Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1927)
- Date
- 1927-10-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450485--74417-2531888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ii' ,t -,<"-v ^-.«',>1 petie 10 m. 1a_ die auch die Juden an die Publikation seiner neuen Manuskripte setzen. Gewiß sei die Drucklegung, sagte ich, mit g r o h e n U n k o st e n verbunden, und die Obrigkeit ist bekanntermaßen eng^er^ig, hat Geld tn Fülle für Feste und Trinkgelage und den bunlen Mummenschanz des Hofes, aber nicht für kostbare Konzepte eines Mannes, der wie ein zweiter Martinas Luther zur Erleuchtung aller -Dunkelheiten in der Welt und Lehre erkoren ist. Ja, hindern sogar die Verbreitung her Söaljrfjeü unb SGßexsljevt biurti) schikanöse Konfiskationen. Die Juden, so ließ ich durchblicken, würden sich schon etwas kosten lassen, aus eitel Verehrung nur, aus Dankbarkeit, aus Liebe zur Wissenschaft, für das große Heil der Menschen und der Cinfälligen des Geistes. Ja, ganz gewiß würden die Juden Geld geben, wenn — -Und wie Eisenmenger bei diesem „wenn", wie von einer Sprungfeder gehoben, aufstand und nach den Vedin^nn^en fra^re^ nannte ich chru eine Reihe von Büchern aus seiner Feder, die definitiv vom Handel zurückgezogen und verbrannt werden müßten, andere, in denen gewisse Stellen so und so einer Modifikation unterworfen werden müßten, um von neuem gedruckt zu werden. Was aber Manüsinstie ättheläiG, sö Gäkö -öG M billig von seiten der Juden, die das viele schöne Geld hergeben, zu verlangen, daß sie erst Einblick in sie bekommen und nach ihren vorgeschlagenen Llmendementen in den Druck gegeben llM'bött." „Und was sagte Eisenmenger zu all diesem?" Alle drei waren des sicher, daß wenn auch Grünhut iin einzelnen stark aufschnitt, sich im Ganzen die Verhandlung wohl so zugetragen haben konnte. „gllksst mgM MllMNM AMn mP tat einen Schritt vor, als wollte er sich mit geballten Fäusten aus mich stürzen. Er suchte auch nach der Tischglocke, wohl um Diener herbeizurufen, die mich zur Türe hinaus und zu den Konstablern befördern sollten. Aber plötzlich sah er mir ganz ruhig ins Auge und fragte leise: „Wieviel?" Ich nannte die mir aufgetragene Summe. Aber Eisenmenger setzte sich an seinen Schreibtisch und schüttelte stark ablehnend und gekränkt mit dem Kopfe. Es war ihm ZU rmnig." „Wieviel will er?" „Er nannte die Summe von dreißigtausend- Talern." Rabbi Schotten und Nathan Maaß sahen zu Oppenheim hin. Dieser zog die Stirn in Falten. Mm Summe oiOTöringnf; Ml u> „rvM uns nach dem Ad.erlaß der Königsgeschenke nicht leicht, vielleicht auch gar nicht möglich sein und auf keinen Fall in den wenigen Tagen, die wir noch bis zur festgesetzten Audienz zählen. In drei IlMli ist Inmkiovur und m Mbl uns auch keine Zeit, die anderen Gemeinden zu alarmieren." „Wie seid Ihr nun auseinandergegangen? Hat er einen Termin angegeben?" „Ja, bly gnrn Donnerstag, dem sechsten Oktober, wollte er auf Bescheid warten, der durch rn i ch kommen und verschwiegen bleiben muß. Hat er bis dahin nichts Festes in der Tasche, so wird er am Abend dieses Tages bei Hofe fein und in einem Kreise non gelahrten .Sperren seine LüllM verteidigen und seine Manuskripte vorlesen. König und Königin, wie alle Minister und Höflinge werden zugegen sein. Er erhofft aus dieser Audienz vor allem eine Freigabe seiner konfiszierten Bücher." „Äonnersio.g, es tst unser stestle Rabbi Schmuel Schotten, bleich und ratlos, fest. „Und drei Tage später, am dreizehnten Tischri ist unsere Audienz beim König angesetzt", überlegte Oppenheim in banger Sorge. „Wir siirdstk dsn Hsf noch Ulllsp dsm ftrschsn Crudvucks der Lügen und Verleumdungen. Daß sich Gott unserer erbarme!" (Fortsetzung folgt.) £ f r gnulir 27 Oktober 1927 Die Allen und die Zungen. Von Dr. W. Ascher. . (Fortsetzung) Nicht mir sich selbst will man befreien, sondern man Emmtt sich such stark um Ule an; geblich geistige und wirtschaftliche Not des Freundes und ruht nicht, bis es gelungen ist, auch den Freund gegen Eltern und Lehrer mobil zu machen. Kaum versteht man recht die Fibel, so verficht man balb Die Fabel, blitz niimanp Die stkbln Stäbe zu brechen vermag, wenn dieselben zu einem Bündel zusammengeschnürt sind. So vereinigt man sich und bildet eine Macht, die immer größer wird und an der man nicht mehr vorbeisehen darf. Als Vereinigung glaubt man sich schon viel mehr herausnehmen zu dürfen. Zu allen sozialen, wirtschaftlichen und selbst religiösen Fragen wird ohne weiteres Stellung genommen. Man will angeblich „die jüdische Jugend aus den letzlen klammern bes Ghrstö MAN. Will Leib und Seele zu einem neuen Leben erwecken; die unedle Haltung einer beengten Umwelt soll durch eine neue Gesinnung überwunden werden." Um die Lostrennung von den Alten ensrgiWr zu bMMMWll, wirb vvr allem gkttW- Man ist darauf erpicht, alles zu verneinen. Man verneint die Autorität der Eltern, der Gesellschaft, überhaupt jede Autorität. Die häusliche Erziehung wird gebrandmarkt, die öffentliche Erziehung wirb abfällig äeamm, Pm d?ftlW«stsordnung gefällt den Herrschaften nicht mehr und die Gesellschaftsmoral schon gar nicht. Gar an die Staatseinrichtungen wagt man sich heran und den größten Staatsmännern gleich werden selbst internationale Fragen erörtert und mit verblüffender Bestimmtheit gelöst. Man glaubt innerlich umso freier zu werden, sc mehr man auch) sebes religiöse Gefühl leugnet und die höchsten Begriffe über Bord wirft. Der Schöpfung wird ein Sinn abgesprochen und das Sinaigesetz wird entthront. Män wählli \n\ zu szill, Wgllll Müll tun könng, was man nur wolle, wofern es nur nicht gegen die Statuten verstößt, die man sich gegeben. Die Leute von Teterow beratschlagten, was sie wohl mit dem Aal anfangen könnten, den sie endlich gkfapgm Dnnem naWkm?t M? jahrelang viele Fische weggeftössen und so grm ßen Schaden zugesügt hatte. Endlich entschloß man sich dazu, den Missetäter in den See zu werfen, um ihn so elend zu ersäufen. Und die Jugend glaubt die Freiheit eingefangen zu haben, taenn man sich eine SSerfaffung scheinbarer Freiheit gibt. Die Autorität Gottes wird aus dem Programm gestrichen; hingegen schwört man auf die Autorität eines menschlichen Führers, dem man mit seiner ganzen Person und mit Hingabe aller Kräfte dienen will. Man rvill fein Schicksal selbst bestimmen und macht sich zum Sklaven von Menschen, die vermeinen, unumschränkte Alleinherrschaft ausüben zu können. Man glaubte zu herrschen und wurde zum Knecht. „Wir banken Dir, o Gott, batz Du um Dem Lehrhaus zugeführi hast und nicht dem thoralosen Leben. Wir müssen früh aufstehen, die andren desgleichen; wir müssen uns plagen, die andren desgleichen; wir müssen rennen, die andren desgleichen: die andren jedoch, um nichtiger ©trtge rotüert uni &em Q3er&er£>en enlgegertj imi* aber im Sinne der ewigbelebenden Thora, dem zukünftigen Leben entgegen." Weh uns, daß so viele brave jüdische Jünglinge und Jungfrauen sich einfangen liehen! Sie mrm killst vor eblkw ullb nimm Wollen m füllt und sind hinausgezogen, um die Wahrheit zu suchen. In den Netzen eines modernen „ismus" sind sie hängen geblieben. Den Quell lebendigen Wassers haben sie verlassen, „um aus UMMenen Zisternen zu Mpsew bie niült einmal das Wasier halten, das man in sie hineingeschöpft." ('ii 'rrwO- Um Heilung zu finden, muß erst des Nebels Ursache festgestellt werden, und dies soll im folgenden Kapitel gestehen. raottfeßimg folgt.) Zu spät. Bon Klara Allmann-Chajes. Der Wind führt heulend durchs dürre Laub, Rüttelt die Bäume, wirbelt den Staub, Zaust dein Wanderer Bart und Rock, Ärucki seinen Packen, entreißt ihm hen ^tock. Seufzend, gebückt unter schwerer Last, Bon Hunger geplagt, ohne Ruh und Rast, Eilt der Jude den Bergweg entlang, Das Haupt voll Sorgen, das Herz jo bang. „Auf Del bell Flügeln trüg' doch, ü Will- Heim mich zur Hütte, zu Weib und Kind Ehe Petljuras blutrote Qual Leichen säet ins friedliche Tal." Der Sturm fegt über Wald und Heide, Die kahl llno trostlos im horbstlichön Kl«0ö, Ballt die Wolken, knackt Zweige und Aeste, Bericheucht auch die letzten gefiederten Gäste. .beuchend jagt weiter und weiter der Iud, M:: sinkenden Kräften, sinkendem Mut, Unb au er erschauernd am ^Berggipfel steht, EmstNimt feinen Lippen leises Geber. „Hilf mir, o Gott, in meiner Not, Beschütze die Meinen vor qualvollem Tod, Laß sie zur Zeit noch dem Greul entrinnen. Eh die grausamen Schurken ihr Werk beginnen." Der Orkan rast mit verdoppelter Macht, lieber das Tal senkt sich finstere Nacht, Gespensterhaft bleich stürmt der Jude fort, Nähert sich mühsam dem Heimatsort. Von m eifern f chon steht er das Ghetto in Flammen, „Zu fpätft ruft er aus und öricht zusammen. Verbrannt ward sein Haus, samt Frau und Kind, lieber die Asche fährt heulend der Wind. Ainderecke. tnrn '*>2X nv>n*iK jnns ra m,»n »b W D1N1P2 'DU? r'2X N2.121 DlKl ■»nas?*? ä’XTij? v-kiai (i mviio »iMi *nu doi (2 .'V12X2 ä'27112 XILVvl pftl (3 ’pDsn m rviWn Tins1? ^pm (4 ♦bsii’nx1? Tmnpw onrnnn pnpin dk Isak Lubinski, Schweinfurt a. M. JULIUS SCHMIDT ANNONCEN - ANNAHME iu Opi§i!taIßi>8i8@8t * Frankfurt am itfain Langestoss® 7 T«iof»n Hansa 4§4i Postscheck-Konto Frankfurtmafn 142 383 Eänzige ärcsetraten-Anraafcme för Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAELIT« Annahme von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochen* u. Fachhlätter * JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME su örigSnatprefsen Lerantrvortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schach nowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S.Schachaowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann ht €ptenblingen (Kr. sDffeit&ad}). — Stertes §#aülfcs*i — S«stJ Mtlönstsellschüst. FkaEurt 4. M.