Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1927)
- Date
- 1927-11-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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, z ,l . i >■' 51 7:1»;^.. iai^iiiiariwi1.*.*» n 1 i i"Ui'C* Veite 2 Nr. 45 Die Orthopraxie. Noch einmal: Tal und Gesinnung. Don Zsmar Kellner in Berlin. AS!ii W. \l ffifö Z%m M püElläierlen Ausführungen nehmen auf „eine in Berliner misrachistifchen Kreisen zutage getretene Richtung" Bezug, welche mit dem Kennwort „Orthopraxie" abgestempelt worden ist. Sie sind sogar Sil elfte spezielle Entgegnung auf einen Artikel gemünzt, den der Schreiber dieser Zeilen vor einiger Zeit unter dem Titel „Der jüdische Akademiker" im Organ des Zeireh Misrachi veröffentlicht hat. In jedem Falle involviert die solenn? Ms Aerrn Ar. Auerbach, der sich mir als Verfasser des Israelit-Artikels genannt har, einen Vorwurf, welcher nicht unwidersprochen bleiben darf. Wenn man von Ansätzen einer selbständigen ffliirfifft Üfil MW WWW M W chen kann, so prägt sich diese vielleicht in der Tendenz aus, das Judentum mit einer geistigen Bewußtheit zu vertiefen, wie sie leider in orthodoxen Kreisen vielfach abhanden gekommen ist, 9Jlan stößt hier stuvoeUen auf eine Genüg" |65 ö ■ «<“l *«*•«- «*•»*••« samkeii m geistigen Dingen, auf eine Selbstzufriedenheit in der Weltanschauung, wie sie einzig und allein als das Produkt einer dogmatischen Orientierung, erklärbar ist, welche nicht in. den Gesichtskreis begrifflicher Klarheit getreten ist. Sinnvoll ist doch nun eins menschlich; Mst-llW, Inhalt sich den Erfahrungselementen licher Betrachtung koordinieren läßt, also schlechthin vorstellbar ist. Diese Forderung ist uns im wissenschaftlichen Denken als Sslbstverständ-!eil verlrau!, fie fv!! uns aber plötzlich fremd teren sein, wenn sie im Gebiete des Glaubens an uns herantritt. Denn das Dogma fordert die Ueberzeugung seines Trägers ohne Rücksicht auf die Vo^tellnngsmöglichreit sMx§ WhllltkS über- Haupt. Hier eben setzt das Problem an. Soll der Gläubige das Bekenntnis nur auf den Lippen führen und in autosuggestiver Ueberzeugung eines ihm leeren Wortes jede Problemstellung als destruktiv negieren, oder muß sr nicht verfuchsn^ tiäf hittäbgülätev m öas bwnfie Reich her Begriffe, um daraus eine dem Sinne des Dogmas halbwegs adäquate Anschauung^zÜ"abstrahieren. Geht es z. B. an, vom „göttlichen Ursprung der Thora" zu sprechen, ohne wenigstens zu versuchen, eine Vorstellung damit ^u verbinden? Kann benn üöerhaupl eine Vorstellung lebendig werden im Menschen, wenn sie nicht anschaulich in ihm fundiert ist? Kann denn Me mp* Don Dr. M. -Lewin in Kamöurg. Was ist's, was uns immer von neuem ergreift, so oft wir das Kapitel mpy lesen? Es ist ein MnssmslMglZ, Das vier m&timi miiD. ottox nx no: rftxn ö*mi an» wi Und es war nach diesen Begebenheiten, da prüfte Gott Abraham... „Nach diesen Begebenheiten". Wie viel Glück und wie viel Erfüllung hatte ihm eben das Leben gebracht, wie viel Hoffnung und welch reichen HMN Sfljg HM Mk gllklUNM Dll füll « mit eigener Hand in fein Schicksal eingr eisen, selbst zerstören, was er aufgerichtet, den Baum umhauen, öen er gepflanzt uno mit Treue und Fürsorge gehegt. — Cs ist das Schwerste, was hier dem Patriarchen zugemutet wird. Neunmal hat er bereits Prüfungen g« VMM gSßÄBti — kl Böt M iMlllkl wieder vcwüyn in seiner Dingevunq und Treue, in seinem Gehorsam und Opferwillen, — nun aber soll er alle Kraft der Selbstüberwindung aufbringen, um am Ziele nicht zu versagen, um vi zu werden für alle Zeiten und Geschlechter das Wahrzeichen unbedingter Hingabe und felsenfesten Vertrauens auf Tvms gkkMlk MD iitDiDoHe WallMll. m m *]3a „Nimm doch deinen Sohn" .. . Dieses „doch" Der Israelit «ne PdankliHs Usb»z°«Mn« gewinnen, wenn sie nicht mit begrifflicher Klarheit erfaßt ist? Und unter denen, die wirklich die Idee des „Dogmas" zu erobern suchen, wird es sicher nicht zwei Menschen geben, welche mit dem gleichen Bekenntnis die gleiche Vorstellung verzoll Glaubensbekenntnis nicht zum leeren Wortbekenntnis werdenso muß man sich mindestens bemühen, die Denk- und Anschauungsformen zu gestalten, welche das Dogma in der SWkliMg DDjftitDira, um Den MÄK zu verlebendigen. Nach menschlichem Ermessen ist diese Aufgabe restlos niemals lösbar. Aber wenn man sie als zwecklos ablehnen will, weil sie immer Problem bleiben wird, so scheint mir DW «fal®? WWW. üfc üUW i{l nicht dem Menschen gestellt, um durch Lösung überwunden zu werden, sondern es besitzt eine Realität an sich. Problem ist nicht, — um mit Hermann Cohen zu reden — Aufgabe schlechttz SMMIM N W Ulf hin, |onbern eroi Sysiphusarbeit des Menschen bestimmt, denn ge rade hier, im ewigen Kampf des Hirns mit den Rätseln der Welt liegen die großen Impulse und Triebhebel sittlichen Lebensernstes, denn an den Problemen reift der Mensch, SlUf unseren Außen stünde aber eme Tradition, die sich auf diesem sturmbewegten Boden menschlichen Geistesringens aufbauen will. Die Erfüllung des jüdischen Gesetzes kann und darf nicht variable Funktion der jeweiligen An- WWIWMM [Ein,- Die sich im inmpfe mit Dem Zweifel gestaltet. Sie wird aber dazu gemacht, wenn sie sich die „Ueberzeugung" zum ausschließlichen Fundament erwählt. Vielmehr: „Das jüdische Gesetz setzt nicht Ueber- WMftg voraus, uuft vielmehr zur Ueberzeugung erziehen. Ueberzeugung ist kein Gnadengeschenk der Natur, kein Himmelsangebinde, das dem Glücklichen in den Schoß gelegt roird. Uevergeugrrpg ist hvhk PMZ. der Dem ernsten Streben, dem sittlichen Kampf als Siegespreis winkt, Ueberzeugung ist Lohn eines sturmbewegten Ringens um die höchsten -Werke, sie ist Endziel der Laufbahn, nicht Anbeginn." < Neses sagt fern gcsctzestreuer Zionist, kein orthopraxer Misrachist, sondern ein überzeugter Gegner -des Zionismus und Vorkäntpfer der Agudah-Jdee: Dr. Isaak Breuer in seiner Schrift: „Lehre- Gesetz und Nation". (Verl. d. Israelit.) Erkennt map flpxx tzfx UMlMlllWl IMX sicheren Dogmatischen Fundierung des jüdischen Gesetzes an, fo kann es mir die Forderung einer zielbewußten Taktik fein, die Verbindlichkeit zum es zeigt die ganze Grüße und Schwere der Forderung S88 pft INA«' «W m rröia na¥ 'jQll'nVpim ü’iittxin* Gott spricht gleichsam. Nur das eine Mal noch bestehe, — das ist dann die Vollendung und Krönung des Früheren -p naiffxin ^b *]^i ‘p't .tjemi Mit der Forderung •]*? gehe fort — beginnt der MsUf gfl AtzkStzM “ TJ ihl UU D gehe in Das Land Moria, das ist das Schlußwort, — das nicht nur das erste Wort in sich faßt, sondern es auch unendlich überragt und seine Bedeutung ins rechte Licht fetzt. Erst mußte der Ahn sich trennen von allem, was ihm lieb und teuer war, — von Land und Leuten, von Vaterhaus und von MDiMMU. um TüBto au moiDea zu Mvzlcht uüd Selbstüberwindung, wie sie mit des Patriarchen Bestimmung verknüpft waren . . . Im Hinblick auf Abraham wenden die Allen das Wort an: n M2' Gott prüft den Gerechten, den Frommen. Und sie gebrauchen ein Gleichnis. Will der Töpfer die GÜ16 sstkM Erzsuznisss geigen, dann schlägt er an ein festes Gefäß, — bas nicht so leicht in Scherben bricht. — Abraham sollte für die Menschheit im Allgemeinen und für das Abrahamsvolk, im Besonderen ein Beispiel und Vorbild sein für das, was wir leisten können und leisten sollen. Und er ist es WvlllDM. Dos ist ssitt Verdienst, s^in? Hräß« und Würde, der Höhepunkt seines Lebens. — nnvpn mwnm Wir werden anbeten Gott und dann zu euch zurückkehren, so sprach der Ahn zu den Knaben, die er zurücklietz, mmmi man il Abrahams Verdienst ist es. daß die sich nach ihm nennen, deren Stammvater er } 'Qf fima amnfiwmi vomIHerrn berufen und feiner Liebe gewürdigt, es vernahmenUnd ihr sollt euch ___ 10. November 182? ©efeij Im nationalen Empfinden des jüdischen Volkstums zu verankern. Und gerade in diesem Punkte scheint mir die Kritik des Herrn Anonymus besonders ungerecht. In mißverständlicher Verwechselung von ideologischem Prinzip und taktischer Praxis. Wir definieren den Voll. }U92fi 8fi|t als. Mo|en Träger und Erfüller der Tradition, vielleicht gar als thoratreuen Atheisten, sondern wir glauben, daß Ueberzeugung sich nicht nach kategorischen Imperativen eines Katechismus dirigiersn läßt, sondern ewige, llteserfüllenSe Aufgabe lies Menschen ist. Wir glauben nicht, daß innerlich aufrichtige Menschen mit tiefem Wahrheitsstreben immer „fertig" fein können mit sich und ihrer Ueberzeugung und darum halten wir das Gesetz für gefährdet: w^nn 1 o I 0 I ) «♦•*»» „Pflichterfüllung nur der Glaubenstreue" entspringt. Mit Breuer zu sprechen: „Nicht Ueberzeugung, sondern der nationalkonstitutive Charakter des Gesetzes muß dem einzelnen hinlängliches Motiv znr Gef<,tzo«'n«füss""- 5-j-- Ai - ' jetzeserfüüung sein. Dieses Bewußtsein zu pflanzen und zu pflegen, ist die H a u p t - auf gab e jüdischen Er z i e hun g s - wertes. Ueberzeugung ist nicht lehrbar, ist eigenstes Werk der ¥ s Hä n n $ rn t. WWng unß Mim Weisung kann im besten Falle nur Materialien zu der Ueberzeugung liefern, die ehrliches Streben sich selbst erringen muh." (Lehre, Gesetz und Nation, Verlag des Israelit.) - Wir hab^nleider nur all gtz 8st W.M fahrung gemacht, daß junge Menschen sich vom väterlichen Erbe losgerifsen haben, weil sie „die Ueberzeugung verloren hatten". Dieses Motiv beweist die Schwäche' des dogmatischen Funda- Mi ölk mumm MMerung Dsi jüdischen Gesetzes im jüdischen Menschen vom ersten Tage der Erziehung an, kann uns. Thoratreue erhalten. Die Aufgabe des einzelnen ist es und wird es immer bleiben, sich in ehrlichem ©trßfißn UUD llü Dih Ollsüyn jüdischen Gedankenwelt (Tnach, Gemvroh und Religionsphilosophie) mit seinen jüdischen Lebensformen auseinanderzusetzen, sie gedanklich-weltanschaulich zu verarbeiten. Ein solches Judentum ist nicht toke [finöstn kill frisches UND Mein viges Werk , ewiger Selbsterziehung. Erwiderung. Bon Dr. Moses Auerbach in Aerttn. Zu Herrn Fellners Ausführungen gestatte ich mir in bemerken? i. Der meinepr Aufsatz vorausgeschickte Satz stammt, wie aus der Fassung auch deEch ersichtlich, von der Redaktion und nicht von mir, "ifverwEll im Siiiüi) aus Dkl NIUK --- UUD Mch in Zurnnst, wenn Die Zeit ihrer endglltigen Erlösung gekommen ist. von neuem es hüten werden: vbvil'2 mj?n 1,12 nb 1M1V.11: Sie sollen sich bücken vor Gott aus dem heiligen Berge in Jerusalem . . . Israels Weg ist der seines Ahns. — der zur Höhe. ber nur unter «MsWggiN ggg MlsllllMllkU M rückgelegt werben kann. Dieser Leidensweg füHet und adelt aber Israel ganz so wie seinen Ahn. Auch das Abrahamsvolk ist zu einem vi geworden, zu einem Wegweiser den Völkern, zum leuchtenden Vorbild für Opfermut und Opferfteudigkeit. für Bewährungskraft und Glaubensstärke. Und nur dieser Weg gnm Wtt. öidss Milieu DDn Dem er« probten Psave mangi uns ein gewaltiges Stück üon der geraden Bahn ab und gefährdet das Gelingen unserer Bestimmung oder hält die ErMung aus. Und mehr denn je gilt für unsere Zeit: an'iv wb'i i'imdaß Alter und Jugend den Weg zum Moria irr harrnonischenr Fnsumrnenkrlingen «Üss GkfUhlK Und Cm^srndung^n, bl« von d« Größe und DevLU» tung der Aufgabe geweckt werden, vereint wandeln müssen. Jede Kluft, die sich da austut, rächt sich bitter und wird zur drohenden Gefahr. Darum muß es mit besonderer Freude begrüßt werden, wo immer sich Stätten öffnen, in denen die ^UgssNV fps pgS AbLLhäUiserbe wird, büMit Ult ZNKNNst unseres Volkes gewährleistet ist und jene Zeit sich vorbereitet, da der Opfergang Israels gekrönt und feine Sendung erfüllt wird. - »