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Der Israelit · 1927-09-08 · Heft 36 (8.9.1927) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 36 (8.9.1927)
Date
1927-09-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 36 Der Jsraerrt 8 September 1927 in bunter LandeskraHk Makoczielvaster uinbeeren. Sie holen weit aus, gießen und leeren, von Glas zu Glas, reichen hinaus, nehmen hinein, gießen und leeren, stumm, unpersönlich, ohne aufzublicken. Wie Priesterinnen in Buddhas Hallen, die den Gläubigen den Opfertrank bereiten. Und um dis Mefftngfchlangs fy&rum im meiien SBogen ^-tS fst) Sttf Sti r [<iii|en irt L*-t?n iücg, t>ö i Istt sich zu einem Knäuel, daß die Gläser anstotzen wie bei einem Feste, strahlen auseinander. Hundert Menschen fragen hundert andere Menschen, wie sie die Nacht geschlafen, und bevor sie die Antwort erhalten, werden sie von anderen, die ihnen der Strom in den Weg getmrb-e-fi, gefragt, mte es geroirft fyai . . . Dis SDtnfif fpreO ÜDlogcrri urtl» SirÖßafjjer. ünt zruxnJj einer verschwindet hinter einer der kleinen Türen in den Arkaden zum stillen Kämmerlein — an den Klängen des Hochzeitsmarsches aus Carmen . . . Man spricht scharf und laut russisch, näselt französisch, würgt englisch, schnurrt Berlinerisch, spricht ein wenig Deutsch und sehr viel — mit der Hand im NkHA ist rmt ökm Msik AMvr »e m uirö gesetzte Herren und viele jüngere in Mutze, Filzhut, Strohhut und gar keinem Hut. Sehr viele rundliche Matronen mit schlanken Töchtern an der Seite; erstere in der Hoffnung hergekommen, -einen Teil des Fettansatzes hier zu verlieren und vielleicht auch ... Warum auch nichts menn es in «guten Formen gelingt »MM. drch Mrsrp sus ZichW MP lliht m geben5 gesucht und auch Vater Jakob seine Nahet am Trinkbrunnen zu Haran gefunden hat? . . . Die S e n s a t i o n. Die bewegte Masse bekommt Richtung. Mt einem Rucke schwenkt der Strom aus dem Garten durch die palmenge^djmüdte Halle hinaus nach dem Lacdwigspark. Köpfe recken sich, Führ bewegen sich, eilig, drängelnd. Draußen auf der anderen Seite sehe ich die Prominenten: Auf der weißen Bank am Geländer vor dem kristallklaren Wasser der Fränkischen Saale sitzt unser Rabbi Engelmeier, die vergeistigten Augen in schmalem Spalte jutn blauen Himmel gerichtet, neben einsm CfapM&i aui Azmlru im [äbjä mit leuchtendem Gesichte. Beide scheinen im Banne eines „tiefen Jnjan" wie erdenentrückt. Etwas weiter an die Mauer gelehnt, ein litauischer Rabbi, langröckig, langbärtig, klaräugig, in lebhaftem Gespräche mit Landsleuten. Nicht bei diesen macht die treibende Neugisr halt, über sie strömt sie hinweg zur Sensation: zu Uv DSM, Ui Uvi am RsstttbLLt ltt MZlsstMZ MtoP ausgetaucht ist. „Die Kaiserin". „Nein, Exkaiserin", korrigier^ jemand. „Stimmt nicht", ein anderer, „Frau des Exkulsers". Aber alle laufen, alle blicken. Die große Hermine, just am Morgen, da die Frankfuter und Berliner Blätter Auszüge aus ihren Memoiren gebracht haben . Einen flüchtigen Blick werfe ich über die Köpfe der UMUMN M M UM IM m MUcn ZWll und langen Ohrringen, auf die schlanke Tochter neben ihr (auch sie? . . .), auf die schmächtige, brettgrade Hofdame zu ihrer Linken — und bleibe bei Rabbi Engelmeiec ... „ Hurra, es r e g n e t! . . . „Hurra, es regnet!" so begrüßt unsere Kleine beim ^rlöäässn den grauen, vsrregnelen 31!orgsn. Es hatte die ganze Nacht in Eimern gegossen. Nun, nach sieben, schaut noch die Sonne spärlich und betrüblich durch die Ritzen der Fensterläden ins Zimmer. In monotonem Rhythmus klatschen die Tropfen ans Holz. Vor einer halben Stunde hörte ich einen der Vorübergehenden auf das S ... weiter schimpfen. Eine Domo momti oo fei jiim SerriitflnMiM. (Eine tiefere Stimme sagte: „Man konnte sich umbringen . . ." (Sine andere wollte nur „aufpacken und heimfahren". Und die Kleine jubelt: „Hurra, es regnet!" Mit dieser Freude am Regen hat es seine eigene Vewandnis. Die Tribüne, auf der die Musikkapelle im Kurgarten spielt, ist eine halbmondförmige Drehbühne, die, wenn Regen ungebeten in den Rhythmus hineintrommelt. sich um ihre eigene Achse herumdreht und so mit chrsm Äsfrchls und Eptel nach der großen 3üandsfhalle zu stehen kommt, wohin ihr alles folgt. Dann ist der große Moment gekommen, für alles, was an Kleinzeug im Kurgarten kreucht und fleucht, sich rasch über die Rampe aus die Bühne zu schwingen und mit den' Musikern „hineinzufahven". Unsere Kleine fühlt mit sicherem Instinkte: es wird nicht andauernd rkMll ,Wt WM MlS ft© k!N MllMlll W UNS M drehen uyü sie mit. „Hurra, es regnet. . ." Es liegt tiefer Sinn auch in diesem kindlichen Spiel. Man suche allem, auch dem Regen, eine freundliche Seite abzugewinnen. Herrlich, wenn uns goldener Sonnenschein lacht, aber wer wagt es zu sagen, daß grauer Wolkenhimmel häßlich sei, daß Regen des Himmels Weinen bedeute? 'Es ist anders »schön", aWt ebenfalls schön; es liegt zumeist an uns und in uns. Erinnern wir uns: wir haben viel Trübes bei strahlender Sonne erlebt und manche behagliche, glückliche Stunde, indes draußen Sturm und Wetter tobten, bei anregender Lektüre, in guter Gesellschaft, bei schöpferischer Arbeit. Es liegt an UNS. Morgen wir es wie die Kinder und Musirantcn: DrcDen mir Die Lutum uach utr irotrinen etßjt? feite um und die Geigen spielen weiter... Lernen wir es von den Vögeln und Kindern, auch beim Regen zu jubeln. Sonne im Herzen. Hurra, es regnet! . . . (tzokumöus' jüdische Abstammung). In der „Dos» fischen Zeitung' beschäftigt sich der hervorragende spanische Gelehrte Professor Teodosio Noeli, Dozent am Orientalischen Seminar der Universität Berlin, mit den bisherigen Forschungsergebnissen betreffend die Abstammung von Columbus. Als Wichtigsten Bs«rtr lafös, Hrß TZlllmbm ((Ealas) nicht SeM. efer, sondern Spanier war, führt er an: „Wenn Columbus von mütterlicher Seite jüdischer Abstammung gewesen wäre,.... so wäre dies ein ausreichender Grund, warum Columbus der Königin Jsabella, deren Antisemitismus ja bekannt mar, feine Herkunft verheimlichte Zudem ist in Annalen der ^n<j(niflff<?n el^i Andreas ^olpn {$?- lumbus) äufgeführt, der im Jahre 1489 einen Prozeß hatte. Hat nun Columbus die charakteristischen Eigenschaften der jüdischen Raffe gehabt? Nach den Schriftstellern seiner Zeit, den Auszeichnungen seiner Freunde und auch den Briefen seines Sohnes Fer- UHItöfl ~ DIE tn Mvlllll M IMkffrMMll llWkwahrt sind — hatte Columbus körperlich, geistig und moralisch alle Eigenschaften der jüdischen Raffe, mit ihren Vorzügen, wie ihren Mängeln. Prof. Teodosio Noeli schließt: „Die große Madrider Zeitung „A. B. C." hat jetzt ein Preisausschreiben erlassen und. bereits geschlossen, in welchem 10.000 Prsrttk all PsriZ D IU tzrstt Wtzrit auigesetzt werden, welche die spanische Nationalität Columbus am schlagendsten beweist. Das Preisgericht ist international, und auch die Bewerber gehören allen Ländern an. In wenigen Monaten dürste das Ergebnis bekannt werden. Vielleicht wird es die Frage abschließend entscheiden. Vermischtes. Viernheim, 22. August. Am Sonntag beging die israelitische Gemeinde Viernheim das hundertjährige Bestehen ihrer Synagoge mit einem Festgottesdi-enst. Wch Bin? WWMUIMM m MpW Losw HW Rabbiner Dr. Italiener- Darmstadt die Festpredigt. Kraft, Stolz und Geduld erfülle den Juden, der der Väter, die dieses Gotteshaus errichteten, gedenkt. Don ihrer Tat ging um fo größeres Licht aus, als bis damals die Juden von außen unterdrückt und im Ghetto innerlich verkümmert waren. Oberarzt Dr. Fri-ed- MrM fiioft Me NMchtiMM für W im WsllkÄM gefallenen, Juden der Gemeinde Vr-ernhem. Im Namen der Gemeinde Viernheim erklärte Bürgermeister Lamberth, daß er eigens feinen Urlaub unterbrochen habe, um an dieser bedeutungsvollen Feier teilzunehmen. Es sei ihm ein Bedürfnis, den vorbildlichen Beziehungen aller Konfeffinen in der Gemeinde Viernheim Ausdruck zu geben. Kaplan Oestrei- Mn iMMölW m im iiarnsn des Herrn geistlichen Rat Wolf, der gesamten Pfarrgeistlichkeit, des Kirchenvorstands und der katholischen Gemeinde. Er begann in hebräischer Sprache mit dem Psalmwort: „Wenn der Herr nicht wacht, wacht der Wächter umsonst." Direktor V e n j a m i n - Darmstadt überbrachte die Glückwünsche des ä§crndesverbands der Israelitischen RellgwNMMGmden Hessens, Syndikus Erwin Baer - Frankfurt a. M. diejenigen des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Polizeioberwachtmeister Kühne die der Polizeibehörde, ein Mitglied des Synagogenrats die der Gemeinde Mannheim. Rektor Mayer- Viernheim überbrachte die Glückwünsche der Schule. W? Uta«;?fgmtg9gm4)9T?, Mannheim, mit Solls des Oberkantors Eppstein umrahmten weihevoll die Ansprachen. Zu dieser Feier wurde eine Festschrift, verfaßt von Herrn Lehrer Loew-Viernheim, herausgegeben, die interessantes geschichtliches Material enthält. Kassel, 23. August. Größere Geldbeträge spendete Frau Johanna Lefermann geb. Weinberg, Tochter des DirflDrBocn MIMMMMZ MtiBtra. Mklltze vor iO Jahren nach Amerika answanderte und ihre Heimatstadt besuchte, vielen jüdischen und auch christlichen Wohltätigkeits-Anstalten. Siegburg, 31. Juli. Am Sonntag, den 24. Juli, veranstaltete der Jüdische Jugendbund Siegburg einen kleinen Ausflug in das liebliche Aggertal, dem -auch Mitglieder der Chewras Limmud Thvra-A. D. H. O. Köln v-elwoynlen. Del Gelegenheli dieser Devllnswuüng konnte man so -recht wahrnehmen, wie schön doch die Idee unseres Vereins, die Jugend mittels der neuzeitlichen Handhaben der Jugendpflege zu bewußten Juden heranzubilden, in unserer Stadt Fuß gefaßt hat. Eine Beteitigung t>on dreißig jungen Leuten bedeutet für uns ... . ■ ~. .. . Der uns naivere M ApflMg njsl. Der Äusflug^ i-. Bekanntschaft mit ernsten strebsamen jungen jüdischen Menschen vermittelte, brachte uns manche Anregung, die wir gerne weiter ver-arbsiten werden. Der Ausflug ührte über das liebliche Lohmar in die Wälder der Aggermündung. Wir hoffen, recht bald auf Grund der angebahnten Beziehungen mit der Chewras Limmud Tcinro^-A. I. D- 2. und der Esrcr-Gru^r^e Köln «ktir» uns M vki sMischrn DugkMkkisxgnng ' W fmttigm m können und uns durch die Unterstützung der -angezogenen an der jüdischen Jugendbewegung beteiligen zu j sehen, das jüdische Leben unserer Stadt zu einer neuen Blüte zu bringen. Eschwege, 22. August. Lte GemeinüeSMMr unstrez Kreises wählten den Fabrikanten Mövitz Werner von hier anstelle des verschiedenen Savonie Katzenstein zum Kreisoorsteher Ses Kreises Eschwege. Topolcany, 5. September. In -einem Aufrufe wendet sich ein Organlsationskomitoe an M-e Schüler der Topoloamij-et: Torcrh und Schüler des Rabbi Chatm Fürst,!9Y<r W? Wy ihrer Jünglingsjahre gemeinsam ihr ö0sähri,ges Bestehen und Wirken feiern. Ungeachtet des Umstandes, daß die Schüler des Rabbi Chaim Fürst sich heute in den unterschiedlichsten Lagern und sozialen Stellungen befinden, wissen sie sich doch durch das Band des unner^äl^ckst jüdifcyen Geistes, nrit rrveliffem er sie urnschlungW hat, in der ÄnsrSsnnung and WärdiganM der ünoerjährbaven Verdienste des Meisters innig vereint. Das Festkomitee pka-nt eine großzügige, der Seltenheit des Falles und der Bedeutung der Sache -entsprechende Jubiläumsfeier zu veranstalten. Doch' die Würdigung des Ereignisses soll auch in der Schaffung eines Fonds ihren Ausdruck finden, -dessen Zinsen vovmt dazu -dienen Mim, ößn MMMM Des llWMm MMrs furDlDlo? zu gestatten, daß es ihm g-egv-nnt fei, nach so ehrlich geleisteter Arbeit, die Ruhe zu genießen. Der Fonds als solcher bleibt als Zeichen -der Liebe und Anhänglichkeit für immer unter dem Namen „Rabbi Chaim Fürst- Fonds" zugunsten der Jugendschule bestehen. Geldsendungen erbittet das Komitee an „Eskompte und Volks- , Miafe ffpy <4 «Hit], Stcfanikovo namestie 38. Ainderecke. I»ch-Wskl Den Wörtern.- Gemara, Allwissend, Manna, Chiskija, Etsch, Mepille, Benjamin, Mikwe, Wassermann, Manasse, Ninive, Mendelssohn, Maimonides, Misrachi, Betfchean, Tifchri, Rehabeam, Kultus, find je zwei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die MMMMßWt alnen AuLspmtz lshylgbs im Must mann von Venedig ergeben. Wochenkalender. v. 10. - 17. Sept. 1937. / v. .13 - 20. Elnl 8837. ZSMÄSg 10 13 S Sonntag 11 14 sin Montag 12 15 Dienstag 13 16| Mittwoch Z 14 17 Donnerstag 15 18 il JO Samstag 17 20| tmn JULIUS SCHMIDT ANNONCEN AN WÄ11 ME zu Originalpreisen ♦ Frankfurt am Main Langesfrasse 7 Telefon Hansa 4641 £oiticHgckiKonto Fnänkfuptmäin 141303 Einzige Inserafen-Annahme für Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAELIT« Annahme von Inseraten fOr sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter t JULIUS SCHMIDT ANNONCEN - ANNAHME zu Originalpreisen äiraniiDDimoj tut neu aiiaenutugn nxi hhd dos s. Echachnowitz, Frankfurt a. M.: Inserate i.B.: nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer »- Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Be-r»» .Israelit". G.m.b.tz., Frankfurt a. M. - Druck Sermon Verlag»' AMengefellfchast, Frankfurt a. M.

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