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Der Israelit · 1927-08-18 · Heft 33 (18.8.1927) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 33 (18.8.1927)
Date
1927-08-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Esther, ble Tscherkestenöraut. Eitle Erzählung aus der Zeit des polnischen Aufstandes von I. Herzberg, Kassel (Vromberg). V ' ' (Fortsetzung.) Endlich fuhr der Vater fort: „Monnft Du Dm Mvsss MmM¥' -,Lu meinst den Sohn unseres SprMeferynien Josef Mendel?" „Jawohl, mein Kind," bestätigte Bornheim. „Ich kenne Moses Mendel nur flüchtig," entgegnete Esther, „ich sah ihn mit seinem auffallend semmelblonden Haar mehrmals eifrig vor der Schänke jantteren." : , „Nun, wie ich sehe, ist er dir nicht so ganz fremd," sprach Aron. „Sieh, Esther," führ er dann zögernd fort, „mein sehnlicher Wunsch ist, daß du dir einen, Mann erwählest. . m HDn WllrlM mviüs GsW ttlf. Ui züchtig das Antlitz zur Seite wendeno, flüsterte sie: „Aber Vater!" . „Kind, vertraue mir, und laß in diesem Augenblicke ab von deiner sonst so löblichen Zurückhaltung. ..'Es gilt jetzt dein ferneres Lebensglück, UND l»1 MllflM MW MWlWN Mm." „Aber Bater, ich hin noch so sehr jung und fühle mich so unaussprechlich glücklich an deiner Seite." . / ' ,/ „Ich weiß es, gutes Kind," erwiderte .Vornheim, „aber ich werde doch nicht ewig leben, und da ist es Meine. Pflicht, an deine Zukunft zu denkerr. Mem LSnnsH ist M| 1 lÄ lß|El Mendel die Hand zum Ehebunde reichen. Ich glaube, er ist deiner würdig und hoffe, daß du gewillt sein wirst, meinem Wunsche zu willfahren." . . Esther war bei diesen Worten wieder tief errfitßt Ätzt abm MäU fu bm Väter sefi m tzi? Augen und sprach: „Ich. bitte dich, lieber Vater, laß es heute genug sein. Verlange nicht jetzt von> mir ein bindendes Versprechen. Wenn auch allezeit deine Wünsche, mir als Befehle galten, so wirst du mir doch m Diofom Falls Lim. kllrzs Bsdsutzsll äs- \\i j; V u - . wahren. „Gewiß mein Kind," entgegnete Bornheim, der erfreut war, von seinem Kinde keine direkte Absage erhalten zu haben. Dann erhob er sich mit den Worten: „Nun, Estherleben, wollen wir noch einige LMAm zu-Hr» »MGh. Wir «°>k>. wabtr morgende Tag bringen wird?" Bei diesen letzten. Worten lagerten sich wieder tiefe Sorgenfalten auf Arons Stirne. Eben wollte er seinem Schlafgemache zuschreiten, da drang ein sonderbares Geräusch an sein Ohr, und er fragle, sich an Mö TochM MMmtzl „Horch, vernimmst du nichts? Sollte die furchtbare Katastrophe schon so nahe bevorstehen?"— Erschreckt und zitternd war 'Esther zum Vater geeilt, dessen Arm sie erfaßte. Sie war sonst stets ein Mutiges Mädchen gewesen. Hatte sie doch mit dsü hälötLUUksrr«n tstole^ m llchen Schänke schon so manchen Strauß auszufechten gehabt und'bisher durch ihr energisches Auftreten sich einen gewaltigen Respekt zu verschaffen gewußt. Heute fehlte die gewohnte Energie. Die Aufregungen der letzten Tage, jorote namentlich des s??p§N bMvWM MgW stand, hatten eine gewisse Nervenabspüttnuug bei ihr heroorgerusen, die erschlaffend auf sie wirkte. In ängstlichem Type, antwortete sie:. „Ich höre das Geräusch kämpfender Männer!"'— ' Y■ Aron eilte ans Fenster und versüßte durck^ die Spalte einer der Fensterläden zu spähen, denn er wagte es nicht, diese selber zu öffnen. ~ Der Morgen graute schon. Als Aron auf die Gaffe trat, die eng und kurz war und zwei andere Straßen mmemander verband, bemerkte er in der Tat zwei kämpfende Männer. Er sal>, roie eben ein Sensenmann versuchte, einen russischen Soldaten, der die bunte Uniform eines Tscherkessen trug, mit seiner furchtbaren Waffe zu durchbohren. Nach kurzem, wütendem Kampfe lag der Sensenmann am Boden. Scheu blickte Mf dkk LsDkttcsse sich um, lMr mt Gassö war msnschrnlösr. Offöübär sah er sich verfolgl und bedrängt, denn er wagte es nicht, die Gaffe zu verlassen. Er war blutüberströmt, und als Aron sein Antlitz erblickte, regte sich in> ihm das tiefste Mitleid. Wohl war Aron im ersten Moment unschlüssig gewesen, was er tun sollte. Befand es sich pkch w killkk malen LMl Mm er setzte sich dadurch, daß er einen russischen Soldaten in sein Haus aufnahm und ihm Schutz und Pflege gewährte, großen Gefahren aus. Die wütenden Polen würden, so sie es erfahren, fein Haus der Erde gleich machen. Da aber hörte er die flehent-!W Wmmk -es mwmwm: „O, nehmt mich auf, sonst bin ich verloren!" Aron überlegte noch. Als aber auch feine Tochter ihm zuflüsterte: „Vater, habe Erbarmen mit ihm, weife ihn nicht zurück", da schlug er alle Bedenken niederöffnete eine Seitentür und ließ den LMMssm nnirfifii. örttiisll »michlWn. sliplo er ihn n«ch oben in ein kleines Erkerzimmer. Kaum hatte er mit dem Fremden dieses Zimmer betreten, als der Tscherkeste infolge des großen Blutverlustes besinnungslos niederstürzte. Aron bemühte sich nun, den Ohnmächtigen zu entkleiden und legte ihn dann auf das im gmmm tzMlltzliA eiMllche Lam. Müll, Der ganz allein mit dem schier zu Tode ermatteten Fremden beschäftigt war, reinigte dessen Angesicht und war bemüht, die vielfachen, erheblichen Stichwunden desselben kunstgerecht zu verbinden. Währenddessen rvar Esther unten in der Rüche bemüht,' alles. zur Pflege Des (Schwerverrvundeten vorzubereiien. Sie bereitete einen stärkenden, labenden Trunk für den ermatteten Fremden. Vater und Tochter waren übereingekommen, einstweilen Kascha nicht mit ins Vertrauen zu ziehen, da sie Verrat £>e^ürc^j(■^etert. Die Wugh fscklr Nicht eher gewellt werden, als bis alle Spuren beseitigt seien, die darauf hindeuten können, wer der im Erkerzimme liegende Fremhe sei. Die Uniform und die sonstigen Gegenstände, die bei diesem vorgefunden wurden, barg Aron sorgfältig in einen Wandschrank, der stets verschlossen gehalten ttmrbe. Kasten aber tests^ mit, ein frommer. Jude, der harmlos fernes Weges gewandert sei, sei von den Sensenmännern angegriffen und schwer verwundet worden. Er habe um Unterkunft gebeten, die ihm auch gewährt worden sei. Auf Wunsch des Vaters bracfjie nun EsthIt hm öerekcten' TruM nach oben. Als sie im Eingänge erschien, sah sie den Verwundeten auf dem Lager, sorgsam gebettet, liegen. Der Vater stand ihm zu Füßen, besorgt seine Gesichtszüge beobachtend. Das Licht fiel auf das blaffe Antlitz des Tf^erkessen/deM yMx punkte Augen klleienWn Esthers trafen. Ein Beben ging jäh durch den Körper des schönen Mädchens und von diesem Moment an war ein geheimnisvolles Band zwischen zwei jugendlichen Herzen geknüpft worden. Doch nür für eine Sekunde hatten sich die Augen Beider ineinander ufersenkt, dann hatten sich dis döö MrmundMn Mtzlich Zsschlbsftn, in 9{n9 liefe Ohnmacht versunken war. Erschrocken eilten Vater und Tochter zu dem Ohnmächtigen. Aber alle ihre. Bemühungen blieben lange fruchtlos. Die Leblosigkeit schwand wohl, und - auch die Körperwärme kehrte zurück, doch steigerte fsi diese bald gu emfs glWMjf, pLkgOkklltzkll Fieberhitze. Aron kühlte dem Fiebernden die Stirne, der sich unruhig auf seinem Lager wälzte.- Inzwischen war der Morgen angebrochen. Aron und seine Tochter konnten an einen Schlaf nidjt mejr deuten, unb |P sitz NgkM heim nach unten, seine Tochter allein« beim Kranken lassend. Nachdem er die Fensterläden geöffnet, bemerkte er da, wo vor wenigen Stunden der Kampf gewütet hatte einen menschlichen Körper liegen, der nur noch geringe Spuren von Mbm 3üiaiö; Müll iesi «sy &&£ um ben Körper zu bestchttgen. Wer wie erstaunte und erschrak er, als er in das Antlitz des Mannes schaute. Es war kein anderer als — Stanislaus Nigojewski, der Bruder Kafchas! Sofort eilte Aron ins Haus und holte Kascha herbei, die sich weklagend über den anscheinend toten Bruder warf, MM8g6sstzt auLmfönkn „O Herr Gott! Mein Lieber! Mein Bruders" Ihr lautes Wehklagen hatte noch mehr Leute herbeigelockt, und man sprach allerlei Vermutungen aus, was sich zugetragen« haben könne. Die Polen waren überzeugt, das könne nur das äßetf „eines üetfiutfjien Areußen^ gewesen sein. Aron hütete sich wohl, hier Aufklärung zu geben, denn hätte man geahnt, was sich in Wirklichkeit zugetragen, so wäre es um ihn geschehen gewesen. Man hätte mit dem „verfluchten Juden" gar kurzen Prozeß gemacht und ihn an den nächsten LMr-nsnpsch ruszMW. Stanislaus wurde in die Behausung seiner Mutter geschasst, und Aron zweifelte nicht daran, daß er jene nicht wieder lebend verlassen werde. Somit wähnte er sein Geheimnis vor Verrat sicher. Für das Bornheimsche Haus aber begannen' laßt Mm Trz; i« unk b« Angst. Tag und Nacht erging sich, der Kranke in wilde Fieberphantasien. Einem jähen Aufschrei, einem gellenden Angstrufe folgten dann wohl Worte der Liebkosungen. Esther wich r?: vorn Qatzer des Kranken, sie M; ftfHg WM, während Der Vater unten bas Geschäft versah. Wohl vernahm sie Worte und zuweilen sogar kurze, abgerissene Sätze von den Lippen des Phantasierenden, doch wußte sie denselben keinerlei Sinn beizumessen. Sie blieben ihr ein Rätsel, rvie der Fremde selbst ttjv ein Näfsts ffgs, ' (SO warm mshrses Täge, dahingegangen. In den Straßen Berenbergs tobte der Kriegslärm, das Befürchtete war längst eingetreten und überall wütete der Aufstand mit seinen Begleiterscheinungen-. Währenddessen, lag der Tscherkesse wohl geborgen im Bornheimschen Hause. Mit inniotr z\m llllü Mxgslltt. Nu? wenige lichte Augenblicke waren ihm bisher beschieden gewesen. Mit zitternder Hand reichte ihm Esther den Labetrunk. Wie ging ihr dann sein stummer Dankesblick durchs Herz und sie flehte Gott um die Erhaltung des Geliebten an. Mi MMlllllMs flgrs öaa MkM uubzkühki ßeblieden, ward von.einer unbezwinglichen Neigung zu dem schönen Manne erfaßt, der da vor ihr lag. Ja, schön war er, berückend schön, wie ihr Auge bisher noch keinen Mann geschaut. Welch edle Züge zeigte das. im Fieber erglühte Göffcht! Was war der blonde Moses, den der Vater für sie als zukünftigen Gattten erkoren, gegen diesen herrlichen Mann,? Aber ach! Durfte sie auf die gewaltige Stimme in ihrem bewegten Herzen horchen? Durfts sie die in i^ern Dnnorn güfksiNikllök Neie gung M weiter enifäiien lasten? Durfis sts dsm Mit Gefühlen der Liebe nahen, der ihr fremd war, dessen Namen sie nicht einmal kannte, von dem sie nicht wußte, wes Glaubens er sei? Und was würde der gute Vater sagen, wenn er die Gefühle erraten würde, die in ihr tobten?

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