Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1927)
- Date
- 1927-08-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450474--74242-2531702- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seile 10 Nr. 32 Der Israelit 11. Awgllst 1927. Der Ahn. Es ist die Zeit der MärHenstundel Doch hat den Ahn Schlaf übermannt. Die Enkel flüstern in der Runde, Ems zu dem anderen gewandt: „Großvater lächelt so zufrieden, Er träumt wohl vom Geburtstagsjest!" — Ach nein 1 Dsrn ©reife ttKtrbbefch-ieben, ©S| 4r — Er hört Posaunentön-e schallen Fühlt Weihrauchbrodem duften schwer Und sieht sich mit den Seligen wallen. Die Altersschwäche quält nicht mehr. Sein Auge schaut den Himmel offen, Cr horcht aus holden Engelchor. Was Fromme oorr der Allmacht Das schwellet dem DeMäiNn vor. Die Seele trennet sich vom Staube, Wo unvollkommen sie gedieh. Der Körper fällt der Zeit zum Räude. Die Ewige wird Harmonie Und weilt als Gast in jenen Sphären, Die Innigkeit und Glauben ehren. , FrMi Ein Ruf Gottes in Erez-Israel! Der Telegraph hat längst in die ganze Welt gemeldet, daß am Montag den 11. Juli kurz nach drei Uhr Mittags ein Erdbeben während, sieben Sekunden den Boden von Erez Israel erschütterte, tcustenbe von chiiufim in Trümmern {vgis, 192 Menschen tötete und 356 schwer verwundete. Außerdem wurden in dem Erez Israel, angrenzenden, eigentlich chm zugehörigen, wenig bevölkerten Ostjordanland 68 Menschen getötet und 102 schwer verwundet. Die Nachricht ist in die. Welt telegraphiert worden, — doch der Welt bedeutet sie nicht mehr als «ins der MlWMkNr Die teiltr Ag Drängt, WkM öta uy* die entferntesten Orte des Weltalls in nachbarliche Hörweite gebracht und mit der überwältigenden Fülle der Nachrichten dem Menschen das Besinnen und das Nachdenken genommen hat. Die Masse der Eindrücke verhinderr das seelische Verarbeiten. Ern Erdbeben in Erez Israel, bas gröjjte, von bem Me Ie^ic^l $ne(es> QffilWs ^kNNtntZ glitt! — D«S CtÜbeben von 1837 betraf nur Saffed, das von 1838 nur Jaffa, welche beiden Städte freilich damals zerstört wurden. Diesmal war nicht ein Stückchen des Landes vom Erdbeben verschont;, zur Katastrophe wurde das Erdbeben aber nur m den arabischen Ortschaften; unter den Getöteten und schwer Verwundeten befindet sich nicht ein Jude. — und die gefährdeten Juden der gemischt £*e- DÖlElöMöH Iliftafil 0SH ^UüUfüUm murten «nf wunderbare Weise gerettet! Hier die Tatsachen: Das Gebäude einer sephardifchen Jeschiwah stürzte in dem Augenblick ein, als die beiden Lehrer mit ihren Schülern es verlassen hatten. Eine jüdische Frau, die sich allein in ihrem Hause befand, wurde erst durch die Erschütterung geweckt; kaum war sie aus dem Zimmer, da stürzten die Wände hinter ihr sin; i^r Fvtz tjartte e&eft fff Ms Btifr ttr LMMf vcMUll, als die Treppe ytttter ihr zusammenbruch, und, als sie die Straße beschritt, krachte das ganze Haus zu einem Schutthaufen zusammen. In einem plötzlich wankenden Hause war in der Verwirrung ein Säugling vergessen worden; als man nachher in den Trümmern nach ihm suchte, lag er unversehrt in der Wiege, um die die 'herabgesullenen Steine einen s'sl^fsflll \tfyf irante Frau eines Naddiners sollte ntryl das Mit verlassen; sie bekam plötzlich das Verlangen, doch aufzustehen und auf die Straße zu gehen; sie ließ den Schlüssel im Nachbarhause; als sie zurückkehrte, traf sie die Nachbarin nicht an, und während dieser Verzögerung stürzte ihr Haus ein. Das Erdbeben des 11 .Juli 1927. ein Geschehnis MNiM AlMlMM MM ZsituuMöliz für &U Well, — aber ein Nuf Gottes an Israel! Eine verheerende Katastrophe hat sichtbar die Juden unter besonderen göttlichen Schutz gestellt. Die Sprache dieses Wunders möge in ganz Israel vernommen und verstanden werden! Das Werk des jüdischen Aufbaues in Erez Israel macht feit zwei Jahren schwerste Zeiten durch. n>eil die Judenheit des ©crluth ihre lststtcht Trid^t öenugenj, geiart ^ai. ÄbeeL unb stall TV1\t ©TSQ Israel wette Kreise der Galittjudenheit zu schwach und weite Kreise gar nicht verbunden. Man will nicht begreifen, daß Erez Israel, was es einst in der Vergangenheit dem jüdischen Volke war, ihm auch in der Zukunft sein wird, der Boden seiner Religion, seiner Propheten, seines Volksgenius. Aber es ist der Wille des jüdischen Volkes. ob diese Zeit der Zukunft früher oder später küllUUK. üählUi Hirni &enjenigenr bte na.Aj <Sreg Israel «ls Pioniere vorausgeschrtttm sind, auch weiterhin ihre Kraft, weil sie darben, ja hungern müssen, dann kann der Aufbau ohne Erdbeben zu einer Katastrophe werden, statt für die Alljudenheit der ganzen Welt als Segensquell zu wirken. Möge Gottes sichtbarer Schutz bei der Erdbebenkatastrophe die ©alutjudenheit zur Selbftbe^tnnun^ bringen baß sie 4?rg und Annll, ihre illkklbc und ihre materielle Kraft dem Aufbauwerk widme, — dann wurde der Ruf Gottes verstanden. i - Cs ist eine Hoffnung, daß dieser Ruf nicht: ungehöri oerhalle. Denn Juden sind trstz allem, trotz Zersetz uns unb ^!?utu«rwy MW. M 8fMg! Uffl; scheu mit einem wachen sozialen Gew>rssen als Nachkommen des Volkes, das am Sinai die Thora empfing, und selbst die Seele des indifferenten. Juden verbinden: Fäden mit Erez Israel. Die von Herzen kommende, tatkräftige Hilfe der Juden *) nach dem Erdbeben hat den Arabern Bewunderung eingeflößt. Einer der Notabeln von Schecheur baukte beru herb geeilten DiAeNgvff, 0M WMNkll von LcstAMw, IM <&m WvrtMt habt unser- Böses gegen euch mit Gutem vergotten!" Möchten doch die Juden der Gegenwart Bewunderung sich auch vorden Juden der Zukunft verschaffen» indem sie dem Werke des jüdischen Ausbaues in Erez Israel helfen um der Gerechtigkeit, Menschlichkeit und ihrer eigenen Seele willen! Tel-Awiw. Wtz. zu -begründen. Und als dieses nichts fruchtete, drohte er, in London die nötigen. Schritte zu unternehmen, um das „hartnäckige. Volk" von Salzburg mürbe zu machen. Das unbekannte Grab. (Line verwickelte Vegräbnisgefchichte.) »In der jüdischen Gemeinde zu Salzburg lebt man in einiger Sorge wegen eines Vearäbniffes, das m MMSklMM M Dir mmm Mtzr süpL« kann. Auf dem jüdischen Friedhof zu Salzburg hatte man nämlich plötzlich herausgefunden, daß in einem der Gräber ein katholischer Geistlicher begraben ist. Das Grab steht ohne Denkstein da und figuriert in der Gräberliste als „Grab Nr. 6. in Gruppe I." In der Liste der Verstorbenen ist der Bestattete über- T* mA möffflnsh mmus m MW üft Dflß mon damals schon der Sache nicht recht traute und die Vetattung nur eine zeitweilige war. Die Sache liegt mehrere Jahre zurück, wird aber erst jetzt in allen Einzelheiten bekannt. Damals war eines Tages die Salzburger Kehilla von der Polizei verständigt worden, daß in der städtischen Totenkammer eine. ünbefartn'ke jüdische Leiche liege. Es birrpe*' ern iüttfcfj'er Sleifentaer sein, der hier plötzlich vom Tode überrascht wurde. Sein Reisepaß lautete aus den Namen Leon Zucker. Auch ein Bahnbillet zweiter Klasse und eine ansehnliche Geldsumme in fremden Valuten befanden sich in den Taschen des Unbekannten. Nachdem man durch Augenschein festgestellt hatte, daß ber Verstorbene, roorauj gexmjje tprjKVi'jtfj'f Wüteten, Jude sei, nahm der „DÄWe Mrein" Die Leiche in Empfang und bestattete sie auf dem jüdischen Friedhof. Der Form wegen traf man mit dem Magistrat eine Abmachung, daß für alle Fälle und Konsequenzen die jüdische Gemeinde nicht zur Verantwortung gezogen werde. Man rechnete nämlich auch mit der Möglichkeit, daß der Verstorbene islamitischer Religion sein könnte. Schott einige UJlon«k jputer tiltbit die Gemeinde eine eigene Ueberraschung. Vor dem Hause des Vorsitzenden hielt ein Herrschaftswagen, dem ein katholischer Bischof entstieg. Er fragte auf englisch nach dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Dev Bischof erklärte, der verstorbene Leon Zucker sei wohl von Geburt Jude gewesen, aber später in England zur katholischen Mision übergegangen. Er war getauft und hatte die Prieperroei^e eirrppmfjeTr. <Jy stchp gl? LtsVW rrichsr Missionar in der Wett herum und habe hier einen Tod gefunden. Was nun der Herr Bischof von der Salzburger jüdischen Gemeinde verlangte, war nicht mehr und nicht weniger, als daß man dem Fremden einen katholischen Denkstein mit Kreuz und allen katholi- 'chen Emblemen auf den jüdischen Friedhof stelle. VememdeovrsMK |j]$ BMWMMMI1 MM uder darüder einig, daß das unter keinen Umständen gehe. Sie erklärten sich bereit, eine Ueberführung zuzulassen, oder auch das Grab auf dem Friedhof zu lasten wie es einmal ist. Darüber setzte es große Streitigkeiten ab, und man kam zu keiner Einigung. Das Tragikomische dabei aber war, daß der „Herr Bischof" von Whitechapel kein Wort Deutsch verstund imü Die MM WlWiM non WWukg ößsWwMz Englisch beherrschen, und so blieb nichts anderes übrig, als die Verhandlungen auf jiddisch zu führen, das der Herr Bischof womöglich noch besser beherrschte, als die Salzburger Herren. Denn auch er war einer von denen, die erst später die Taufe empfangen hatten, und zwar aus der Hand seines Freundes und Vetters Leon Zucker. Sie hatten beide in jungen Jahren auf Der UWwo QQiernt. unD linD Mw zu „WHö^ü kütholifchsp. Kirche" M Whitechapel avanc-repj. 8s war dem Herrn Bischof nun Herzenssache, seinen heiligen Amtsbruder mit einem >gut christlichen Denkstein auf fremder Erde zu ehren. Aber die Verhandlungen wurden in einer Sprache und unter Gestikulationen geführt, als ginge es um eine interne jüdische Gemeindeangelegenheit. Den „Herrr VHchof", setzx redegewandt,, sprach wie Dann gjng er, und man sah., ihn bis jetzt nicht wieder. Inzwischen sind, etliche Jahre in. die Lande gegangen. Ob) Und was der „Herr Bischof," m ßorobon unter? IipnUMUjaL ^eürar^erl, §?Ml8tttdk fühlt sich gedeckt durch' das Abkommen mit dein Magistrat und durch die Berufung auf die Erhaltung des: jüdischen. Charakters ihres Friedhofes, Ob sich der Herr Bischof mit der katholischen Priesterweihe und der jüdischen Nase wohl scheut. Len cmg>edrohten Prozeß, durchzuführen? Vielleicht würden >dve ProMßkosten auch sür sine. Exhiumiienmig ausrediert^ roagiegiert die (Semelnie ge»{| mchts SiNWENdcL WM. Und nun steht auf dem Salzburger jüdischen Friedhof das Grab des unbekannten Bischofs, güennzeichnet durch den Mangel jedes Kennzeichens und das Fehlen: jeder Inschrift^ Mer es ist. der Gemeinde nicht sehr wohl dabei und man hat das dumpfe Gefühl, daß daraus noch erlüge unangenehme Komp Matronen entstehen körenen. Rüge, vrrsöÄrttche, Leute meinen,, der „HM» Wschöf"' Leon Zucker wird vielleicht in seinem. Leben einmal etwas Gutes getan haben, so daß Lurch erwe Verkettung^ merkwürdiger Umstände ihm das Vorrecht gegönnt war,, in -,2p zu. ruhen. Ainderecke. "1 Zur IllusttMillN'. Dw schwer heimgesuchte aerbische Stadt Schechem depeschierte an bekannte Persönlichkeiten der Geldaristokratie z. B. Rockefeller, aber nur Nathan Strauß, Newyork, der Jude, reagierte und überwies telegraphisch 5000 Pfund. Bei einer in Jaffa veranstalteten Hilfsaktion gaben sämtliche jüdischen Banken, die anderen Banken aber nicht einen Piaster. Die jüdische mw Lkl-AMW IW noch am Mm Der MMslronye Autos mit großen Mengen Brot nach dem weit entfernten Schechem fahren; auch bot sie freiwillige Arbeitskräfte für die Aufräumungsarbeiten an. ♦n Tn tnr’mK h ra n*rn ya «ij??aa j’mxan jmian nnrt dä *?nn men v^irr!?rri xi m unrr w.fiöa'pm ••»io» 82' ^8-NV' Ivn '2 N8-M 78 WM'? Nk!v --j27v2 11LN7! '1VN1 V"N r>18^ npn PV8-I."! 718 •••*]D81? n^5?n '2VN V8-, ^»1 ü”n 711NN82 *p'^n •Q’awn ja D’p^8 ’nmn irÄi’r’iBri? naüü Dnia -fztvvx Zu dem jüngsten Rätsel in Nr. 30 sandten noch nachträglich (vor Veröffentlichung der Lösung) richtige Lösungen ein: Baruch Kern, Agathenburg (DM 8fßi)J)> QßtxjtV) $«({snUtcöui; Selig Padawer, Frankfurt a. M.-. Kantor M. Jaffe. Gumbinnen; Lewm. Malsch, Amt Wiesloch. 4 (2 (3 (4 Wochenkalender. v. 13. - 20. Aug. 1927. v. 15. - 22 Arv 8887. Samstag 13 28 15 £ Sonntag t£ 14 16 5 Montag 3 N 15 17 Dienstag 16 18! Mittwoch 17 19 Donnerstag 18 20 13 21 samstatz 20 22 2j?y 1VS 7IVVN Ivnr N2V Der Deutsche kizzur. Von dem Kizzur, den der Verlag A. I. H o f - mann, Frankfurt u. M. mit punktiertem gsstz Ueberfetzuu^ (Hp, BUMbciMt IM HlMllMg) lerausgibt, ist soeben die IS. Lieferung erschienen. Sie enthält den Rest der Vorschriften für das L e i e n e n' und im weiteren die S a b b a t v o r s ch r i f t e n. Die ganze Ausgabe hat nun 480 Seiten erreicht. Preis jeder Lieferung Mk. 1.50. SBeeottfatxortHd, für bet* «Jlsemeiwe» Teil «**b bas noroiö, eBeHöfl. — Fük die piiBsgsglschL Dsll^gr; Lvhrkr Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag »Israelit". D.m.b.K., Frankstät a.M. — Druck Sermon Verlags« Mtlengesellschaft, Frankfurt a. M.