Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1927)
- Date
- 1927-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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88, Jahrgang. jranffnri «i AI», 28. 3ult 1927 28. traimnus öö8T Nr- 30 Ein Centralorqan für das orthodoxe Judontp Begründet oon Dr. Lehmann In Mainz. tahrprelse (entsprechend den» deutsche« Inlandspreis zuzüglich Küsten des Etretfband«Ber« fandes) Deutsch-Öfterreich r Schilling 6-—; Amerika l Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 88 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga 5; Lolland 8 fl.; Italien ab 1.7.87.18 Lire; Jugoslawien 88 Din.; Litauen 7.8V Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 180 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 8 Fr. Tschecho-Slowaket 88 Kronen; Ungarn 6 Pengö; Dänemark'8 Kronen Norwegen 8 Kronen; Schweden 3.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. > . Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt «ach Tarif. Bet laufende« Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenanuahme durch den Berlag des Israelit ©. m. b. H., Franks, a. M., Sr. Eschenheimer Stütze 88, Tel. Sansa 88A fow. durch sämtl. Annoncen-Erpev. des In- und Auslands. Alleinige Inseraten«»«. fur Frankf. Geschäfts««,.: Aul. Schmidt, Langeftr. 7, II, Tel. Hansa 4841. Platzvor,chr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Berlag aus Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr^18808. — Außerdem an: aBotfc^ou 9lr. 190^7. sRt. VIII — aBorfc&ou «*.190767. SBoBWeaamt jatietm Utr. VILL vsesa — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam 9lt. at«W — wuuiwuih Ml V»» — -- --r ——- g„u - iuisian BBtiggg iaaMtni in lamm, a Dkl >UMkZW«8 ras aas oI>ec aus a^.M. "Sparkasse WienNr. - Böhmische: . Nr. 18 484.- anca Marmarosch ] sich, wie ein Greis in der Morgenftühö auf dem Hundert Jahre neualter Jifchuw in Jerusalem?) Es ist keine Hundertjahrfeier, die unter Sturm in ^erujatem unb Palästina am 11. Tamüs Vmgeläutet wurde. Man wäre fast versucht, von einem harmonischen, stilgerechten Abschluß zu sprechen. Mn Jahrhundert der Leiden und 'Prüfungen rundet sich mit einer elementaren Katastrophe, die zum Ausgangspunkte neuer Heiden unb neuer 5prüjun^en mtrb. rv’ipa •>"« pvs* ’»"»• Möge nun aus den letzten Trümmern das Heil erblühen, wie wir es in diesen Tagen der Tränen und Trauer mit den Gebeten der Jahrtausende erflehen. Der neuere aschkenasifche Jifchuw knüpft an die Namen der großen Schüler des großen Gaon o» Wilna än^ Nabbi Menachem Mendsi M.,d RaMi Israel ans Skloro. Sie waren es, die den heißen Wunsch, der unerfüllt in der Seele des Gaon bis zu seinem Tode brannte, in lebendigeTat auf heiligem Boden umsetzen sollten. Ihre ersten Erfahrungen waren nicht erfreulicher und ermutigender als die ihrer heimischen Rivalen^ der Gk,astidim, die 25 Jahre früher das Experimeui in Palästina wagten. Experiment? Ur jüdischem Liebe und Willenskraft, für jüdischen Opfermut und Heldensinn gibt es keine Experimente, es gibt nur Entschlüsse, die, wenn nötig, über die eigenen Leichen der Ausführenden zur Ausführung gelangen. Mögen die Menschen erlahmen, zu Grunde gehen, die Idee bleibt, und Mißrß tDorößn fBmmßn und ißr Dienen ihr Rahmen und Körper geben, Boden und Gewand schaffen, der glühenden Flamme die. Kohle, und die Nahrung sichern, daß sie zum Segen für Volk und Land auflodert. Ist nicht bx-W' prr mitr mxa im Großen ein Gottesgebot, der vollen Selbstaufopferung Msrt. miß allß lllldßrßll lZßbotß Der Thora> von denen Sein und Nichtsein Israels abhängt? So dachten auch die Schüler des großen Gaon und Sachwalter seines Erbes und harrten aus. Sie ließen sich zunächst in Saf e d m Galiläa n^STl Sie ist fngmn Heimat gebastene finanzielle Basis reichte für Das AllernatwenDigste nicht aus. Nabbi Israel Sklower muß noch einmal zurück nach Litauen und Rußland, um durch *) Die ln »diesem Artikel zur Verwendung kommenden Daten sind dem nrrs von Rabbi Hirsch Sklower, zum Teile auch einem Aufsatze von Menasche Unget int MZilnaer „QBott“ entnommen. Gründung eines Kolels den ,,Jifchuw der Perufchim" in Safed zu sanieren und zu sichern. Es gelingt! Aber nun stellen sich die inneren, natürlichen Leiden, die wahren p» 'iiv' ein. Im Jahre 5572 grassiert eine Epidemie in der Gegend van §afcb, btc' - tren ffeinsn HischllM dezimiert. Viele entlaufsn den Gefahr, fliehen in die Wüste oder nach Jerusalem, das zwar auch nicht verschont, aber nicht in dem Maße betroffen war. (Siehe Einleitung zum Werke jnVipn nss von Rabbi Israel Sklower). Damals wurde der Grünstem zum neuen 3ifc()uw in ^eeUfäiM J4legt. Jerusalem wurde erbaut auf den Trümmern von Safed. In Jerusalem hatten die Aschkenasim unter einer schweren Schuldenlast zu leiden, einer Erblast im wörtlichen und traurigsten Sinne. Denn die Mohammedaner machten die Bewohner für die §chulilcn $rer Kier, fnlfjsrer SlnfitMfr( haftbar und trieben die hohen Summen unter behördlicher Genehmigung mit brutaler Härte ein. Als Rabbi Menachem Mendel und Rabbi Israel von Safed nach Jerusalem übersiedelten, fanden sie dort im Ganzen 20 aschkenasifche Juden, die in größter Armut und Bedrückung ein ^ummer/iches §«f?!n jrifUisn, bie gingen aber sofort an die Errichtung der Grundmauern, gründeten die Jeschiwah „Or Hachajim" und errichteten eine Synagoge, in der freilich, aus Angst vor den Mohammedanern, Nur leise und hinter geschlossenen Türen gebetet und gelernt werden konnte. Nach neuen Vorstößen der Schuldherren gelang es Den Beßren Mlstkilli kill NkgMtllMdekret zu bewirken, mit dem die jahrhundertealte Schuld der Aschkenasim annulliert wurde. Rabbi Menachem Mendel bleibt in Jerusalem, Rabbi Israel geht zurück nach Safed und nimmt neue unsägliche Leiden auf sich, Hunger, Krankheit und Gesllllgnis. Eine Regellslllt verwüstet mit Dielen anderen Häusern auch die WöhttUttg Näbbt Israels. Er wird wie durch ein Wunder gerettet. Nicht besser als in Safed erging es der Schwestergemeinde inIerusalem, der Rabbi Menachem Mendel Vorstand. Wohl hatte man bereits Synagoge und Qek>rk)aus, in denen man sich auch schon am hellen Tage anshallcn durste. Aber mehr denn einmal mußte man unter der Decke der Nacht die Thorarollen aus dem heiligen Hause hinaus anderswo in Sicherheit bringen, aus Angst vor Ueberfällen. Man trug all diese Leiden mit Geduld und Gottvertrauen und in der sicheren Erwartung besserer Zeiten. Man erzählt Wege zur Synagoge von einem Arader unter Todesdrohungen gezwungen ward, feinen, des Arabers, schweren Sack auf den schwachen Schultern zu tragen. Der Alte keuchte dahin und auf seinen Lippen zitterte ein Gebet: Mlufl *m I« ityfcapS pinn pin run .b«->V''p« „Ich bin bereit und willig, allen Schmerz des Golus und die Leiden von Erez Jisroel zu kragen." — Bis daß ein jüngerer Mann des Weges kam und ihm die Last abnahm. > Dök ®n\g «i* fßinßr Mmn Last auf dßm Rücken sollte uns heute Symbol sein. Aber auch der jüngere Mann, der ihm die Last abnimmt! . . Mählich wurden aber in den Golusländern der Sinn für Palästina und Jerusalem wach, die Liebe und die Bewunderung für die Märtyrer des altneuen Jifchuw gesteigert. Es bildeten sich Kvl«!!m. sWUtt GM mrtz such Msnf ch e n, welche einen wertvollen numerischen und geistigen Zuwachs für den „Jifchuw der Perufchim" in Jerusalem bedeuteten. Die Ansiedlung konnte ihre Arme ausbreiten, nach dem Zionsberg, wie nach dem armenischen Viertel hin. Miner dieser alten Höfe heißt heute noch ^■‘är.IDw Lchzchuns toDi griWr, hm mogener, bodenständiger, und die armenischen Nachbarn, selber fremd im Lande, suchten freundnachbarliche Beziehungen zu den Juden-zu erhalten. Im Jahre 5587, am 1. Adar, wurde die aschkenasische Kolonie in Jerusalem, just, da sie in?ill? ll?ll? Ph?s? Uu^bln^ens hraty t^res Oberhauptes beraubt. Rabbi Menachem Mend e I starb. Der Verlust schien unersetzlich, der aschkenasifche Jifchuw bedroht. Aber es schien nur so. Die Sache war nun stärker als die Menschen, das Werk, von einer unversiegbaren Volksktttst gksÜsiist?ll llllh getragen, überleb^ seine Begründer. Im Eommer 5387, also vor genau 100 Jahren, fuhren Sendboten aus Safed und Jerusalem in die Golusländer hinaus, und von da ab datiert der neue alte Äischuw in Jerusalem. Eine religiöse und philantropische Institution nach der anderen entstand, heute noch herrliche ^e.n^mäler Ü'eb^ u«& Ausharvungskraft und auch von den Männern des neuen Jifchuw, wie von Nichtjuden und Behör' den in ihrer überragenden Bedeutung voll anerkannt. Damals, vor hundert Jahren, wurde die heute noch als Stützpunkt des alten Jifchuw allbekannte Synagoge der Ehurba, ge-