Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1927)
- Date
- 1927-11-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 10 Nr. 47 L> pB.Liiii Tmyrrl% Noosmer 1827 Tiefe. Wer des Schwimmens unkundig ist, geh darin unter. Nur wenigen Auserlesenen und Be gnadeten war es geglückt. Es wage sich aber kei ner in den tiefen Schacht, der nicht alle klar in ihren AUWlltzM BOf URS lijpääH Jljittift Wege der Lehre erst genau kennt. Rabbi Naftoli Hakohen darf es, nach allem, was ich von ihm gehört und nachdem ich in seine Schriften geschaut habe f" P «H? ss M! M K«Ws Das Falsche hängt sich an die Rockschöße des Wah ren und Echten, und es-fällt dem Auge schwer Techeleth von Kräuterfarbe zu unterscheiden. Der Verführer von Smyrna ist mit seiner Abtrünnig- M\ und fßlDft mit [Qinöm Xoöe für Biels llötz nicht abgetan. Wiederum durchreisen falsche Pro pheten die Lande, um die Köpfe zu betören, die Menschen irrezuleiten und neues Unheil über Is rael zu bringen, bevor noch die alten Wunden PWt W, Aus ficr ä)ut muffen mir Pulk M wie damals! „Nun aber meine ich: Stehen zwei Heere sich im Kampfe gegenüber, so wird dasjenige siegen bftfi htl! tt G110 (h tt, i ß fi ö n SÖö((ön fcefiil uni fiS W BSftdK JU gebrauchen wech. Sie fom men mit der Kabbala, eine gefährliche Waffe, die nie ihre Wirkung versagt hat. W i r wissen aber mit dieser Waffe nicht recht umzugehen, da wir zu M, uuly in Der LW, mit Dom üinnfällipn des Tages verwoben sind. Kommt ein Mann, ein Führer im Kampfe, der diese Waffe wahrhaft besitzt und mit ihr besser umzugehen weiß, als sie und alle, so schlägt er sie mit ihrem eigesikn TSSkktk in W MW: nutz m Nicht ein noch aus wissen. Ein Mann, wie Rabbi Naftoli Hakohen muß kommen, um den Falschen die Maske vom Gesicht zu reißen und ihnen zu zeigen, wie weit das von wahrer Kabbala entfernt tjt, rnas jte^ um der Menfchen Augen zu blenden, Kabbala heißen, und wie falsch und widersinnig all ihre Deutungen sind, wie verbrecherisch und ketzerisch ihr Tun ist. . Es war alles so einleuchtend und so klar, daß die Stille, nachdem sich Rabbi Barhrach gesetzt hatte, von keinem Wwenvort gestört wurde. Aber es wurde eine richtige namentliche Ab stimmung vorgenommen. In der Rabbinerecke war alles mit der Wahl einverstanden, auch »£l WschkLrum uuö Lüsejch f Df mann. Vorsteher und Räte machten Vorbehalte und stimmten endlich bei. Auch auf der Seite der Gegner . “"'•I*aUt’(,Urnh gul?^rum sich einige in- * » ÄÄ zwischen belehren lassen und setzten fetzt auch - ö - - ■ ihre MMkli unter Dag insmiftften von Hirsch Soser angesertrgte Verusungsschreiben. Taub selbst sowie Fuld und Darmstadt blieben unerbittlich. _(Fortsetzung folgt.) Persönliche Erinnerungen an S. kohn Von Regina TMrsky in Tauben (Prag). fSjgn in Mkinkr KindklM zeigte iS einen Arten Yang zur Lekwre, der aber leicht zu stillen war, da mein Vater eine große jüdische Bibliothek hatte und auf zahlreiche jüdische Blätter abonniert war, deren belletristische Beilagen mir den liebsten Lesestoff boten. Das ist eben das Gute an den gutgeleiteten jüdischen Blättern, daß man sie jeöem Kinde in die S^ani) geben faniij Ö«ffen ü? «brr nicht fchSSWn.' Mit 'Bor» liebe las ich die Novellen und Romane von S. Kohn, in denen das reine jüdische Familienleben trefflich geschildert wird. 'Schon damals sehnte ich mich danach, den Dichter kennen zu lernen und als ich nach meiner Heirat Dor ernunddreihig Jahren nach Prag überfiedelte^ erlunl>igie idj nnch scheu'skhr i'nld nach ö-ev Wohnung von S. Kohn. Man sagte mir, daß ich nur aus den Fenstern meiner Wohnung zu sehen brauche, um ihn zu erblicken, denn er wohnte im Theingäßchen, meiner Wohnung gegenüber. Und zur Zeit des Morgen- und Abendgebetes konnte man täglich, ob schön, ob Regen, seine hohe, stramme Gestalt aus feiner ^ofmoHnung Her«ustreten 'sehen, immer tadellos schwarz gekleidet und im Zylinder. Ich kann mich nicht erinnern, ihn aus der Straße jemals mit einer anderen Kopfbedeckung gesehen zu haben. Der Vollbart und die dichten, langen Haare waren schneeweiß und die feurigen blauen Augen belebten das edle, regelmäßige Antlitz wunderbar. Am Mbbai tkllg ök nia Linen Steif M? ZchiiM, such Ui 7«. rx.k er sie «n strömendem Regen nicht, und da er keinen Gottesdienst versäumte, kam er oft triesnaß nach Hause. Ich machte ihm in Begleitung meines Gatten einen Staatsbesuch und wurde von ihm Ufld seiner Ggttkn sehr freundlich empfangen und zum häufigen Wiederkommen einyeladen. Seine Frau war eine sehr fromme und liebe alte Dame, die in ihrer Tracht noch stark an die gute, alte Zeit der Krinoline und der zipfeligen Umschlagtücher gemahnte. Tie war Kein unl> zart und wenn'sie'neben ihrem Gatten ging, sah sich jeder nach diesem ungleichen Paare um. Sie beherrschte mehrere fremde Sprächen und ihr Mann sagte oft von ihr: „Meine Frau ist ein Sprachtalent; ich bin nur ein Sprechtalent". . fl KM Wk Wik Flkllllk, M llW Oi$ Feinde, die ihm nachsagten, daß er ein Fanatiker fei. Sie hielten für Fanatismus, was doch nur aufrichtige Frömmigkeit war. Er erfüllte alle Gesetze der jüdischen Religion getreulich und wenn man ihn am Samstag besuchte, säß er stets über WWk MMN jilit non um m Lim zsrtzL Sammlung hatte. An Wochentagen fand man ihn Mts fleißig an feinem Pulte schreibend. Er hatte eine gut leserliche und zierliche kleine Handschrift. Einst sagte er mir, daß die Juden, wenn sie sich genau an die Vorschriften unserer heiligen Lehre halten würden, viel glück licher nnd gefünder rnciren^ als Jte Ifeute ffNd. SfS gfjfen Iüngleb!ger° und hätten mehr Kinder als die Völker der Erde. — Er selbst lebte in einer sehr glücklichenaber kinderlosen Ehe. Seine Frau, die ihm nur wenige Jahre im Tode vorausging, war eine geborene ‘.r M lotkfit «ui k ’sfsn iill8 m iFfts m, ter «chkrhlllö W Wltos m Prag eine Apotheke errichten durfte. Kohn zeigte mir einst zwei schöne alte Oelgemälde, die Eltern seiner Frau und sagte mir, daß es ihm Sorgen mache, was nach seinem Tode mit diesen Bildern geschehen würde S>ie Enkel mürben sie nicht nehmen mollen, denn bie <■... «■ - - I j" X hätten sich getauft und wären ihrer. Vorfahren nicht würdig. Ich konnte nicht erfahren, wo diese Bilder hin gekommen sind; wir haben jetzt hier ein schönes jüdisches Museum, dem diese Bilder zur Zierde gereichen wür den. Der Dichter erzählte mir einst eine Begebenheit QU§ WM MIMMMl, Üfiö? M Sk sSltzst!N AM? noch herzlich lachte. Er war an einem Freitagabend bei den Brauteltern eingeladen gewesen. Beim üppigen Mahle und bei anregenden Gesprächen verging die Zeit sehr rasch und die Kerzen waren bereits stark herunter gebrannt. Da kam die Schabbosdienerin herein, welche stets um bisse Zeit bie Kerzenstümpchen verlösch «i - « °® , *« ... b~ r i > 15 jich kein Rauch entwickle. Doch diesmal wollte die Ge ellschaft noch länger wachbleiben, aber keiner wollte den direkten Auftrag geben, daß die Frau frische Kerzen anstecke; dies mußte auf Umwegen geschehen. Der Haus Herr sagte: „Frau Wabi, die Kerzen sind schon fast ganz heruntergebrannt." — „Jo, jo!" fagie sie gähnend. „SBas glsubsns, l»z?dz» diz »sch Ms Mittüteü läng brennen?" — „I waaß net", sagte sie. „Na, was tut man denn da?" 'ragte der Bräutigam. „Schlafen gehen. Gute Nacht!" — Damit löschte Frau Wabi die Stümpchen aus und entfernte sich eilends und auch der Bräutigam mußte fernen Besuch schleunigst nbbrechen. rau Kohn soll mit ber Ämmenmiiky Krankheitskeime in sich ausgenommen haben unh war zeitlebens zart und kränklich, hat aber trotzdem Todeskrankheit Ich besuchte ihn, da er schmsrzgobsugt Schirnah saß. Ich mfyte such rinr Fsruudin und KrllrZm Mit, di;;b;n 'alls schon längst verstorbene Ghettoschriftstellerin Babette Fried, und ihrem klugen Zuspruche gelang es, den trauernden Greis einigermaßen zu zerstreuen und von seinen trüben Gedanken abzulenken. Einst besuchte ich ihn auch mit einer jungen Dame, einer Ädvokaten- Mttkn «llZ Klnstikü: W M kllkMllZ für leine eduitten lisressierle. Cr fragte sie im Laufe des Gespräches,^ vH 'ie sin koscheres Haus führe und sie sagte ihm: „Jaj-sö weit es möglich ist!" — Diese Antwort verblüffte ihn nd er sagte wortwörtlich: „Eines schließt das andere aus. Will man koscher Haus führen, muß es möglich sein und wenn man nur koscher Haus führt, so weit m mößlitf! ist, so kann es nicht toM? An!" Einst teilte er mir mit, daß er zur Staatsanwaltschaft gehen müsse, um einer Vorladung Folge zu leisten Mair hatte an der Grenze eine Kiste mit Broschüren beschlagnahmt, die gewisse Skandale und Alkovengeheimnisse des österreichischen Kaiserhauses behandelten. Um iSff MMMll m NUlWM ÜM tzkk nUFFklSlW Grenze schmuggeln zu sonnen, hatte ein geriebener Verleger diese in die Einbanddecken eines harmlosen jüdischen Romans von S. Kohn binden lassen. Die eifrige lösterreichische Zensurbehörde war aber doch hinter den Schwindel des Verlegers gekommen und so wurde die gange Sendung permctjtet. Und auf <5, Aohsi sgMtt damals H' schwere Derüackii, mtt äem Verleger unter einer Decke zu stecken; doch konnte er sich leicht von diesem Verdacht reinigen. — Einst erzählte er mir lächelnd, daß ihm ein Jude ein mißglücktes Kompliment gemacht habe. Er fragte ihn um einen Rat und schickte voraus: „Der Dümmste sind Sie ja auch nicht!" — Ich traf f, K8W mit [einer fM an® ßft im gtantnart; mn ich im Gespräche mtt ihm genußvolle Stunden verlebte. Mit der Sesselfrau hatte er ein Abkommen getroffen, demzufolge er ihr am Sabbat niemals die 2 Kreuzer für die Sesselmiete bezahlte. Auch die Brückenmauteinnehmer kannten ihn schon längst und kreditierten ihm gern den damals üblichen Vrückenkreuzer; mußten/ si« fa, bäß er sie an etno^n SSerlta-ge burch ein Ersnkg^lb entschädigen würde. Alle, die diesen genialen jüdischen Schriftsteller persönlich gekannt haben, gedenken seiner stetig in Wertschätzung und Hochachtung. Ainderecke. R. Hfäet k Äechiel (Rasch). Zu seinem 600. Todestage Am 15. Marchefchwan (10. November) jährte sich, nach dem f-vni' ~tso, gum 6>0Ö. der xoi’ des größten Talmublsten DeutschltmLs im 13. Jahrhundert, des R. Äscher b. Jechiel. Er ist im Jahre 1250 in Westdeutschland geboren. Er war ein Schüler des R. Wir b. Varuch (Maharam) Rothenburg, der bedeutendsten rabbini- Ichen Äuiorüät Deutschlands. 5n seisie Zeit fällt die Verfolgung der Juden unter Rindfleisch (1298). Infolge dieser Unruhen und wegen der ha* r«l M llKkNkll MWllll Rothenburg zu entrichten, verließ er tm Jahre 1303 Deutschland. Er kam bis nach Savoyen. Da der Herzog von Savoyen vom deutschen Kaiser abhängig nrar, befürchtete der <rn st^n ausgeliefert zu werden. Er begab sich daher nach Südsrankreich und von hier nach Toledo in Spanien. Daselbst wirkte er 23 Jahre als Rabbiner, bis ihn der Tod am 15. Marcheschwan 5088 (1327) ereilte. Der Rvsch rvar ein Mann voll hoher Sittlichkeit, erhabener Opferwilligkeit und Selbstlosigkeit. Sein ganzes nicht unbedeutendes Vermögen verteilte er für Arme und Lehrzwecke ('"i nxnx ty',N‘in 73). Seilte Autorität auf dsnr Gsbiete des ^almü!s wur^e in ^er ganzen ®elt anerkannt. Es kamen zu ihm Schüler aus aller Herren Ländern. Auch aus Rußland und Böhmen kamen sie, um feine Lehrmeinungen zu hören (V'tnn mt? bbs)- Dsr Utöfch kommentierte öen gangen Talmud. ri"iV' Responsen, sind von ihm 105 erhallen. Als sein Hauptwerk gilt die 'posdas allen Talmudausgaben beigedruckt ist. Diese 'pvs Entscheidungen Ju^en «us den bereits vom Alsatzi getroffenen Entscheidungen, die er auch berichtigt. Für den Rofch sind auch die Anichten der Talmudisten Deutschlands und Frankreichs, so der Toßafisten, maßgebend. Die An- 'il^ten feines Lehrers Maharam kommen bei ihm zur . Geltung. Die Entscheidungen des Rambam sind für ihn ausschlaggebend, wenn er auch manchmal seiner Ansicht nicht beipflichtet. (2t. Sy. Zeller in der JViener „Jüdifc^en 5f3reffe^.f ^UI.IU8 SCHMIDT ANNONCEN - ANNAHME zu Originalpreisen ♦ Frankfurt am Main Langßitrassg T Telefon Hansa 4641 Postscheck-Konto Frankfurtmain 142353 ♦ Einzige Inseraten-Annahme Tür Fpanktumei* Geschäfts-Inserats des »ISRAELIT« Annahme von Inseraten fÖP ISnä auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen