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Der Israelit · 1927-07-28 · Heft 30 (28.7.1927) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 30 (28.7.1927)
Date
1927-07-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Ml 10 NI. 30 D 11 Sinulii UM 1SR reren Tagen schon lag sie auf dem Krankenlager und alle diejenigen, welche jetzt den Wilhelmsplatz überschritten, schauten sich zu ihrem größten Erstaunen wiederholt vergebens nach dem Jeltjanun MuöNlMtlitzg Pntsk dsm Es-lsr-ftRstzr« des alten Hauses um. Als man aber mahrnahm, daß Esther den alten Schammes zu sich entboten hatte, da war die Verwunderung grenzenlos geworden. (Fortsetzung folgt.) Kleine Geschichten. Die Vorstandssitzung. „Meine Herren", sagte der kleine Justizrat. „Kollege Jakob hat wieder einmal einseitig seinen orthodoxen Standpunkt vertreten. Er will nicht berücksichtigen, daß seine Richtung in unserer Gemeinde nur eine Minderheit DarfMli. Mn Droifjiij ' /' M» rM fiebert streng den Sabbat und keiner von ihnen ist so fanatisch wie Kollege Jakob. Wir Liberalen haben trotz unserer Mehrheil bis heute nicht an den Gottesdienst nach orthodoxem Ritus gerührt. Doch unsere Mäßigung hat auch Grenzen! das lasse sich Kollege Jakob gesagt sein, wenn er meinem Antrag betreffs der Beisetzung oon Urnen auf unserem FNedhoss FiM M dische Gemeinde rann heule kein Schulchan Aruch-Wächt^'r sein; sie hat heute nur die Aufgabe, die großen Gedanken des Judentums, wie sie zum Beispiel in den Zehn Geboten zum Ausdruck kommen, zu wahren und muß im übrigen den verschiedenen Anschauungen unter sich nie zu informieren gesucht. So war es schon ein Erfolg, daß der Vorsitzende beantragte, über die Frage der Urnen erst Gutachten einzuholen. ihren Mitgliedern freien Spielraum lassen. Nur so kann sich das religio fe ßefcen entfalten, roätjrenö ,im anderen sich §äll. Jas relfg u&tnite crus!>um ^utenlume i>ie n t>. befriedigt setzte sich der Redner nieder. Zustimmende Anerkennung lag auf den Gesichtern seiner Kollegen: nur Kollege Jakob zeigte eine nervöse Unruhe. Doch sogleich, nachdem er ums Wort ersucht hatte, gewann er wieder die Ruhe. „Wenn der Vorredner und seine Freunde ehrlich die Zehn Gebote anerkennen würden, dann . . Syier unterbrach' ihn ber SJorfiijenbe: „Sie haben eine Beleidigung ausgesprochen. Ich n-ehnn an, üatz sich dessen nicht bewußt waren. Die Zehn Gebote sind Gemeingut der Kulturmenschheit, um wie viel mehr der Judenheit." „Ich halte meine Worte aufrecht und werde auf sie eingehen. Die ersten fünf der Zehn Gebote berühren nur unser Volk Israel. Gott, der Lenker der Menschheitsgeschichte, hat unsere Vorfahren und damit auch jeden m uni Mi MiMsii KmchMss hfsMMsnhssi Ns der Einzige. leitet aber auch Wes einzelne Menschen». gefchlck und legt auf das Tun eines jeden die Verantwortung für die kommenden Geschlechter. Gottes Namen sei uns nicht nur einzig, sondern auch heilig. Gott, der Schöpfer, machte und vollendete in sechs Tagen feine Welt; darum, Jude, anerkenne mit der Enthaltung von jeglicher Arbeit am siebenten Tage die Vollkommenheit von Gottes Welt. Nimm all dies zuerst an aus Achtung vül> ksn UMMsMWll Doinor Dorschmn. (so. mm Herren, ist in großen Zügen der Inhalt der ersten fünf der Zehn Gebote, — und nun frage ich Sie, ob wenigstens auf dieser Plattform die verschiedenen jüdischen Parteien stehen? Wenn dem so wäre, dann würde der Herr Justizrat am Sabbat nicht in seinem Büro sitzen und ' Akten ausarbeiten, und dann wäre auch fein heutiger Antrag unterblieben, weil er aus Ehrung seiner Väter slcl^ fc^euen rrmrbe, dern seinen IräMIrönesseU Charakter zu nehmen." Der Justizrat konnte es sich — getreu seinem Metier — nicht versagen, sogleich zu erwidern. Er meinte: „Die Auseinandersetzung mit dem eben Gehörten muß einem Theologen überlassen werden. Ich kann schon deshalb in keine fachgemäße Prüfung eintreten, da ich die hebräische Sprache nicht »erstehe. Meine Herren, ich halte micfj für einen guten 3ubenf idj tnt&tne lrö^ beruflichet! ' lleberlaftung tagtäglich jüdischen Angelegenheiten manche -stunde und bin jederzeit darauf bedacht, gegen antisemirMche Verunglimpfungen für die jüdische Ehre einzutreten. f elbst Kollege Jakob wird mein selbstloses Arbeiten im lenste der jüdischen Glaubensgemeinschaft anerkennen." J‘"' tue ich mit der größten Hochachtung! Nur klSiMliiK'nnr 'wieder eine Kritik nicht zu verübeln! GlaugbAUMMMsl isl ein nirtjt kLsklyngrks AniSntzk, so ..UttzgL,njSi,'wömgslML klar und bewußt vie Zehn Gk2 ' Lche. Äs Moundlage des jüdischen Glaubens von der ^WälMnsgeMrnschaft anerkannt werden. Dann gibt es LUMdilsidÄelle Willkür mehr in der Weltanschauung! -iWeriiDuftizM^mBei unseren Vätern waren nicht nur »iei^KbniMrpvHe, sondern die 613 Gebote und Verbote des c. für Denken und Wissen, sür , , eniW 'WllM Ücs Lcbcnz. Luch öts Zehn Qrtm .2gtzzrHMgllHl-hMs1KMßquenzen jene 613. Sie verstehen -chssGsNMS(ß ÄriLhsgpWjllkür in Sachen des Judentums ° ‘trom^oik' 6ni)ähstM r jüdischen Gemeinde auf -'VenD-PaiNkk W^KuMtDemd und unsicher, so gemanöt sie autö auf anDtrcn PtittMkn martn, @ute BM- ' ' ~ ... MxgshMUliYeN. Miälss.MSüöeU: — aber über die Frage, in welche Formen diese Begriffe, um zu dem Begriff Judentum zu werden, gegossen waren, hatten sie > . Dir Parti«. Zwanzig Jahve schon lebten sie in glücklicher Che — doch heute in der sonst so traulichen Abendstunde, die, da die Kinder sich schon zur Ruhe begeben hatten, so ganz , der vertrauten Aussprache über den vollendeten Tag-gehörte, offenbarte sich-Plötzlich .ein Nichtverstehen in ihrem tiefsten seelischen Erleben. SIS SMW LllMkr Ham Dtrctts Das Wer meitfit. in Dem Die Elternliebe nach einem Freier miSAUschauen beginnt. W-te es so schon selbstverständlich war, war beiden Eltern zur gleichen Zeit der gleiche Gedanke gekommen. Doch die Erwählten ihrer Wünsche waren sehr ’ verschieden. Sie dachte -an den tüchtigen Sohn eines reichen Hauses, er an einen jungen Mann aus bescheidenen Verhältnissen, dessen Charakter ihm -imponierte. W HM MWl. W Dör WW DüD Mchm AllsöO ihrer Tochter zu ihrem heutigen Geburtstag einen prächtigen Strauß Blumen schickte und hatte gemeint, durch einen gemeinsamen Bekannten bei der Familie sondieren zu lassen. „Die Partie wäre ein Glück für unser Kind, — aber auch deinem Geschäft könnte eine solche bedeutende finanzielle Verbindung nur nützen!" sckslotz jve iispe Worte u.nö erwartete nun Die begetstsri-s Zustimmung ihres Mannes. Doch er erwiderte bedächtig: „Hätten sich zwischen meiner Tochter und dem jungen Manne ernster zu nehmende Beziehungen entwickelt, dann läge der Fall anders. Seiner Aufmerksamkeit kann ich aber keine Bedeutung üermeffen. Es handelt sich also urn .eine Partie. •m Uv Mi LltiM Mi DMihllUS sßtili» mllin. Dz märe es doch rnohl Älernpssschl, nnbepen Vorzügen den Vorrang zu geben -als Tüchtigkeit, Unbescholtenheit und Reichtum und dem mit dem Reichtum bedingten Ansehen!" „Ich meine, der junge Mann hätte noch andere Vorzüge. Er macht den Eindruck eines körperlich gesunden und geistig sympathischen Menschen. — Ich verstehe dein Zögern nicht!" Don jeßew llljenschen strahlt ein llnttJCKjbar-eSj llnneuubares aus. Dieses nicht mit Worten zu Fastende ist feine persönliche Atmosphäre, wie sie sich in dem ersten Eindruck, der von -ihm ausgeht, dokumentiert. Ich habe das Gefühl, daß er das Gute nicht um des Guten willen tut, und daß er daher ans den schweren Krisen, wie sie jeder Mensch zu bestehen hat, vor Gott nicht als Held hervorgehen wird." „DTortzt bat rticfpt, bafj Eheleute sickf gegenseitig erziehen? Sollte Un-eölcs in dem sangen Mann sein, durrch unsere Tochter wird es allmählich zu Edlem umgewandelt werden! Uebrigens habe ich nicht dein Empfinden betreffs diesen jungen Mannes, und dann meine ich, daß wir Menschen doch nicht Engel sind!" „Auch ich bin deiner Ansicht, man müsse den Menschen als Ganzes beurteilen. Doch wenn ich Licht- und Schattenseiten. wie sie jeder Mensch hat, einander gegenüb er- Me. Dann mürDc mir W MMMMn mm Mkurist mehr Zusagen." „W—a—a—s?" ... ©s war, als wollten ihr die Worte in der Kehle stecken bleiben. Bei 4000 Mark Gehalt und drei unversorgten Schwestern!" „Ich weiß, daß er in jedem Moment seines Lebens nicht nur tun wird, was klug ist, sondern auch, was .gerecht und was gut ist. und -darum weiß -ich mein Kind M lhM MOMN." Ihre Stimme hob sich -immer hefti-g-sr. „Du stehst ttt keinen Menschen hinein! Vielleicht ist mein Schützling ein besserer Mensch als dein Tugendmuster! Die Zukunft kennst auch du nicht voraus; — deshalb hast du kein Recht, nur wegen deiner Gefühle eine glänzende Versorgung unseres Kindes zu verwerfen- und einer bescheidenen. wahrscheinlich nur an Arbeit und an Sorgen reichen lkrislmz Dm Dorrug zu Msiml Mch.ilh Diu u\n AID Haareg. Jrg-enbrno sagen unsere Wesiitt, ein Pküphst müsse nicht nur geistig und körperlich ausgezeichnet fein, er müsse auch reich sein. Nur der Reiche ist unabhängig und hat die Zeit und das Geld, um sozial zu wirken." Er lächelte. „Solch schweres Geschütz hast du noch nie gegen mich gebraucht!" „Gott sei Dank, ich hatte -es -auch bisher in unserer CSf^e nie nötig!" siel sie ihm ins Work. »Lu ermähnst ÄeM — giY^? wm miäen barf ich mich, weder deinen Gründen noch deiner Heftigkeit oder deinem Weinen ergeben! Theoretisch erscheinen wohl deine Gründe wahr, in der Praxis des Lebens aber beherrscht nur selten -ejn Reicher seine Zeit und sein Geld, diese beherrschen vielmehr ihn. Gewöhnlich verstehen es gerabe bie Menschen, bte ihre Zeit nujßnoll für be»t eigetrauen aus die Probe gestellt worden. Mit Liebe hast du mich umgeben, .du warst stets ein Viederweib, wie wir es am, Sabbat besingen, — heute aber verlange ich das Größte von dir, verlange, daß duim-ir gegen dein Denke» folgest! Ich bitte tm Morgengebet stets Gott, tch inlch nlchl uni Vertzebllche-s nruhe unb »Ich-I Bestürzung etwas erzeuge. Würde ich dir nachgeden und es Würde e-mmal Kummer daraus entstehen, dann müßte jeden Morgen diese Stelle des Gebets bittere Vorwürfe in mir auslöfen, weil ich mich durch' den äußeren - Schein bestimmen ließ. , Saly Geis. Amßerecle. (Hebräischer Ladebrief.) nt el 4 e-co ertert errsurtte-r 1er ball t>errr»erlen müssen, eher Zeit und Geld noch für andere zu -erübrigen. E-in Reicher vor Gott— und solcher Reiche ist der Prophet — muß Herr über sich und seine Mittel sein! Es gibt Prüfungsstunden für unser Got-tvertrauen. An uns liegt es, diese Stunden im Vorbild an die Prüfung unseres Vaters Abraham, der bereit war, seinen geliebten eingigsll 3U °ftemr 3U &elte^nbr^rersenbste . und größte GcfchchmZ dcr MenschhrstsMschicht? ist maßr' lich nicht nur erzählt worden, um bewundert zu werden!" Er blickte sie an und sah, daß sie seinen Gedanken nicht zu folgen vermochte; darum sagte er: „Zwanzig Jahre hast du mir vertraut, doch nie war dein Verjfiiaia««na~ ’äari. O’tjjna u’Q’ ’Jiwa mbinn •>& npb nsn sraün ■■nrr ’rurr nmn nst^ '.irr'ia.n v'S' oopn onnnx di\i ^nna •“»mraty - na.n ty 71a antsw ->ros2 -»tia ^2 -nV’Va mTBT.iman hjr •’nsrav trnnx mVi}? tiana ova Vax 'VSi «tVxn o’Vprr rviVipn nimx onsan p Tips* xV 'a 'a '*>aaV nma yjrn naVy: ti nanna ny 'llvV n^rnax *>n n^x uv -v'ixan pa oVVn ü’a*» lanr’nxi ii'nx idt wx tiy 'inm lü^ipa ri'a nwx?«a -astn rtevtap» Vst öws: Tirin na jit,!7 nin awn mu na laman pn> ■»wyi sy yavn “vm Vs n 'ö^axa amrrV tx Va *jsrm nam ■n» nznV iVxa iVax'i iVia' nntyx «'->a^ DVwn VtN' xVl 11222 ->p 12V -,VX ''MX 'IM' iV'X s'X -2'XVSM 1M1^22t2 22L7I NX m.a.a bst ■»ö1»» mii rätst .ab« «nitv- 'ia rmrtwi «V 112M nm ~nn tk ’m aaDn by 'in‘Tita)ai ’a^V fp px -nVi^n iaan nns? isn tx fixa imdx a'STit mipa nntii 1121:2 x'n VxiLk' nv 'ilindx mVxivt b'nxa.n s'2 »mia xixa 'V2a fixV 'irasr nx n nxi oinix O’psnx onxan ]’2 'xV r,nrx 221VNN mvrtpn i^nmnVt nV njiaxni!2'ix Vn^n fbip Vna«« stsa -t3»nsrt cwnai *raa 'Zniinx'? mpn tzn T3 nunia ZDV1 mn xuxV "N •/j’Vnyaa xiixV m 27.7 nr?x) Biblisches Namen-RSkfel. inVnn ksiv »11V 1S1V rjlv nvnn ..72N2 M °sX 7X2»->1 M. B. in Fr. Richtige LosuuMn des Rüssels tu Rr. 28 sandten noch ein: Simon Vruftm, Mga; Paula Margulies, Bremen; Simon Babad, Frankfurt a. M. Familiennachrichten. SB a r m i 3 m 0 b : Heinrich. Sohn des Herrn Joseph HäUaU. Nuß-AllLL 1, lsMze Wüvzüllvä). 30. Juki 1927. Briefkasten. 3. W. in XD. Das Berliner Rabbinerseminar dürfte miöj m WarMll Detanmt ftm. MllMk AllZllilssl iv galten Del Herrn Rllbb. Dr. M. H U D gtz h e im ® r, Berlin N. 24, Linienstr. 111. Al. R. in Gelsenkirchen. Wir bringen grundsätzlich keine Steckbri-efe. Daß ein Mann Blinddarmkrankheit simuliert, um Kassen zu brandschatzen, ist allerdings stark. V. H. Verein jüd. Hotelbesitzer und Restaurateure V. z. Hdn. Herrn Hofmann. Hofmanns Hotel Falk, verantwortlich für den allgeweinett Teil und das FeutUetü» Z. Schachnowitz, Fra»kfurt a. M.; Inserate 1. B.: «.Schach' aowttz, ebenda. — Für die piidagogtsche Bellage: Lehrer ». Kaufmann in Sprendlingen (Sn. Offenbach). — Beklag .Israeltt", D.m.b.H., Frankfurt u.D. — Druck Sermon »erlag»' Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M. 7004 ^11076

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