Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1927)
- Date
- 1927-10-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ftHillet«» Beilage Der Israelit lir.43 m Feuerzeichen. i'rn m #• * (Fortsetzung.) IV. Arje Löb blieb über die Feiertage in Frankfurt. Der große Rabbi Naftali. in dessen Sache er hergekommen war, erfreute fit?) {a tcr Freiheit, und der Termin für die Einlösung der Schuld, die dessen edle Befreier auf sich genommen, war noch lange nicht abgelaufen. So hatte es denn keine große Eile. Die Sache mußte überlegt und beraten werden, uni» 3W)M Scfjmuef Sioilen sowohl, wie Ahron Oppenheim waren der Meinung, daß man vor dem glücklichen Ablauf der Audienz in Heidelberg, die zur Zeit alle Geister im Banne hielt und alle geldlichen Mittel aufs MllßkM MMltM tmm Ratschluß über die Höhe der Summe fassen konnte und durfte. Rabbi Schmuel Schotten hatte den zukünftigen Schwiegersohn mit offenen Armen empfange, Äüst ^abbinate in ^pfen die ,,Morenu" erhielt, war viel, aber noch mehr bedeutete es, - daß er von der heiligen Gemeinde in Posen einer solchen rvickstigen Mission gewürdigt wurde. Arje Löb war ein Mann ganz nac^ seinem Herzen, hatte die Gründlichkeit und die Liebe zur Forschung von seinem großen Bater, aber etwas vor ihm und auch Schotten voraus: den weiten, umfassenden Blick für die Bedürfnisse Israels, in der großen östlichen Gemeinde cm der kampfumbrandeten Grenze zwj- \im Oft MS Msk nur zu loiö)i gMimivur. Elsbe hörte das Lob ihres Auserwählten aus dem Munde des Vaters mit pochendem, lachendem Herzen und prüfte im Innern, ob und wie groß ihr seelischer Anteil an seinem Aufstiege, der Anteil, von dem Arje Löb oft und gern sprach, s?l! hallte itjr biej'er Sirtteil gejic^eri bleiben, so hatte er ein' paar Mal ihr nicht ganz verständlich gesagt, dann müsse sie neben der Liebe auch die Kraft bekunden, Kraft zum Ausharren, Krasi, wittt nötig, Opfer aus sich zu sl^M Von rvelcheur Opfer sprach er? Arje Löb benutzte die ihm aufgezwungene Muße zu seinen weiteren Studien. Die Randglossen zum Talmud von seinem großen Vater Ahron Krakauer, als Fortsetzung der Lebensarbeit Rabbi Samuel Kaidnowers. hatte er fertig unter sch ml Ä uns SW WUkvm na® einmal in Gemeinschaft mit Rabbi Schotten geprüft und gesichtet und wohl geordnet für die geplante Drucklegung des gesamten Talmuds, für die in der' Druckerei von Johann Kellner bereits die umfassendsten Vorbereitungen getroffen mm. Auch für m AUMMllg DiksßZ Planes mußten Gelder flüssig gemacht werden, deren Quellen erst nach der Audienz zu entdecken und auf ihre Ausgiebigkeit zu prüfen waren. Diese Arbeit war der Inhalt der täglichen und MM« LirttstuuSw im Hilft SchollM. Reben Rabbi Schotten und Arje Löb nahm noch ein dritter daran Teil, ein gleichaltriger Freund des Rabbinersohnes, Nathan, der Sohn des Hofjuden Ahron Oppenheim. Nathan hatte die «rstrn TälmMiWPe zusammen mit Arjs Lw auf der Hochchfule Krakauers und Schottens fast mit gleichem Erfolge absolviert. Dann, so um das neunzehnte Lebensjahr herum, trennten sich ihre Wege. Während Arje Löb, von Anfang an 8kM MMnkrMW 8M8M LM Lehrhaus ntst dM ttt PüsöN vertauschte, M Uebriaen aber bei dem Talmud und dessen Waffenträgern blieb, sollte Nathan Oppenheim nach Väterart in die Welt und ins Leben hinaus, wurde nach Wien zu dem Oheim seines Vaters, tu et it> er ütpnt en Qber^ojjubert Samuel Oppenheim, geschickt, und ging von dort zuweilen auch nach Prag, wo ein Bruder Ahrons, D a w i d Oppenheim, als hochangesehener Oberrabbiner amtierte. Nathan vertrat so schon ist justszen Jahren das frankfurter Haus Oppenheim in Wien und Prag und hatte 'Gelegenheit, die Welt zu sehen und das Leben von all seinen Seiten gründlich kennen zu lernen. Er war etwas größer gewachsen als sein Freund, trug sich anders und gab sich in Kleidung, Haltung, We- I-n üni CMchs fast Bis sin junger OMmnnn. Er hatte in einem schönen, edelgeschnittenen Gesichte die klugen Augen des Vaters und wie dieser die Gabe, seine Gedanken scharf und präzise in schöner, fließender Rede zu formulieren. Wie dieser WH s? SssHMonlliq zu schMMn und zu hören, wo ihm Schweigen geboten schien. Beim Lernen und Forschen hielt er sich mehr empfangend im Hintergründe und griff nur da ein, wo es darum ging, auf Grund unbekannter Werke und Manuskripte Vergleiche vorzunehmeu und etwas richtig zu stellen. Denn Bücher, Bilder, Manuskripte, alte und neue Drucke, sie bildeten Nathan Oppenheims Lebensinhalt neben seiner geschäftlichen Tätigkeit. Von seinem Großoheim in Wien, der als der Wößtö Tüchörsammlör Der WM Mannt mar; hatte er diese Liebe übernommen und die Fähigkeit erlernt. Seine Bibliothek im Frankfurter Hause seines Vaters wies schon manches wertvolle Exemplar auf, das die gelahrten Herren Der NM, 8U® SMMll; NMgaIten italienischen Drucken und neueren Ausgaben in Wien und Prag konnte er, der tieferen Problematik der Dinge ferner stehend, Rabbi Schotten und Arje Löb bei der Sichtung des Materials manchen großen Dienst leisten. Indes saß Elsbe im Nebenzimmer un! wandte keinen Blick von ihrem Verlobten, und es schien ihr, daß indem er mit dem Vater und mit dem Freund und mit den vielen Namen aus den alten Blättern beschäftigt war, er im Grunde nur mit ihr, zu ihr und für sie sprach. Verlor W MM» m llMMtimg in gar p mm Fernen, so glitt bald ein Blick zu ihr hin, der wie Heimkehr der Seele war . . . Sie war mit WOMMilMMm. Elsbe gehörte zu den reinen, stillen Naturen, Die mtjr mit 8m NiMll m mit ssm Mnstdf reden. Sie war stille, ohne traurig zu sein.; leise in ihren Bewegungen, ohne träge zu erscheinen; allein, ohne sich einsam zu fühlen, sie zehrte m inneren Reichtümern, Wenn sie ausblickte, schlugen wie aus inneren Kammern FlaMcn auf uns MkMm Das pte WM in seltener Schönheit; wenn sie auflachte, klang es wie Heller Glockenton, bei dem man horchend in der Arbeit innehalten mußte. Rabbi Schmuel wünschte sie in seiner Nähe, wenn er bei schwerer Gedankenarbeit war. Er glaubte leichter zu IM, mm W ClM Dag M® MW, m Worte flössen besser aus der Feder, wenn er abends die neuen Blätter des Manuskripts, von Elsbe mit großen weißen Nähten zusammengeheftet, auf seinem Tische vorfand. Ww fio |o einmal mitten in ®rc geleBrte Unterhaltung wohlgemut leichten, leisen Schrittes hineinhuschte und sich an den Vater hängte, sah auch der gewandte, galante Nathan Oppenheim entzückt auf und ein Wort aus dem Hohenliede Drängle sich ihm ans Die Dipen: „Schön wie der Mond! ..." „Und Du," lachte Rabbi Schotten, zu Arje Löb gewandt, gut gelaunt, die hebräischen Worte Nathans aufnehmend, „wirst bald die „Lewonoh rneEadefc^" fern dürfen." Ärje Löb smfzre leilyr, gmg aber auf den Ton ein: „Wolken und Nebelmassen bedecken den Mond, daß der Segensspruch nicht gesprochen werden kann," sagte er und dachte an die Stättrgkeit. Ja, das Gesetz!)er Ääüigieit fWfi wie ein Gespenst zwischen ihnen, um sie mit kalter, knochiger Hand auseinander zu reißen. Aber Rabbi Schmuel Schotten dachte und sagte in Wendungen des Talmuds: „Ein Papier zerreiß bas anbere, wie 3sräei§ halber Schekel Hamans zehntausend Kikar verschlang. Du hast Deine Stättigkeit." Er spielte auf das Rabbinatsdiplom an, und unbestimmte Hoffnungen, von denen zu reden nach nerfrnDi Mn. gaDrn m Diele Mrtk kirn die mehr als frommer Wunsch waren. Einige Tage nach dem Roschhaschanofest, es war am Sonntag zu Beginn der Jomkippurwoche, ianchik Dänin Griinhnl in m Gafft auf. fr hielt sich wahrend der Festtage in Heidelberg auf, war, wie er angab, am Ausgange des Festes von dort abgereist, mußte aber wegen des Sabbats sich noch einen Tag in Darmstadt aufhalten. Run trat er mit Stock und Bündel und dem Slaui) an ien 0ü|en, wie er äUS Wagen gestiegen war, in das Hans Ahron Oppenheims. Dieser bat ihn, sich noch eine Weile zu gedulden und schickte nach Rabbi Schmuel Schotten und dem alten Nathan Maaß. Ofat mtiB mar ni®t angumsftn, sr frühen Morgen, gleich nach dem Slichausgebete, mit einem der fremden Meßgäste in Geschäften ausgegapgen und noch nicht wiedergekehrt. Als Rabbi Schotten und Maaß zugleich in fcte gute Stube des cho^juden traten und dieser so zwei würdige Zeugen für die Unterhaltung hatte, forderte Oppenheim Grünhut auf, zu reden. Er schloß aber vorher die Türe und die Fensterläden. Das angezündete Licht gab der Stunde etwas Feierliches. «Mi siiig Ittil äiHIÜ IWMK schichte an; er schilderte auf umständliche Weise, wie mühevoll der Weg war, wie er aus Mangel an Papieren in Heidelberg beinahe den Konstablern in die Hände und ins Gefängnis gefallen wäre, wieviel es ihn gekostet hatte, um M m fön TMMWMli fodann der Weg zu Eisenmenger. Cr sei heute Magister, hohe Persönlichkeit, habe Diener vor der Türe steten und Hunde, die, groß wie btc Kälber, einen überfallen uttb in Slficfe zu reifen drohen. 2Bie er endlich, s^st unter Lebens-- gefahr, vor dem großen Mcinne stand, wollte sich dieser zuerst seiner gar nicht erinnern, dann wurde er freundlicher und wollte von ihm Dinge wissen, über die Auskunft zu geben, es wohl seine Gefahren hatte. Auch streckte Ctsenmenger ssine ppr Win aus, ob tr. Bei tiusi LIM: nicht Vernunft annehmen und sich zum Christentum bekehren wollte, wofür ihm eine gut dotierte Professorstelle in Ehren und Würden an seiner Seite sicher wäre. Hier konnte Grünhut eine ihm im Gespräch angeflogene eitle Selbstgefälligmi m®l MrnniMn mm rrpnite irif® aus m Phantasie heraus, wie mächtig und überzeugend er den gefürchteten Meister in der Diskussion über, den alten und neuen Glauben g e - schlagen hatte. Natürlich wurde dadurch die Mtnalinn na® mmth mn hr MMuk Mann wollte seine Niederlage ihn und die Juden insgesamt büßen lassen. „Und unsere Sache, die Schriften, seine Forderung?" unterbrach Oppenheim ungeduldig den MlaZ DaDinflftmnLkn „Er forderte nichts, ich mußte bieten, mich langsam, bedächtig und vorsichtig, Schritt für Schritt, heranpirschen, wenn ich nicht meinen Kopf auf das Spiel fetzen wollte." . .Und nun?" ,Älfo sprach ich von Irer sroöen B^rs^rnng für seinen Genius und von großen Erwartungen,