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Der Israelit · 1927-07-14 · Heft 28 (14.7.1927) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 28 (14.7.1927)
Date
1927-07-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 27 Der Israelit 14 Juli 1827 Dann holt sich der Chacham eines von den alten Büchern und beginnt mittendrin unter lebhaften Körperbewegungen und in monotonem Sing[ang zu lernen. (Ir unD Dos ßidjfloin, (io gehören zusammen. Das ewige Licht für eine Minjangemeinde auf einer entfernten Insel . . . Bilder aus Jerusalem Von Mordechai Arvi-Schaul. 1. Reb Herschel wartet. Mein Freund Reb Herschel ist so arm, daß er mit Recht von seinen Nebenmenschen verlangen könnte: „Ernähret mich!" Aber wenn ihr Reb Herschel in den Straßen Jeruscholajims herumwandern seht — mit bleichem Gesicht und srtternben fänden, mit stierenden Eueren und serjtauftern Bunt - mit « Da und bDn'ife'i»Ä'Ät uns mit K übergehenden spricht, ruhig, ja sogar mit einem Lächeln auf den Lippen, dann glaubt nur nicht, daß Reb Herschel nichts gegessen hat; wenn sein Körper schreit: „Bösewicht, warum sorgst du nicht für mich, warum bemühst du dich nicht, mir ein elendes Stückchen Brot und einen Schluck Zisternen-Wasser zu verschaffen." — gerade in solchen Zeilen iTt 3Uö MM am sMMM. MM Mi solch öittör schweren Prüfung denkt er über alle Wohltaten nach, die ihm Gott erwiesen. Reb Herschel steht an der Straßenecke. Er schaut nach rechts und links und betrachtet aufmerksam alle Vorübergehenden. Er rezitiert dabei bestimmte Verse aus Daniel und Jefchajah und — wartet. Wenn man nun naDcrrrm unD W fraßt: J lieber Freund, warum und auf wen wartest du denn hier?" — dann antwortet er mit dem selbstverständlichsten Tone: „Auf die Geulah warte ich!" „Ja, warum denn gerade hier?" „Ja, warum denn gerade nicht hier? Warum denn gerade an einem anderen Orte? Kannst du dir denn nicht »o-r.ft eitert, fe-ajj SOtofct^iac^ perabe biejert 2B-eg Eon Sieh z. V. diesen Juden an, der von dem Judenoierte! her auf uns zukommt. Kann es denn nicht fein, daß dieser Mann Moschiach ist? Oder dieser Jude. Er trägt schöne, reine, europäische Kleider und 'einen schönen, glatten Hut. Kann er deshalb nicht Moschiach sein? Oder dieser Schuster, der von Sübsrr fommt urtb txodj nicht einmal ^ebräifcf) oer|t«f)t. $«nn flirrt ern Rundri tun, daß der Schuster seinen Mund öffnet und in der heiligen Sprache der Propheten die Erlösung verkündet? Oder ist denn vor Gott irgend etwas unmöglich — kann nicht vielleicht dieser Schuster einer von den „Sechsunddreißig" sein? Oder sogar du und ich — wir gewöhnlichen, sünd haften ÜJienfcfyett - können mir nicht für diese <jrojj< Senkung befähigt merken, weTVff nur tiU hsiliMr danke, ein Tauchbad uns von unseren Sünden reinigt, uns von unseren unreinen Gedanken befreit! So, jetzt weißt du es, warum ich hier stehe und warum und auf wen ich hier warte!" Und wirklich, Reb Herschel wartet auf die Geulah mit verzehrender Sehnsucht, aber auch mit unendlicher Geduld. §ggk gk^en vorüber, a(?er Äeb Berschel ermüdet und ermattet nicht. Er steht und wartet und schaut. — Manchmal setzt sich Reb Herschel auch in eines der Lehrhäuser und lernt mit Begeisterung und Andacht, mit klangerfüllter, freudvoller Stimme und wartet dort beim Talmudstudium auf den Moschiach. wartet dort mit affin ffafim Wm ©eins. Manchmal verbirgt sich Neb Herschel auch in einer der Synagogen unter einem der Pulte, bis alle Beter gegangen und die Türen geschlossen sind. Dann in später Nachtstunde, wenn keiner mehr vorübergeht, zündet er eine Kerze an und „macht" Chazoth. Und in diese Klagelieder legt er seine ganze Seele, ergießt er sein ganzes Herz. Sein Gesang dringt durch die Nacht, daß tn* Umwohnenden beim Klangs Pff WWWkü iDirD m NllMtch Dernommeir erwachen unD gtouDen, ein Bath-Kolertönt vom Himmel, klagt über den Churban und erzählt von der Geulah, die sicher kommen wird. Manchmal aber auch kommt es vor, daß Reb Herschel an einer Seudath-Mizwoh teilnimmt, und dann ist er am witzigsten und fröhlichsten, gerade als gebe es auf der ganzen Welt keine andere Pflicht, als sich auf den morgigen Tag;)u freuen, art bern ber JNchchiach Sommert gnng sich?r,?hn? Zivkifkl. 2. Das „große" Moischele. Um bei meinen freundlichen Lesern keine Jrrtümer aufkommen zu lassen, möchte ich bekennen, daß das große Moischele drei Jahre alt ist. Und trotzdem ist es „groß". Erstens: Er ist eine Spanne breit und eine Elle hoch. ^meitens: Gär beptjt eine 2lrb«-K«Uf0th, hfsffff Zl^lch in nllk?ikf HimmklsrichtunMN flicgcilr Dkittsnsr Moischele ist ein vollkommen selbständiger Hausherr, mindestens von morgens bis abends. Viertens: Moischele — na, ich habe doch nicht zuviel gesagt: Moischele ist groß. Und nun sollt ihr die Familienverhältnisse des „gro ßen" Moischele kennen lernen: Moischeles Mutter verkauft, güte Kuchen. Am Morgen gibt jie ihrem Sohne fi fffSftf! ünö fein Arbll-Kanfolh angozogsn hat — einen Kuchen und eine Tasse Tee. Dann geht sie von zu Hause fort und überläßt Moischele sich selbst. Sie geht von Haus zu Haus, von Familie zu Familie. Es gibt keinen Hof in der ganzen heiligen Stadt, dessen Bewohner nicht Channah, Moischeles Mutter, kennen Sie bietet ihre Ku^en «IT, UM UlHIM MkM, zehnmal, bis es ihr eamuy — zum elften Mals — gelingt, eine Kleinigkeit für ein paar Pfennige zu verkaufen. Und diese paar Pfennige müssen für die Morgen- und Abendmahlzeiten, sowie für die Schabbosbedürfnisfe ausreichen. ÜJ ist WstMkstänWH. MsiftzHe nliji untätig sitzt, es versteh r sich von selbst, daß auch er nicht zu Hause bleibt. Sofort, nachdem die Mutter an ihre Arbeit gegangen ist, verläßt auch Moischele das kleine Stübchen. Meint ihr nun, daß Moischele in den Straßen Jerucholajims herumspielt? Da irrt ihr euch. Moischele ist eirr emjter Motrn, bet sich siW stfil s8Wü MWgr keilen nbglbt. Moischele geht ins Beth-Hamidrosch. Er setzt sich in eine Ecke, sitzt und sitzt und betrachtet die Leute, die gerade zu dieser Zeit Schacharith beten. Cr betrachtet ihre Bewegungen, ihren Gesichtsausdruck, ihr Schaukeln, er schaut und schaut und rührt sich nicht von seinem Platze. Dann legt er die Hand an die Ohrmuschel und lauscht auf Mo (stimme bei BotsM». auf TM %as Gemurmel, das Lesen. Moischele sitzt und horcht mit Ernst, und die Bewegungen und die Töne graben sich tief in seine Seele ein. Wenn die Betenden das Beth-Hamidrosch verlassen, dann — geht Moischele noch immer nicht fort. Er weiß, daß jetzt der Schiur beginnt. Nach Ablauf einiger Minuten erscheinen die Jeschiwah-Leute. Sie nehmen die schrnereu (Nemorath non ben Regalen - Moiskh^s^ fßjßffi aufmerksam ult ihrem Tun zu — öffnen die Bücher und beginnen in ihren verschiedenen Melodien zu lernen, jeder einzelne in seinem Nigun, bis alle die Melodien sich zu einem großen Chore vereinigen voll Liebe, Vertrauen, Hingabe, Harmonie und von allen erdenklichen Schönheiten der Erde. lind Moischele siht noch immer an feinem Plage, in smngk HHiUMjM (Eäi. Moischele lrlnkl rnst «8 die Melodien. Er kannsich nicht satt hören, immer mehr und mehr und noch mehr. Und das „große" Moischele vergißt ganz, daß es auch eine Straße gibt, eine Mutter, Kinder und Spiele. Moischele ist ein sehr ernster Mann, und Moischele gehört ins Beth-Hamidrosch wie dis Jsschiwah-Qsute. ÖOF Okaun-HsßglMch imä fc? Rösch 3esch!m«ch. All diese Dinge imi> alle Männer, die hier eins werden im heiligen Dienste des Einzigen, vergessen es vollständig, daß das „große" Moischele — nur drei Jahre zählt und nur eine Spanne breit und eine Elle hoch ist. U4 wenn Iw in lie §(>4ai)?Strum oder in eine ihrer Seitengäßchen kommst und du sieht dort einen klei nen Jüngling mit Zizith und langen Peoth, nackten Füßen, zerrissenen Hosen und einer kleinen, schwarzen Sammetkappe auf dem Kopfe, der auf einem Steinhaufen teht und sich bewegt und schüttelt und singend „dawnet", dann sollst du wissen, daß das „große" Moischele vor btt stei^r. Msischsls „dLÄttöl" ödet „fetrtl" ständig; g» Haufe, im Hof, auf der Straße, im Laden des lahmen Leib — der ihm manchmal ein Stückchen Brot und einen Hering gibt, zuweilen sogar ein Butterbrot — kurz, an jedem Orte, wo man Moischele trifft, steht er da und dawnet", oder steht er da und „lernt". Briefkasten. I. H. rir. in 3t. Eingegangen und dem Zwecke 3üge- ®. E. in 311. Vesten Dank für Ihre Mitteilung, die sich ungefähr mit dem deckt, was jüngsthin in einer Schilderung des jüdischen Lebens in einer Badekleingemeinde zu lesen war. Der sachliche Teil Ihres Schreibens findet Ausnahme. IR. H., Stockholm. Betrag eingegangen und dem angegiebeiren Zweck Angeführt. Und am Abend, wenn seine Mutter von ihrer schweren Arbeit nach Hause kommt, dann erwartet sie das „große" Moischele schon in dem kleinen, dunklen Zimmer. Er eilt ihr entgegen, umarmt und küßt sie und erzählt ihr voll Freude: „Ach wie schön war der Tag heute, wie angenehm! Wie habe ich gebetet, wieviel Gemoroh habe i® QtMntr Unb wenn ihn seine Mutter nach dem Essen schlafen legt und mit ihm das Nachtgebet spricht, dann probiert Moischele an dieser kurzen Tefilloh all die Melodien, die er heute im Beth-Hamidrosch gehört hat. Und seine schwache, müde Mutter seufzt aus tiefstem Mutterglücke: „Es gibt keinen mehr, der so schön singt und so iofiliifi MM fflie MW MoifMi. MM mir öer All. MöchtiKö kös Sechus feinet Tefilloh belstehen!^ (Autorisierte Ueberfetzung aus dem Hebräischen von Rachel Freund.) Verlchtlgung. Man schreibt uns: In dem diesjährigen Hermonkalender finden sich einige Druckfehler, welche eine Berichtigung erheischen.. Bei der Zeitangabe von Sabbatbeginn und Sabbatausgang der Monate . p'D und nvn ferner in den Monaten 2rr — in letzteren Monaten ist diese Ver- KIAlüM 8!kl MüörlitOcr Mm Mi Mm MkwechseU, also z. V. »»L 9 W 7 50 ,Ksra usw. Ferner wird bemerkt: Beginn des Fastens am rwfu ivs nsias? 4 Uhr 20 Minuten; dies kann absolut nicht stimmen und führt zu Jrrtümern, da um diese Zeit bereits Tag ist. Sollte es vielleicht 2.40 sein? Dies -poni>! I. S—b. HoteltNeflanranl Fechenbach. Bad Mergentheim ist nicht, wie irrtümlich vermerkt, bis zum 13. Juni geöffnet, sondern das ganze Jahr. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser E. V., Hamburg. Ainderecke. '2 NvV' mss ^2 •irntn |n« ■»2^0 nn Ton DS .i*?5 vi' •»j-imtn riionn 712hn DS ’ya *72 ♦Tiy nsnn mb Nathan Papvenheinr. JULIUS SCHMIDT ANNONCEN - ANNAHME zu 8rig(nalpre!sen Frankfurt am Main Langestrasse 7 Telefon Hansa 4641 steclieelc-Konlo Franieiurlmaln 14^ JU Einzige Inserafen-Annahme für Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAELIT« Annahme Yen Inseraion für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter ♦ JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen i Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Mären oder lottrige 3(nga(c«i ceHglonsgefe^litiyen <£<jarafter* auf «crantworutaj röt Den aUgemetnen vmo v«S 3. Schachnorortz, Frankfurt _ a. M.; Inserate 1.B.: SiSchach» aowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer Ü- Kaufmann 1« Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag »Israelit", D.m.b.H., Frankfurt n.M. — Druck Sermon Verlags« ittet -- “ Aktiengesellschaft» Frankfurt a. M.

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