört unendlich zarte Beseeltheit, ungemein viel &0D, MrsiWjH viel feine Klugheit, Umsicht und Ueberficht dazu, UM diese Mittlers chast sanft unruhig auszuüben, um dieser schweren Verantwortung so ledig zu werden, daß man, wenn die Stunde der Rechenschaftslegung gekommen ist, jagen kann: Ich habe ganz in deinem Sinne. mein Schöpfer und Meister, vsnvanöt, wsmit Du mich begnadet hast. Ich werde sentimental, liebe Oesfentlichkeit, sentimentaler vielleicht, als dir lieb und angenehm ist. Aber der Gedanke, daß es etwa noch manche Muts unter Dir aeßen könnt?, die ihre Hand schließen, wenn tnaft sie lsrfs, frßimDIiö), dimglich bittet, sie um Gottes willen um seiner Geschöpfe willen, um ihres eigenen edelsten Selbst und ihrer Zukunft willen zu öffnen, schreckt mich. Sieh, siebe OssftMjchkslt. und zum Ruhme deiner guten, und liebreichen Allgemeinheit und zum Wöhle deiner kleinen, seelisch noch unentwickelten und ungereiften Besonderheiten möchte!lh dir heute ein? HM vortragen, eine ganz kleine, schüchterne Md doch ganz große und kühne i Bitte. Und bevor ich sie zaghaft und doch mit vernehmlich hallender Stimme auszusprechen W»gr, möchtö ich Sich sin wenig lclliWimii isfien an einer auch ganz kleinen und doch ganz großen Freude, die mir jüngst wurde. Ich wurde empfangen von einer ungekrönten Königin, ihrem Generalf eldzeugmeister und ihren Stabsoffizieren, in diesem AaÄe Äamen. b e i h i l f e heißt das Reich, das sie beherrschen und befehligen, Herzensadel ist ihre Losung und Menschenfürsorge ihr Panier. Klare Erkenntnis der sozialen Notwendigkeiten und kräftiger Taihnon gore® zu wkrvrw p««rk sich >" ihnen und ihrem Reich vortrefflich. Die Herrscherin sitzt nicht stolz und abweisend aus ihrem Thron, ihr Generalstab zieht sich nicht undurchdringlich und undurchsichtig in seine Gemächer zurück. New, slS lStzöN Mb löWßlt MtiT TtMßM und mit Menschen, sie studieren ihre Nöte, fühlen ihre Nöte mit und schassen unermüdlich mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kräfte, um sie zu stillen? Verwegenes Wort! Sagen wir lieber: sie zu lin-!>crn. Den,, zum Eiillsn vor mannigsMen Wik gehör! viel, viel mehr Geld, als man ihnen spendet. Nach diesem lyrischen Erguß, zu dem mich unwillkürlich die Hoheit des Strebens der Regentschaft des ausgedehnten und fruchtbaren Reiber WMHrSnhilso unv Die swU Erfüllkheit und Bewußtheit ihrer seelischen Teilnahme an diesem Werke reichster Menschenliebe gedrängt haben, will ich dir, liebe Oesfentlichkeit, erzählen, was ich an positiven Leistungen gesehen habe. Klassifizieren min ad 1: In den Gewölben von LebettSMittelgroßhändlern lagern jahraus, jahrein ungezählte Zentner Mehl, Gries, Zucker, Nudeln, Fett, Reis, Kakao. Seife ufw. . Ungezählte — VergechiW, te stMlltt ntfjt. Sie sind gezählt, gemessen, gewogen, verbucht. (Der Generalfeldzeugmeister führt zugleich Bücher wie der Direktor einer Treuhandgesellschast.) Von ihnen werden in kwöchigen Abständen ununterörnlsirn nlkhrks? hundert. Familien beteilt. soweit möglich gegen Erstattung der beim Engrosemkauf ja nicht beträchtlichen Selbstkosten, sonst anderweitig. Man müßte schon den Blick des Prüfers von t)m unö Nieren Men, h?pM? m<m bie Würdigkeit der Petenten genau kennen. Und man weiß doch andererseits, daß man mit Hekdesch-Geld, mit heiligem Geld, vorsichtig umgehen muß. Man bittet also die verschiedenen Frankfurter Vereine, in MMr?n Femen au^ Privatpersonen, für die Würdigkeit zu bürgen und überantwortet ihnen zur Weiterbeförderung die Lebensmittel-Gutscheine, für die die Waren bei dem ausgedehnten Filialnetz des Großhändlers in beliebiger Niederlassung abgeholt werden köni-t- Auch ein Dispositionsfonds ist da, kein kaiserlicher Dispositionsfonds wie in Vorkriegszeiten, und doch ein kaiserlicher Waren-Dispositionsfond für eilige, plötzliche Fälle. ad 2. Die Herren Ledergroßhändter?), Z werden gebeten, Häute engros zu möglichst billigen Preisen (Nullen ohne Zahlenbeifügung dürften nach meiner unmaßgeblichen Meinung am oorieilhäftöstA» still) abMöbsn. Von weit und breit strömen die Leute mit reparaturbedürftigem Schuhwerk, mit dessen Herstellung fünf jüdische Schuhmacher beschäftigt werden. Gegen Erstattung der dlößen ÄÄEßr kosten werden die Schuhe wieder ausgehändigt. ad 3. Der Winter naht (momentan wieder. Er macht sich schon etwas mausig, meinst du nicht?) UJW Dringt BBsrlti Beschwerden und Bedürfnisse. Wir empfinden es weder liebensnoch lobenswert, wenn wir frieren müssen, wenn wir, zu deutsch gesagt, kein Geld für Brennstoff haben. Du weißt ja, liebe jüdische Oesfentlichkeit, warum man am Schabbos andeuten darf, daß man friert, um auf diese Weist (rehägtich? Mvittß in seine Behausung durch einen Nichtjuden bringen zu können. Weib „alle krank werden können durch die Agfte". Willst du es nun auf, dem Gewissen haben, meint die Wirischastsbeihstfe, daß die Lellts krank und arbeitsunfähig werden? Gewiß nicht! Also: große Kohlenaktion! (Sie ist eben wieder schreiend, aber noch nicht „brennend" aktuell.) Bei das |fewer gemütlich bxodelt. der soll schleunigst sein Silber-Goldstück ober seinen NeichsdällEschein hergeben, um auch bei anderen das Feuer brodeln zu machen. ad. 4. Zum Feuer gehört ein Ofen. Also: tu Geld in deinen Beutel. Nein, in den Beutel der Wirtschaftsöechstst» dattist stö SchstMlllllW öfchen oder Spärherdchen kaufen kann. Hast du aber überflüssig^ Oefen — her damit! ad: 5. Schiffmannsöfchen und Sparherde haben doppelte Funktion. Sie wärmen äußerlich, mttm Abm auch innerlich warmen- Lurch das, was in ihnen kocht. Nun weißt du ja, liebe Oesfentlichkeit, genau, wie ausgezeichnet vorteilhaft es ist, wenn man Reis, Nudeln, Kakao im Ofen kocht oder backt. Allein allzu üppig kanns (rei den pstlett HilstsUchMöll NW Damit VksttK sein,, genug, wenns für das Notdürftigste reicht. Und der Nimmersatt Magen verlangt gebieterisch die würzige, köstliche, liebliche, wohlschmekkende und vor allen Dingen ihn füllende Erdfrucht genannt Kartoffel. Meinst du, liebe ÖessentsichEeit, däö schulst nur meinem beschränkten Verstand so? Rein, dem erleuchteten Verstand der Wirtschaftsbeihilfe erst recht, und mein unbeholfener Mund klllkt Mif 'lilrz Spendet, spendet, spendet für die Beschastunä von Hunderten von Zentnern Kartoffeln! — Ich höre dich murren, liebe Oesfentlichkeit: jetzt wird mir es zu bunt und zu langweilig, was du alles erzählst, du ungebetener und anspruchsvoller Briefschreiber! Ungebeten — allerdings! Aber anspruchsvoll? Liebe deinen Nächsten wie dich selbst — kennst du das alte heilige Wort? Machst d u kerne Ansprüche auf Lebensmittel? (Sogar llöltz auf viel kostbarere als die W B ) Läufst h u gerne in zerNstenen Schuhen, vnrch Kälte und Nässe dringt? Hast d u ein besonderes Vergnügen daran, zu frieren? Munden d i r Kartoffeln nicht und fehlen sie dir nicht? Und du willst mich anspruchsvoll schelten? Wetz ha§ Herz voll ist, deß läuft der Mund über. Und mein Herz ist wirklich voll, wenn ich der Tausende von Hungernden, Gebrechlichen, Frierenden, Verhärmten Md Mutlofen gedenke.

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