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Der Israelit · 1927-11-10 · Heft 45 (10.11.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 45 (10.11.1927)
Date
1927-11-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Me sich Welt und Zudengasfe im Maharil spiegeln. Aus Anlaß des 500. Todestages des Maharil ist mamWs! «tn feia« M« stlN 3B8rf flfä schrieben und gesprochen worden. Es ist nicht die Schuld der Biographen, daß man so herzlich wenig aus der Lebensgeschichte des Mannes, dessen Namen heute in aller Munde ist, erfuhr, denn selten denk^ man^ wenn man von Maharil spricht, an Men Menschen von Fleisch und Vlui. Man n-nllt „Maharil" und meint das alte Buch mit seinen über hundert wirklich vergilbten Blättern, in denen die Minhogim, die Riten und Bräuche der jüdischen Gemeinden in Deutschland ausgeftapsli finti. Aus diesem Buche, das nicht einmal VOM Maharil selbst verfaßt ist/ spricht aber nicht allein Rabbi Jakob Mölln zu uns; ferne Zeit, das Gesicht der Welt und der Judengasse vor einem hal- Den MWMsM sxiMln si^ im Kvntevbant dieses merkwürdigen Werkes wider, wie die Sonne vor ihrem Untergänge in den Wassern des Rheines, deren Luft durch das ganze Buch weht. Rabbenu Jakob Mölln Halevi war der zweite gro|c 3Raiü5f V ill dsN FakMakß, wie sie in Abständen von Jahrhunderten der Welt geschenkt werden. Der erste war Rabbenu G e r s ch 0 m, 500 Jahre früher. Er hat vieles Mit ihm gemein: die Liebe zum geschriebenen und ungeWMmtt Gssötz, miß öS sich in Den MW hogim erhalten hat, die Geistesgröße, sie zu erfassen und auf den letzten Grund zurückzuführen und die Autorität, den gesammelten Riten, wie den getroffenen, von der Zeit gebotenen Einrichillsisidsi Verbindlichkeit verleihen, die eine Konsolidierung des jüdischen Lebens au? 8ahr- Hunderte hinaus sichert. Geboren ist Rabbenu Jakob in Mainz 1355, oder auch zehn Jahre später (alles ist im Maharil äusWichM. nur nid)t [ein MiirMag), mrläjjtn hat er unsere Welt am 21. oder am 22. Elul 1427. Sein Vater war Rabbi I e k u t i e l W 0 - sche Haledi, der zu den fbirrh 'bnT zahlt, rvelche überall, auch i»N Maharil, genannt sind. Sein Lehrer^ dem st bis Hrnn^tagemfeinst? Gvssis verdankt, war Rabbi Schalom, Sohn des Rabbi Jizchok aus Oesterreich, den er wiederholt voller Liebe und Verehrung zitiert. Dieser und Maharil selbst waren die ersten, die den neu eingefÜWßll TW Morenu M MMmr erhielten und führten. Diese neue Einrichtung fand-, als sie sich nach Spanien verpflanzte, den stärksten Widerspruch des Abarbanel. Seine Lebensaufgabe fand Maharil, nachüßm öio KodisizieruW des LslmM Zwecke der praktischen Halacho für den ersten Bedarf durchgeführt war (man hatte damals schon Rif und Rämham), in einer D e n k nr a l s p f l 6 g e höherer Art. All die ungeschriebenen *ü dis unsichtbaren Wegezeichen, die sich erhalten hatten von Zeit zu Zeit, von Land zu Land und fast noch mehr wie die Gesetze, die Herzen verbanden, die Minhogirn, von denen man sagte: LN2Q jrnn> liebevoll gu sammeln nnö gtt sichtätt^ siß öffentlich und rm engeren Schülerkreise vorzutragen, aufzuzeichnen, und so seinen Schülern ein Erbe zu hinterlassen, das diese mehrend SUf die Nachwelt übertrugen. In dieser Sammlung ist alles ohne System und Methode, bunt, zufällig und farbenreich, wie es das lebendige Leben selber ist, trübe und düster, wie das jüdische Golus, jauchzend uni SÜß DdS Mistsik Glück im Innern der Gasse, wenn an Saööat und Feiertagen die Ghettomauern fest geschloffen waren und kein schriller Ton von außen störend in den heiligen Frieden drang. Voll Kraft und ^^enssnft sind die Sätze von „Rausch Ehaudesch", mit dessen Vorschriften das ^uch h?ßmn^ bis zu den Trauerbestimmungen im Kapitel irata ninvV' dem sich dann die kulturhistorisch womöglich noch wertvolleren anschliehen. Aus seinem persönlichen Leben erfahren wir: Mi wohnie gnfänttll^p tKÜ (ßiflßn 3ß? schiwohjüngern, während seine Frau mit den Kindern ein anderes Haus bewohnten. Ueberhaupt bildeten die Jünger der Jeschiwoh seine Familie, der sein ganzes Herz gehörte. Mit ihnen «Hä ißFttß er. Zmkimal Ml Jahre hielt er ein Sijumfest ab, je am Chölhamoed-Sukkaus und Pestach, zugleich als Abschluß des Halbjahrsemesters. Wie dieses Fest b^gangerr wurde, ist im Maharil verzeichnet. Die Jeschiwoh war der Brennpunkt des Ledens, iäl Sammelbecken ernster Arbeit und auch Schauplatz komisch heiterer Situationen. Da ereignete es sich einmal, daß ein jähzorniger Bachur in seiner Erregung dem vielgeplagten SchllMMeS eine Schüssel au den Koxf vLUktßUtß Sflnfli ling wurde vom Rabbi hart bestraft und mußte Abbitte leisten. Ein anderes Mal gebrauchte der Sohn des Schammes ein unflätiges Schimpfwort — es ist im Maharil in seiner ganzen Derbheit in Deutscher m^ffrben ~ §e?e" einen Bachur, und das trug dem Schammesfohn den großen Bann ein, der einzige Fall eines Cherem in der Geschichte des Maharil. Es kostete viele Mühe, — fünfzig Jünger traten mit dem Vater für den Eeachieien äill — sich Dßf DtflfiÖi entschloß, den Bann zu lösen. Die Gemeinde- Vorstände bestritten alle Kosten für die Erhaltung der Jeschiwoh. Sonst bezog er von ihr kein Gkhlltt, lebte jjwm Teil von Heiratsvermittlungen, die er in großem M«ße, nn^ kraft seiner Autorität immer mit bestem Erfolge, betrieb, außerdem von gewissen Einkünften aus Kasualien. Sehr hoch berechnete er die Gebühren für Ehescheidungen, gewiß nicht aus GelZgiöß, stlldßr>n um das Mrfllkiren nrnglißfft zu erschweren. „Denn es ist schon vorgekommen, daß die Parteien wegen der großen Kosten sich wieder in Frieden vereinten." Aus der Tatsache, daß er fast getrennt von seiner Frau leble, dürfen keine Schlüffe auf fein Familienleben gezogen werden. Wie hoch er seine Frau schätzte, wird uns von seiner nächsten Umgebung bezeugt. Er sprach von seiner Frau nie andors als von feiner Hausfrau^ uns sie mit „Ihr" an. Ergreifend die Schilderung feiner Trauer bei ihrem Tode im Kap.mnvir? Die Grabschrift auf ihrem Grabsteine weist in den Anfangsbuchstaben seinen Namen auf. Ueber das (Braß hinaus Mb er mit Der Ulikbtkn Gattin vereinigt. (Fortsetzung folgt.) Mdifche Wanverfürsorgc in Frankfurt. (Schluß.) S5arii£>er hinaus fisht dis VsratUNgSftelle feynsüchNg dem Augenblick entgegkNs in diesen Blättern bereits begrüßten Bestrebungen zur Ausdehnung des jüdischen Arbeitsgebiets und zur Unterbringung von vielen jüdischen Existenzen verwirklichen. Wir meinen in erster fiinie DiS g£j?|«nten beatmen landwirtschaftlichen Siedlungen, über deren genauen Lyp die Ansichten gegenwärtig allerdings noch insofern auseinandergehen, als die einen den ausschließlich landwirtschaftlichen Betrieb mit Meliorisatiünsarbeiten bevorzugen möchten, während bU «jjffeviH dsm dßmptfißtrißD (LanDmirtsSjSft in Verbindung mit Gewerbe) das Wort reden. Wie dem auch werden mag: jedenfalls wird die Beratungsstelle sowohl dadurch als auch durch die erforderliche Erweiterung von Notstandsfl?Mtßn für Ihre MlWilM tsimer Uvterkunst finden. Der dritten Abteilung, den Auswanderern, wird fachmännische Beratung, soweit nötig auch finanzielle Hilfe zu teil. Die fachmänniische Beratung -rslr-ck fe) auf bis BiKWDS S« »MfBJiBlS. ErmHlichung der Fahrgelegenheit, Besorgung der Wisse, Visen usw. In letzter Hinsicht steht die Beratungsstelle, was von großem Wert und nicht allgemein bekannt ist, nicht nur UnbessttdsM auch maleri&ll Begüterten ihn der größten Bereitwilligkeit und Konnivenz M Verfügung. Ihre reichen, man könnte fast sagen, zum Spezialistentum ausgebildeten Erfahrungen und ihre ansehnliche Geltung bis in die höchsten hinein —- sie ist rnit behördlicher Genehmigung Ausländervertretung unb fjqi auch £>ei Beeinträchtigung der religiösen Gewissensfreiheit ihren Einfluß schon trefflich zur Geltung gebracht — machen sie. natürlich durchaus innerhälb Lrs gssstzlichßn Rahmens, zur derufsnsn Instanz in Konsular- und Paßangelegenheiten für alle Länder. Die hier erst kurz Seßhaften werden materiell und soweit rnöglich durch Einführung in produktwe Arbeit unisrfiützi. Mustergültige technische Einrichtungen, u. a. eine vorzüglich ausgebaute und ausgezeichnet funktionierende Nachschlage-Karthotek, erhöhen die Bedeutung der Beratungsstelle weit über Frankfurt btnauZ. Aus all dem Gesagten ergibt sich mir bestimmter und unabweisbarer Deutlichkeit: die Beratungsstelle hat sich eine große Fülle von Aufgaben gestellt und wird ihnen mit einem hohon Aufmand von mh Geist mH Verstand gerecht. Mgn darf ihr ohne Uebertreibung nachrühmen, daß sie mit zu den bestgeleiteten und am ersprießlichsten wirkenden Institutionen unterer Vaterstadt gehört und ihr Ehre macht. Es wäre w«rm gu begrüßen, wätttt sich dsr Nach viel zu kleine Kreis ihrer Förderer beträchtlich ausdehnte.

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