Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1927)
- Date
- 1927-08-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 31 Der Israelit 4- August 1927 Marienbader Brief. Ende Tammus. Die Hauptsaison als Rechtstitel für hohe Zimmer preise hat diesmal um 3 Wochen später eingesetzt. Seit etwa acht Tagen sind die Wohnungen um ca. 6V bis 70 Prozent teurer g-emord-en. Sonst herrscht hier die flltfl &U ÄÜi Brunnen un Bäder, vorzügliche rituelle Restaurants. imposante Wandelhallen, wundervolle Gebirgswälder und Aus flugsorte sorgen reichlich für die Befriedigung der er holungsbedürftigen Kurgäste. Das Gros der jüdischen Kurgäste gehört der gesetzestreuen Richtung an. Rab biner und Vorsteher führender orthodoxer Gemeinden sind hier in ansehnlicher Zahl vertreten. Im Hotel Restaurant „Goldenes Schloh" oom Gottlieb Lettner be f’4 gusMt di? drtlmntm ThvFSgFvtzrni Nabbi Meir Don Plotzkl, der Pinfker Raw Wolkm, Oberrabbiner Silberstein aus Waitzen, die Jeschiwahleiter von Mir und Zans, der Bendiner Raw und der Gerer Rebbe, der heute aus Erez Jisrvel hier eingetroffen ist. Im Hotel National wohnen z. Zt. der Zsikover Rebbe, Rabbiner Halberstamm aus Zmigrod u. n. a. Von deutschen Rabbonim sind hier: Dr. Auerbach aus Hat berftodt, Dr, Spitzer aus Mmkttlg, UM »sch §!NIM anvcrc. Die veklmmm MillMMfer. an der Spitze Mn sephardischen Oberrabbiner von Palästina, Jakob Meir sieht man häufig beisammen. Der Vorsitzende des Speisevereins, Herr Arnold Kohn aus Hamburg, benützt seinen Aufenthalt auch für Jnspektionstätigk-eit in Angelegenheit seines Ressorts. Marienbad bildet näm lich in dieser Hinsicht eine Ausnahme, indem s ä m t l i ch e jübxjcf)e Restaurants der Aussicht des ^tnnbWTgeF QpeiieoWiriö unterstellt sind. Unterschiede auch" bezüglich ritueller Vorzüglichkeit machen die Kurgäste selbst In den beiden Restaurants Lettner wird auch täglich früh und abends regelmäßiger Gottesdienst abgehalten. Sowohl der deutsche als auch der sephardifche Ritus sind als gleichberechtigt anerkannt. Der persönliche Ri tus des je »eiligen 23orbetev| ijt watztzeben^ j Mn Veranstaltungen fehlt es Mcht in Marienbad. Die Bene-Berith-Loge hat ihre wöchentlichen Zusammenkünfte bei „Löwenthal". Die Zionisten veranstalten Sammlungen, gelegentlich auch bestimmte Festlichkeiten Vergangene Woche hat auch eine große Herzlfeier stattgefunden. Für gesetzestreue jüdische Veranstaltungen ist leider blutwenig gesorgt; bloß der Pinfker Raw hat in der Synagoge von Gottli-eb Leitner jeden Samstag eine geistreiche Deraschah gehalten, Eins umso angemhmökö UMMHung MM M Mpfaate tung gleichgesinnter thoratreuer Kurgäste, welche dieser Tage im großen Glassalon des „Goldenen Schlüssel" stattgesunden hcu Den Vorsitz führte Albert Mainz aus Frankfurt am Main, der in warmen Worten darauf hinwies, daß die ganze Zukunft des gesetzestreuen Judentums im heiligen Muhe von vM AUUWN MmtroiM (BoirimiM in Jerusalem unb in anderen Zentren Palästinas abhünge. Hierauf hielt der Oberrabbiner von Palästina, Jakob Meir, einen mit geistreichen Thoraworten gewürzten Vortrag, der großen Eindruck machte. Der ehrwürdige Greis, der im sephardischen Ornat erschienen war, sprach in klassischem Hebräisch. Obwohl er der Einladung gerne Folge geleistet habe, befinde er sich doch in MW NMgMM. &a « ÄMM ksfüvchtsn möitt, daß man ihn wegen feines fepharischen Idioms nicht verstehen werde. Dem sei aber nicht so. Er werde bloß den Namen eines Mannes nennen, der als Zierde Israels allgemein bekannt ist. Er fei überzeugt, daß man ihn verstehen werde und die bloße Erwähnung dieses Namens werde dieser hochgeehrten Versammlung Würde und Glanz verleihen. Dieser Mann ist der im heiligen Lande sowohl als auch in der Diaspora allgemein vermi M8N» ZnM UM »81$ MW 5)8ffT ßWM (sonnenfüiB. MürmiMr l&eifatt unmrbraH den Redner, der anlehnend an das Wort des Wochenabschnittes: ns i2vn vom nnnbnb nra-> os'nrrn. in beredten Worten ausführte, daß es Thorapflicht sei, die Gemeinde von Rabbi Chaim Sonnenfeld und deren Institutionen zu unterstützen und wärmstens zu fördern. Redner dankte auch dem Vors.. Herrn Albert Mainz^ dafür, daß er dieser schöllen AufMöe seine ßeTanDere FliMme MUveiUn lasse. Rabb. Horovitz aus Äerusalem Hab in Mer Rede hervor, daß der Vorstand der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft zu allererst mit einem namhaften Betrag sich dieser Aktion angeschlossen habe; seither sind auch andere Gemeinden beigetreten. Von rabbinischen Autoritäten waren Oberrabbiner Onderwyzer, Amsterdam. der Halberstädter Raw. Dr. Auerbach, der Czortkllwök RMg. üsk WnM Mw. Rüökii Msik MN Platz?!, b\e ersten, d!e ihren Bei tritt als Mrtglkeder vollzogen haben .Der Präsident der Budapester orthodoxen Gemeinde, Abraham von Freudiger, habe erst kürzlich eine erfolgverheißende Aktion in dieser Sache eingeleitet und in einer Zuschrift an das Frankfurter Komitee mitgeteilt, daß er und seine Kollegen alles tun werden, um ihren Teil an der Beschaffung der dringend benötigten Unterstützung für die Jerusnlerner Gemeinde beizutrngen. In giin&imWF h?l?uchtete tmchh?r Wf ftäbter Raw, Dr. Auerbach, die große Tragweite der m Rede stehenden Gründung. Anschließend an die Worte des Oberrabbiners Jakob Meir, in welchen Redner feine schätzenswerte Kundgebung der höchsten Verehrung für die Persönlichkeit, für den hohen Gesmnungsadel und für die seltene Charaktergröhe des rühmlichst bekannten Thorafürsten Rabbi Chaim Sonnenfeld erblickt, führte ör ous, daß die tatkräftige Förderung dieser Gemeinde eine unerläßliche Notwendigkeit der Gemeinden m der Diaspora sei und daß auch jeder einzelne an der jüdischen Zukunft des heiligen Landes mitarbeite, wenn er durch Mitgliedschaft unmittelbar in die jüdische Gemeinschaft in Erez Israel eintrete. Rauschender Beifall der ganzen Versammlung folgte diesen mit geistreichen Thoraworten gewürzten Ausführungen. Herr Leopold von Freudiger. Budapest, betaute irr seiner Rede, bujj er irr feßfi von der hohen Wichtigkeit dieser Aktion sich überzeugte. Es freue ihn, Mitglied dieser Gemeinde zu werden, und er wolle gern einen angemessenen Jahresbeitrag leisten. Es folgten noch eine Anzahl Bei tritte, worauf sich die Versammlung in gehobener Stim mung auflöste. In einer gestern stattgefundenen Rabbineroersamm lung wurde grundsätzlich beschlossen, daß für die hiesigen DlETtauiariDncn ein mm Mm. nmn nun DoiMi MM. Zur Ausführung diästs Beschlusses wurde ein fünsglled riges Komitee unter dem Vorsitz von Rabbi Meir Don Plotzki eingesetzt. lieber die Kaschrusverhältnisse in den Bädern gab es in dieser Versammlung lebhafte Ausein anderfetzungen, wobei auch über den Hamburger Speise verein verschiedentlich debattiert wurde. Der Vorsitzende des Vereins, der auch zugegen war, hat sich an der Debatte beteiligt. Doch darüber bei anderer Gelegenheit Ainderecke. Lin verträumtes Menschenkind. Ms MßmMA frümöjün W nioF i^muhMhmh SyüYtha, Rosa. Nahe! und Lea begann mit -einer unge zwungenen Plauderei bei einer Tasse Kaffee.- Die kecke, kleine Rahel eröffnete wie gewöhnlich -das Gefecht der Unterhaltung. Nach harmloser Einleitung wurde bei den sehr verschiedenen Temperamenten und Anschauungen der Freundinnen in der Regel aus der Unterhaltung ehr schnell ein Gefecht. So auch heute. Rahel rief: „Nächsten Samstag werdet ihr in der Synagoge euch die Augen nach meinem Kostüm ausgurken! *\^r werket sicher fein Wort Beten! Das Kostüm ist nach einem Pariser Modell gearbeitet. Totchic, sage ich euch! Außerdem ein Gelegenheitskauf. Ihr ratet nicht, was es kostet! Meine Mutter ist in der ganzen Familie dafür bekannt, daß sie Geschmack hat und stets „Mezi-es" kauft." „Auch ich werde euch Samstag mit einem neuen Meid überraschen." sagte jetzt mit ruhigen, überl-sgten Oklün W MktL Lsa. ..Ich miß fMjch sticht. äb Mein Kleid den Rang eines Kostüms beanspruchen darf und welches Modell bei ihm Pate gestanden hat. Mir steht keine Mutter mehr zur Seite, ich muß schon selbständig wählen, und da frage ich nur danach, ob mir das Kleid an mir gefällt. Auch mag ich keine Gelegenheiten kauen; ich müßte dann immer denken, daß ich wegen eines Gslsgsnhsiis kau fes nicht frei nach meinem Geschmack Aätvählt hä sie. lle&erMes mrtt ich, daß der Kausmann an mir verdient, was ihm gebührt; wir Menschen sollen es einer mit dem andern gut meinen." „Nein, eine solche kuriose Ansicht!" -rief Rahel ungestüm aus. „Der Herr Rabbiner hatte recht, als er dich einmal „ein verträumtes Menschenkind" apostrophierte." Lea war nicht wortgewandt genug, sogleich zu erwidern, doch ihr entstand in der gerechten Hanna Hilfe. „Rahelchen. Rahelchen! Möchtest du doch auch die anücrrn mrtc Des jjtrm mdüikü M§ io WaiM miß diesss! Msllsicht mn IW Unn seine Erklärung der Vibelstelle in Wasikra „Das Leben deines Bruders ei mit dir verbunden" im Gedächtnis geblieben! Es ist m dieser Stelle von den geldlichen Beziehungen zu unsren Mitmenschen die Rede. Wir dürfen -nie einseitig nach unserem Interesse sehen, wir müssen immer auch das Interesse unserer Mitmenschen berücksichtlg-en?" Mm fjat öiaia lMMiM mit öiam MsiMkAAn Einksusßtt dee üßä zu tun!" rres Rahel kampflustig. „Sehr viel. Lea macht sich Gedanken, bei -einem sehr billigen Preise werde der Verkäufer nicht zu seinem Recht kommen und sie werde so das Gebot, beim Mein und Dein seinem Mitmenschen gerecht zu sein, verletzen. Der Herr Rabbiner machte uns darauf aufmerksam, daß die Bibel dieses Gebot mit der Gottssfurih-t begründet, sticht skviich ulm'ü ist. ml& m Ui Krüfi in sich haben, bas Jnlereffe f-elnes Mitmenschen feinem eigenen In teresse gegenü berzustellen." Rahel erklärte sich so schnell nicht für besiegt. „Ein Kaufmann muß auch mitunter ohne Nutzen, ogar mit Schaden verkaufen," wandte sie ein. Schlagfertig erwiderte -ihr Hanna: „Mitunter bankrottiert er auch!" ..Sieger er banfrottiert, erts iefp. — Die Religion verlangt nicht, vast ich meinen Nächsten mehr als mich liebe!" „Das weiß ich. Deine Behauptung paß-t aber -nicht hierher . Du kannst für das gleiche Geld auch etwas Nettes kaufen, bei dem dem Kaufmann eher der Verdienst bleibt. Das empfindet Lea, das oerträum-te Men- 'chenkind und sieht dadurch klarer das, was die Gottesfurcht den Menschen heißen soll." „Du hast Lea mal wieder herausgehauen; mich aber hast du noch nicht so schnell überzeugt, ich werde mir -erst Klarheit zu verschaffen suchen." Bevor Rahel nach Hause ging, sprach sie noch bei ihrem Großvater vor. Der -abgeklärten Weisheit des. Großvaters vertraute sie. Ihre auf Lebens klugheit eingestellte praktische Art sträubte sich, Hannas Worterestlos hinzunehmen; darum wollte sie Ae Ansichten des Gro^rxrters girren. ' Nahei sprudelte ihren Bericht heraus und schloß mit den Worten: „Lea -ist ein feiner Mensch, aber ein verträumtes Menschenkind. Sie träumt sich eine Welt, die in der Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Man kann auch ohne jene übertri-ebene Aengstlichkeit Leas ein guter Mensch sein. Nicht wahr, Großvater?" „Die Antwort -auf diese Frage sollst du dir, wenn du mir erst zugehört hast, selber geben. Doch nun zu imer AnlllMl! allßn DiNg-ßN! BßMchtß das Traumen n-rchi! Traum und Phantasie sind Geschwister. Im Traum und in der Phantasie wendet sich der Blick nach innen und macht die Gedanken von der Erdenschwer-e frei. Doch der Mensch träumt und denkt nichts, was er nicht vorher schon -erlebt hat. Wer ohne das Leben -träumen und phantasieren will, dem entstehen weder Traumnoch Pbantasiebildsr. Zödök. Ä5P äßP MSttsMäst dSUßrttde Merle tz-rL. mer ein Träumer. Mit phantasieloser Rüchternhvlt kann nicht einmal ein Feldherr einen Krieg, -ein Handelsherr den Wirtschaftsmarkt gewinnen. Die Phantasie ist die Schöpferin aller Werte; ohne sie gäbe -es weder Wissenschaft noch Kunst. Also, schmähe mir das Träumen nicht! Von diesen -allgemeinen Bemerkungen zu unserem OllMliml WllM, Mp Mx 8W Ä8 Träumer. Er löste sich von Vaterhaus, von Vaterstadt und von Vaterland los, um der Gott-esstimme zu folgen. Er war schon fast hundert Jahre alt, stand schon an der Neige seines Lebens, und er, dieser wunderbare Träumer, hoffte noch immer auf -die göttliche Verheißung, daß ihm ein Sohn werde, der sein-e Ideale als Erbe übernchinö. Wim ißifBmmffi MW» in AsZyM zu einem Mrllion-enoolle heran, und dieses Mllionenvolk vlgte vierzig Jahre Moses durch die Wüste im Vertrauen auf die göttliche Verheißung. Auch sie waren Träumer! Aber auch unser langer Weg -durch das Galuth, was ist er anders als der Weg -eines Volkes von Träumern, als der Weg von Menschen, die an Ideen glauben und darum auf die Fleischtöpfe Aegyptens verzichten! 613 Gebote unb Verbote gellt die T^orcr als ein Erziehungswert aut, damit jeder einzelne Abrahamsnachr komme befähigt fei, sein Leben nach den Idealen zu gelalten, wie sie (Bott von ihm erstrebt wissen will. Diese Ideale kann nur durchdachte Selbsterziehung, deren Methodik die Thora gibt, im Verhältnis zum Mitmenschen verwirklichen. Liebestat Menschen gegenüber ist so wichtig, daß selbst das wichtigste Gebet, das Schema. zumSkÄtt. Am sMpM Trzz, bm taliggür, verzHi Gott erst, nachdem du Entzwoiungen mit deinen Mtmenschen weggeräumt hast. Die Beziehungen zum Mitmenschen -über dokumentieren sich am charaktevistischsten beim Kauf und Ver^ kauf. Es genügt nicht, daß Gewichte und Maße vollkommen sind, es muß auch die rechte Gesinnung gegen einander herrschen. Zum Riecht d-es Verstandes muß i-h peb tue Ethik kes Ge^uhis ge|eüen. Seii>|t einer cheinbär belanglosen Tat, selbst beim KMs eine Meters Stoff, soll der nach dem Judentume lerzogene Abrahamsnachkomme ethisch handeln, um so Gottes Namen durch Befolgung seiner Gebote zu heiligen. Lea hat gezeigt, daß sie diese Aufgabe des Juden begriffen hat." Saly Geis. Äöüsches Namen-Rätsel. ^iv *tio ibiö kjiv •mm m irrvi Lösung: oms» Nichtig« Lösungm tanötsn ein: Atzron Twcrski. Frankfurt a. M.; Albert Pavvenheim, Frankfurt a. M; Helene Berger. Frankfurt a. M.; I. H. Tempelhok Saarbrücken; Simon Babad, Frankfurt a. M.; Paula Margulies, Bremen: Lehrer S. Frank, Uffenheim; M. Weinreb jr., Ludwigshasen a. Rh.. Jeremias Elzas, Apeldoorn (Holland); Jos. Kkkll, Tüstsk DrvükH MöllMil ll- M, KMwr Q. LewlloMZ. Doll (tcQroaD.) . Familiennachrichken. Barmizwo: Max, Sohn des Lehrers Nathan Frank. Straubing, isni na»- — Meier. Sohn des Lö?M Emil BttslSMi'. BMisu. 18, loru Sklower-Schul. nunn :rwn, ja-iiüa irr fnvn rr'Aiv. Verantwortlich für den allgemeine« Teil und das Feuilleton ~. Schach nowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S Schachowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer »- aufmann in Sprendlingen tÄr. Offenbach). — Verlag Israelit", D.m.b.K., Frankfurt a. M. — Druck Aermo» Verlag»« Mttenaesellsibaft.??ranksurt a. M.