Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1927)
- Date
- 1927-11-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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w33£Mt^$4*^Ä* l }ÜW.\ a% kr. 47 »27 ^V Feuerzeichen. Hin Hhetto-Aoman von S. Schachnowitz. , WWWW) Ahron Oppenheim ergriff das Wörtt „Wir haben im Vorstande nach langer Ueberlegung beschlossen, dem erweiterten Rate und der hohen Versammlung der Gelehrten den Vorschlag zu unterbreiten, daß wir nach Posen mit dem Gelbe ein schreiben fättÜröi, iüij ilfH Vlk besagten Rabbi Naftäli als erstenRabbinerunserer Gemeinde berufen." Eine lähmende Stille folgte dieser überkÜschkll^kll ^sösfnun^ und daraus leises Murren, Zustimmung, hörbare Erregung. „Ein T a t a r e " , platzte Jemand heraus und verbesserte sich, erschrocken über das eigene in die Stille wie ein Kolben einschlagende Wort: „Ein Mann aus Mn MM Der Tataren . . Es war Joseph Taub, ein Mann von großem. Wissen und mannigfachen Verdiensten, der aber als Altfrankfurter mit einer Ahnenreihe, die zweieinhalbhundert Jahre, seit Gründung des Ghetto. Das Haus mit Ser kupfernen Taube an der Türe bewohnt hat, sich berufen suhlte. Wer Reinheit, Geschlossenheit und Echtheit des Frankfurter jüdischen Lebens zu wachen. Ihm stimmten mit stummem Kopfnicken zum Tülls, zum Tkilk auch mit lauten AWitims?" zu Löb D a r m st a d t aus dem Hause „Zum goldenen Brunnen", Tewle Fuld vom „Gelben Ring" und Joel C h a s e n, der Vorbeter, der die alten Bräuche und Melodien der Gasse wie sein AuMsel ltöbtö UNd HAötö. : In der Reihe der Vorsteher und Rabbiner waren es Rabbi Mosche Drum, der Enkel des Rabbi Jufpho Hahn und Rabbi Joseph Koßmann, der das Frankfurter Minhagbuch ..Noheg kazon SoffefJJ tm Drucke halte, bW ihre Unruhe kaum zügeln konnten. Tewle Fuld sagte ganz laut, vielleicht nur, um dem Worte Joseph TaWs die scharfe Spitze zu nehmen: „Ein Manst. Mftr; W»chs »W sprichl. unsere Art nicht kennt, am Ende nicht einmal unsere Gebete betet! . . Ahron Oppenheim stellte sich auf und stütztet VkiDk AMK M Sen bereitgestellt, um Aufwallungen, die zu Verletzungen führen.könnten, zeitig,Äevor die EingDung Mrch das offene Tiör der Lisipen passiert/zurüHÜWangen. Die HWde stimmten bei ihm den Tdn Änd. brachten ihnist die richtige Lage. Er sprach erregt mit vibrierejnder Stimme. „Ist denn die Einigkeit Israels soweit in die Brüche gegangen", fragte er, „daß man Grenzen zieht zwischen Juden und Juden? Wer in der Qtyvi Zu Haust ist, sich Der MMn Sprache bedient und das Gesetz forscht, der spricht u n s e r e Sprache, denkt unsere Gedanken und kennt unsere Axt, ob er am Main oder am Rhein ötzkr ÜN De? Ä?ichs?s oder im Lande der Tataren beheimatet ist." — Ein strafender Mttt traf dabei Joseph Taub. — „Wann und wo wußte man m früheren Zeiten vyn solchen Unterscheidungen? Die Entscheidungen des Rabbenu Gerfchom und des späteren Rabbi Meir von Rothenburg waren für Posen genau so bestimmt wie für Dyülschland ynd Franken' Die Bräuche und Synagogench.elodien des M aha r i l find in Wilna genau |o bekannt wie in Mainz ßnd Frankfurt. Wer m Rabbenu Ofcher den Jechiel, als er nach EpLNiön flüWs. Kragt., ob sr DmtWßr. Pole oder Spaniole fei? Rabbi JäEob, ein Deutscher, hat die „Turim" verfaßt, ein Sephardi, Rabbi JvW Wo in mmm W sie rMteiunb der Pole, Rabbi Mosche Isserles, machte seine Randglossen dazu. So ist unser Schulchon Oruch entstanden, und er gilt für alle Teile Israels, wo sie sich auch befinden. Wir fmD in Frankfurt nicht MHt DaDet gefsUeNt als wir vor hundert Jahren Rabbi I e f ch a j a H u r w i tz, und dreißig Jahre späte rdessen Sohn, Rabbi S ch e^f t e l, an die Spitze unseres Rabbinätes gestellt haben. Warum sollte jetzt andere Sinnesart ln unfersr Ärmyisi)- ZMstN? „Wir wiffen's," setzte er fort und sah dabei nach dem Rabbinertisch, wo Rabbi Schmuel Schotten in der Mitte der Dajanim und Thöragelehrten saß, „käme es nur darauf an, einen kiichttgm ihmaMlchrkm zu Minnen, srn brauchten wahrlich nicht in die Ferne zu gehen. Wir haben hier in der Stadt, die voll ist von Weisen und Schriftgelehrten, und auch in dieser Versammlung heute Abend mehr denn einen, der an Gelehrsamkeit unb FroMiüißköii ÜIHUftl Nüchstöht und wohl würdig wäre, das Rabbinat in einer noch größeren Gemeinde als der von Frankfurt zu leiten. Aber, wie allbekannt, erfordert es die Gerichtsbarkeit, die unserem Rabbinate obliegt, düß an seiner Spitze ein Mann steht, b e r o h n e Befangenheit und Voreingenommenheit allen Menschen und Dingen gleich gerecht gegenüber st e I) i , ohne Schonung von Person und Ansehen. Nicht, daß wir unseren Männern diese Gerechtigkeit nicht zutrauten. Aber wie leicht könnten böswillige Menschen, deren es leider auch in der Gaffe gibt,, wenn sie sich benachteiligt glauben, Mißtrauen in ihrem Herzen nähren und' dann Gerüchte ausflreuen, die öle ÄiilöÄÄ öss BösDiN schädigen und gar dazu führen, daß Viele ihre Streitsachen vor nichtjüdischen Gerichten zum Austrag bringen! Um solcher Entweihung des GpÜ^slamens vorHubeuHen, hat man es feit vielen Jahrhunderten so gehalten, baß zu den bewährten Männern am Platze ein auswärtiger großer Lehrer, möglichst aus weiter Ferne, kam und die Oberleitung übernahm. Solange Wik Sie jüdisch? Jurisdiktion haben, ist nicht einzusehen, warum von dieser Tradition, die sich durch Jahrhunderte bewährt und schon geheiligt ist, abgewichen werden soll." Die Worte verfehlten ihren Eindruck nicht. Wr in wo Taub, ^utb unb Joel Chasen saßen,^ erhoben sich Stimmen: -^„n„Mer wir kennen ihn ja gar nicht." kepneri ihn, und daß wir alle ihn erkennen. dafür haben wir uns hier versammelt. Ich Habs Trieft von angsstPnen. oertrauenbwürDtgen PerMlichkeiten ist Posen^ Prag, Berlin und Königsberg, neben anderen auch einen Brief von der B i e r l ä n der- S y n o d e in Polen, die alle die außerordentliche Gelehrsamkeit und unvsrglßichttche Frömmigkeit Des NnM in den höchsten Tönen preisen." Ahron Oppenheim verlas einige hebräische Briefe, die mit größter Spannung angehört wurden. ' „Cr war lange §ahre ln Verbannung, lll Gefangenschaft, fern von Israel und der Thora", ließ sich'wieder Jemand vernehmen. ..Und in diesen Jahren der Verbannung und rrshM OMyhsim Das Wort auf, „schrieb er ein großes Werk zuChumisch Und noch ein größeres zum ersten Traktate des TalMuds. Wir haben die Werke hier, und Rabbi Schmuel Schotten, der Gelegenheit hatte, sw zu studieren. wird uns sein Weil Mitteilen " Unter lautloser Stille berichtete Rabbi Schotten: , , „Ich habe mich während der Feiertage in die Schriften vertieft, und sie boten mir eine'Quelle eigener FesteZfreuDen. Der gu Gemisch ist nicht vollständig und wählt den kabbalistisch symbolischen Weg zur Erklärung bekannter Schwierig ketten. Im talrnudischen Werke, betitelt „Birmas Aaschem", wirb öei? SS^ such unternommen, die tieferen Gründe für die Namen der Traktate und ihre Reihenfolge zu erforschen. : Das ganze scheint Einleitung zu sein D?sss?M großen, das ^anze talmudische Schrifttum umfassenden Werke. Tiefe Gedanken stnb in schöne leichte Form gehüllt, wie „Goldapfel in silberne Einfassung", schloß Rabbi Schotten mit einem Zitate aus dem Hohenlieds. Er versprach, im öngeren Ämsk Der GeleWen in Ser MM? auf den Inhalt der Werke und die darin aufgSworsenen Fragen noch tiefer eingehen zu wollen. „Aber er soll K a b b a l i st sein", nahm Rabbi Mosche Drum das Wort, „und wir wissen, wie wir auf der Hut sein müssen, die ..Schäbsen". die die Kabbala in genommen zü HÄM glauben, erheben wieder ihr Haupt. In Saloniki und Smyrna sammeln sie sich Mieder um ihre Führer. Ihr Sabbatai, sagen sie,^sei wieder Msefftttnsen. Mch durch Deutschland ziehen -ihre Sendboten und predigen. Hier in Frankfurt waren welche, die zweifelhafte Redep führten. Sie sammeln wieber Gelder und Menschen für Sabbatais Irrlehre. Ihrer einige sollen in unserer nschstsn Nähg wöNsn und auf Den AugeiMiS warten, da ihr Weizen in die Halme geht. Wollen wir nun durch Verpflanzung der kabbalistischen Lehre hierher all dem wüsten Treiben, von dem vor fünfzig Jahren unsere heilige Gemeinde ver- Wvnt geblieben ist, neuen uns festen Baden schaffen?" Rabbi Mosche Drum war der Angesehensten einer, Enkel Rabbi Juspho Hahns und Sachwalter seines Erbes. Seine Worte machten Einbrns uns füNSkN 7!^«^ Zustimmung Eine Welle der Erregung stieg auf, in derber Emdruck der Oppenheimschen Worte zu ertrinken drohte. „Rabbi Bachrach mögtz reden, der Chawres Jair!" wurden Stimmen laut. Da erhob sich ein älterer Mann. Der Die ganze Zeit zur Rechten von Rabbi Schmuel Schotten still und aufmerksam dagesessen hatte, und dessen ehrwürdige schöne Erscheinung aller Augen fesselte. Rabbi Jair C h a j i m B a chr a ch , der ftühKr« ssinsn Sitz im Frankfurter Rabbinate hatte und jetzt, ohne die Beziehungen zu seiner Vaterstadt zu lösen, als erster Rabbiner in Worms wirkte. Rabbi Bachrach hatte Weltruf als einer der größten der Großen. Ein von ihm im Druck srschlmsnss NGmstmWeil unikr bm w „Chawaih Jair", das die ganze Zeit In der Halacha widerspiegelte und neben der tiefen Gelehrsamkeit auch ungemein viel Lebensklugheit und weltlichen Weitblick verriet, trug feinen. Namen hi aller ßanbe hinäus. Dök 8)-kst-sitz hSstS DlSsen Rabbi eigens zu difiser Versammlung von Worms hierher gebeten, und er war gekommen. In einer Stunde stillen Zuhörens ließ er durch keine Silbe und Miene verraten, was in seinem Hsrzstt vsrging. Da er sich nun zum Worte aufs stellte, war alles gespannt. Man glaubte im voraus zu wissen, daß er, Rabbi Jair Chajim Bachrach, der pilpulistische Methoden ablehnte, mit Kabbala sich nie befaßte, talmudische Stellen zu- Ivetlen mittels der Maihemaiik unb anbrrrn Wissenschaften erklärte, im übrigen aber einer der Haupteiferer gegen die Sabbatai-Anhänger war und alle mystischen Abweichungen vom geraden Wsgs bsx fioDro Dornöntß; man war überzeugt, daß er sich nun scharf unb entschieben gegen die Berufung eines Kabbalisten zum Führer des Frankfurter Rabbinates aussprechen würde. Rabbi Bachrach begann; klar und ruhig, Wort für Wort, wie gkgähttk P?ri?n, sprach er^ einfach und bedächtig, und das feurige Auge im llttvergeistigten Gesichte fuhr durch den Raum, als sollten die Worte jedem einzeln in die Seele gelegt werden. „Eine große und Heilige Sache, die Kabbala, ein offenes Meer, ohne &ibe rmö?hne Ufer, unermeßlich an Weite und Breite und