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Der Israelit · 1927-10-27 · Heft 43 (27.10.1927) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 43 (27.10.1927)
Date
1927-10-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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27. Oktober 1927 Der Israelit Nr. 43 Seite 7 ragraph drei des Gesetzes von Numerus clausus, der die Einschränkung Ler Aufnahme jüdischer Hörer vorsieht, außer Kraft gesetzt werden wirv. Es verbleiben turalisierter Franzose auf seiten Frankreichs mit Auszeichnung gekämpft hat, dann wieder nach der ukrainischen um spälm' mioöjßr Mch Wriß gu die allgemeinen Bestimmungen gegen das. Uebersluten kommen, wo er einen Uhrenladen erösfnete. Bei feiner der intelligenten Berufe, aber auch -diese Bestimmungen werden liberal gehandhabt werden. Dabei erklärt Graf Klebelsber^, er jei immer ein Gegner des Numerus clausus gewesen, den er als unerwünschte Erbschaft von seinem Vorgänger übernehmen mußte. Die Ankündigungen Bethlens und Klebelbergs haben in weitesten Kreisen der Politiker und der Bevölkerung M freuöiQis Wo gkDklks- Ml isiNjfswitis^n Kreise, aber rasen. Die Studentenschaft demonstriert in radauvoller Weise. Humänieit. Die Form der jüdischen Gemeinden in Rumänien. Bukarest, 21. Okt. Im Verlauf der jetzigen Parlamentssession wird das sogenannte Kultusgesetz erledigt werden, welches in einem besonderen Abschnitt i»e neue Form der jüdischen Ge- MölUdLU im rumänischen Reiche fefifegl {pegenüke* Be?, tretern der Presse äußerte sich der Kultusminister Lopedaiu dahrn, er werde sich für die Annahme des jüdischen Gemeindegesetzes einfetzen, welches einen einheitlichen Typ für dis. jüdischen Gemeinden im gesamten rumänischen Reich oorslchb 9W chie feeritU ist Äsk-NUlliMlöU existierenden spaniolischen Gemeinden und die in Transsylvanien existierenden orthodoxen Sondergemeinden werden ihre Selbständigkeit behalten. Der Aufbau der jüdischen Gemeinden müsse sich nach historischen Gesichts- PÜOliFü Usid Tllöjt naäj denen kleiner innerer Differenzen und persönlicher Ambitionen vollziehen. Wie die Zeitungen Mitteilen, sind die jüdischen Orthodoxen Alt-Rumäniens unter der Führung von Rabbi Schar und die Orthodoxen Transsylvaniens (Ungarns) enWlrsiM, Mi Maim LMkioUWfktz, MWkZ ourkh den Verband jüdischer Gemeinden Ält-Rumäniens gestützt wird, mit allen Mitteln zu bekämpfen. Es sind Bestrebungen im Gange, unter Führung des Verbandes der jüdischen Gemeinden Alt-Rumäniens ElUin (ÖlF^flil? jüdischen Gemeinden des gnnzen rumänischen Reiches zu begründen. Gegen diesen Plan bestehen in verschiedenen, auch nicht orthodoxen, Kreisen, in den! neuen rumänischen Provinzen noch Widerstände. — Unverbürgten Pressemeldungen zufolge soll der Oberrabbiner von Bukarest, Senator Dr. Niemiromtl MM GkMMMkF ves rumänischen Reiches ernannt werden; das Reichsrabbinai Me zu einer ständigen Institution werden. (ITA.) Bulgarien. Sie Union VMMMlM NNÜ ÖiO lÜNIsÜMI Juden. Sofia, 14. Okt. Die Minderheitenkommission der Völkerbundligen beendete gestern ihre Session . . . Der bulgarisch-jüdische Delegierte Mezan sprach über Mc schwi-erfg? ber jüdischen 2'imbkrheir in der Türkei. Die Verhandlungen mehrerer Fragen, wie des rumänischen Antrags betreffend die Staatenlosigkeit und des Vorschlages Bulgariens betreffend den Schutz der Minderheiten, wonach genau sestgestelll werden solle, wer zu den nationalen $i[nUv(}m?n g4*^f GllM Llls Mü kllMMNW lZßssIM vertagt. Lraukreieh. Der ^chnrcrrzbarf-Prozest. Paris, 34, ^t, Wie schon berichtet, begann am Dienstag, den 18. Oktober, vor. den Pariser Geschworenen der Prozeß gegen S ch a l o m Schwarzbart, der am 15. Mai 1926 den ukrainischen Kosakenhetrnann P et 1 j U r O mitten auf Qcr Sirahe srschvssm spttte, Lee erste Berhänd. lungstag war ausgesüllt mit der Verlesung der Anklage und der Vernehmung des Angeklagten, der sehr abgehärmt aussieht, aber in seiner Rede geistige Frische zeigt. Unter den von der Verteidigung genannten Zeugen hört Mllll Mk MMN M Männer in Frankreich, Rußland und such Deutschland. Die Anklag«'. schrist schildert die Persönlichkeit und die Wirksamkeit Petljuras in der Ukraine und den Hergang der Tatebenso die Personalien und Lebensgeschichte Schwarzbam. man erfäbrt Dar« Dag mmim# als naerften Vernehmung nach der Tat gab er an, mit Petljura den Verantwortlichen für die Judenmetzeleien in der Ukraine getötet zu haben. Mithelfer hatte er keine. Demgegenüber oel)nup!ef bie fffßüfllia treffe die Schuld für die Pogrome nicht, er sei gar kein Antisemit gewesen, und sie glaubt auch Beweise dafür zu haben, daß Schwarzbart Helfershelfer hinter sich hätte. Die ist geneigt, in der Tat so etwas wie ein bolschewistisches Attentat gegen einen Vertreter des alten Regimentes in Rußland zu sehen. Die Vernehmung Schwarzbarts beginnt mit der Schilderung seiner Lebensgeschichte. Er hatte die Po- 8F6MF ln??F Ukraine und ihre Folgen miterlebt, und als er, nach Paris zurückkehrend, erfuhr,..daß der Verl anstalter der Pogrome sich in dieser Stadt befand, reiste der Vergeltungsgedanke in ihm, der dann zur Ausführung kam. Er wurde aus innerer Eingebung zur Tat gedrängt, ohne Mithelfer und Mitwisser ZU haben. Beziehung'en zu Kommunisten habe er nie unierf/BHwr dem Bolschewismus habe er nie etwas zu tun gehabt. Ein ihm von der Anklageschrift vorgehaltenes Eigentumsdelikt in Wien .stellt er bei der Vernehmung als eine harmlose Sache hin, die auf -einem Mißverständnis der Wiener Gerichte berußte. Er war bnäiälZ K8H st! ganz jugendlichem Älter und in größter Not. Es wird dann vom Staatsanwalt zur Sprache ge bracht, daß Jabotinski seinerzeit sogar mit Petljura eine Verbindung zum Schutze der Juden einzugehen filÖltC; ffißgggfn??T! der Verteidigung nachgewiesen wird, daß Jabotrnski später Petljura ÄS den wahren SchulMgen erkannte. Schwarzbart sägte ferner, ein Geheimabkommen zwischen Petljura und der polnischen Regierung, von dem er erfuhr, rief bei ihm die Befürchtung wach, baß Uv tzMätttt N8H ßirnnal zur MM MluWU unö die Pogrompolitik wiederholen könnte. Es wurden dann mehrere Polizeibeamte und Zeugen der Tat vernommen. Es soll festgestellt werden, ob Echwarzbart auch nachher noch auf sein am Boden lie- QÄS DUfCr MsHöW pfilFF:?r beftrcitct eibt aber zu, seiner Freude Ausdruck gegeben zu haben, als ihm von der Polizei bestätigt wurde, daß er wirklich Petljura und keinen Unschuldigen getroffen hatte. Große Bewegung herrschte im Saale, als der Bericht über die Pogrome in Proskuroff und F e l s ch i n , fWSgfflrf D011 WMtt?!F?kt untersteMen. Truppenteilen, verlesen wird: „An einem Sonnabend nachmittags wurde der jüdische Teil der Stadt Proskurow' von regulären Truppenteilen Petljuras, die unter dem Befehl des urtotiM ©emafenfo MM uWlstM efnrIne Trupps begaben sich in die Häuser und schlachteten ganze Familien ab. Greise, Frauen und Kinder wurden nicht geschont. 1700 jüdische Opfer zählte man an diesem Tage. Ein anderer Truppenteil Semasenkos Mi ksngchbMö, UllpstäSlilI dop öuöin bewohnte Stadt Felschin und tötete etwa 800 Juden." Der Vertreter der Zivilpartei sucht den Eindruck mit der Verlesung von Briefen abzuschwächen, die einerseits Petljura als edlen Menschen, und auf der anderen Seite Schwarzbart als Anarchisten schildern. Der Verteidiger, Tor re 8. MM Msk MgE Den Staatsanwalt, der behauptet, PetljUkä halle AUk Zeit dieser entsetzlichen Pogrome noch nicht die Macht und den Einfluß gehabt, ihnen Einhalt zu gebieten, belehrte er aus den Akten heraus, daß Petljura damals bereits Chef der gesamten Armee und faktisch der alleinige Diktator war, ble (EimitÄÖfiH FjUttQU tf)TI wiederholt flehentlich um Hilfe angerusen, erhielten aber keine Antwort. Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages entspinnt sich eine Auseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden ün& fceHi mvteiM&M. (Svftem bittet auf Mm Mihe non Zeugen zu verzichten; der Verteidiger hält ihre Vernehmung zur Klärung des Sachverhaltes und der Rollo Petljuras für unumgänglich. Es wird dann die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Alexander Schulgin, der unter Petljura Außenminister war, behauptet. Schwarzöart sei ein Agent öer Lschrk« nntz hnß« auf Beseßl Moskaus gehandelt. Die Beweise dafür bleibt er schuldig, er beruft sich auf seine „Ueberzeugung". Die Pogrome seien die Reaktion auf den bolschewistischen Vemrr^kun^skrre^ gernefen oder oon her „roten Armee" gemacht worden. Professor Paul L a n g e v i n , der von der Verteidigung geladen ist, sagt, es könne ebensowenig Oll jQiiMrifll ViFfF Realität der Subenpogrome in der Ukraine herrschen, wie darüber, daß die ukrainischen Truppen sie gemacht haben, und zwar unter Billigung Petljuras. Er hat kein einziges Strafverfahren gegen die Pogromisten eingeleitet. Zeugnis für Petljura legt Mr fDlmtit Ä; ab, der vorübergehend Mlnlsterpräsident in der Ukraine war. Petljura habe Befehle gegen die Pogrome erlassen. Auf die Frage des Verteidigers nach den Beweisen, verweist dsr Zeuge auf verschiedene Artikel. Torres verliest aus einer in UU &{? PöllMMM h-MIWWklMII ukrainischen Zeitschrift einen kurz vor dem Attentat veröffentlichten scharfen Hetzartikel gegen die Juden. Es werden noch weitere Dokumente verlesen über die Pogrome in der Ukraine. Zu Beginn des dritten Deryandlungstages erfinrt ßie Verteidigung auf wiederholtes Bitten des Präsidenten, auf eine Anzahl ^von Zeugen verzichten zu wollen,, sie müsse aber immerhin aus der Einvernahme von 92 Zeugen bestehen. Es wird nun ein früherer General vernommen, der ßkufe in Araüs?eiH -Jll BlFÖflitßX in einer Maschinenfabrik beschäftigt ist. Er gibt die Pogrome zu und leugnet auch nicht, daß sie von den regulären Truppen ausgefühxt waren. Man könne aber die Dinge nur richtig beurteilen, wenn man Land und ükuik ienrii. In der Freitags-Sitzung bemühen sich die oon den Zivilklägern geladenen Zeugen, vor allem Alexander S ch u l g i n , die Reinheit und Unschuld Petljuras zu beweisen. Der frühere General U d o w i t s ch e n k o bef/flljpüi, PklsjUsä sei trttip Hegen die Pogrome vorgegangen. Große Bewegung ruft öic Entgegnung des Verteidigers hervor, der aus den Dokumenten beweist, daß dieser Zeuge selbst mit ^seinen Truppen im Mai und im Juni 1919 in den Städten O r i n i n o M Schz?z8k8S SöflkaUschö WoQromt per? anstaltet und die jüdische Bevölkerung fast vollkommen ausgerottet hatte. Der Herr General verlegt sich zuerst aufs Leugnen, als kenne er diese Städte gar nicht, muß aber dann unter der WllU vkr KM!?stjpF»08 öe? "?crrn *orres -gestehen, daß dort „ein wenig geplündert und gemordet" wurde, das sei auch zuweilen unter bolschewistischer Herrschaft geschehen. Torres erwidert, daß die Bolschewistenführer jeden Pogromisten hinrichten ließen, während Petljura und seine Generäle, insbesondere Herr UdowilfAnlo,- nißpi tiitkli M di? *p°8tome j°gar ermutigten- Die Verhandlung wird mit gleicher Erregtheit am Samstag fortgesetzt. Von einem Geschworenen wird Schwarzbart gefragt, ob er auch Familienangehörige bei 8lfi ^gsiromen verloren tjabe. Schrvnrzbnrr bejaht es und nennt eine große Reihe von Namen. Torres unteritreicht diese Tatsache unter Hinweis auf politische Prozesse in der Schweiz und in Deutschland, in denen die Geschworenen unter Berücksichtigung der Tatsache, daß bor MMlM mir SkM MitWlll fflym Blut seiner Verwandten rächen wallte, denselben speigesprochön hatten. Weitere unkontrollierbare Aussagen oon früheren Offizieren über Bestrafungen von Pogromführern durch Petljura erklärt Torres als Märchen, die jeder dokumentarischen Begründung entbehren. Es sei schon rva^r, bie Jnben Petljnra, menn er in eine Stallt kam, mit TMarollM anigegengszogen waren, das chützte sie aber nicht vor der Vernichtung. Semae n k o, der alle Pogrome leitete, war Petljura direkt unterstellt. Ern weiterer Zeuge namens B a u d r y, der 'ür Petljura zeugt, wird ebenfalls von der Verteidigung Mi Ms? im Mlimmsisn Boürornsüprer eiMorol: Schwarzbarl freigesprochen. P a r i s, 26. Okt. (Tekegr- Bkkisr.1 Mittwoch abend 7 Uhr wurde Hchwargbart freigesprochen. Der Freispruch der Geschworenen erfolgte einstimmig. Er wurde sofort in Freiheit gesetzt. Im Ger i ch t s s a a l e u n ll auf ll e r Straße wurden Schwaizbaik wie seinrm Ä^rteibiger Torres große Ovationen bereitet. (Fortsetzung der Aorrespoudsnzsu auf Seife 13.)

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