Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Btilaat IW Feuerzeichen. Hm HHettö-Zlsman von S. Schachnowitz. I. In der Gömeindeslube, IN dis m** durch den dunklen Hof der Altschul, wenn man die drei Holzstusen kannte, ohne zu stolpern gelangte, brannten nach dem Abendgebete die zwei Messingkandelaber an der Wand müm Den gelöeu WlWkkkM im?i?*??römeigfen Kronleuchter. Echt ohne scheue Ehrfurcht sahen die aus der Schul tretenden Beter auf die Lichter hin, wenn auch Perez Murren, vor dessen Spottsucht nichts sicher und Heilig war, sich die Bemerkung nicht versagen konnte: „Sie lassen schon wieder ihr Eicht — 2;LZ tMVd Bi UM wieder kosten?" Mit dem „s i e" meinte er die Gemeindevorsteher, die, wie alle wußten und worauf das Licht deutete, heute große Beratung pflegten; mit dem „Lichte" ihren Geist, an dessen Leuchtkraft in glauben, er sich uichl mmimu ™ocJrte- Es hätte auch seiner Würde als Schalk Abtrag getan, hätte er nicht sein Sprüche! dazu gesagt. „Was es Dich schon kosten kann", sagte Mordche Beer, ein kleiner, behäbiger Mann mit dickem Backenbart und etwas verschwommenen Augen, anzüglich. Aaraus Perez schlägt fertig: „Wenns schief ausgeht, kostet mich's den „Sechel" (Verstand), Du hast keinen zu verlieren ..." Hiß fißutß lachten, lachten noch MM, als Mordche Beer, im Suchen nach einem passenden Gegenworte, sich wie ein Truthahn aufblies und kein stichhaltigeres fand, als: „L ez!" Und zu den anderen gewendet: „Ueber so was lacht man... ." Drinnen faßen am langen Tische, den das Me CMttuch nur zum IK vsllkk. nie BorftcOtr zu Rate. Wer nicht gerade das Wort hatte, hörte, das Kinn: auf die flache Hand gestützt, angestrengt zu.. Wichtige Dinge standen zur Beratung, von denen Wohl und Weh. Gedeih und Verderb non GkMkiüöi, visllsicht such GßMßinschast abhingm.; Joseph I. war zum römischen König , gewählt und zog als solcher mit seinen Truppen, nach der Pfalz. Landau war belagert. Die Stadt Frankfurt hielt zu ihm, schickte ihm Geld und' TkWtjk mh öuxch sing siggnz Hßplltation ihre Huldigung. Auch die Iudenheit mußte etwas tun, um sich beizeiten bei dem König, der bald Herr der süddeutschen Lande sein würde, in Empfehlung zu bringen. Andere Kräfte waren gegm die Buden tmrtjam. „Böse Schlüssen" waren tm Umiauy. Die Gemeinden in Mainz, Worms und anderen Städten hatten schon wiederholt bei Frankfurt, der führenden Muttergemeinde, angefrägt, was geschehen solle, wie und wann. Man wußte es aus Erfahrung mv zu zznsm 8sds llntarlaffung oDor HMfaums nis würde als Auflehnung ausgedeutet werden und besonders von den Zünften, die stets dem Rate Bevorzugung der Juden vorwarfen, gegen sie weidlich ausgenutzt werden. Sollte noch vor WillMlrMlilH bafItl 03ar wehr viel Zeit zu verlieren. Kündeie Doch schon seit Tagen das Widderhorn morgens, und abends in der Schutt das' Kommen der ernsten Feste. Der Beschluß mußtd von Frankfurt zuerst kommend Allel in Wörms und Speier und Mäiüg ünl sistd HsidslbsxZ und übßx? all am Main, Rhein und an der övnau warkeken auf den ersten Schritt Frankfurts. Ein geistiges Oberhaupt hatte die Gemeinde zur Zeit nicht. Rabbi Samuel Krakauer, ein rvürdiger Nachfolger Rabbi 211) r D n K eiünow ers und Äusgestastcr dss vön MöM begonnenen großen Nachweiswerkes zum Talmud, hatte man am ersten Kislerv dieses Jahres in der Ehrenreihe auf dem Gräberfelde an der Mauer, die die Gaffe nach außen abgrenzte, zur letzten Ruhe gebettet. Sein Platz war jetzt, nach Jahxßn. noch unbesetzt Mb L8m alternden Rabbi Schmuel Schotten an beV Spitze des Besdin nur ungern und vorübergehend eingenommen. Man hatte bereits ein Auge dahin und dorthin, nach Posen und Prag, gervorfen, aber dis Verhandlungen zerschlugen sich immer von neuem. 8arum destän! U lj ¥ 3 $ Oppenheim, der erste Vorsteher unter den „sieben Besten der Stadt", die hier zu Rate saßen, schon zu Anfang der Sitzung darauf, daß man nicht bis zur Besetzung des Rabbinates warte unü Wich über bik beim König Voseph berate, bU sich Nicht Möhr länger hinausschieben ließ. Ahron Oppenheim war ein Mann von mittlerem Wüchse, angegrautem Haare, das aus dem Dreimaster, dem Judenhute heraus, sich über dis rötlichen Wangen kräuselte und in UNuntkrirvchmrr Folg? sich rm Kinn» noch giauor zu einem gutgehaltenen Vollbarte rundete. Er hatte klare, kluge Augen und seine federnde Gestalt bewegte sich wie aufgezogen, wenn im lebhaften Gespräche seine Stimme hohen Klang erhielt. Seine Rechte fuhr gemessen aus, mehr das Wort ^u bändigen, in richtige Gedankenbahnen ZU reihen, denn' zu beschwingen. Sn Äusseren» Gewandung und Sprache sorgsam gepflegt, verriet er den echten H o f j u d e n, der zu reden und zu schweigen, sich zu ereifern und zu zügeln, zu zürnen und versöhnend zu vermitteln wußte. Monn MN Mögen um Kaiser uns Mais Sis Rede war, hatte Ahron Lppenheim, her alle offenen und geheimen Wege des Hofes so gut kannte, wie die Gänge seines Giebelhauses an der Brücke, des einzigen Steinhauses im Ghetto mit dem Bilde der großen blauschwarzen Rebe an der gezackten Eisentüre — vielleicht eine Erimmm an Dit MnrtBtn m] m AnWrn m Oppenheim am Rhein —, das ihm von alten Seiten neidlos zuerkannte erste Wort. Auch Isaak Reiß, hochgewachsen, dürr, etwas vornüber gebückt, mit einem Backenbarte aus nur schwarzgrauen Stoppeln und einem frptßrn. kaum Mammuten MtzöllrllUitt bkkj wie allbekannt, im Herzen Oppenheim die erste Stelle ein wenig mißgönnte und daher des öfteren/ „anderer Meinung" war, hörte heute ruhig zu, ohne, wie sonst, dem Hofjuden ins Wort ZU MM MS kW W kkrMkNW ev{ Oppenheim, mit seinem „Weitblicke" nicht gar zu weit über Frankfurt hinwegschauen und aus Kosten Frankfurts „gut Wetter" für andere machen dürfe, etwa für Wien, Worms oder wohin dis Macht des neuen Königs hinreichte. ist sich nächste bU (BUftsittbi. Alles, was recht war!" Das dachte er diesmal aber nur und sprach nichts. Indes faß der greise Nathan Maatz mit verschränkten Armen, die kleinen etwas fklllWN NlWN HI# hkll??n?En Lippen umwölbten Mund an Oppenheim geheftet, und schüttelte, einverstanden mit allem, den schönen, patriarchalischen Kopf, in dem ein paar gute Augen alte Glutreste hüteten. Etwas abseits an beiden Tischenden hiellen sich ine Rorstcyör H e r g Ha a M y \ $ * fB v &= chen, G-umpel Fuld und Moses Drum. Jeder klug und bewährt in ferner Art und fernem Fache, der eine in Sachen der Schul, der andere als Leiter des „Heiligen Vereins" und so fort, wollten sie in vieler ZgHk nur AsHkjökMW tzöM M miwöstimmön, wenn n aufs mms und Ende ging. „Wir werden", sagte Oppenheim, „Roschhaschonoh und Jomkippur vorübergehen lassen, uns rüsten und Buße tun in Huldigung und An- Mung Dos Königs aller Könige; öksim iföiifi si^ ewig dahindehut, von Zeit zu Zeit, wie der Strom, in den wir am Tage des Gerichts unsre Sünden schütteln; werden zu Ihm, der „einsetzt die Könige und für sich das Reich hat" und „der Fürstenherzen wie die Wasserströme nach seinem Willen leitet"^ ausslehen, daß Er uns Gunst finden läßt in den Augen des Mannes, der gum Rvnrg des Landes erkoren ist. Sodann machen wir uns — mit mir unser ehrwürdiger Nathan Maah und Isaak Reiß, — nachdem uns die Räte zu Abgesandten der Gemeinde gemacht haben, gleich nach Zonmppur auf Den Wkg U8K Mdelbergr wohin sich der Hof dieser Tage von Landau aus, das ihm die Tore geöffnet, begibt." „Was haben wir zu bieten?" erkundigte sich der alte Maaß mit etwas vibrierender Stimme, als alter Finanzmann, der den goldenen Schlüssel zu Höfen und Hcrgcn der Mrstrn kätttttz. Ahron Oppenheim gab Auskunft: „Der goldene Adler für den König ist von der Goldschmiedezunft in Hanau so gut wie fertiggestellt, ist eine gute, rechte Arbeit geworden. Die Meister haben sich Mühe gegeben, Mn am Nie MMkfUMr MMMisikN' Die hiesigen sind uns nicht wshlgssinnt und hatten unseren Auftrag nicht angenommen oder unseren Plan vereitelt. Die Sache wird 550 Reichsthaler kosten. Wir, und wer sonst in der Gemeinde kann, werden die Summen vorstrecken müssen und später die Lasten richtig verteilen. Vielleicht W, WWN Wis wißößr einen ürflM OTafiMner im Besdin haben, was auch nicht mehr lange bauern kann. Einen kunstvollen Geldbeutel haben wir in Nürnberg bestellt, er trägt in Gold gestickt Wappen und Krone. Leer können wir ihn, versteht sich, nicht überreichen, ich denke, die vierhundert alten rheinischen Goldguidev, die sich der Gememdeschatz für besondere Anlässe aufgespart hat, tuen es. Sie gelten in Wahrheit nicht so viel und werden vom König, der viel auf Zeichen gibt, wie ein gutes Omen für feine Pläne am Rhein ausgenommen werden. In Heidelberg roeilt aber auch die Königin — das hätten wir in Landau' gespart, aber, der Teg ge!jt ofi genug über das Herz der Königin, das wissen wir seit Esther schon —. Wir werden bei ihr unsere Reverenz machen müssen, wie es die Abgesandten der Stadt Frankfurt getan haben, die eigens von Landau nach Heidelberg gefahren sind. Käme es einmal so, daß bei Differenzen mit Stadt und Bürgern, mit Rat oder Zünften w i r nur den König und s i e auch die Königin auf ihrer Seite hätten, dann wären wir geschlagen. Also auch zur Königin. Das kostst neues Geld. Sie liebt bit Künste unb Wissenschaften, wie das Licht. Wir stellen ihr untertänigst zu Füßen einen großen silbernen Leuchter, feinste Ziselierarbeit. Ist bereits in Arbeit gegeben und kostet achthundert Münzßutm. mr mmrni mtmt, mmnrrni mp Höflinge auf dem Wege gum Throne werben mehrere hundert Reichsthaler nötig sein." „Und das alles, ohne erst Gemeinde, erweiterten Rat und Rabbinatt zu befragen?" konnte sich Bsaak Reiß nicht mehr halten. „Gemeinde, Ratsmarmcr und Aajsnim had?n uns Vollmacht gegeben und freie Hand gelassen. Wir müssen Handel n." Oppenheim bewegte wie abwehrend beide Hände, um nicht erregt mehr zu sagen. MM sagßn slllltß man DocD erst Dm Leuten wenigstens, was dieser königliche Spaß kostet", beharrte Reiß. „Was nützte es, ihnen dies heute zu sagen?. Es muß ja sein, wenn es nicht, was Gott ver-' tauten mag, mel>r als Geld kosten soll. Die Feinde