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Der Israelit · 1927-10-27 · Heft 43 (27.10.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 43 (27.10.1927)
Date
1927-10-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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27. Oktober 1927 Der Israelit Nr. 43 Dem 13 Horresponäevre« « kaeblicbie« Der Lubawitscher Rabbi Schneurson in Riga eingetroffen Riga, 24. Okt. Wie seinerzeit gemeldet. mar der in dev ganzen W-ölt ELht'te „LuvawilsMr Rebdc". Rad b i Schn-eurs-im, wegen Propaganda und Geldsammlungen für Jeschiwoth in Rußland von einer russischen Polizeibehörde in Moskau verhaftet und ihm der Zwangsaufenthalt in Kostroma angewiesen worden. Auf lill MUWlUlüN jMWkl Botschafter der Sowjetunion in Berlin hin wurde Rabbi Schneurson nach kurzer Zeit aus Kostroma nach Leningrad entlassen. Im Sommer wählte ihn die jüdische Gemeinde ln Riga zum Rabbiner. Nachdem Verhandlungen mit m öoisitfitnien fingt*?!# mavenibie ble ®ntlassung des Rabbi Schneurson ans dem Gebiete der Sowjetunion betrafen, wandten sich seine Anhänger an Herrn Dr. Oskar Cohn-Berlin und baten ihn, zur Fortführung dieser Verhandlungen nach Moskau zu reisen. Dr. Os kor Cohn kam diesem Wunsche nach. Bei den Besprechungen, ®r- Qslar Ulk Ö21T1 tBOlfßi kommissar Tfchitscherin, dem stellvertretenden Volkskommissar Litwinow und anderen Mitgliedern der Sowjetregierung geführt hat, zeigte dieser großes Entgegenkommen und hat Rabbi Schneurson und seiner ganzen Famim, m mnm 8 PßMnen. Dir wir händigen lassen. Auch ist ihm bie Mitnahme bedeutenden Bibliothek erlaubt worden. Rabbi Schneurson ist mit seiner ganzen Familie am 21. Oktober in Riga eingetroffen. Auch der agudistische Sejmabgeorünete 2ubtn in Riga hat sich bei zweimaliger Anwesenheit in Moskau um die glückliche Ueeubigung &er bemüht. Der Lubawitscher Rebbe.. Riga. 23. Okt. Die Ankunft ks populären M$ßM hat unter der Rigaer jüdischen Bevölkerung ungeheuren Enthusiasmus ausgelöst. Obwohl der Zug früh vor Tag eintraf, hatte sich eine riesige Menschenmenge angesam- Nlött, UM DM RüW W hegMkN. M sssid seine Angehörigen wurden von der begeisterten Menge in bie für ihn reservierte Wohnung geleitet, wo der Rabbi von den Führern der Rigaer Judenheit herzlich begrüßt wurde. Der Kampf um das Gemeindegeseh. Die Austrittsberoegung. — Eine Erklärung des Waad leumi. — Aufschub des Gemeindegesetzes. JökUsülM, T. DEt: Nachdem sich zeigt, daß nicht nur die a g u d i st i - scheu Kreise zur selbständigen Kongregationsbildung entschlossen sind, sondern auch zahlreiche Mitglieder der kleineren sefardlschen Gemeinden sich vom Waad leumi tu ollen uni> fast "Sie gefSOTtS, kök ÄgllDa siökll? stehende gemäßigte Orthodoxie ebenfalls entschlossen scheint, sich selbständig zu organisieren, scheint dem Waad leumi vor der Entwicklung der Dinge bange su LMd2n. Er vörlissMiliftl iklne ErkMiiM: in S?5?s heißt: » „Es wurde hie Befürchtung geäußert, daß der Status des Rabbinats dadurch gefährdet werden könnte, daß areligiöse Personen, sowie Frauen bei der Wahl der LMMLWr MschMMM Elnslutz Wen kliMlkn nns daß der Waad leumi bei seinen Verhandlungen mit der Regierung bemüht sei, die Autorität der Rabbiner zu untergraben. Bei der Propaganda unter der Bevölkerung gegen den Anschluß an die Gemeinde wird auch noch t«s oirgümini!U5 TmssM fliafiiDrt, stütz Dem Wögst Leumi aus Grund des Gemeind-egefetzes Vesteuerungsrecht zuertannt ist und er somit die Macht habe, den Gemeindemitgliedern. schwere Steuerlasten aufzuerlegen. Schließlich wird noch darauf hingewiesen, daß der Waad tai cUif Gr-nnD m neuen (Bettes sift iin Ben Kksist des Eigentums der verschiedenen jüdischen Gemeinden wie Sephardim, Jemeniten, Georgianer, Bucharaner usw. setzen könne, wo doch diese Gemeinden bisher unter eigener Jurisdiktion standen. Dkl MO leumi stk stSLH jederzeit pr'bie Position des Rabbinats emgetreten^ Die SkükllköN für stk6 Wühl des Rabbinerrates werden fo abgefaßt fein, daß dem Rabbinatselement innerhalb des Rates ein beträchtlicher Einfluß gesichert werde; die Furcht vor antireligiösem Einjlu^ ijr durr^-cius unbe-gröndet. Bisher haben freilich die Unftchandlungen zwischen der öeitung. des Rabbinats und dem Waad leumi zu keinem befriedigenden Abschluß geführt. Was die Besteuerung anbetrifft, so werden die gesetzlichen Steuern gewiß die jetzt übliche freiwillige Steuer für jüdische gemeindliche Zwecke nicht üdtrMmmj ruf m Wmmysng ber 9nptutip* neu für Arme, Kranke, Waisenkinder, söwiö kMgidftt' und erztehLrtscher Anstalten soll durch die Steuern gesichert werden. Der Waad leumi hat keinerlei Macht. Institutionen der verschiedenen bisherigen Gemeinden wie dre Sephardim. Jemeniten ufw. unter feine Kontrolle gu bringen, eje! 'Un'n, ÜS tzSikSsstjlstM GöMMstM sich freiwillig unter diese Kontrolle stellen." Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, wird die Regierung angesichts de s d r o h e n d e n Chaos das G e m e i n d e g e s e tz üßüi» 1*flujjt nicht in f raff setzen. Dieser Aufschub kommt dem „Waadleumi" zugute, der zweifellos heute im höchsten Grade kompromrßbereit ist und sowohl den Gemäßigten mit ihrer „Adas Israel" als den Sefardim weitgehende Zugeständnisse machen roirb. Es äst daher nicht vor auszusehen. inmismeit bisst Beißen Gruppen fefwlelden und durch ihre LoZlösung vom Waad leumi die Voraussetzung zur Bildung einer großen orthodoxen Einheitsgenceinde bieten werden. Klar ist jedenfalls, daß die konsequente Haltung des ..Waad hair aschkenasi" und der „Agudas rgenü4er liüi lmmi" zu UWM llüM scheu Erfolg der Orthodoxie geführt hol, öer all>erömgs noch der positiven Auswertung bedarf. Personalien. Moses Sahn 1 Baisingen, 20. Oft. Am Tage vor Erew Jaum Kippur kam in Baifingen Herr Moses Ka h n, fast 78 jährig, zur letzten Ruhe. Ein Mann von unwiderstehlicher Energie und Ausdauer, hat kl Mi WM KksiWki ff ffüfr mit feinen ty™ i;n bm TsÄ vsrauLgHgangöMn ähnlich vernninglrn Vrnürrn Jsat und Veit Kahn n-y betrieben hat, dank seines unermüdlichen Fleißes und großer Umsicht und Ktugheit viele Erfolge errungen und in der Geschäftswelt sich großes Ansehen und große Bedeutung erworben. Trotz einer wohl MchsndMklists mar auch fein Empsrndungs- und Gefühlsleben nicht verkümmert, im Gegenteil, ein ganz merkwürdiges feinfühliges Gemüt und eine geradezu kindliche Weichheit des Herzens war ihm eigen. Vor allem eine ungemein tiefe Religiosität lebts tn thn^ non frühsstsr Kindheit bis zu seinem Tode. die sich allein ist AMkLst Mtö ÄH ÄU|örtO, sondern in einer peinlich gewissenhaften Erfüllung der Thoragebote und -Verbote, unter meistenteils sehr schwierigen, Entbehrung und Opfer heischenden Berhältnissen auslebte. Aber nicht allein, daß er für seine eigene Person und seine Familienangehörigen und Kinder darauf H??ff ba|f f’e ben Mizwaus und ber Thora g«- horchten und treu blieben, auch auf vre Mitglieder femer Gemeinde, auf seine Standesgenossen, aus alle Juden, mit denen er zusammentraf, suchte er durch Ermahnung und Belehrung einzuwirken und sehr oft mit Erfolg und nicht allein vorübergehender, sondern sehr häufig mit dauernder und nachhaltiger Wirkung. An jed«m Sabbat Ullö JäUMtllUW bst Schuljugend uub auch die Erwachsenen um sich und lernte mit ihnen Chumisch mit Raschi und Kizzur schulchan aruch, und redete ihnen zu Herzen. Seine Bemühungen machten aber nicht Halt bet den Grenzen feiner Gemein,ds. auch auf die Bekämpsung^or resoMMs^zg Md lNdlssMNM TmklM? zen in der württembergischen Äsraelitftchen Reirgronsgemeinfchaft und aus die Erringung und Schaffung besserer d. h. der Orthodoxie und Tradition entsprechenden Zustände und Maßnahmen suchte er hinzumirken und alle bah in zstkendeu Bestrebungen zu unterstützen. Und zwar UM fimnM. gsar jr, ]a- Ferfoniiö) außerordentlich anfpruchs- und dedüksntslos UNd sehr sparsam, dort, wo es sich um Linderung von Not, Leid und Armut handelte, oder um einen guten Zweck menschenfreundlicher Akt von geradezu großzügiger Freigebigkeit. So hat er auch durch persönliche Bemühungen Dürft Sftrift uaD WMillkg unB auch durch Geldmittel die Friedettsbewegung üi^lfaü) Usilerskützk, du seinem weichen und humanen Gefühl Krieg und Kriegsvorbereitung ein Greuel war. — Seinem weiteren Familienkreis, feinen Orts- und Standesgenossen, war er infolge seines weiten Blickes, seiner Klugheit und seines sicheren ein oortrej^licher Ratgekier unV rnehr als «inen Mann Huben seine weisen, -einen juv(fUf4i Ochmann übertressenden Angaben vor bösen und schlimmen Dingen behütet. Denn er war hilfsbereit und gefällig und oft widmete er feine gemessene Arbeitszeit rat- und hilfesuchenden Leuten von nah und fern. Daß an seinem Tische und in seinem Hause Gastfreundschaft an Arm uh& Steift Mbl murDi, uMW fift ßßn Wst, Keinem Lelchenbegättgüls wöhMö nicht nur iöme grotzc Anzahl von Glaubensgenossen von noch und fern an, sondern auch der Bürgermeister und Gemeinde rat von Baisingen und viele Ortsbürger. Am Grabe sprachen der zuständige Bezirksrabbiner, Herr Rabbiner Dr. Schweizer-Horb, ber Sohn bss Bsrftorbsnsn Dr. Alfred Kahn- «Mr, Ut 9Mf< Wt ®. AP.M,PiilM Md der Schwiegersohn, Louis Kahn-Frankfurt. 'n~2sin Alsbach (Hessen), 23. Okt. Einer unserer Besten ist am ersten Suckaustage mit Lazarus David von uns gegangen. Galt seine Lebensarbeit in erster Linie seiner Familie, so galt sie nicht minder seiner Gemeinde, weldp-er er 26 Öätjrc in vorbildlicher Wsifs norftanb. Keine Ängctcgcnhsck bv>vr,rr,f' «n^ wäre [U jo gewesen, schien ihm zu unwichtig, als daß er sich ihrer nicht mit großer Wärme angenommen hätte. Bescheidenheit war der Grundzug seines Charakters, doch geradezu anspruchsvoll konnte er werden, wenn es sich darum handelte, für seine Gemeinde etwas zu erreichen. Von Schicksalsschlägen blieb «uch «r nicht »erschont — nahm doch ihm ^er alrceg einen ^o^nnnMv?ü^n —, aber sein goldener Humor, der ihm die Aelteren zu Vertrauten und die Kinder zu Freunden machte, ließ ihn auch das Schwerste tragen. So ist es selbstverständlich, daß sein Haus Ratsuchenden und Armen stets offen mar. wobei ihm feine ebenbürtige Gattin 'NV hilfsbereit zm» SM ftenft. — ^rnnDornijiÄ mer injinöifssi? tragen auf das n'a, das, wie Synagoge und Gemeinde, von feiner besonderen Fürsorge Zeugnis ablegt. Niemals ließ er es zu, daß der arun in der Synagoge oder das Ueberkommene auf dem a>nsr eine Aenderung erfuhr. — Seine allseitige Beliebtheit tat sich kund durch die überaus große Beteiligung von Jude« und Nlchtjuden bei [iüUr ttch MögW )ißinß AliMMW Iroft Daria finden, daß wir ihn nicht vergessen. N-LLLN. Borken i. Wests., 23. Okt. Der am 13. Oktober zu Eingang des Sabbats erfolgte Heimgang unseres 1. Vorstehers, Josef Feith, rief in der ganzen Stadt jähe Bestürzung und allgemeine Teilnahme hervor. Drei Jahr- Äte vkNöh ökk sein schweres Amt m ^n- MvungLvoMr Treu«' clls LhrmalMr Lehrer dvr Aelteren unserer Gemeinde galt sein Wort. Tiefe Gläubigkeit, gespeist am. Quell jüdischer Wissenschaft, war der Grundzug seiner stärken Persönlichkeit; durch seine opferfreudige Hilfsbereitschaft und werktättge Nächstenliebe war er Freund und Berater aller, die ihm nahe standen. Die Srerüignng; m m f?nnlte?!/=rabbo^u,iter ungewöhnlich starker Beterligung Meier rheinischen und westfälischen Gemeinden stattsand, legte davon beredtes Zeugnis ab; die Teilnahme des Magistrats, des Bürgermeisters und aller Stadtverordneten, der Geistlichkeit unserer Stadt, zu denen sich die Spitzen der Kreisbehörden aUer Kör^erjchaften unb Schulen gesellten, bewies, baß sein SedM -ein' wahrer Kiödusch-^«^m w«r. der Feiertage mußten Trauer und Schmerz um den unersetzlichen Verlust am Grabe schweigen. Die allgemeine Teilnahme und der feste Wille, mit des Allmächtigen Hilfe die rastlose Arbeit des Heimgegangenen zu erhalten, mö- Zs» bis tteWsllgm MkWrigkn tröffen.?'2r Budapest, 23. Okt. Am i"« verschied nach langem Leiden im Vudapester orthodoxen Sanatorium Oberrabbiner Dr. Gustav Löwy aus Levoca (Slowakei), ein Nachkomme des v'Ln» ^ferner des großen Rabbiners Dtosche Perls unb Sohn bes sagen, aus Qaröogarb 7"sr- Er war tangjcHjrcger unlf lieWnfen&er Lteblcngsschülec von Rabd. Breuer vordem Zögling der in Eisenstadt, Papa, Pretzburg. Schon in jungen Jahren ein großer Kenner der v"&'n y und der riesigen rruz? Literatur, ein i'r» und jam von Gottes Gnaden. Er hielt im Namen der die Abschiedslkür Beim 8KiSkn «»kk 8fsa«i mr $sfs: fr erhrell mmn von b^is wie Rabb. Pefach Singer, R. S. Breuer, Rabb. S. Lipfchitz, Präsident der orthodoxen Landeskanzlei in Ungarn, R. A. Klein. All diese Größen betonen, wie es sich hier um einen befondern aiwi» und '"iin i>-m handelt. Univ.-Prof. Kurz, Bern, begklftnkfk in MM Zkmn.l§ ven 26 jährigen als „ffr flertzigM, iüfttigm und gelehrttn Manuder giroiß Mr Stelle, die man ihm anvertraut, mit Ehre aussüllen wird." In seiner Gemeinde, deren erster Rabbiner er war, fand er außer-den miteinander streitenden Parteien nur §^n an Gemeinvetraditton, an n-nnn tos VW'. Er mußte mit Herz-ensblut und Aufopferung feiner einst so blühenden Gesundheit jede notwendige Gemeindeinstitutivn allein, ohne jede Mithilfe erkämpfen. Die Aufstellung einer provisorischen mpn, bie Einführung einer nivnv'nv die Errichtung der jüdischen Volksschule, einer bejonberen Dalmub-Thara, bas Hustanbekarnmen LiMS WohltaNgkeitsverecnes, dir Änsar^rtiung eines aus Basis des stehenden Gememdestatuts und im Kriege die auf eigenes Risiko aufgestellte und ganz allein geführte rituelle Militärküche kosteten ihn viel Mühe und Äusregung. In seinen jüngeren Jahren hatte er auch eine kleine v-r'e?' die aber rvegsn ben ungesicherten Verpflrgnrc^sverhäftntfjsn llliltzlö. Er war -ein. glühender Anhänger des deutschen orthodoxen Judentums, hatte dabei viele chafsidische Noch einige Stunden vor seinem Ableben gedachte er unter Tränen seines lieben Frankfurts und seines hochverehrten Rabbis Dr. Breuer. Diese „Frankfurt"-Li'ebe prägte er auch allM so«n finDurn M. m war snmm Skk Austrittsgedankens im Sinne von S. R. Hirsch. Mit ihm verschied eine in ihrem Aeußern und Innern durchwegs vornehme Persönlichkeit, die es nie verstehen wollte, daß jüdische Politik und mn Wahrheit voneinander verschieden sein könnten. Die nichtjüdische Bevölkerung nmljlte ihn mehrmals zum Mitglieb dev Stabtrspräsentangi Sein Vinslntz W? tnar lich. Im Jahre 1898 beschrieb -er zum erstenmal im

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