Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Veite 2 Nr. 46 Erneuern Sie sofort O beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Dezember! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenn^njg ÖäYOIl erhalten. Verlag des Israelit G.m.b.H,, frrmtzf urt a«M. Aus der ArbeiWWe hex Von Ioseph Larlebach in Altona. II. Wir verlassen die christliche Religionsphilosophre. Aber wenn wjs sxgl MZ tzm ßlMM Lager zuwenden, so können wir zu unsrem Bedauern die erste Stimme, die uns da entgegentönt, nicht als jüdische Religionsphilosophie anerkennen. Fremde ungewohnte Laute dringen an unser Qhrj WT lil IM ÜM Zprachö, die wir nicht kennen, sollen wir zu hören bekommen. Zuerst sind wir ganz verwirrt. In den Pentateuch, in unser liebes, altes Chumofch will uns ha jemand „ein führen", in unsre Thora, welche mit nwia onfängt und mit b «*«»■> WiG. worin wi? U»Z iiz-nilich immer ganz heimisch und vertraut gefühlt haben, aber es wird uns grün und blau vor den Augen; da kommt eine „Wirklichkeit der Hebräer" zum Vorschein, von der wir gsMll MslUll KillM nie etwas' geträumt, geschweige etwas gewußt haben. Das Ganze tritt dabei uns mit solch apodiktischer Gewißheit, mit solch imposanter philosophischer Terminologie entgegen, mit solchen Po- |öf,[gn gjjf uns liEiiiiifnnj MM!, daß wir glauben, die Mauern von Jdricho stürzen über uns ein und begraben uns in ihrem Fall. Aber wenn unser Trommelfell nur stark genug bleibt, die Kanonade eine Weile mit anzuhören, dann sehen wir lauter Blindgänger zu uns her- WeGwirrm! vis Mm knälicm wohl, «ver es sind nur Platzpatronen, die nicht einschlagen und verwunden können, die nur Rauch entwickeln, der eine Weile blendet und betäubt. Oscar Goldberg will nicht wenig mit seiner Einleilußg sn has Dt) st t m des P e m tat euch" (Persatz David, Berlin 1925) leisten; nur eine neue Philosophie^ eine neue hebräische Ethymologie und eine radikal neue Bibelauffassung. Er tbill weiser sein als der meifuftß Dir MöNschöN, als Ksniß Tälöinü, her „ein durch die Fülle seiner erotischer! Erlebnisse oberflächlich gewordener Aesthet gewesen" (sic! S. 50), ein Mann, derp man „etwas mehr philosophische Gründlichkeit" gewünscht hätte (st d); A will MaimanidöL slZ „äriWeWen Wmb lauten" abtun, zu dem von Salomo, „dem Mann ohne Unterscheidungsvermögen", „eine grade Linie führt." (S. 51.) Ja, er yerstehts besser als sämtliche ll'^12NX als alle späteren AllsihßtöN, als Issajgh und Jtömijah, der nach seiner Meinung sonst „ein zweifelsohne sympathischer Prophet" gewesen sei. Man muß Herrn Goldberg zu seinem, sicherlich nicht geringen Selbstgefühl grütulieren. Kühn wie Oscar; ' Bis jetzt war es in der Theologie wissenschaftliche Mode, den Pentqteuch quf Kosten der späteren Propheten herabzusetzen. Auch jüdische WltzjMhM he- WheraftMW Wie HßMWW Gtz? hen Haben sich von der des lungsgehankens" gesungen nehmen lassen und das „prophetische" Judentum dem pentateuchischen entgegengesetzt. Goldberg probiert es einmal umgekehrt, und die Gegensätzlichkeit beider behält er bei, aber das fentrtt^MjW U WZ üöerlegene, das einzig wahre, dem gegenüber die Propheten einen Rückschritt, einen philosophischen und religiösen Abfall bedeuten sollen. Rur daß er diesen Gegensatz noch viel weiter steigert, viel krasser hervorhebt, so daß die Propheten ttls inferiore MlWiW Wstchsn. M %m Adenium haben beide Auffassungen nichts zu tun, rein nichts. Die Bibel ist für das Judentum eine absolute Einheit. Die Propheten haben für uns kernen srnzigsn Gedanken, der rnct^t in der öirekl ober mbtrett ausgesprochen ist. Sie haben manches grundsätzlich, allgemein formuliert, was die Thora in praktischer Anwendung, in Gesetzes- Blickform ausspricht, daher für den oberflächlichen Mick sie die letzten PfingixW 8M Mst uchkeit, des ethischen Monotheismus klarer, eindrucksvoller geben als der oft wortkarge, lapidare Stil der Thora. Aber dafür gibt es zu einer Seite der Thora mehr Midrasch als zu sämtlichen Prophetenbüchern zusammen genommen.?!ii M Dafür. Dag Dort MsW M 3«. len, in Andeutungen, im Kern mehr gesagt ist, als hier in extenso, in der Ausführlichkeit der ans Volksgemüt sich wendenden Prophetenrede. In dem einen Gesetz vom Zinsverbot oder von der jüdischen Magd, die der Herr gwr Braut bestimmen soll, steckt Mehr ProjH gtz'Wn Ungerechtigkeit, ist das Recht des - SchMlMff 'anf"Wichl)M ünh'WderWK 'sjKexer"fvkMßxt als' in sämtlichen jesäjchNlfcheN Reben vgn stDüler Pflicht ssfM bje Md dmEE Wer auch MoerestseNs Ist kein phMsyphischer ober religiöser Gedanke bej eMyz PryphMn W entdecken, der nicht in voslstex jjebereiystllnMng mit der Thora wäre; Wstch sw tritt metes in$größerer 8Sersttzndli^keit^nd MWßNKx DMllWkll. und es ist schlechlerWgs Wahnsinn, behaupten zu wollen, hie PropMen und Psalmen hätten hie Thora nicht verständen und'anstelle ihrer Weltauftaffustg eine M Allgemeine, ins PaNtheistrsche gehende BerwässesWg gHtzj. Goldbergs „Wirklichkeit her Hebräer" ist also eine neue Ptzligion, ppf des Judentums. Nicht genug damit, sie stellt ein System y,oy Perschrvhenheiten dar, die auch das ganze philchophMe MGW M Im AogsM WDm' M $$ prophekifche Judentum Miß elf als P.HiHeiMch abtun; an feine Stelle will er das Jüdeotüm verheidnischen, eine PHMstzpW Hess HolytWsmys begründen, eine TheMe und. HyexW.rWg geben chnd bsx ijMMlÜl® fe Hebräer" in. einer Perspektive sehen, die fet ewigen Gott Israels, den Gott des Himmels Und der Erden, zu einem allerhöchsten und stärksten Heidengotte degradiert, der Körperlichkeit, Schwerkraft' Grenzen und MtzlWkilen besitzt. Wie kommt er zu dieser Ungeheuerlichkeit? zu jenem mixtum compositum aus Medizin, Physik, Philosophie und Exegese? Der Weg seines Denkens ist bezeichnend, er enthüllt erst die ganze Unmöglichkeit und Unhaltbn^^st skillkZ Tysiems. Ts gibt in der Thora manche Misel, manche Dunkelheit. Ganz besonders, wo die antiken Heidenvölker mit ihren uns völlig unverständlichen Auffassungen entgegentreten, missen Ktt MZ oft schwör Ms? siz Hm Rechenschaft zu geben. Was ist der alte Kischuf, die Zauberei, die Mantik? Was waren die ägyptischen Chartumim, die Pharao gegen Mosche aufbot? Waren sie bloße Charlatane, Augenblender, oder skkM irpnD wW Mli l,inkt Vn OM». tionen? Was ist es überhaupt mit der ganzen Mythologie, ist sie bloße Täuschung? Was war es mit dem Irrtum des „goldenen Kalbes", dem Israel anheim fiel? Auch im Judentum felbft gibt ragen. Rauches Gesetz widersetzt sich einer schlichten rationalen Deutung, es gibt Chukkim, die „der Jezer Hora und die Völker der Welt als unverständlich abweisen". Q^iyn maxi »in rnr->V fs giß! in Dü WWW MsW Wer sWer Die Pflanze unseres Stammvaters. Von Aacoö Teßker in Nürnberg.?m ß« m »1M *(!7"2! P17NZ0; B"bp N2v) Don Abraham erzählt uns die Thora wi DVljr 'X 'ft VV2 OV Xlp'1 »2V 2X22 — > Und er pflanzte einen Eschel zu Beersaba, und rief dort den Namen des Ewigen an, den Gott der Ewigkeit". Äieriifier sind SR. Iehuda und St. meckern ja g ereilter MßilllltzA. einen ist unter bVX ein V222, Garten, nach dem anderen P221S' ein Gasthaus zu verstehen (x"» 22 nviv Da). Die Kommentare, auch b"r zur Stelle meinen, daß dies schon aus dem Worte h^x hervorgeht, in dem die Anfangsbuchstaben "llb "'7127 nb'SX. Spstss. Trank »nd Gelen Illk IDraOom ößR ®ä{iis iü Mbefchrünklem Matze zuteil werden ließ. - Diese heilige Däterlradilion haben wir in Erbschaft genommen. i’W2m m:amn it naix2 w' ö’:a’o ,2t»*?!») (t'b ymvp ‘’abunv fv"y ma2’ 'v'2vn ^am — Mögen die Hx2!»' 'X2N» uns alle bösen Etaenschaktsn crndichten - tzMAMMk M WüMttWMWS können str uns mwi abMkwen; Selbst in Zelten schlimmster Verfolgungen, als der Boden unter uns schwankte, vergaßen wir nicht der Armen. Es galt als heilige Pflicht, die Armen ins Haus zu nehmen, mit Speise und Trank zu laben und Logis zu gewähren — kurz, sie an dem 2N22X bi»x zu erquicken. Dieses Bild kann man noch heute im Osten, wo die a> Mimisch 5u, uiuu gW ftmag im Nach, taffen begriffen, beobachten. In den westlichen Län. dern aber, wo die Reform ihren Einzug hielt, wurde der vom Vater Abraham gepflanzte wenn nicht ganz gefällt, so doch stark erschüttert und verstümmelt. An dessen Platz kamen die sogenannten Zentralwohlsahrtsstellen, Abfertigungs- und Wander nur wenig gegeben. Gewiß gibt es auch Edelgesinnte. die das Wort unserer Weisen :7^2,2 nbm ,22'2V.2 ’JS 7lb2pa 2711' D'rt21X (i"2p 7121») vollauf noch zu schätzen wissen und die Armen nicht, nur lassen, aber es sind leider nur Vereinzelte. Und wie viele stnds noch, die irgend ein Kämmerlein, ein übriges Sofa, oder sonstiges Ruheplätzchen für einen Armen, selbst für einen »würdigen Armen noch übrig haben? Für viele unnütze Dinge gibt es Raum im modernen Ganse, die Tlbraham^ käme ££ tzwklll. rclirW, wie Vtc GMN sÄMS DUtttS^ nur nicht für feinen Eschel-Baum. Wollen wir uns nun als würdige Nachkommen Abrahams zeigen, so müssen wir den Armen unser Herz, aber auch Tor und Tür öffnen, wie es x"X tat — bw> (t"Q |m '~n man ^N"Q :;n Vä’2« Uftiik und Wir"mMm die AuffSi?- derung unserer Lehrer (x"S ril2X)- „Dein Haus fei weithin offen. Arme seien deine Hausgenoffen" mehrE beherzigen und dem Mahnruf der Weisen, :m^i»2 *jn'2 TiinW x.27i x^ 'in größere Beachtung schenken; wir müssen^ die'vielfach an unseren Türen angebrachten Sütildcheir..Hausieren s M WWW Settenstück für uWre MM bilden gründlich entfernen. Ist dies aber, wie manche glauben, undurchführbar und heute unmöglich, nun. dann müssen wir entsprechende Wohltätigkeitsanstalten, gründen aus echt jüdischer Basis; müssen wir errichten Volksküchen. Gast-und Logisstätten für wandernde Arme. im Osten der Fall ist! Dann organisieren wir das Armenwesen und schaffen wir anstatt Wanderabfertigungskaffen, echte npx 71121p im Sinne unserer p",2i7i und stellen wir überall Männer der Tat und frommen Gefinnnng an bfe (Sjriije, die den Vttfif Sn22x einzig und allein nach den RIÄÜwien unseres ^12» ]nVi» bearbeiten und bewachen. Man wende nicht ein, wie man dies auch in gesetzestreuen und gebefreudigen Kreisen oft zu hören bekommt: pa2ip 22'» "33? „Die Ortsarmen »Tf ^b^EiigkeitsiEröllSllkN MMZM S4 nicht". Es ist hier nicht der Raum, alle einschlägigen Stellen, die aus Zdoko hinzielen und dieses Kapitel behandeln, onzusühren. Jeder, der sich hierfür interessiert, kann, schon aus den bekannten Dezisoren ein hlares Bild über np2L 7il2^tt und 2'7I21X 71M2.2 gewinnen 1inb fich über alle Ein- MMN Willi «MllIivM, « StrLff l-ffm «ich! vm geringsten Zwölftl darüber, daß es ttotz des Grundsatzes pa2ip 22'Z7 "2Z7 unsere heiligste Pflicht ist, auch der fremden Armen zu gedenken und zwar in erster Recheste mit Speise, Trank und Logis