Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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;*«?*■***? rzie^uncj and ‘afl°3,ff{ J?e.Beilage ^tim^sraelif L.V-<L. Organ des Kundes gesetzestreuer jüdischer Kehrer Deutschlands. Die religiöse Entwicklung der Zugendlichen. Von Dir. Dr. (Elias in Fürth. DSL All M \sm Hülfe, W iDinQt UM WZ flg ihrem Wesen nach bedeuten, die Menschen, ihr Tun und ihr Treiben, alles hat seinen höchsten Sinn. Das Band, das zwischen diesem höchsten oder tiefsten Grund der Objektwett und dem Menschen besteht, nennen wir Religion. Die objektive Tatsache der Gottgebundenheit und die Form, in der diese Verbundenheit seinen Ausdruck ge^unberr hat, |wnbei bas jübif«£)i& Krnb tm Suhentum, sie ist Da, noch &«VVT die Nellgiön in chm erwacht. Der jüdische Religionslehrer ist leicht geneigt, diesen Moment und seine Auswirkung zu übersehen oder gar bewußt zu ignorieren. Er läßt es damit bewenden, daß er dl« Tatsache der Gottgebundenheit besont und ihre AuzÄkMfgW Mm MM Ws MMN Ml M » Gedächtnis emprägt. Wir begehen damit einen großen Fehler. Wo der Religionsunterricht nur auf allmähliche Vermittlung des jüdischen Wissensstoffes abzielt, nicht aber daraus Bedacht genommen wird, daß die Jugend auf dem Wege DDO Der NUN UMM M guch ber Neife eine religiöse Entwicklung durchmvchl, 2Sven Stufen genau so berücksichtigt werden müssen wie die des körperlichen Wachstums, da darf man sich nach Abschluß der Entwicklung nicht über religiöse Entfremdung und während dieser Entwicklung nicht über anscheinende Interesselosigkeit der Schüler wundem. Gewiß hat von jeher das Wissen tm Mittelpunkts her jüdischen: Religion gestanden, denn tw or p« al>er Min |^4itti!r Dßj) fßit DÖT j}QS8 kala der mit jüdischem Wissen gut ausgestattete Mumer l'hachiß eine weitere Verbreitung gefunden hat, als zum Verständnis der einschlägigen Dinim des Schulchan Oruch notwendig wäre . Wir müssen die religiöse Entwicklung des jüdischen Kindes verfolgen, um es verstehen und führen zu Sönnen. Als sUf »Wllö-MsWs ÜMllLsllMl Ml WM das Judentum in seiner näheren und ferneren Umgebung entgegen. Der Zeitpunkt, in dem das Religiöse zum Erlebnis wird, liegt meist vor der Schulzeit. Ein wertvolles Buch: Die religiöse Entwicklung der Jugend in der Reisezeit, von Dr. Gerhard Bohne, Leipzig, HinrtcMcfte 23 u dt hart bin rta 1922, bas kürzlich srschtsns-Nist, jj o "? 1 [ 04 . stsllt sich M Ausgabe, aus Grund von ei phischen Zeugnissen in diese ttefften Geheimnisse der jugendlichen Seele hineinzuleuchten. Freilich stehen die Autoren alle unter dem Einfluß christlich-religiöser Kultur. Aber viele, oft bis ins einzelne gehende Züge werden da ausgezeigt, die von jedem laufmerffameti Beobachter jüdischer Kinder bestätigt werden könne. Und aerabezu schmerzhaft kommt uns batet Bemustif ein, llilHilljn ..gs I > j] IJJ r daß wir die EMwicklungsllMM der kindlichen doch noch viel zu wenig beachten. Folgen wir den Spuren dieses Buches, so finden wir bereits in der Kindheit ausgesprochen religiöse Regungen, die nicht nur als passive Aufnahme und Nachahmung anzusehen sind. Freilich ist die Einstellung, solange. bis Kindheit anhält, noch reur egozentrisch. Ein ü-fer HsallrrrutttzM mm Ml «fielt. Wer Da M Ansätze, die auf eine ln jedem Kind schlUMMkNdö dvli-i giöse Anlage schließen lassen, und die beachtet und gepflegt werden müssen, wenn das Kind sich gesund entwickeln soll. Erlebnisse der Kindheit, sei es aus der Religionsstunde, sei es aus dem religiösen Verhalten der Eltem in Situationen, die auf das Kind großen Eindiefer Zeit zerstörend aus die Anlage eimmrken, wenn auch nicht endgültig ertöten. Die weitere Entwicklung kann gutmachen oder das Zerstörungswerk vollenden. Eine Uebergangszeit folgt. Nicht überall erkennbar. Ueberhaupt ist die Seele nicht more geometrico zu zerlegen und nicht wie eine Ehrte abzuhandeln. Wo eine ll-MWIWM Da U MM m W %m W ln zunehmender Bewußtwerdung JnMvwuENäl, m dem Streben, das von außen herangebrachte religiöse Gut sich anzueignen und in zunehmender Vergeistigung. Wie das Kind seines Wortschatzes, so freut sich der Elfjährige seiner wachsenden Verstandeskraft. Mt der Bereicherung durch neue Erkenntnisse verbindet sich aber meist bis Zerstörung der kindlichen Religion. Und das »ft «eh. Eine SpLttuuttg scht M zmWsn iiJtt.D und religiösem Erlebnis, zunächst noch leicht zu lösen, wenn nur Antworten gegeben werden. Der Verstand ist ja noch nicht so kritisch, geht mehr aus positive Kenntnisse aus, das Streben, sich in die überlieferten Religionsmeinungen und -Gebräuche hineinzuleben, ist zu Wß. Cs Ist kille LlG IN!« tiM Mffk Mfinguromtmnr da ist eine ehrliche und wahrgemeinte Beschäftigung, ein Fragen und Antworten, in der Volksschule wie in der höheren Schule, ob die Kinder nun orthodox sind oder liberal. Uebrigens ist die Bedeutsamkeit dieser Zeit für die religiöse Entwicklung der Mädchen so groß Wie jür bie ber Änafeen. Glücklich bie Schule, bie für viösö ZÄt ike Nöligionslehvev einsctzcn kann, bis «5 W sonders verstehen, die Kinder zu führen. Denn es kann, sehr viel, gerade in dieser Zeit, vernichtet werden. Stürme bereiten sich vor. Die Jugendlichen haben ein überhitztes Unterfcheidungsgefühl zwischen Frömmigkeit und Frömmigkeit. Das oberflächliche. Umgehen mit .ernsten Angelegenheiten stößt sie ab. wo nur religiöse KlliWlliMiM im limtoiif ifl, mo ein aulenes ZkW moniell, der Innigkeit bar, das ganze Vaud darstellt, das mit Gott verbinden soll, da verschließen sie sich. Falsche religiöse Nahrung, gegen die sie sich nur innerlich wehren können, zerrüttete Familienverhältnisse, die ihrer kindlichen Vorstellung, von einem gütigen, liebevollen, gerechten, das Gute belohnenden und das Böse bestrafenden Gott den Todesstoß versetzen, hemmen die MSMSN Haffe Der (TnmMifflfl. Die Den Mtkll/«- Punkt im religiösen Leben der Jugendlichen bezeichnen. Es ist die Zeit zwischen 11 und 14 Jahren. An den Anfang dieser Zeit fetzen^ die Protestanten die Konfirmation. Wenn man liest, welch tiefen Eindruck sie auf die Kinder macht, wie eine steigende religiöse (Erregung mit hem Seflfntt her Borbersiltunas. ftimbsn ö's öwr H M Mi Ullll Mädchen bemächtigt, dann möchte mau fast wünschen, daß auch bei uns Knaben sowohl wie Mädchen in dieser Zeit eine solch feierlich ernste Vorbereitung aus das Leben in der Gemeinde erhalten. Sieht man aber näher zu, findet man, daß die überhitzte religiöse Athmosphäre für die meisten eine unerträgliche unpsychologifche Belastung freberrtei. Für -bte Knaben ist .es sicher psychoichiichu. U. Sm-Wiii «ft MM W M M Eintreten der ersten Anzeichen der seelischen Pubertät stattfinden zu lassen. Das Ablegen feierlicher Bekenntnisse wirkt schädlich, bei Mädchen noch mehr wie bei den Knaben. Wohl aber sollte der Vorbereitungsunterricht der B'nei Mizwa eindringlicher und nicht auf T'fillin- Legen und Lerenen beschränkt werden. In der Zeit, wo brück nwcfj'enj aus geroa'Iti'gen Naturereignissen ober aus öer vMischM MslylWe evschtlNku pst als Wendepunkte für irgendeine Gedanken- oder Gefühtsrichtung. Weniger wertvoll ist das religiöse CrMen, wenn es nur durch die Phantasie gestützt ist, die Gott, Himmel und Engel in den merkwürdigsten Bildern ausmalt. Falsche religiöse Nahrung. kann aber schon in macht, da soll er durch den Gedanken an die neuen Pflichten durch das stolze Gefühl, Mann zu werden, innerlich gehoben und religiös erneuert werden. Am ehesten wird man dem Problem gerecht, wenn man in diesen Jahren für Knaben wie für Mädchen eine ihrer Seelenlage sntspvechsnhe besondere Unterrichtsstunde einrichtet, l£eA Ims sis niöü imm MM. Die Höhenstimmung hält sveilich Nicht NN. ES folgt eine Epoche der Loslösung von dem Ueberlieferten, des Zweifels, des Derneinens. Die religiösen Werte sind in jugendlicher Weise erkannt und mit Inbrunst aufgegriffen worden. Bald stellt sich die Notwendigkeit ein, sich Mfcyen diesem Werte und seinen Ausdrucksformen und dieser Welt zu entscheiden. All das andere, was man auf der Straße und in der Schule, bei Freunden und in den BücheM kennen lernt, ist etwas anderes, es ist schön, liebenswert, wie man sich eingestehen muß. Und die moderne Schule, auch bie konfessionelle unterstreicht den W>ert der „Frau Wclt^. Di« Berührung mU Wn andren 88erlgebieten bringt geradezu eine Art der Erleichterung denen, die schwere Kämpfe und Zweifel an den religiösen Werten durchfechten hatten müssen. „Es lohnt sich nicht", das ist der vorherrschende Ton, mit dem alle Fragen niedergeschlagen werden. Man könnte versucht sein, dieser gefährlichen Entwicklung dadurch zu NgMen, Daß Müll Mll Die BrMsUllll am andern Wertgebistsn, die dem NaironaMmus und die Welt über die Religion siegen läßt, von der Jugend fernhält, in der Art, wie es im Osten ist, auf sie ganz verzichtet, zum mindesten könnte man unter Hinweis auf diese Entwicklung miteinftimmen in den Ruf derer, die die profane Bildung möglichst ab zu kürzen rvünschen. Abgesehen davon, da^ es!n ekvxm für >häs tum nicht unbedeutenden Teil Europas nicht durchzuführen ist, wäre das auch psychologisch falsch. Der Jungjude muß die andern Wortgebiete kennen lernen, er muß diese Periode der zeitweisen Entfremdung, deren Gefahr durch eine JugendbewegUNS. die QN Natur Noch Tpftllschäft pmiiDari mxM tonn von tieferer religiösen Begeisterung durchmachen, weil er sonst nicht dazu kommen würde, all das, was in der Welt ideal, schön und groß ist, kennen zu lernen. Das aber ist erst die wahre Frömmigkeit, zu der der Jude nach zeitweiser Loslösung mit umso treuerer Stärke aufsteigen muß, wenn er die Religion nicht als einzigen, MMN Ä? WUM ^Vt betrachten kann, menn er ihn zum Mittelpunkt seines Wesens machen und von y!er aus auf Gund von Werturteilen, die selbst wieder von diesem Mittelpunkt aus bestimmt werden, die andern Werte herumgruppieren kann. Das ist die Zeit, wo der Jugendliche von heute so wie vor 60 Jahren den Chaurew lesen und mit den gesammelten Schriften in der Hand Natur und Kunst und Geschichte neu sehen lernt, D^r 02?«!^ Lhöhe^unkt ber reltgiösen Enitotcklung, bie Zeit der strmmrellm KWrung. ° Was hat der Lehrer zu tun, um die Kinder zum fleißigen Besuche res GsttesWWes «Myalken? Von Konrektor I. Speyer in Frankfurt a .At. Schluß.) Um auch die jüngeren Kinder zum Besuche der Synagoge zu gewöhnen, sind gegenwärtig wohl in den meisten größeren Gemeinden Kindergottesdienste eingeill mit ben Ätnbem eine k»tk»lis«s>e Geschichte des dewessenden WochenubschniMs oher «!n anderer religiöser Stoff besprochen wird. Diesen Kindergottesdiensten wird natürlich der Lehrer fein volles Interesse zuwenden. Er wird die Kinder auf dieselben aufmerksam machen, sie zum Besuche derselben ermahnen und ermuntern und sich nötigenfalls auch persönlich mit ln den Dienst der Sache stellen, indem er selbst als Alksk Mg m DDer Dl MMkn WM m ’ur ihr Ami insttllieki. Ein weiteres Mittel, bei der Heranwachsenden Jugend Interesse für den Gottesdienst zu wecken und zum fleißigen Besuche der Synagoge anzuregen, bietet sich dem Lehrer darin, daß er in der aus den Gottesdienst folgenden Religivnsstunde die Predigt des Rabbiners (ober feine eigene) noch einmal gnm Gegenstände einer kurzen' Despnihung DSIl Bibelners, über den der Rabbiner (oder er selbst) geredet hat, und die Gedanken der Predigt an, die ihnen im Gedächtnis haften geblieben sind. Dabei bietet sich dem Lehrer Gelegenheit, die Hauptgedanken, auf die es in riümü