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Der Israelit · 1927-09-01 · Heft 35 (1.9.1927) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 35 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 35 Den 3 a c u e i t t 1. September 1927 Ein Opfer für die heilige Thora. sNüch einer Eintragung im Memorbrrch der Gemeinde zu Balta.) <£s war im Jahre 1768, in dem Jahre, das mit Blut als das „haidamakenjahr" in den Annalen der jüdischen Geschichte in der Ukraine verervi^r ist. Dev Raltaev Rabbiner, Rabbi 2T£ o | cf^e ben Guri, saß mit seiner jungen Tochter vor dem Tische, aus dem viele alte Bücher lagen, als die Türe rasch aufging und ein junger Ulensch, Schrecken im Gesicht, in's Haus trat. Nachrichten, Rabbi", sprach er aiemlvs. „Musliman ^nd Flüchtlinge gekommen, Juden und j)olen, und sie überbringen entsetzliche Uunde. Die ^aidamaken haben dort ein fürchterliches Blutbad angerichtet, Thorarollen wälzten sie zerfetzt in jüdischem Blute Der junge Ulann, Lhajim HW hl war barVßvlobtQ bßv Xabbinm* töchier. Der Rabbi erzitterte. Er dachte unwillkürlich an seine eigene heilige Thorarolle, die sein Urgroßvater mit seinem nackten Leben aus Spanien gerettet hatte. Das heilige Aleinod vererbte sich von Generation auf Generation und war in einem filternen St^ranlf auAcrvabrt, einem Meisterwerk alter spanischer Silberschmiedekunst. Rabbiner von Aolen und Galizien pflegten eigens nach Balta zu kommen, um die heilige Rolle mit ihrem kostbaren Behälter zu bewundern. Die Schrift der Cf^a mar ein ««njfcpejf fyj M, frflf däK vrau bei Lhovaschreibern je gesehen harte. — Schon am zweiten Morgen waren die Haidamaken in der Stadt. Unter Juden und s)olen brach eine unsägliche j)anik aus. händeringend stürzte Thajim in's verstreu wir „Der Herr im Himmel wird helfen", sagte der Rabbi und schaute nach einem Versteck für den Silberschrank mit dem heiligen Inhalt aus.'. „Aber in Uman, in Therkaß und anderen Städten kam die Hilfe nicht. Reine ^ssls konnte ^ich reüenJJ. Die letzten Worte waren schon übertönt von Aferdewiehern und Schießen. Sie waren bereits in der Stadt. ' Der Rabbi stand auf. Sein Gehirn marterte der: eine <2>ebanfe: ^!Vc> nerpecft man die t£l|pj;arolls, daß sie nicht beschmutzt, geschändet, verbrannt werde? Am sicherstersten hielt er es, sie tief in den Boden zu vergraben. Aber wenn sie ihn töten, wer würde dann die Stelle noch kennen, um das Heiligtum wieder ans Licht zu holen? Neben dem Rabbi stand Rahel, dis junJs unk Aragt ^hasims. Auch ihre Gedanken wirbelten um den heiligen Schatz. Sie mußte ihn retten. Aber wie? Es waren Heldenfrauen in der jüdischen Geschichte, die sich opferten. Auch sie fühlte jetzt die Uraft in sich, nur wußte sie Nicht, mal und wie sie m machen Me. Die Plünderung und Brandschatzung in der Stadt war bereits im vollen Gange. Die flammen züngelten von Haus zn Haus, von Straße, zu Straße und hatten bereits auch das Dach des Rabbinechaufes erp^t. mit Dom fleinen Zchvank sffsn iw döv hawö flüchtete der Rabbi aus den,Flammen, hinter ihm Rahel, feine Tochter. Im jähen Entsetzen dachten sir nicht einmal daran, den Silberkasten zu verhüllen. Im Hofe wüteten die Mordgesellen: „heraus mit den Juden und Volen!" Ute tiwr der Banditm bac blinksnds tzilbsr? in ben Händen des Greises erblickte, stürzte er sich auf ihn nnt vorgestrecktem Dolch. Schon hatte er mit der Linken das Kästchen erfaßt, als sich Rahel dazwischen warf und den' Vater leidenschaftlich umarmte, mit ihrer schlanken Gestalt Vater und Schränkchen deckend. Da traf der dem Alten zugedachte Dolch den jungen geschmeidigen Körper. Rahel fiel zu Boden. Aber in diesem Augenblicke knallte ein Schuß von hinten und der Haidamake brach zusammen. „Die 1TE oskorviten?" erdröhnte von irgendwo £iW linl&et Ruf. lause unl» rette^ wer retten kann." Und plötzlich war Hilfe da. Die Städt besetzte ein russisches Regiment. Die letzten Haida- Mäksn, bxe Wn vwfflf^en kugeln zur Seute gefallen waren, verließen fluchtartig die Stadt. Der Rabbi hielt in der einen Hand das Schränkchen, aber an sein Herz g'epreßt die junge Tochter. Rahel war tot, die Thora in ihrem Schränkchen aber unberührt., Im Memorbuch von Balta hat man beiden, der Rolle und dem ta^seren jüdischen Mädchen, ein Denkmal gesetzt. Ainderecke. Denjamins Erlebnis. Erzählung von Mirjam Winzelverg. Durch den stillen, vornehmen Prinsengracht in Amsterdam schrillte um die Mittagszeit eines schwülen Sommertages ein Glöcklein. Der alte öacoD föioD langsam eine tarre voll non afigos tragenen, alten Sachen vor sich hin und läutete dann und wann mit seiner Trädlerglocke. Neben ihm trippelte hungrig und müde sein Enkel, der zwölfjährige blasse Benjamin. .„Großvater, gehen wir nicht bald nach Hause?;Sti) ij«fce foltf) großen Hunger!" „Gleich, mein Sohn, wir gehen, nur bis zur Brücke, und dann mag es für heute genug sein." Kaum hatte er dies gesagt, so wurde in einem dieser großen schönen Häuser das Fenster geöffiM. Cm Mübchm in Der PllliilöislyM Mlistbotentracht, einem blauen Leinen-kleid mit großer, weißer Schürze, steckte ihren Kopf durch das Fenster und rief dem alten Jacob zu: „Kommen Sie herein. Ich habe vielleicht etwas für Sie." Damit verschwand sie, um die Haustür zu öffnen. JfRjatHiR, du Aridst W uni WH aus die Sachen, bis ich zurückkomme. Das Mädchen scheint freundlich zu sein und wird mir wohl die feinen Sachen ihrer Herrschaft billig verkaufen." Und als Jacob das betrübte Gesicht des Kleinen Mh, setzte er hinzu: „Ich kaufe dir etwas Gutes zu Mittag." Cr fuhr ihm noch mit der Hand zärtlich über das Gesicht und verschwand durch die große Tür. Aber auch das letzte Versprechen seines Großvaters konnte den kleinen Benjamin nicht trösten. Er hatte sich schon so sehr darauf gefreut, ein großss, schsnss such VStt itttten zu sehen — und jetzt mußte er hier stehen und warten. Er setzte sich auf den Rand der Karre. Nach einiger Zeit kam Jacob wieder, „hier hast du Geld. Geh hinein, laß dir die Kleider zmn UNS Bann SkMlk tonnte mir wW denken, daß du gern alle schönen Sachen, d!e in diesem Hause sind, sehen möchtest — und daher habe ich alles so eingerichtet." „Danke, Großväterchen! Vielen Dank!" Mit großen, leuchtenden Augen und einem freude-!trahlcndcn Gesicht nahm er das Geld und lief damit iris Haus.- Als der kleine Benjamin wieder herauskam, war er ganz verändert. In seinen Augen lag ein Glanz, als hätte er das Paradies geschaut. Ganz verwundert blickte Jacob zu ihm nieder. „Nun Zkzshls ^öch^ VActM ist denn mit dir chehen?" Und während sie ihrem armseligen heim in einer schmalen Judengasse zuschritten, erzählte Benjamin träumerisch von seinem Erlebnis. „Ach, Großvater, warst du nicht in jenem Hause in einem Hirnmer^ rvo goldene Möbel stauben? Djf ^fsihs? waren genau so, wie Diejenigen tm Paläste des König Salomo, von denen du mir immer erzählst. In dieses Zimmer führte mich das freundliche Mädchen, während sie mir draußen die Sachen zusammenband. Und hast du dort nicht h«§ schöne Bild in einem Nahmen aus Gold gesehen? So viele Bäume waren darauf und ein schönes, blaues Wasser. Großväterchen, kann das Wasser auch so blau sein und nicht so wie ble Grachten (Wasserstraße) hier, so schmutzig und grau?" Der alte Jacob hatte etwas verwundert der Erzählung seines Enkels zugehört. Nein, was dieser Junge nicht alles sah! Er war stolz auf ihn und doch war ihm etwas ängstlich zu Mute. Er nmwnrim Wer ans mc legtg UW m tim nen mit einem Brummen in seinen Bart, während er unterdessen den. Wagen weiterschob. Benjamin erwartete auch gar keine Antwort. 'Nach einem Weilchen des Sinnens fuhr er mit ge- Woffenelr Umm fort af§ ob er Das Bild noch vor sich sähe: „Und dann, weiht du, was dann geschah? Eine Tür öffnete sich und durch den Spalt kam ein kleines Mädchen mit langen Locken und einem weißen Kleidchen. Das war sicher die Tochter des Königs Salomo^ aber erzählt hattest du Mir noch nichts von Ihr. Sie kam zu mir, gab mir die Hand und fragte mich, ob ich mit ihr spielen wollte. Dann sah sie mich an und wieder fragte sie, ob ich denn gefallen sei und mir arg wehgetan hätte. Ich versteckte meine schmutzigen Hände hinter den Rücken und hatte Angst zu antmortcra, weil icö glaubiß, biß NilMssin würbe dann weglaufen. Und siehst du, Grohväterchen, da kam auch schon das Mädchen mit dem Paket und führte mich hinaus. Da weinte das kleine Fräulein und jetzt weiß ich, daß sie keine Prinzessin ist, denn die weinen doch nicht, nicht wahr?" Damit schloß Benjamin seine Erzählung, er träumte aber trotzdem mit offenen Augen von der kleinen „Prinzessin" weiter, denn einen anderen Namen fand er nicht für sie.- Sie waren am Ziel. In dieser engen Straße mir ösn HM «skfsllrnm hrusM «sw tte.« Benjamin groß geworden und da er keine Eltern mehr hatte, nahm ihn sein Großvater zu sich. In einem kleinen, dunklen Zimmerchen hausten nun beide und schlugen sich recht und schlecht durchs Leben, indem sie getragene Sachen zu ganz geringen Preisen Haussen, urtb bann aus bem sonntäglichen Markt verkauften. Natürlich konnten sie nur selten ein größeres Stück absetzen und dieser Verdienst mußte dann für längere Zeit reichen.?!k ^$?n sr rMMMli LnnMMnMl betraten nun ihre niedrige Kammer. Die gange Einrichtung bestand nur aus einem kleinen Tisch mit einigen Stühlen. In einer Ecke stand ein Gaskocher. Die Betten und Schränke waren wie in den meisten alten Häusern in Holland in die Wände eingernauert. Jaeob machte das kärgliche Mahl zurecht. Dem kleinen Benjamin fielen fast die Augen zu, so müde war er. Er ging daher sofort nach dem Essen zu Bett, während sein Großvater noch zur Stadt gehen mußte. Benjamin träumte in. dieser Nacht von einem gölbencn Ammer, einer ^rmgessln, unb fid) selbst sah er als Königssohn. E» lst ausfchNetzNch Sache der Leser, die im Inseratenielt enthaltenen Empfehlungen vifuetlev Baten «W; sonfNiv An>lwm teligion5gefep$m CtzskaMu auf itz« Zuverlässigkeit zu prüfen. Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch vonnerstag Freitag Samstag Wochenkalender. 3. — 10. Sevt. 1887. o. 8. — 13. ffilul 5687. 3 6 & 4 7 S 5 ^rr 8 6 9 Z 7 10 I 11 9 12 10 13 Ksn Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton 8. Kchachnorvitz, gteaulfurt a. M.; Sttfeeate i. 9}.: S.S«6a4> nomtfi; milda. ■ Für Mi vävMgMsBillssi» fleBrerft Rttutmaiui tu TlneilvlNMn Er. LMMach). — «UM Israelit". W.m.b.H., Frankfurt u.M. — Druck Sermon Verlag»' Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M.

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