Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1927)
- Date
- 1927-07-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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k und b rzie? 9000» zum jüdischer Kehrer Deutschlands Die neueste Methode im hebräifchenAnkerricht. Von Oberrabbiner Dr. Larlebach in Altona. (Vorbemerkung der Schriftleitung.) Unfae ßefer merben sich einer in unserem Blatte UM MM Titßl MUMM Notiz LiiMM, m MWr auf einen in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" erschienenen Artikel des Herrn Kollegen Wallach-Aachen aufmerksam gemacht wurde. Herr Wallach hatte darin das Problem der Methode des hebräischen Unterrichtes auf die einfachste und verblüffendste Art dadurch zu lösen unternommen, dah er für völlige Abschaffung des hebräischen Sprachunterrichtes in die Schanzen trat. Die Wlllim WillA W iin iiift m gBttsifiiinp^?n Funktionäre überlassen, die sie, ähnlich wie die Messe der katholischen Kirche, erklingen lassen sollen, aber ihre Erlernung sei nicht mehr Sache des jüdischen Publikums, der jüdischen Kinderwelt. Nachdem die die Wallach'fche Methode beurteilende Notiz in unserem Blatte «erschienen war, sandte uns Herr Wallach ein ziemlich umfangreiches Manuskript zu, in dem er sich über feine religiös sehr liberale Weltanschauung und die sich hieraus ergebende Stslluns zum hebräischen Sprachunterricht ausliest, mit Imx WW, 8ii »Mt in uiifran MM ju fmnpii oder wenigstens die Kollegen unsrer Gesinnung mit sei- W Rn Wart p ip » UM «s »Wlä Mhnen, unser den Interessen des gejetzertreuen sums und der gesetzestreuen jüdischen Lehrerschaft dienendes Blatt für einen Propaganda-Artikel für das liberaile Judentum zur Verfügung zu stellen, glauben DM KallkW jCDötf) DdDurtf) kWWMMNM fff f?™en[ daß wir Herrn Oberrabbiner Dr. Carlebüch-Altona das Wort zur Beurteilung der Wallach'fchen Ideen geben. Aus Gründen des Raummangels konnte die uns schon seit einigen Monaten MliWnde WÄ des hökkk! Dl. Carlebach erst in der heutigen Nummer unseres Blattes gebracht werden. K. Ms Darlegungen des Herrn Lehrer Wallach verdienen sm EiMßouna Ml. Es WU ißnon Wlkl mit sr weisen, wenn märt stz eirtSk öMslM Anmorl wllMgen wollte. Es kommt einem vor, als wenn Herr Wallach die Reform entdeckt zu haben glaubt und die holdselige Naivität ihrer Sturm- und Drangjahre sich zu eigen gemacht hat, als wenn die letzten 150 Jahre jüdischer Geschichte, jüdischer Kämpfe, schweren Ringens um die Grundfragen des Judentums nicht hinter uns «lägen. Man traut seinen Augen kaum, wenn ein jüdischer Lehrer in foi«ä> Unftnn seine Darlegungen ausklingen l'd^L ßclft WWW SkMlW Wllllk WlüüWZ.' o leuchte auch uns!" Wer den Geist des Propheten und die Sonne Spinozas in einem Atemzug beschwören kann, hat weder von dem einen noch von dem anderen eine Ahnung, dem ist die Religion wie die Philosophie ein Buch mit sieben Siegeln. Auf dem Niveau dieses Schlußsatzes, bewegen sich die ganzen Ausführungen. Oberste These: wir Juden besitzen imm QonütwmtMj tjem itm? gffT^T €kmberstellung' unö EigMlM. Wie allei LMruMmus lsugMt Wallach jede Differenzierung in der Lebens- und Geisteshaltung der Religionen. Alles muß über einen Kamm geschoren werden. Wenn also der selige Comenius die lateinische Gebetssprache bekämpft, die für das christlich deutsche Kind keine Heiligkeit, keine Borrangsstellung besitzt und. das Gebet irr bsr Mllttsrsprachö verlangt, so muß selbstverstünU!-h ««4 Lxi MschL KM WM UÄIM Ml Ws räischm Sprache befreit werden. Nur das deutsche Gebet für die Gemeinde! Der Jrrtum geht auf die Verkennung des ganzen Wesens unf«er«er Erz«iehung zurück. Als lernte das Kind hebräisch nur, um beten zu können! Wir «lernen hebräisch, damit wir in die Lehre Gottes, «eindringen können, weil wir einen Gegensatz zurtslberi 5Xvct&£>iri'eTi urtb öcttert rtur im © r ob« , tm 11 Mffl H g V t S j c U ö aier sc-rrsl mclpL -ccrr-erlö??!?!!?, ÜBElf b ö A ft e Aufgabe und Pflicht das Stn - m diu Ul dkl £r () 9 Vfi , Wrin ssdersdßschäst soll ßÄ Tag und bei Nacht. Bet richtigem Unterricht sängt mit der ersten Chumischstunde das Forschen, das Suchen, das Fragen, das Entdecken an, ist jedes Wort der heiligen Schrift Quelle der Belehrung und Erhebung. Aufhören mit dem Hebräischen heißt: Proklamierung des Amhaareztums, der Unrotf fen^ett, b « r r eit g tö }«« Derftändntstb-ftgttU als 8li Wesen der jüdischen Masse. Die Sprache wird oog Herrn Wallach natürlich genau so äußerlich behandelt wie von allen seines Schlages; als wäre sie gleichgültig, als hätte sie nicht an und für sich schon gemütbildende, erziehende Kraft. Daß er damit , sich in Gegensatz zu Comenius, in Gegensatz zu allst- Gsrftss tu i ffertf ifyaft stellt, ist dem Herrn völlig Wir» Ms fflipw, W W.Esiiachk nichts Gleichgültiges, daß sie Geist ist wie ihr Inhalt, daß sie nur Körper gewordener, mitteilbarer Geist ist. Wir können also das Hebräische nicht missen, weil ohne es kein Verstehen des Judentums. kein Einlesen «in die Seele unserer Religionsgemeinschaft möglich ist. Aus genau demselben Grunde, aus dem Comenius die Muttersprache forderte, weil in ihr die Menschenbildung des beilifcfyerc ®mbes sich »ollerthet, feilt sigisnsiändiaes, schöpferisches Genien un!> Empjm^en öüÄN fiUSÜfyiMjtilt Ift, aus eben demselben Grunde müssen wir unsrem jüdischen M Waich im Sich to PWen sen, weil sonst seine jüdische Seele verkümmert, weil es sonst immer ein Fremder bleibt in seiner Religion, in seiner geschichtlichen Position. Di«e Frage kann für uns nfemals fein, o b SS die heilige Sprache lernen solle, sondern mir «im [iß Nnt, mW mir m ifim mmm können, in sie Eingang zu finden. Daß diese Erlernung Schwierigkeiten, Mühe bereitet, Opfer an Zeit und Kraft Mt, null, dos «ist für UNS nichts anderes, wie dah alle Ideale, alle jüdische Wesensäuberung mit Qjjfwtt, tttii Hingabe, mit Verzicht und seelischer Leistungswilligkeit erfolgen muß. Ohne Mühe kein Preis, ohne Opfer f-eirr S u b«n i.ix m l Glvabe baß bis Gottsslshre nicht .crL^l IS!?!?, MHk 888 Wüst M Mflllll. daß sie erarbeitet, mühevoll errungen werden trtllß gkadö das erfahren unsre jüdischen Kinder durch das Ringen um die hebräische Sprache. Wir stehen hier vor dem alten Satz: Liberales Judentum soll heißen: bequemes Judentum. Ein bequemes Judentum gibt es aber nicht, soll es und darf es nicht geben. Herrn Wallachs edle Bestrebungen in dieser Richtung haben verzweifelte Aehnlichkeit mit den Versuchen um die Quaörtrtrrr bes •JJirfets urtb bie Gcrtibecfurtg bes Perpetuum mobile. Es soll abrr j« noch istur-rsu ßfS trotz aller Wissenschaften sich noch immer um diese Probleme bemühen. Dieses Verlangen nach Abschaffung des Hebräischen ist kein Ausfluß einer ethischen Weltanschauung, ist ein Streben, d«en Opferwillen d«es Judenzu brechen, sein geistiges Ringen um die Lehre bes Dubeuturns als übsrflüffig hiinznftelf Pedsude!!>etneril: Mas -ÖißÜ SEBÄIllflfSj sich ßlltzosft. daß deutsche Gebete stets von ÄndaM und« vollem Bet'- ständnis begleitet werden, ist ein zweiter psychologisch bezeichnender Irrtum. Sind die Gebete tief, in Form und Inhalt wertvoll, dann erschließen sie sich nicht der Oberflächlichkeit, dann bedürfen auch sie der Vorbereitung und steten Einfühlung, um verstanden und ergriffen zu werden. Es gibt ja auch herrliche Gebetsworte in deut- Tffirr fWflffrP* s eiperlic&e Arbeit gel,ötrl dazu, sie dm Schülern m ihrem Gehalt verftänbsich gu machen! Ich habe einmal in einer Berliner „konservativen" Synagoge einen Gesang gehört, dessen Anfangsworte mir noch in Erinnerung sind: Zwischen Zeit und Ewigkeit hast du uns hingestellet. Wieviel Menschen verstehen den Sinn dieser Worte! Wie wenige verstehen den Psalter und den Jesajas deutsch! Hohe Gedanken in erhabener Sprache werden sich nie Biß ein Miner TlWMtl Mn KMi Das reizendste und entzückendste, was Herr Wallach W MM, ist m InkmiMußM. M Das MMM nichl abgeschastt werden, sondern ein „Neservät" der Kultusbeamten werden soll. Wie der katholische Priester allein das Lateinische versteht und spricht, so soll der „Funktionär" allein den hebräischen Teil der „Liturgie" zu sprechen haben. Es ist ja rührend, daß ein jüdischer Lehrer grade in die Schule der Katholiken geht! Er wünscht sich auch für das Judentum einen Martin Luther! Nächjtm MMW nach noch mm KmiNius unD äWstW mehr! Wir wünschen uns «einen jüdischen Lehrer aus der Schule Mosche Rabbenus, der Neviim der Tanaim und Amaraim. Aber geehrter Herr Wallach, das möchten Sie wohl, daß Sie so wie eine Pythia Hrlige Zauberformeln murmeln und ihr Publikum diesen Merseburger Zaubersprüchen lauscht wie einer mystischen Himmelsbeschwörung. Dann weiß der Herr Kantor doch MNWWSi «SW ff WMW in öer ***** *« ist, daß die Gemeinde ohne ihn nicht fertig werden kann, da nur er das Schloß zur Höhle Taxa öffnen kann. Dann kann wirklich solch „Unfug" nicht mehr Vorkommen, daß ein Barmizwahknabe sich einen Talis umhängt und vorbetet. Wir erkennen in dem „Reservat" — welch herrliches Wort! — nur «ein Bekenntnis der pädagogischen Unfähigkeit, wirklich Seelen für das Judentum und seine ru gervinnsn. di« Jugend jum Wissen j u m Um zu «W» unö m zii machen bei Alt und Jung. Denn wenn es auch wahr ist, W ß mser U Bckn scher pp $ genüber dem Hebräischen durchmacht unb man aus ben Krücken der Uebersetzungen sie zum Gottesbuche leiten mußte, so geschah das immer nur, um sie zurückzuf ähren, um die Herzen zu gewinnen und bereit zu machen, in Das PiliR BrlBtnol llMkk MgLMngMr Im Uebergangsstadium ist solches Mittel durchaus legitim und berechtigt. Es wäre auch gar nichts dagegen zu 'lltzen, wenn ein jüdischer Lehrer den Wochenabschnitt .M«er Eemelnde und «der Jugend überlebe und brütete, alles ihnen verständlich machte „in der Sprache, in der sie es verstehen". Jeder Prediger tut es, jeder Lehrer, jsdsr Bibsllsrklärsr und Ueberseher der Gegenwart. Als fflifD ßß DßiitDM -msnnanibnsmrns •a» Shirts netto b^# Wo ist in der Thora ein Targum vorgesehen? Indem es heißt: es gebe Weite und Verbreitung Gott dem Japhet, daß auch er wohnen kann in den Zelten Sems. (Jalkut.) Aber alles das geschieht,'um zum Hebräischen hinzuführen, nicht wie Wallach es will, um die hebräische Sprache in unserer Mitte zum Verschwinden zu bringen. Wie arm sind wir geworden, bafe QeI>rer sich zu Sfnroätien her llnrrussenheit. zn Feiner HMgöÜ LMp PWSßN, Dag IllDiW Mltl es als Vergeudung von Zeit und Kraft bezeichnen, das Wort der Bibel zu «erlernen und zu lehren! Da gefällt mir der jüdische Handelsmann doch noch «bester, der im festen Glauben an den heiligen Gehalt der Gebete sie unverstanden spricht, als der Lehrer, der aus Bequemlichkeit den heiligen Gehalt der Gebete seinen Kindern vorenthalten und sich nicht die Mühe bereiten will, mit wsttzill UND Kunst \\m gu eridpeferi u»d ihk Mrstonvnis ihnen zu eimöWlycn. Solche Leh' rer werden nicht — wie der Naivikus Wallach sich «etnredet — eine Wiedergeburt des Judentums bewirken — diese ist nur durch Erweckung der Opferwilligkeit, des emdringenden Studiums möglich — solche Lehrer sind Totengräber unsrer «lebendigen ewig jugendfrischen Lehre und Sprache. - Aber bas Gesetz ber „ C n. t w t tf 1 U n Q " . ist das berste sesttz, Un ulUl U«Ä8?fM jstl" Zll, Wlst Mtt kennen dieses Gesetz, «aber für den Menschen nur als ein sittliches, als eine hohe Pflicht, sich zu immer höherer Stufe der Wissens, der Leistung und der Selbstlosigkeit emporzuarbeiten, für ein Volk und eine Gemeinschaft nur als die Pflicht, immer weitere Kreise auf eine höhere Stufe des geisttgen und moralischen Lebens emporzuheben. Während die Kultur immer tiefer in die Masten brin^tj alte Cgirtgefn ert gu ootterem CErfuffe« tt}reg Polks-