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Der Israelit · 1927-09-23 · Heft 38 (23.9.1927) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 38 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
– (sequence 19)
Language
German
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0 23. September 1927 Die Thora und Tel-Aviv. Der Jude ist der schärfste Kritiker der. Juden, dreier Satz klingt eigentümlich. Aber -es ist doch auch eigentümlich, daß der jüdische Kritiker in der Regel den Eindruck gewährt, als bestehe zwischen ihm und seinem Urteil über Erscheinungen des jüdischen Lebens ein Abstand, wie solchen ein Außenstehender hat. Wir Juden vorstshen es leider'selten, uns selber gerecht zu werden. Mk fßRMß :ßin WM Her M MMA tei iüfli; schen Volkes schreiben. Doch hier soll nur ein Verspiel exemplifiziert werden. Tel Awiw, die erste jüdische Stadt wieder nach langer Galutzeit, bietet den Stoff dazu. Demagogische Urteile jüdischer Gegner eines jüdischen Volkstums seien außer Acht gelassen. Ob Dr. Naumann, der Führer des Verbandes nationaldeutscher OllÖßllj Sfi ZTTVe Stadt der Schieber arid SBSucfyer-er n ett nt, obwohl eg nirgends in der WM unter Juden jo wenig Handel und so viel körperliche Arbeit gibt als in Tel Awiw, oder ob einem anderen Berliner von der Vereinigung für das liberale Judentum wenige Stunden Aufenthalt in Tel Awiw genügen, das dortige jüdische Leben bis in den Grund zu verdammen, soll hier außer Betrachtung blechen. Uns genügt es. daß man im allgemeinen ülrer b«n Äant tes ÄMW keine Ahnung hat, um einmal dieses Thema zu behandeln. . Würden die Touristen, statt Sabbat und Feiertage stets in Jerusalem zu verbringen, einen solchen Tag auch einmal in Tel Awiw feiern, man würde in seinem Urteil über das Judentum in Tel Awiw gerechter Es war..Mn nationaldeutscher und kein liberaler Assimilant, es war ein orthodoxer deutscher Jude, der in Jerusalem den Genius der Geschichte seines Volkes in sich lebendig werden ließ und so aus der Vergangenheit Stolz und Kraft schöpfte. Doch da er sich auch in der Oegemnart orientieren: «rollte, um so Ausblicke für öle Zukunft zu gewinnen,!v ging er ÄüäA, der Stadt jüdischen Volkstums. Er besuchte die Synagogen und die Lehrstätten des Judentums und nahm das Bild der Stadt am Sabbat in sich auf. Als er Der Israelit kam, war er auf die ungünstigsten Eindrücke gefaßt, und als er ging, erkannte er feine freudige Ueber- FQfiHng M, in M me*r Judentum gejuben zu haben als irgendwo im Galut. Denn wo sonst prägen Sabbat und Jomtow einem Ort so ihren Charakter auf als in Tel Awiw. Tafeln verkünden die 25 Stunden, an denen am Sabbat und Jomtow jeglicher Erwerbsbetrieb zu ruhen hat. Selbst die Speisewirtschaften — eigentliche Restaurants gibt ss in dieser Stadt von Juden nicht — dürfen iii« zu feit*!;]; WM» ipoifai mMikHm. fonlt winkt ein Strafbefehl. Damit niemand die Ausrede habe, seine Uhr gehe falsch, ertönt eine Stunde vor. Nacht in den Straßen das Schofar und befiehlt sofortige Einstellung, der Arbeit. Tel Awiw stellt in religiöser Hinsicht eine Musterkarte aus dem Galut dar. Zu kurz ist noch die Zeit sMSL MWWS UnD MWl18. Wkr kß. MW M doch Imponderabilien des ThorügesötzSs wie sonst nir^ gends, so daß die leider sehr umfangreichen Kreise, denen Heiligkeit und Verbindlichkeit der Thora nichts gelten, sich in der Praxis ihr nähern und nicht wie im Galut immer weiter von ihr entfernen. Sabbat und Jomtow sind im Galut schwer erkämpfte Besitztümer fflTß ' flli'f £,j?jierjTeuöigJeit voraus, roie sie nur bewußte Treue zur Thora gewähren kann. Doch m Tel Awiw fällt mit jedem Sabbat und Jomtow ein Schimmer ihres Glanzes auf jeden Juden, — er mag denken, wie er wolle. So webt eine Atmosphäre, die Keime des Thorajudentums erhält und zur Entwicklung bringt. Wer das jüdische Barometer von Tel Awiw feststellen «>rll. muß mie das Quecksilber auf kleinste Veränderungen!n ^er Äinwjp^are rW!W6. fW($ schon das Tatsachenmaterial bringt günstige Zahlen. An der Spitze der Religionsgemeinde Tel Awiw — nicht zu verwechseln mit der Stadtgemeinde Tel Awiw — steht ein streng orthodoxes Rabbinat. Alle kulturellen und rituellen Institutionen werden gemäß m pgößFunpn Der löora MiUd M & nifi w verlässiger geschehen kann. Aber auch der Verbreitung des Thorawissens wird die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Nr. 38 Sette 19 Fleisch-Daum Blumen u. Pflanzen Kaisers Ir. 31 ~ Hansa 133 Hie notfi im Krim Don & W «ni Äacobsohn gegründete „Agudath Thora" gibt täglich Talmud-Schiurim. An dem täglichen Schiur für Erwachsene des Oberrabbiners Aronsohn nehmen in der Regel mindestens 70 Personen teil. Der Schiur für Schüler hat einen Besuch von mehr als 60 Teilnehmern. Außerdem unterhält Agudath Thora eine Jeschiwa, die täglich 32 Knaben sechs Stunden Talmud und drei Stunden Tnuch und profanes Mllen Außer „Agudath Thora" gibt es noch eine „Schaß- Chewrah". In den zahlreichen Synagogen findet man zu jeder Tageszeit lernende ältere Leute. Wohnen doch in Tel Awiw ca. 80 Personen mit der Hatorat horaah, dem Rabbinatsdiplom! Außer den privaten Schiurim rvird ein intensiver Talmu'dunterricht an her §a^?emon!^u!« tls UJUlIßdji mit ihren 1000 Schülern und an der Schule der Agudath Israel erteilt. Dieser Ueberblick ist nicht erschöpfend; er zeigt aber bereits, daß die Thora in Del Awiw Pflanz- und Pflegstätten von bemerkenswertem Ausmaß hat. Für die Förderung von Erkenntnis und Erfüllung Ln Wer Wi PM Di« WöiMlliig non W sibiis mit ihren regen geistigen Interessen noch viele Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten zu verwirklichen, ist eine Frage idealistischen Wollens und pädagogischer Geschicklichkeit. Alle Synagogen sind täglich gut besucht. Läßt sich aber einmal ein guter CHasan hären, dann ist sslbstdi's große SyN'llgllM zu klein. §n Uv UUlt braucht eben nur die richtige Saite berührt zu werden, und sie klingt an. — Laßt sie anklingen, Ihr, die Ihr Wir erwarben die Restvorräte von IN SEINEN SPUREN... Beiträge zur geschichtlichen Würdigung 8. R. Hirschs s. A. 1. S. R. Hirsch in Ungarn. — 2. S. R. Hirsch und seine Richtung in dem Buche Dr. Kecskemeti s: „Gibt es bloß eine jüdische Religion oder mehrere?“ — 3. Zum 27-ten Teweth. —4. Einiges über die wissenschaftliche Methode S. R. Hirschs. — 5. Gedankensplitter über S. R. Hirschs Verhältnis Mr modernen Bibelkritik- — 6. über die Bedeutung des Studiums der Schriften S. R. Hirschs. — r iiioffoiri«*» mi» ...- ' ° ■},5,J i « *« ir«««Modo anr ]jD(J3ri?cb(?n 7. Ein Wort über ungarisch-jüdische Literatnr. — 8. Übersetzung meiner Vorrede zur ungärisctteti Übersetzung der Neunzehn Briefe über das Judentum. — 9. Das Empfehlungsschreiben des R. M. H. Fuchs s. A. zur ungarischen Übersetzung der Neunzehn Briefe. — 10. Etwas aus den Neunzehn Briefen über jüdischen Staat und jüdische Mission. — B. H. Fassei und Leop. Löw über §. R. Hirsck. — 12. Em AüMaiSf kkssksls über den IMkü-krWkÄ'KdW “nd über Hirschs Persönlichkeit. — 13. Ein Lehrsatz S. R. Hirschs in dem Werke eines Hauptschülers von Z. Frankel. — 14. Der hebräische Übersetzer der Grätz’schen Geschichte über S. R. Hirsch. 15. Briefliche Äusserungen eines christlichen Theologen über S. R. Hirsch. 16. Dr. Mendel Hipsefe e. A 17. Ein Nachwort mm ilfiffiSüüS? Israel Mdesbeimers. — 18 Em ungarischer Gaon als Pionier der Hirsch/schen Richtung. — 19. S. R. Hirsch-Ehrungen. ■*= 2Ö. 3. K. Hirsen und das Sagen von Kol-Nidre. — 21. Anhang. Die vier Ströme des Gartens Eden. Rede. Von Rabbiner PHILIPP FISCHER in Sarospatak. Preis Mark 1.10 Zusendung erfolgt gegen Überweisung obigen Betrags auf Postscheck-Konto Frankfurt km M&ifi 10102 pOFtOtfßl. Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt am Main.

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