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Der Israelit · 1927-09-29 · Heft 39 (29.9.1927) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 39 (29.9.1927)
Date
1927-09-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 Nr. m Ql? S i « & 26 September 1827 schrak bei diesem Namen, als hörte er den S a - t a n nennen. „Ja, bei Johannes Andreas Eisenmenger, der der schlimmste Judenbedränger ist, seit Bileam, Amalxk Wp öBnwnr MlttMkl mm pelte in Erregung mit den Füßen wie bei Nennung Hamans aus der Estherrolle am Purim und seine Worte überstürzten sich: „Er schreibt Bücher und Schriften über die Duden und sie, die Sc^andsl^risten, liefen vvr den Königen, Fürsten, Räten und allem Volke. Alle Leinde schöpfen daraus ihre Anklagen gegen uns wie aus einem verpesteten Brunnen. Eisenmenger lernt Talmud und sammelt alle Sä^e, welche ^ei^en sollen, wie xoix dep Der Welt feind seien. Wer aber gibt ihm die Weisheit, wer bringt dem Zorer die Sätze aus Bibel, Talmud, Midrasch, Poskim und Schriften der Kabbalah, aus denen er Giftpfeile gegen uns macht? . . ." öttmamr futiHßlte mit Dor Morna und wagte kaum, gu Ende zu sprechen. Sie waren auch schon im Gespräch, kaum, daß sie es merkten, schon in die schmale Gasse eingebogen und am eben zur Erde gelegenen Häuschen Schottens angelangt. Aber Rabbi Schmuel blieb vor der Haustüre stehen, als sürchtete er sich, mit so furchtbarem VerDachte gegen einen jüdischen Menschen, einen Gelehrten mit der Rabbiwürde, zu Bette zu gehen. „Wie kommt man auf den furchtbaren Gedanken, daß gerade Grünhut? . . „Er verkehrt Del ihm hier.und auch in Heidelberg." „Was besagt das? Vielleicht will er mit ihm disputieren, ihm beweisen, wie unrichtig er deutet, wie ungerecht er urteilt?" sjjhmt dkll »öflurer Mer alle Maßen, sagt, er sei Talmudgelehrter. Eisenmenger hat auch die Tauroh, unsere heilige Tauroh, übersetzt, ich weiß nicht wie, falsch oder richtig, und Grünyüt hat so was wie eine „Hakdomoh" auf deutsch dazu geschrieben. Er preist ihn darin, so sa^t wan, als grosiep KfNNss hss jüdischen Schriften/' Die kleine Gestalt Schottens beugte sich noch tiefer, um durch die niedere Türe in den Hausflur zu gelangen. Schnapper hielt das Licht hoch, bis Rabbi Schmuel die Messingklinke zur Jnnentiirk Mt in MMN halle unö enlferltte sich mit Gutnacht-Gruß. Seine Laterne geisterte durch die nachtschwarze tote Gasse. (Fortsetzung folgt.) „Einem totkranken Vater wird durch die Schlechtigkeit eines Gastwirts sein Stolz und seine Hoffnung, fein gesunder Sohn, entrissen, — was kann denn dieses für die menschliche Einsicht scheinbar Sinnwidrige lehren," „Das Geschick selber sein Gott anheimgestellt, — es umerstM NW UWlM HTMII MM WtM Ml Üll8 dem Vorfall eine Lehre ziehen dürfen, die unserer menschlichen Einsicht möglich ist, dann ist es die: gewissenhafter mit der Beobachtung der Speisegebote des Judentums zu sein und selbst einen im Wasser gekochten Fisch nur dort zu genießen, wo die jüdische Religion auch den Küchenlöffel führt; sie ist jedenfalls zuverlässiger als di« §am!a^spo!!ze!. Rmrner!>e^er werden, indem man immer treuer das Judentum erfüllt'." Saly Geis. , „Er erläßt den Menschen die Strafe, wenn, sie Unj rechtes getan haben. Buße, Gebet und Wohltätigkeit; heben das schwere Urteil wieder aus." H. E. AmdsxsÄS. Buße und Besserung. Kleine Geschichten. Das Anglück. „Welch' ein Unglück!" „Was ist geschehen?" „Ich besuchte soeben unfern Vorsteher, weil ich gehört hatte, daß er gestern rvieder «inen fchrver«n Anfall er- Er fviljll {{«() noch?4>wach. aber die Gefahr ist glücklich vorüber. Beruhigt schritt ich die Treppe hinunter; — da stürzt fein Buchhalter auf mich zu und zeigt mir eine Depesche mit der Mitteilung, der Sohn des Vorstehers sei an Fleischvergiftung gestorben. Sonntag früh hatte der junge Mann in Gesundheit seine mtm MlasM: um eine MWstMlsß iu UUMWWM. — und heute . . . Ich mag es nicht ausbeuten, was passiert, wenn der kranke Vater die Hiobsbotschaft erfährt!" „Gott gibt den Schwachen Kraft." „Ich bin erstaunt über Ihre gleichmütige Ruhe." „Sie ist kein Mangel an Mitgefühl. — Sie wissen, daß Ich gu den Juden alten Schlages gkhsxk, Wir pkkkskN Gon auch bei einer Unglucksnachrilyt mil einem Tegensfpruch, der Ihn als den gerechten Richter anerkennt. Wir gewinnen auf diese Weise unwillkürlich das seelische Gleichgewicht." „Es gibt Augenblicke, in denen das Gefühl übermächtig sein muß!" „..MD — ins Matzlosg kULSistM — zu \fymm Sünde werden kann! Wie mancher hat in solcher Situation schon durch zügellose Worte den Höchsten geschmäht, obwohl sein Gewissen ihn schüchtern warnte. Von Religion sprechen und Religion leben, sind den meisten Menschen oft zwei so verschiedene Dinge, wie ihnen Theorie und Praxis bedeuten. Wir Juden alten Schlages rovllen kein« ^erklusiun^ unfevs« 8sel«1 selbst Irrt tiefen, ^djm-erg Hott, den Lenker unseres Geschickes, preisen, erst das beweist den Glauben an Ihn! Wo unser Blick Disharmonisches sieht, da sucht er beim Menschen die Ursache, und darum lernen wir aus jedem Unglück." Der Herbst schaute durch alle Fenster hinein in die freundliche Stube. Es sah ihn der siebenjährige Joel, der mit seiner Fibel am Tische saß und den der gut« Mann zun,eilen im Mio. kfonUm mm 8SU feigen golden Flachshaaren «in größeres oder kleineres Büschel aus das Buch fiel. Da mußte der Bub immer nach dem Fenster Hinschauen, und da sah er ganz deutlich das dicke, freundliche Gesicht des Herbstes, das aussah wie ein pausbäckiger Apfel, und die lachenden Traubenaugen m [ß Mklg zu lofftu MjMMil. Es sah ihn auch der ergrauende Mann dort am „Sekretär", einem Schranke, dessen ausgezogene Platte als Schreibtisch diente. Allerlei Papiere und Geschäftsbücher lagen darauf, von denen Joel nur wußte, daß man sie nicht berühren dürfe. Bär Bernstein ließ sich in seiner Arbeit nicht gern jtören. Als aber ein «uftgug jjjfjj PM VkUM, Nr vor dem geoMeten Fenster stand, ein gelbes Blatt gsra-s vor seine Feder wehte, da mußte er doch ausblicken, und da sah er den Herbst. Aber anders als sein Junge! Mit ernsten Zügen, tiefen Runzeln, leise, greisenhaft voranschreitend . . . Und Bernstein seufzte und sprach still vor sich hin: „Es ist Elul." — Der ffnaöj hatte Die Worte gehört. Jllt Nu lösten sie in seinem Gehirn eine ganze Anzahl von Vorstellungen aus, die sich in der Schule gebildet hatten, als Joel dem Unterrichte der älteren Kinder zuhörte. Von „Buße" und „Reue", von „Deröhnung" und „Verzeihung" hatte er da vernommen, und die mehr oder weniger dunklen Begriffe verlangten ihre Miung; „Vater", rief er, „warum sollen eigentlich die Menschen jetzt Buße tun?" „Damit sie sich bessern," erwiderte der Vater. „Tust du auch Buße?" fragte der Kleine weiter. „Gewiß," antwortete jener. ..Jedes Jahr." — „9Iöß? sichsk!" „Bist du denn auch besser geworden?" Der Vater stutzte. Der. Bub konnte auch gar zu lästige Fragen stellen. Zum Glück kam gerade ein Nachbar, und so wurde Bernstein zunächst der Antwort enthoben. Der Besucher hatte allerlei mit ihm zu sprechen. Im Qa-uf-e b«r Unterhaltung ergählt« er itjm auch opyj «jTiem Selbstmordversuch im nahen Dorfe Traubenheim. Eine Frau war dort durch Not — sie konnte ihre Kinder nicht mehr ernähren — in Verzweiflung geraten. Bernstein erschrak. Soeben hatte er in seinem Buche einen Posten gefunden, den er in Zusammenhang mit diesem traurigen Vorkommnis bracht«. Vor einigen MlW mar nümlid) ML Mt MgsMknt LULsstzsrrU Frau aus Traudenhetm zu ihm gekommen und hatte ihm einige hübsche altertümliche Gegenstände verkauft. Er hatte damals deren Wert selbst nicht erkannt und war erst, als er sie weitergab, darauf aufmerksam geworden, daß er sie zu gering eingeschätzt hatte. Jetzt fiel ihm die Erinnerung an dieses Vorkommnis Kik sin Stein MZ Herz- «D Sott, wenn iS M Dieser Tat der Verzweiflung mitschuldig wäre!" dachte er. Er erkundigte sich nach dem Namen der Frau — und war glücklich, als er einen ganz fremden hörte. Kaum war der Nachbar gegangen, da sandte Bernstein zwei hübsche Sümmchen nach Traubenheim, das eine als Nachzahlung für feine Kundin und das ander« Illllet-siÜtzung für jene Unbe|<mnl?j «her' ohne Nennung des Absenders. Bevor er das Zimmer verlassen konnte, trat ihm noch sein kleiner Bub in den Weg: „Vater, du hast mir noch nicht gesagt, ob di« Leute durch Buße besser werden." „O dach," sprach der Vater und klarste fernen! Söhnch«n ’««[ %if n38«r Sufis tttti bw stricht Besserung. Unö du weißt doch, daß man halten muß, was. man versprochen hat." „Und was tut dann der liebe Gott?" fragte der Kleine weiter. Vergib. Zum Weltenlenker wollet stehn, Die Prüfung laß vorüber gehn! Vergib in Deiner großen Huld Den Uebermut und unsere Schuld! §8 UM uns Wt Mn Mlichl. Die Missetaten zähle nicht! Laß rein und sündenlos uns fein Wie Deine holden Engelein. Sie sind im blauen Himmelszelt Und bitten für die schlimme Welt Beim Bater, ver uns all? Dis Irrungen in Huld vergibt. F. M. Ein eigentümlicher Wunsch! rrivn 211 H3H 212 V"N122 mnnrp nn Seutmtg: yitPin’ (X)"N (rr)ivn (Khin Hilfe Leben Gnade Vermögen event. so darzustellen: m in K^n rnvn »äiii Dr. Weriheimer, Düsseldorf. ♦ n l * n mx MN8 M B?3© ins ns nm in*» *]S •n» s’is ms^n '2 insi nnB’K rys mm •imi ^2 bv •sw» v's b» iv2 nnaw nyia m ssan ''2 nms s?nn sb nws w •nana p*i vay' ^nsai Auflösung: 'l^n i^mn In diesem Monat ist ffKi nun nna^ /tiidd ,iisd dt Richtige Lösungen sandten ein: Hanna Wolf, Köln ,- Paula Mar^uttekr^ Bremen, Q, bof» Saarbrücken. Die Tee - Einfuhr - Firma I. T. Ronneseldt, Frankfurt a. M., gegründet 1825, bringt Teesorten in Originalpackungen in den Verkauf, die durch sachverständige Auswahl selbst dem oermähntesten Geschmack NöSnullg tragM. Dis üisöhsösv um Täff« guten Tees mögen nicht versäumen, bei ihrem Lieferanten ausdrücklich Ronnefeldts Tee zu verlangen, er ist und bleibt der Veste. 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