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Der Israelit · 1927-09-29 · Heft 39 (29.9.1927) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 39 (29.9.1927)
Date
1927-09-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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.. „Vj'YY;: ' ■f llf.39 1927 ZU Feuerzeichen. Sin Hyöttö-Msurarr von S. SHachnoivih. (Fortsetzung.) Der alte Maaß verzog das Auge fast einem gerührten Weinen. Privilegien! Um das Wort hatte er fein Lebtag, so lange er die Kraft gatts, MMM er m\ eines noch: Sollte man nicht mit der Audienz noch warten bis nach dem Sukausfeste? Es war immerhin ein unsteterer Gang, man wußte nie, wo er endete. Im Heidelberger Schlüsse ga!i es dunkle feuchte Gelasse, in denen schon mancheiner, der mit Huldigungen und Geschenken hinkam, bis zum letzten Tage hinter der Sonne blieb; auch Foltereisen und Rad. Warum vor dm lagon Mi mmmeude all Big Hingst m* borgen auf sich nehmen? Man hütts doch schließlich Familie. So und ähnlich gab der alte, erfahrene, durch die Last der Jahre nicht gebrochene, aber in Klugheit und Vorsicht . gepreßte Nathan Maaß seine Ansicht kund. Gr sprach lies, und di-e Hände I-.I 5- 3» ->■ , * H 9 auf der Brust bewegten sich leise, als würde jedes Wort einzeln aus dem Innern geholt. Jugendlich und lebhaft erwiderte Oppenheim: „Ich habe das Gelände abgesucht und Löcher verstopft, Steine weggeschafft. Gefahr verhält. sich zu NW N!k kW W funteh §:? sss* ist schon lange im Gang und die Audienz soll nur ihren glücklichen Abschluß bedeuten. Wenn wir uns Jomkippur satt gebetet und geweint haben, dann ist in den Tagen, die „von Kraft zu Kraft führen", gerade die richtige Stunde : . - llttt so ii ‘ t SSi .i Ii» größer dann die Festesfreude für uns uns ©emembe. Dann wissen wir auch, warum wir Lulow schütteln und mit der heiligen Thora tanzen.'" Letztere Wendung war nur als heiterer Abschluß gedacht. Alle wußten: Ahron Oppenheim ,i i,; - (K;.. bedurfte nicht erst der äußeren Anregung, um sich mit Gott und Seiner Thora am Feste zu freuen. Aber Isaak Reiß war nicht zufrieden: „Ich weiß nicht, ob es nach Sitte und Gesetz recht ist, über Kehilogelder in solchem Maße so zu verfügen, ohne, all die gewählten Räte «8 p fkW. Miß W VIK auf Dem WIK für alle jüdischen Gemeinden. Aber zuerst sind wir von der heiligen Gemeinde Frankfurt gewählt,r. ." Reiß war wieder glücklich an dem Punkte angelangt, mo sich sin unüberwindbarer Wall erhob, her sehe RerstänBigung üümögliD Oppenheim wußte es und hatte sich vorgesehen: „Ich habe den ehrwürdgen Rabbi S ch m u e l Schotten, der zur Zeit an der Spitze unseres Besdin steht, für später hierhergebeten. Er wird UNK sa^en^ rr»as ^ier religiös rechtens ist." Damit wandten sie sich bis zur Ankunft des Rabbi kleinen Gemeindefragen von minderer Bedeutung zu. Rabbi Schmuel Schotten, ein Greis von ge- «FUAtkF ebenso gut aus S-^>mät^>e wis sslbflverlsü'gnsils'cysr Demut kommen louute^ verließ nur ungern sein Haus und feine Bücher. In jüngeren Jahren versah er neben seiner Tätigkeit im Frankfurter Rabbinate noch das Rabbinat in Darmstadt, nun aber lebte er ganz in Frankfurt und seinen Studien^ Er arbeitete mit Naööi Ahron ^eitmower und später mrj Schmuel Krakauer an den Randglossen zum Talmud und, seitdem diese vollendet waren, fleißig KN seinem.eigenen großen Werke, zu einzelnen Traktaten. Das Manuskript, an dessen Spitze die Worte „Kos Jeschuaus" als Ueberfchrift groß jianben^ ttmcfj-s oort Nacht ju Nacht — denn ZUme'rst konnte er nur nachts an seinem deinen Büchertische im kleinen Häuschen neben der Klaus beim zitternden Lichte einer Talgkerze schreiben. Am Tage hatte er, zumal in der rabbinerlosen Zeit, der Gemeinde zur Beantwortung der vsligwsm Fragen und Mi üMinlüiBe als Vorsitzender zur Verfügung zu stehen. Nach dem Minchogebete in der Klaus lernte er bis in die Nacht fein Pensum vor Schülern und Gelehrten von Ruf, zu denen auch einige seiner Kollegen im Rabbinate gehörten. Es ging selten DI111C EFFEStf SMlMMllkWlHkü ein0""e Fragen ab. Die Resultate der Forschungen und die letzten Schlüsse, schrieb der Rabbi in später Nachtstunde fein säuberlich auf die Bogen seines Manuskriptes, die sich häuften und auf denen fetten Morgen!i?h?b2lls STUgl Bll MllstlM ruhte, wie das eines Vaters, der das gute Gedeihen des geliebten Kindes mit stiller Wonne verfolgt. Ost genug aber hielten Rabbi Schotten Ge- MlllU MB MMMMn mH l«ng? ber Lernstunde trt Klaus fest. Gutachten mären auszuarbeiten oder zu prüfen, Fragen, geistiger und weltlicher Natur, privaten und allgemeinen Charakters, zu beantworten. Auch heute wurde es später denn verabredet, als Rabbi Schmuel, bis zur Türe begleitet von seinem gelehrten Scha- M tztzvllpp". I” 8” EMM« bei den Räten erschien. Alle erhoben sich zugleich und setzten sich nicht eher, als bis Rabbi Schmuel Schotten m dem bereitstehenden Lehnsessel Platz genommen tfxxtie. ) — . O Mit wenigen Worten weihte ihn Ahron Oppenheim in die Sache ein und mit den geschärften Sinnen des Weisen hatte Rabbi Schotten alles erfaßt und begriffen. Er war vollkommen im Bilde. , ■ ffias wollte man von Dm iviffeH? 06 W8si recht täte? Darüber stehe ihnen, den Männern des Lebens und der Tat und des Vertrauens der Gemeinde, mehr Urteil zu als ihm, der ja nur in sich schaut und aus sich heraus in die Welt Streifblicke wirft. Und wenn, dann besser ugf 8(i p?j, lan mu| Der aep zumrkommen, wie es in Jjob geschrieben steht und wie es auch Vater Abraham zwischen Bethel und Ai getan ... Und warum auch warten bis nach den Festen? „Am Tage der Versöhnung ist letztes Gericht und letzte Entfchetbnncr irr Sachen??m;scherr JaartltO rcrpc om|et)ctocm$f ttt »—«)«.. «(«)«»« ->....; kob und Esau. „Esau — der Geist des Bösen — geht nach S e i?,"; d. h. mit dem „ Soir " , der die Felsenwand hinuntergeschickt wird und ..Jaakob zieht nach Suckaus", will heißen: in den Sieg und die Freude des Hüttenfestes. Sieger und m BkiW m bifj b?f xom Gerichte kommend, fingt und die Palme schwingt; es ist I sr a e l, das mit den „vier Arten" Gott lobsingt nach den Tagen des Weltgerichtes. Also gehet in Gott gleich nach „Schließung der Vforte" in den Tagen, die führen „von Kraft zu Kraft". Und Bis König Bsr Königi schontt (Juror Zach! für Gemeinde und Israel Gelingen." Niemand wagte es nur mit leisem Gedanken, diese Rede als Abschwenkung vom festen Boden der Dinge anzusehen. Es traf den Kern der Zllldo, ums Bor otaBBi in WMlU unD NW Dtr Schrift und Lehre aussprach, Und fr hättö Zugleich ihre Arbeit gesegnet. II. Als Rabbi Schmuel Schotten etwas spät von Löb Schnapper an der Außentüre der Gemeindestube MpszttM MUvBl, W BiSsti» B!S BlöWMgOZ faßte Glaslaterne und leuchtete auf eine gebückte alt, die katzenartig um die Ecke huschte und hinter der Mauer im Dunkel verschwand. „Es belauscht Jemand die Gemeindestube", brachte Schnapper mit seiner schweren Zunge wie röchelnd hervor und leuchtete dem Rabbi die drei Aolgstusen Ijmtiiif. „Aus der Stadt? Feinde?" ängstigte sich Rabbi Schotten. . „Rein, einer aus der Gasse, ich sah deutlich mit der Laterne Judenhut und Spitzbart. Ich H?g{{§)?? ist Dawid Grün^rrt." S«^-nap^>ers Stimme überschlug sich, wie in Angst, die mühsam erhaschten Worte wieder zu verlieren. Rabbi Schmuel Schotten erinnerte sich: Grünhut war kein unbekannter Name. Er hatte vielerlei Kenntnisse, und setzte'er die Zunge in Verlegung, so ging es wie ein losgelassenes Mühlenrad. Er führte gern große Namen im Munde und suchte seine Freunde mit lateinischen Worten und fremden Dingen zu verblüffen, die sie nicht kannten. Er nannte sich Rabbi und Hatto ihm. MM MmnL NMUsMM MH gedruckte Werke, vorgelegt, bie von einiger Beschlagenheit in Talmud und alten Schriften zeugten. Warum Vorstand, Rabbiner und auch er, Rabbi Schotten, sich beharrlich weigerten, den gelehrten Mann ins Nabbinat aufzunehmen, Evnntk kr stsh!rn nt^j etttstllttltt, wußte es vielleicht Nie und keiner wußte es recht. Es war mehr Sache des Gefühls. Vielleicht machten es die kleinen, lauernden Augen unter den buschigen Wimpern, vielleicht der längliche Ziegenbart, dessen Spitze, nach oben gebogen, fast iura im Miirr JS2& SK? n'<,n seiner Art, fremde Namen zu nennen und fremde Worte im Munde zu führen, da eigene Namen und eigene Worte aus Talmud.und. Dezisoren zur Entscheidung der zur Diskussion stehenden Fragen ausreichend vorhanden wÄren. Er war veräfPfi, Mir fi| Dfplen, aüer mai Pike er bei Nacht und Nebel an fremden Fenstern zu tun? Rabbi Schotten erinnerte sich weiter: Dowid Grünhut hatte schon einmal vor dem Besdin gestanden, und er, Schotten, hatte den Vorsitz, das unb gu letiert. Es mar damals, als er das Buch der „Gilgulim" von Rabbi Chajim Vital mit. eigenen Anmerkungen herausgeben wollte und Gemeinde und Rabbiner es ihm verboten. Es war keine leichte Sache, mit ihm zu verhandeln. Grünhut sprudelte wie ein Wasserfall urrd hatte auf jede Vorhaltung Zehn Erwiderungen, vollgespickt mit fremden Worten, deren Sinn und Bedeutung man erst lernen mußte. Er berief sich auf Lurja, Vital, Karo und die späteren R. Jesajas Hurwitz und Mendel Baß und auf „Emek Hamelech",'die alle Kabbalah lehrten oder als Studium empfahlen. JS-. SSI.StSBB! WM?! M. ,Ä MW Ist?iH nützlich Ding und dem Meister zum Schneiden und Zimmern unentbehrlich. Aber es hat eine scharfe Schneide, und Kinder, die nicht wissen, damit umzugehen, lassen ihre Finger davon. Es gab und gibt noch gerade Wunden genug überall dm wS „CchHftn" nrch zu ihrm jztin EMsis Sabbatai halten und dafür die unverstandenen und fälschlich ausgelegten Bücher der Kabbala heranziehen." Grünhut hatte sich damals mit Eid verpflichtet, von der Herausgabe des Buches abzufLhen. Aber das Werk erschien nach einern Jahre - doch. „Ohne seinen Willen yerausgegeben von seinen Freunden," so behauptete er. Andere wußten es anders. Der Name erweckte bei Rabbi Schmuel Schotten keine angenehme Empfindung. „Was sollte den Mann bei Nacht hierherfuhrkn?^ mü Ber Verständnislosigkeit eines großen, reinen Menschen für jede dunkle Llrglist. Schnapper hob noch einmal die Blechlaterne, um das Gelände abzuleuchten und schoß ein paar Kehlkopftöne heraus: d Mmm QoOt anBoro WM m Mtt llllk wissen es, ein und aus bei S ch u d t und ist auch lieb Kind bei Eisenmenger." „Bei Eisenmenger?" Rabbi Schmuel er-■

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