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Der Israelit · 1927-08-25 · Heft 34 (25.8.1927) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 34 (25.8.1927)
Date
1927-08-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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O Seile 10 Nr. 34 Der Israelit 25. August 1927 Esther aber schaute sie mit einem Lächeln an, - L8Z stk 8W MW MWltkMr K8sisi 82kk M8H Zsns; „Latz mich yisp, Kascha, hisv ist gar schön. Sieh, er ist ja tot, der Vater auch. Sie kommen nun beide nicht wieder!" Dann barg Esther wieder ihr blasses, hageres Antlitz in den vor ihr liegenden Rock, und erst nach längerem Zureden folgte sie ihrer Dienerin in das untere Zimmer. Ncrc^ und nact» toaren it>r die Ein^ech eiten jenes Schreckenstages zum Dewutzlsem gerommen, denn Kascha war bemüht, ihr allmählich das wieder in ihre Erinnerung zurückzubringen, was sich zugetragen. Und selbst die entsetzlichsten Tatsachen hatten es nicht vermocht, sie zu irgend welchen heftigen Schmerzensausbrüchen zu ver- MWsir- Im oberen Erkerzimmer aber trieb Esther fortan einen gar seltsamen Kultus. Ihre fieberhaft erregte Phantasie trieb gar sonderbare Blüten. Mit Hilfe Kaschas kleidete sie die Wände dieses Zimmers mit schwarzem Tuche aus. Dann häjWrfe {W!öge!äng gäng nlUm in öiysM Raume, den selbst Kascha fortan nicht wieder betreten durste. Er blieb der Mitwelt verschlossen, die sich gar seltsam klingende Märchen über jenes Gemach und das, was es bergen sollte, zuraunte, und erst dem Schammes der Chebra Kadischa gestattete Esther einen Blick in ihr Heiligtum. Er sMg Skst lisch sislsn ZghszshkltM ÜSL Mtssl gglöfl sehen. Und was er geschaut, wir haben es schon erfahren: Esther offenbarte dem aufmerksam lauschenden Manne, was sie alljährlich an dem verhängnisvollen Gedenktage in jenem Zimmer trieb. „Mit rvslch heißem Verlangen sah ich stets jenem Tage entgegen/' hatte Esther' zu ihm' ge sprachen, „denn ein heiliges Gelübde zwang mich, in diesem mir so trauten Raume nur für wenige Stunden zu weilen. Und wenn jener Moment herangenaht war, da überfielen mich heilige Schauer, und bebenden Herzens schlich ich mich, gehüllt in Festgewällüer nach oben. M zog bas blütenweiße Kleid an, setzte mir den von Hahr zu Jahr welker gewordenen Myrthenkranz aufs .naupt und verhüllte mein Gesicht mit dem Schleier. Dann stellte ich mich, im köstlichen Brautschmucke prangend, neben die bunte Tscher- MskMskM m in miimn Mmi LMn p w winnen schien. Ich glaubte neben ihm, den ich so heiß geliebt, vor dem Traualtäre zu stehen, um ihm für Zeit und Ewigkeit verbunden zu werden!" -- den vielen schwarz-weiß-roten Bändchen auf dem besten i Basel. Aber wer schreit, wer protestiert? Wo blieb dat 2 Esther Bornheim weilt nicht mehr unter den Lebenden. Neben den beiden Gräbern, welche bisher das Ziel ihrer jährlichen Wanderung gebildet, sind ihre sterblichen Ueberreste in die kalte Erde versenkt worden, nachdem man getreulich ihre sonderbaren Wünsche erfüllt hatte. ' Au^KüM ist geschisdett,ste hül ’lm Töd ihrer Herrin nur wenige Tage überlebt. Das alte Haus auf dem Wilhelmsplatze aber steht noch da, es ist leer und verödet, und der letzte spärliche Rest des Lebens, das in ihm gefür sinnier enWn?nn^en! ünö mt läng? noch, so wird auch dieses Haus der Neuzeit zum Opfer fallen. Was aber nicht schwinden wird, das ist die Erinnerung an diejenige, welche. es zuletzt bewohnt,-*- -an Die Zlßertenenürautl — Frieden In Kissingen. Kissingen hat sein Friedensgesicht wieder. Es ist ein wenig bärtig, dieses Gesicht. Als aber Krieg, Nachkriegszeit, Wirtschaftskrisis und — das Unglück aller Unglücke — wlürnhener ^Jretnbenpoltgci Kissingen den Batt rvcgMrai'ikrcn ocrluchtcn» King das Gesicht und beinah auch der Kopf mit darauf ... Das alles liegt nun in der Vergangenheit. Es steigt nicht mehr in der Gegend von Würzburg ein Mann in den Zug, den man bis vor zwei Jahren Vergessen hatte, abzubauen, um nach Pah und Ausweis zu fra- Hen. In Kissingen selbst meint man roieder, tnenn man Münchener" sägt» einen guten, schmarzen und schweren Schoppen und nicht mehr die Männer, die einen nachts aus dem Schlafe holen. Die einzige Kreuzspinne mit dem Haken am Schaufenster des Juweliers hat sich weit hinter die Auslagen verkrochen, so wie das einzige Cafe mit ÄÜ-sg-e ist, st«H in ein <3£afe rnit „^ahhaitxrebit | ( 0*1*1« .11 » «l x&ctTi&etn. «Ü-es ttu-eö-er tote ersten in Kissingen Und so flattern wieder Kaftane und wallen^ wieder Bärte in den Promenaden und Kuranlagen, ohne in der Revue der Menschen und Garderoben mehr aufzusallen, als die vielen Schwarzröcke der anderen Konfessionen und der grobgraue Sportdreß der Engländer und Amerikaner. Klssingerr ist aixcS) -ein roentg S&arometer. Schlägt ^ler, mW in Up WtzWp Uf MUtt und schwach, dann liegt noch etwas in der Lust. Kissingen schillert und spricht wieder in allen Trachten und Sprachen der Weit, zwischen warmem Regen und stechender Sonne, zwischen schmelzenden italienischen Serenaden und donnernder Wagnermusik — es geht bester um die Befriedung Europas. Und dennoch haben die zwei unter Aufsicht stehenden iiin mim nocD genpoD mn. laitjon daraus keine voreiligen Schlüsse auf Besserung der jüdischen Verdauungsorgane oder Verschlechterung der jüdischen Geschäfte ziehen. Man sieht — abgesehen von den obengenannten Langröcken und Langbärten — jüdische Typen in all ihren Prägungen und hört sie in allen Idiomen des jüdischen Golus — über erstere wie NtM klüM. M ihrer grWiM Ml SaMn sie aöer. sieht man von diesen Sorgen ad, keine weiteren Beziehungen zu „jüdischen" Dingen. Sie wohnen teuerer und schlechter in anderen Hotels, essen sich an Ungewohntem einen Magenkatarrh an, den kein Rakoczie wegspülen wird, statt daß sie den Weg zu ihresgleichen in der Theresienstraße oder Frühlingsstraße fänden. So bringen die Herrschaften ihre Opfer für — oder gegen — das Judentum_ MitllMM UNÄ KMsimMg äsgWN ist M ÄM Tafeln der jüdischen Hotels kein Eckchen frei. Lauter „Ponim chadoschaus". Pietät im Blute drängt — zu Bohnensuppe und Sabbatkugel. Ich sah einmal vor Jahren einen, der zur Bohnensuppe drei Glas Bier trank und erfuhr, daß er nur mütterlicherseits von jüdischer Abstammung war . . . Und da die genannten Hotels keine Zahlung am Sabbat annehmen, soll schon einmal vor OßOrtn WMMMII W: W manfljeiner Dicfcr Kugslgssts, am Lsunisg, da dis „Schabbssnsschsrnsh^ gewichen war, das Wiederkommen vergaß. „Die Bohnensupp schmeckt noch so gut, Wenn sie gar nichts kosten tut", würde Heinrich Heine, der die Gottesspeise zu schätzen wußte und ihr gelegentlich ein Lied weihte, weiter singen. Ein eigenes, uns vielleicht näher liegendes Kapitel stellen die vielen s ü d i s ch e n Duden^ die im slldisrhen HgM wohl spsiM, absr Msss a priori nicht als fom«- fortabel genug zum Wohnen finden. Anderswo mag dabei eine bedauerliche Verzwickung von Ursache und Wirkung vorliegen. „Nehmet bei Juden Logis und setzet sie damit in die Lage, den Komfort nach Eurem verwöhnten Geschmacke auszubauen!" könnte man den Spieß umdrehen. Hier, wo die unter Aufsicht stehenden Häuser in im NAMlig im j)oMs M mimmimmm, wahrhaft erstklassig geführt werden, ist ein solches Verhalten, aus Vorurteil geboren, auch rein objektiv, eine Ungerechtigkeit. Das Problem iftt nicht allein für Wirteverband und Hamburger Speise verein von Interesse. Hnbessen geht das Äsbsn auc£) im silbischen Hotel unb um dusscldc' herum rcg^ und duntdcwcgt genug. Der erste Rabbiner der ersten litauischen Stadt und Gemeinde „empfängt" auf seinem Zimmer und in der Halle und gibt Weisheiten von sich, klargoistig und schwergehaltig, wie der Max-Sprudel. Um ihn herum vier andere litauische Größen, von denen einer ein glühender Hirschverehver ist und nur — in einer litauischen Gemeinde! — nach Hirsch predigt. Eine Straße weiter führt klv roirramir MMiiMM „M". ZMMu unD London verhandeln aus der HvieiWrraste Über jüdischö Fragen. Zionisten bringen Probleme des nächsten Kongresses zum Austrage, deutsche Agudisten streiten über: „Hamburg oder Frankfurt?" Berliner Zentralvere-mler „protestieren". Frankfurt ist nicht reich, aber gut vertreten. AmMkMSp, kSKnMch dllkch glüML^/SüksWschMiWM Gesicht und graues Sportgewand, entrüsten sich in einem amerikanischen Zeitungsjüdisch — über die teuren Preise im Deutschland der Nachvalutazeit. Daß die „Europa" in Bremen und die „Bremen" in Europa gelandet ist, interessiert sie wenig. Auch die „Empörung" über den Fall Sacco unb SS a n g e i i t überladen sie anberen: 1cci^cnli-cn jungen ant> iier- Sante^ eine Zigarette raucht unD Funken sprüht. Ein Gedanke, den ich dabei nicht los werde, drängt ich mir auf die Lippen: Das Fieber, das Amerika, Europa und die ganze Welt ergriffen ob der Möglichkeit eines Rechtsirrtums in Amerika, ist zweifelsohne ergreifend und ergebend. Aber die Gervi^geit einer Rechtsbeugung ln einer Anzahl klvinier Länder und neuer Stauten ucgtn Menschen, deren einzige Schuld ihr Judentum ist, ist da, und Europa schweigt . . . Man hat — es sind erst wenige Jahre he^ — am Dnieper und Dnester ganze Familien, ganze Gemeinden schuldlos hingemetzelt, keiner rührte einen Finger, eine Feder . . . Ein Attentat Dogreri erfg cjegen einen ^aujjtjifnitbigen, durch die Hand eines Menschen/dem Vas nergosienc Blut von Vater und Mutter, Bruder und. Schwester den Jrrinn ins Hirn gesetzt hat. Wir verurteilen diese Tat 'ast so wie die wahnwitzigen Attentate gegen völlig Unschuldige und Unbeteiligte in Newyork, Boston und mats i>er (Brttf eijensf chrei, ber bi« SB eit von Pol jyu Pol FFgittFFsi nillchr'n f?ll?n7 PFttjUFU? ^chl?UFgUFti Ja, richtig, man erinnert sich 'dunkel, daß da einmal in einer unwirtlichen Gegend, Ukraine genannt oder ähnlich, was passiert ist . . . Eine ganz und gar unkurgemäße Auseinandersetzung. Schluß! —- Eine herrliche Augustmorgensonne schüttet Goldregen durch die' steilen, schwarzen Tannen und das helle Laubgriirt im Sjo ietgariert, ‘bäreti auf urtferen Frühftücksttsch. Es ist «st?s, lvik FS W«F, hiFF. N«r iFstlFF' fFhtt. Der Freund und Herr dieses Hauses — es wäre iust die richtige Stunde, mit ihm in feine Bibliothek zu gehen, die reiche Hagadothsammlung durchzustöbern und einiges aus dem jüdischen Altfrankfurt auszutauschen — hatte sich schon vor Saisonbeginn in die ewige Ruhe begeben. Sein Geist beseelt und belebt das Ganze, eine Tradition, von ihm in Jahrzehnten geschaffen, wird treu UULl DDR MM, NMv 11IID llllRsMM WMlll bis zum letzten Hausmädchen. Cs hat sich nichts geändert im Hause. Und dennoch oder gerade deshalb — dürfte es keinen unter den „alten Gästen" geben, der nicht in diesem Jahre — dem ersten ohne ihn — Minuten ehrenden Gedenkens für ihn, den Menschen und Juden und das Muster eines jüdischen Gastwirtes hätte. —tz. Ainderecks. •nTn :ivpmK'i na mn '■»aj? ■’na» tvisajm pa (1 pnoon manin nnn m ’ms «isaV Vnn onoa nVi« rr2 ist iinrr in noa pat (2 ♦■’aaa rrL' hvewr* ivn ’a nxin rx B1F? IpVnfl iTO iS •l]aliD3 liDiih D”n npn p^xan nx (4- —IvxBn^n '2VN von ^»1 ü^n mmxa •a*»a^n ja v'^x wnn NUI UniaMli klÜ!■ M U H» li »i Ml ciyaas?ööa1’^ na?®' 5naa .jpvvv y'w tp^ns ♦"»rnn" (i ."iwx'n iiahun jwvii "r>lixipa rx -Ps.i imxipr, ax ♦rrsr ^xi^' pa in xüt '’axian nnai (2 -i.i'm - nvin (3 —an aäns saana« ü’Vljsna "na«" «•»n :an (4 .bXV 'B.imh Richtige Lösungen sandten ein: Moses Strauß, Hamburg; S. Lewin, Hagen i. W.; Selig u. Isak Nußbaum, Wiesbaden; Berthold Wyler. Fulda; 3. H. TemVelhof, Saarbrücken: Paula Margulies. BköMM' Lütts Md Bsmdllkd MMi LOwMs furi; Zeremras Clzas, Apeldoorn (Holland); Adolf Ringel, Frankfurt a. M.; Aron Twerski, Bad Homburg v. d. H.; M. Jaffe, Gumbinnen; Hannah Heiselbeck, Lezajsk (Klein-Polen). Wüchenkülender. v. 27. Aug. bis 3. Sept. 1927. v. 29. Aw 6. Elul 8387. Samstag CP rr 27 3K 29 mn Sonntag N 28 30 Montag 29 1 . NeustäZ 30 2 Mittwoch 31 3 Donnerstag 1 4 £> Freitag w 2 5 s Samstag 3 6 a Rausch Chaudesch Benschen Mauled Samstag abds. S Uhr 31 Minuten, van IN» van t£?K-n '8 rr im T&~rn 'zi Bekautwortttch M den Teil u«d das Feuillero» s. Schachaowttz, Frankfurt a. S" ‘ ” ~ »orvitz, ebenda. — Für die piid Kaufmann in S»rendN«gen lKr. Offenbach). .Israelit", T.m.b.tz., Frankfurt n. M. — Druck Hermon Verlag«' Attiengesellschaft, Frankfurt a.

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