Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Vellage Br« 46 1627 Feuerzeichen. Gin Hhetto-Aomcm von S. Schachnowih. (FgkMUW.) „Was am schwersten aus uns lastet", Mtzte Oppenheim weiter die Stunde, „das ist die Bestimmung der Stättigkeit, wonach kein Sohn ehelichen und ein Haus gründen kann, allsolange Dse lotor mt unD öaZ WkMW -n?f5 sofern nicht durch anderwetttAen Sterbesüll eine Vakanz in der Gasse eingetreten ist. Es. ist uns heiliges Gebot der Religion, aus manniglichen Gründen unsere Kinder in jungen Jahren zu vereiraten- 9Bte sollte dies afeer möglich fettt, tößtttl Ute Jungen sich nur aus bsn Ze? UM« ausbreiten können? Eure Gnaden wissen» wie hoch bei uns die Liebe und Verehrung gegen die Eltern ist. Die Liebe zum Weibe und das Streben nach eigener Familiengründung ist aber smjß natürlich und glMkbsM. Lik aber die Qual der Seele eines jungen Menschen, der die Erfüllung seines Zieles erhofft und diese Hoffnung mit dem Gedanken an den Tod geliebter Häupter verbinden muß! Heiliges Gottesgebot und Naturrecht rvill ein engherziger, feindllchrr Paragraph vvn snüp UW rauben. Es kann dies mit der neuen Zeit, da ein huldvoller König und Fürsten zu Recht regieren, nicht mehr vereinbart werden. Dieses Gßfßtz muß. mmn wir lllZ MnsHkl! reden sollen, zu allererst aus der Stätiigkeik vers chw in d e n." ' Gras von Tr aus am schüttelte verstehend und mitfühlend den Kopf, und Herr von PllltkN kkichtt skM Offenem die . Hand und versicherte, büß auch er schon lange dieses Gesetz als ebenso beschämend für die Juden wie auch für die Herrscher empfand. Indes polterte Fürst v o n L a ck w i tz gelangweilt mit den Ringern auf den Tisch und überlegte, vollkommen desinteressiert an der Stillen, ob der von den Juden erhaltene'Betrag ausreichen würde, einen Teil der Schulden zu tilgen und sich obendrein das herrliche Reitpferd, das. er neulich 'auf der Rennbahn gesehen hatte. snzuschWeN/.^'Mösltchierwe^k es der Aufnahme "etit££ Wen Anleihe bedürfen. Man muhte istchMWden. klugen, reichen Frankfurtern äust'älle FäUe'^Wen. —- - Ifltöiif NachMunde üverreichlk Herr vvn $1«- 'tat Oppenheim bei en ekgehes Schriftstück, versehen mit Umerfchrist und Siegel des Königs Josef I., bekräftigt mit der Gegenzeichnung der Minister. Die neue Stättigkeit war genehmigt, verbrieft und versiegelt und unwiderruflich. Mit dieser ' Gewißheit bestiegen die drei FrnnEfurler vör Morgengrauen den Wagen, um in rascheln 'Tempo dem Freudenfeste der Heimat zuzustreben. VI Die Deputation war am RÜsteküge ZU SuküNS heimgekehrt, und vor Festbeginn wären noch die wenigsten über die Einzelheiten unterrichtet. Aber, daß es im Ganzen gut ging, wußten alle, las man den Männern vom TMt? «d- Einiges sickerte durch und die in der Enge Mischen Mauerwänden wuchernde Phantasie schuf sich Raum ynd Weite nach oben und unten und er? zeugte allerhand Märchen und Uebertreibungen, denen noch dti MllßZ MMiMMUNg MS Mm besonders günstigen Boden schuf. „Ahrön Oppenheim ift zürn Minister -des Königs Josef ernannt, ob der Klugheit seiner Rede und der Weisheit seines Rates, wie dermälsjnst Hoszsih M Pharao", drang es durch die dünnen Wände der Hütten, darin Männer, Frauen und Kinder die letzten Vorrichtungen trafen. „Er hat dem König gezeigt, wie er aus all den Geldnöten ^erauskonnnen und her königliche Schütz stets gefüllt bleibe", Hörle niän Stimmen vor der Schul. „Er hat ihm einen Schlachtenplan entworfen, daß alle Räte und Generäle wie die Schulbuben da standen." „M hm mit Johannes (P!^mnen£er diskutiert und ihn geschlagen. Au hat er ihn geschlagen!" „Eisenmenger ist ja tot." ..Eben darum! Ist dabei gestorben, vom Echlage SUI Uchmn ßfi {ßtflßE llNMlsskM heit." „Laßt König, Eisenmenger und Schlachtenplan. Was ist mit uns, den Gseraus, den Privilegien?" nm mfi??Tl ®ferausr aUes vorbei, null und Nichtig.' „Die Judengaffe wird abgerissen, wir ziehen in die Stadt." „M oschiach wird kommen, und der Lamm wohnt Herrn Wolf." Es war dieses eine spitze Änsp!«iun8 «us zwei Männßr im Ghetto, Joses Lamm und Mosche Wolf, die seit Jahren in grimmiger Feindschaft miteinander lebten, und sie wurde als solche stark belacht. „Daß mir Gott beistehe" , warf Perez Murren, -von ärm man Wrr im* mSri~ chen zu all dem erwartet Hütte, ein, „wie soll ich denn so rasch meine Ellenwaren auf der Messe los werden, wenn der Auszug aus dem Ghetto ^leü^ nach Simchasthauro beginnt?" „Du trügst stk gleich ins Leinwanbhaus am Kornmarkte, wo Du Dich als Großkaufmann aufmachst", spottete Mordche Beer. „Da hast Du es schon leichter", gab Perez bissig zurück, „brauchst nur Deinen Packen loszubinden und zu b l a f c n, und 2k!n gönz^ AäNg fliegt von selber, wie die Federn eines aufgeriffenen Kiffens dahin, ist ja alles nur Spinngewebe." „Sprecht nicht am Iomtomemgange von Geschäften^, wehrie 8öd Echnapst^, S$V gßlflilß Rabbi Schmuel bis zur Ttzre der Schul gebracht, den drohenden Streit ab, bevor noch Mordche Beer Zeit fand, den Schlag zu parieren. „Was wißt Ihr, Reb Lob. vom ^Stand der Sache?" warf sich jetzt «fe äüf Schttötzpss. >! „Cs steht gut. König und Königin war^n huldvoll, auch die Minister hatten geneigtes Ohr. Eine neue Stättigkeit ist gegeben. Wir werden stmsn Imnm“ IInö wie mm BelräMkgung seiner Perspektive rang er schwer nach Atem. ' : if! In der Altschul sang Joel Chasen zum Schluffe ein neues Jigdal, und die Gemeinde fang, erst Mit tasteM.' Dann sjHxrxr Mb stärker die vollen Akkorde mit. Ahron Oppenheim streckte nach dem Gottesdienste Rabbi Schmuel Schotten beide Hände entgegen, deren eine der neben dem Rabbi stehende junge Arje Löb ergriff. Stk ffaren bässits m dst! Hauptsachs mm* weiht, und im Händedrucke Arje Lobs lag auch stummer Dank zweier liebender Seelen, die nun alle Hindernisse auf dem Wege zu ihrem Ziele weggeschafft sahen. Die HeiratsEongeffron für Arz? üob Ulld ElSbS war in der neuen Stättigkeit gegeben. Der erste Segen, der daraus für zwei Menschen erblühte, war gleichsam symbolisch für alle, für die Beöenmng vk§ 8MM Sieges. „Die Audienz war kurz, aber von gutem Berlaüfe; war ja nur feierlicher Abschluß langer schwieriger Arbeit, die große Summen an Zeit, Geld und Kraft gekostet hat. Gott hat geholfen^ MStfgtß LWkNWm, und Rabbi Schmuel Schotten!!eA Eingel^eilZN ßkUhiM. Jedes Wort hatte Bedeutung. Als Oppenheim vom Einzuge in Heidelberg berichtete und vom plötzlichen Tode Eisenmengers in der entscheidenden Stunde vor dem Schlosse, schwieg Radd! Echmü;l tmä m\ul in üßsinrilWs Nachdenken. „Um d i e s e Minute", sprach er wie abwesend, und wußte, daß um diese Minute er selber in den Abgrund geschaut hatte, daß sich sttnc Äugen perftnsterleNs Ettmms VSkr sagte, seine Beine wankten, bis daß er von jemand fortgerissen und hinausgetragen wurde.. „In dieser Minute!" Und schauernd erlebte er noch einmal im Geiste diese Minute, erlebte er eine einm«! ttzm etnZZZ8NZ8N8 dsßfJUEs stelle: „Um diese Stunde der letzten. Entscheidung steigt die heilige Kraft zur Höhe,^»er auch die andere, die jenseitige, die „Sitra achra", reckt sich ZMP8S. Und ßw üßMllltig NMgkN hkM 8N zwischen Unten und Oben, Heilig und UtthMg, Rein und Unrein, bis die eine Kraft, die hellige, wenn der Mensch deren für würdig befunden wird, obsiegt und die andere, verderbenbringende |int£ und fällt ..." Es Mützen sich die Kräfte in heiligster Stunde, kurz vor Toresschluß in ihren Trägern. Auch für ihn, Schmuel Schotten, war derfKamps nicht leicht. Aber nur eine kleine Weile glückte es dem Hinderer. ihn außer Kraft , zu setzen. Er anfißfß. . . Mählich erfuhren es alle bis zum letzten in der Gemeinde, wie gut alles in Heidelberg von statten ging und im Einzelnen auch von den errnngßNßn^Nßlhtkm 3m Mlkn MH jeder aus, was für ihn dabei herauskaM; Zunächst aber, in der Woche des Festes, war die Freude allgemein und einheitlich, ein Sieg der Gerechtigkeit, ein Sieg Gottes, zu dem sich bald allk WUkr sMöLN »VLM AllfgMge der Svnne bis zu ihrem UtttergüNgs, um Semen Namen zu preisen." Die Aeltesten der Gasse konnten sich nicht entsinnen, daß das Lied von der Freude an der die uns Kraft und Q'tdjt tfi, je fo rauschend aus vollem freudigen Herzen am den zwei letzten Tagen erklungen war, wie dieses Jahr. Oppenheim, Maaß und Reiß tanzten mit den Thorarollen in den Händen mitten in eiyM.großen MHivsskNkn Kreise, den die Rabb^e^I Vorstshök und Gelehrten um ste Dllderen;r?.DiS) drei legten; zur Betonung der eigenen Rote dieses Freuhenfestess \ noch f einmal dje . blauweißen Schärpen der,Ksmmerknechts. die sie beim lEmpfängs ln --;==»!■■ Aber wie der erste Sabbat nach dem Feste ausgegangen war, brannten wieder die Kandelaber und der alte große Kronleuchter in der Gemeindestube, und versammelt waren neben den Wrsteliern. Der mneiterte Rat- Die SHuttkttrr, die Mitglieder des Rabbiitüts, des Heiligrn Ber^ eins und alle, die in Gemeinde und Schul etwas galten. Was Oppenheim über die Audienz zu berichten hatte, war keinem neu. 'Man hörte es nichtodestrwMigs^ fgst mit Andacht am als Bestätigung dessen, was man längst in alten Einzelheiten wußte und teilweise schon inzwischen in Wirkung getreten war. Aber es stand noch etwas anderes auf der Tagesordnung, und dazu ösduvsts u ös¥ Mßimmg und Der MMmmmm aller, die mit dem geistigen Leben der Gemeinde irgendwie verwoben waren. Mit dem Tode Eisenmengers waren zehno^oölftaufend Taler der» Getneindesäcksl erhalten geblieben. Der Vorstand war im Einvernehmen mit den Dajanim der Meinung, daß dieser Beitrag, einmal für allgemein-jüdische Zwecke bestimmt, nicht mehr wieder der Geineindekaffe zugeführt werden durste, zurnal Gott