Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 38 Der Jsraerit 23 September 1927 MW rn M UM fffii B vernichten, und wir müssen, wie Vater Jakob, dem mit Gebet und Geschenk entgegenkommen. Erfahren sie in der Gemeinde heute die Summen, dann setzt Zank und Streit über die Verteilung ein und die geheiligten Tage der Buße verwünsstn sich in Lage des Unfriedens, des Haffes und der Uebelrede. Glückt es aber und wir kommen nach dem Versöhnungstuge mit den verbrieften Privilegien heim, dann ist jedem jedes wert, und alle sind dankbar und zufrieden." (Fortsetzung folgt.) Ein Ferientag in Dürzbvrg. Als wir Sonntag, den 4. September, mit dem Morgenzuge in Würzburg ankamen, wurden wir mit Pauken und Trompeten, mit Farben und Fahnen, mit i; «n? ZÜMÜ! ffilf W8 m mm MösSilllM: s unö eme Menschenmenge mogle im Tunnel Mil uns hinaus und uns entgegen, daß die Luftzufuhrorgane zu streiken drohten. Der Empfang galt natürlich nicht uns. Es tagte der Internationale Friedenskongreß in dieser alten Stadt. Am Abend vorher wurde er eröffnet in einem der größten Säle, wobei Ungarn französische Reden hielten, die die Tschechen für klassisches Englisch hielten und vielen anderen s p o - üisch VÜkküMM. NW LW W MP ifcftpjj auf m Beinen an die Bahn, um neue Gäste, ungemein viel Landvolk, zu empfangen und sich von hier aus zu einem Festzuge durch die Straßen zu formieren. Wir zogen' mit. Musikkapellen schritten den einzelnen Gruppen voran und spielten kräftige Märsche. Wo Musik verhallte, setzten wirbelnd Trommel und Pfeife kill. M M Mll MW. Militärisch^ stküff g e g! r e d e r r e Formationen demonstrierten tm Parademarsch gegen den Militarismus. Fahnen flatterten weiß, rot, schwarzrotgolden und weißblau durch die Lust und schrieen in großer, greller Schrift: ,,^-reg dem Kriege!" Auf blutroten Tüchern stand es schwarz geschrieben: „Ende dem Blutvergießen!" Summ fwmm kündeten sanken und Trommel^ gNlfHfll WNllcr VlcHmustN »Nutze uuv FÜctzen!". Die Menschen bildeten zu beiden Seiten Spalier, ohne Jubel und ohne Protest den Zug, der, wenn er beendet schien, mit einem oorangetragenen Banner und Musik immer vom neuen begann, verfolgend. Und ich dachte: Gab es doch da einmal im judäischen Ländchen einen Juden, Iesaijas Amozfohn hieß er, und er sprach ein stilles Wort llkllll mtm Der WlMll unö m TM MlM gefallen, Sa ..Sök Wölf mit Lamme. Ser LeaparS mit der Ziege und Kalb und junger Leu zusammen lagern", „die Schwerter in Pflugeisen geschmiedet werden". Ohne Kongresse, ohne Umzüge, ohne Fahnen und Farben und Paukenlärm hält diese Friedenskundgebung ihren Triumphzug durch die Welt, wächst Mit der §ehnfu^l der Gtenj^en von Gej^lecht g« Ge schlecht, leuchtet über ihrem Tag und ihrer Mühsal wie Stern der Erlösung, steigend und sinkend mit ihnen. Gewiß, auch diese geräuschvolle Demonstration ist letzten Endes vom Worte jenes Juden in Jerusalem geführt, und hat unsere Sympathie. Aber, möchte man sagen: ..ZU llllli lllklW Arrml" M MMrmn&rein kann nicht sö Mött den Lärm läkMW . . . Und w i r machen es unserem Propheten nach. Gebückt stehen wir an den heiligen Tagen in stiller Zwiesprache mit unserem Gotte und demonstrieren für den Frieden, kaum hörbar für den Nachbar, und dennoch s o, daß die Welt nicht darüber hinweg kommt: sie alle bilden einen Bund jju erfüllen Deinen Willen mit ganzem Herzen. '.V* " -»-f r- .{t* £f Judentum sucht, scudet es dort im Zentralpunrts. Ich sah die große Synagoge, ein außen schmuckloser Steinbau, cm Innern aber weit und stimmungsvoll. Almemor in der rechten Mitte; seit einem Jahre erst. Und die Liberalen, so versichert mir der liebenswürdige Führer, die mit das Geld für diesen Umbau gegeben, freuen sich, daß das Gotteshaus auch unter rsin bautschni- Iflp« UM gWlIWn WWMU Silltti gewonnen hat. Ich sah mir dann auch die kleine Wochentagssynagoge an, in die ein Hofeingang hinunter führt. Es sieht alles darin uralt aus und ist in Wahrheit neu. Tief gelegen, erzeugt sie unwillkürlich die Stimmung derer, die früher, oben bedroht und bedrängt, aus der Tiefe Gott anrief«n. öufirfiunöertealte 23orftänge mit oett « u c t c I c it: (Oar)ct)attDCttcatt€ soryllllgk lllll herrlichen Stickereien, aus alten bayerischen Gemeinden stammend, die nicht mehr sind, decken den kleinen heiligen Schrein, davor das ewige Licht rot flackert. Ueber dem Eingang zu dieser kleinen Synagoge wacht ein altechtes, in Stein gehauenes jüdisches Wappen und erzählt etwas aus der jüdischen Geschichte in Bayern. “"fü 2«s in stiM MEMtt MM uns Srhlllyltzett -ergreifen!) wirk!, vorbei, gehen wir durch die schmale alte Gasse und durch das Bogentor in den Hof, der zu dem Seminare führt. Das Haus ist voller Leben. Im ersten Stock finde ich den noch jugendlichen Gelehrten, der als wissenschaftlicher Lamdon längst seine eigene Note hat, inmitten seiner Schüler beim Talmudunterichte, und ich habe bald Gelegenheit zu beobachten, wie weit offen der Weg zu seinem Herzen Öen WüNn sich. 3m ZMing? M ZMii Zszrßtz Zöglinge, älteren und jüngeren Jahrganges. Eine eigene kleine Synagoge bekommt das Seminar, und ich traf eine Anzahl angehender Lehrer drinnen auf Leitern und Gerüsten mit Pinseln und Farbenkasten beschäftigt. Sie besorgen selbst mit geschickten Händen die Wandmalereien und die Namenensaufschriften der Stifter. Mim USorts unö stlllW Lach« ömMtmMß Arüöii, daß sie Mllnter förtfbeßt. Eine Freud«, diese Freude einer Arbeitsschule im höheren, heiligen Sinne mitzu-' erleben. hier vorwärts. Dann fahren wir zurück in den Würzburger Abendsrieden hinein. Als wir in späterer Abendstunde den D-Zug nach Muffölk, Scisp: PUB IN! 88ffpfßlini WW Wi ^Männer in heftigen Streit geraten, der verspricht in Tätlichkeiten überzugehen, wegen eines Platzes nämlich, den der eine besetzt hält und der andere belegt zu haben beteuert. Beide kommen vom Friedenskongresse ... .$**1—tz. Würzburg ist eine schöne Stadt. Im Ganzen gesehen, wie jedes Kunstbrld, das, in Striche, Züge und Punkte zerlegt, Reiz und Wert verliert. Schöne Häuferzügk nrn louömn mjfaüm mö vkiAll Mlkllllus? logen umsäumen nicht zu breite Asphaltstraßen, die rn grüne schattige Alleen und von sonntäglich frcedsamen Menschen erfüllte Promenaden einmünden. Der die Stadt durchschneidende Main ist von rauchenden Dampfern belebt. Hie und da stößt man auf Reste alter Festungswälle. Brunnen und Brücken fesseln bas Auge, flüetie kehrten sich um Senfmöter utit chra«hlbauten, aus denen gewaltige pittoreske Türme in die Höhe ragen. Man sieht viel altes Stückwerk, und Fresken an altem Gemäuer geben historische Bilderrätsel auf. Der Hofgarten mit den plastischen Gruppen kann sich mit manchem Großstadtpark messen. Dazwischen ganze Strafen Partien, die, müde der Last ber nach ^f^ktHsch^N Staubsauger lechzen ... Es ist im Ganzen, eine schöne Stadt, besonders wenn die Sonne auf ihre Dächer und Gärten hinunterleuchtet und die Straßen, wo sie nicht von der Friedensmusik erfaßt sind, in sonntäglichem Frieden sich gemächlich strecken. Di« Menschen ous dök SiküA |möi einfach, gsfällig. dskb skeuvWH. ßüt und bayerisch — im Börkriegssinne. Würzburg ist auch eine jüdische Stadt, hat historische Erinnerungen, an denen sie, wie wir hoffen, nicht nur 'zehrt. Es steht dem Cintagsbesucher nicht zu, sich ein Urteil über das jüdische Leben in der Stadt anzumahen. Aber soviel ist gewiß: Die Seele ist jüdisch. Und wer Irr fnapper Brertelstunbe bringt uns das Aura nach 8 ch l> e r g. <£in roie alle aber es birgt jüdische Heiligtümer. Eine enge, wellige schlechrgepflasterte Gasse zwischen besseren und schlechteren Bauerngehöften. Ein Brunnenrohr ragt aus einem rauhen Steinviereck. Ein breiter Feldweg, voller Steine und Geröll, führt zum Hügel hinauf. Unten wartet das Auto, wir steigen. Zu beiden Seiten stehen Obstbäume, brechend unter ihrer Last. Die Zwetschgen tyartQert hlaufcf) mar 3 <m bert birrmert ÖTefiert. et" M II > » . « , « « .. « , jr^roärmen w ber WS (SiiK graue» niedere Umfassungsmauer, wie eine alte Festung, tut sich dem Auge auf. Wir gehen durch das kleine Tor und sind auf dem alten Friedhof zu Höchberg. Hügelig dehnt sich das heilige Gräberfeld, zu zwei m?8tr Mt MMk Wk!l M kSM m Skk Erde ab und sind olle» grusbewuchsen. Die GrabflMe davor sind nicht so alt und leidlich im Stande, aber die Schrift ist schwer leserlich, weil grau in grau gehauen. Mancher bekannte Name grüßt aus Stein, Namen verdienter Männer in Würzburg und in Höchberg, die «Saaten gestreut, welche hoch in die Halme gingen, wie y«s <§ra# auf ihren vvm Wetter Mttgedrückten Gräbern Herrliche Spätsommersonne gießt Silberbäche auf Stein und Erde. Käfer umsummen die wilden Blumen und bunte Schmetterlinge kreisen um die Sonnenstreifen. In erster Reihe, rechts vom Eingänge, zählt ein schlichter, grauer Stein die Werke des Meisters auf. der da unten in Würzburg gelebt und gelehrt hat: ütaßi MgllMli,» Zwei MMm strauche erheben sich sieil und mannshoch zu beiden Seiten des Rabbinergrabes, wie Wachtposten, ewige Wahrzeichen für das Blühen eines Lebenswerkes. Noch nie war mir der Begriff Frieden mit einem Friedhof so innerlich verbunden wie hier auf der Gräberhöhe zu Höchberg. Es ist. wenn die Zeit da ist. gut ruhen da adin. umlummt non ßnnm Mm, nnm mmmtülmin umflattert, von der Ssnye rm Herbste noch geküßt, hinaufgehoben über das Tal und alle Erdenqual . . . Unten wartet das Auto. Ob er warten soll, bis die Toten auserstanden sind, fragt der Chauffeur witzig. Wir sind schon bei der Auferstehung. Am ersten jüdischen Hause waschen wir die Hände aus einem bayrischen Maßkrug. Sonn es vom ^auje bes 2otes rn bas bes fle {i e ns. Wir biegen in die schmale Gasse ein und dann durch das kleine Tor in die Präparanden- und Bürgerschule. Alles, Klassenzimmer, Schlafräume, Speisesaal, Turn- und Spielhof etwas primitiv, aber durchaus zweckmäßig eingerichtet. Das Haus ist fast leer. Es ist Sonntagnachmittag ' und die Schule hat noch Aittß? sisth ha, anh?in berichtet uns mit leuchtenden Augen über Geschichte, Lehrplan und Erfolge der Schule, dieser eigenartigen Insel des jüdischen Geistes mitten in einem Bauerndorfe, das sonst fast keine Juden beherbergt. Achtzig Schüler zählen zurzeit Präparandie und Bürgerschule. Lehrziel: BMgkSstung fll? dsr WükOukgsr Ssmingk g'dsk sine andere höhere S^ule. ünter weltlichen Absenkungen kann an dieser stillen Weltecke der Unterricht wahrlich nicht leiden. Der Herr Lehrer zeigt mir mit Stolz ein hebräisches Heft, darin ein recht guter hebräischer Aufsatz über die Gebete, von einem Vierzehnjährigen geschrieben, für den Geist der Schule zeugt. Es geht auch Aindsrecke. -n n * n 12M8 d'N8 12^2^ friK 28?>8V 27)' 'V *]K -ns? rr nis^bn •’S insi nDQ'K TJ?8 'HISS -"lN'2 *]lVn '22 Vj? nninra nnw )8“ij?' -'2 ♦na'^ rp'8 asr 2^ NNLN7 '"Ntlv 2^ 8X»n ''2 mm ¥in nl iws S'S' ji’Qä” -fVnxs-! Kreuznacher Restaurateur. Spendenliste. 2tc»fch ^a|(^K>RO'@(ü^^tt>un|«^a6(o|ungen 311 Glinftsn Des Crez IjsrM-SchulwMss der Agudas Jisroel. Dinslaken: Sally Moses. Frankfurt a. M.: Nathaniel M. Bier. Dr. Isaak Breuer und Frau. Dr. Josua Breuer und Frau. Dr. Salomon Ehrmann und Frau. Arthur Luß. Simon Mugdan und Frau. Dr. Siegfried Oppenheimer unb (Jratt. Saco& 3^0 J'en^eim unö ^ra«. ÄamuLl Werlyermer uns Fr«'u. Qai sjoüüitiKT. *. Gau-Bickelheim: Mvfes Groß für Jfaae Oppenheimer. Halberstadt: Familie I. Bachmann. Menko Max Hirsch und Frau. Allen denjenigen, die mir geholfen haben, im vergossenen Jahr« für verschiedene Zwecke die Summe von 5000 ffr m Immtln. miinföii ich M nua nsirai nmo für das. kommsttde Jahr. M. Rerchelsohn, Puttelange. Wocherrkalender. v. 24. Sept. bis 1. Olt. 1927. / v. 27. Elul bis 5. Tischri 5687. Samstag 24 27 ft'sss Sonntag 25 i»i>8 28 Klontet} 26 29 b'yin n^ann «tt aiy Dienstag rs 27 1 nas?n rr Dr Mittwoch 28 2 rm?n osm y nv zmsffisg g? S iTHi BIS Freitag 3Ö 4 Samstag Ott. 1 5 naw wb> DIE WELTMARKE) LBO ELBEO - STRUMPFWAREN Damenstrümpfe, Kinder - Sportstrümpfe ..y» J JierrcnsocL cn Größte Auswahl am Platze! PFÜLLER Goethestraße 15 Fil. Baden-Baden Kefir ist beste Vollmilch, durch besonderes Gärverfahren in eine durch Kohlensäuregehalt moussierende wohlschmeckende Flüssigkeit verwandelt Kestr ist nör Mm M llllMalichgs Mtränk für Sösundo, da ük etn AahrMtttel dürftellt. cfb aber H e t l - getränt bei verschiedenen Krankheiten wie Unterernährung, Skrofulöse, Tuberkulose wie bei akuten und chronischen V e r d a u u n g s st o r u n g « n. Zü haben , in der Frankfurter Kefirkuranstalt, Günthersburg Allee Nr. 19. Tel. Carolus 47 421. r