Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1927)
- Date
- 1927-06-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Butter Rosenzweig Verdeutschung der biblischen Bücher. Von Martin Lohen in Altona. IIjüm MM Xitel DeöanDtite tir Tis, 4 Beilage zum „Israelit" vom 7. April 1927 („Der jüdische Volksfreund"), ein sich nicht nennender Autor kritisch die neue Verdeutschung der Bibel von Buber und Rosenzweig. Der Anonymus kommt in seiner Rezension zu dem Ergebnis: „Die Verfasser bieten uns die Bibel der Kritik, wir rufen: Tauras Mauscheh Emes!" Der Kriti- Uv hat an ßimor NMe non MWlkttn M§ der Uebersetzung dietrabllionsfeindUche Haltung der Uebersetzer aufzuzeigen versucht. Diese Beispiele zerfallen in zwei Gruppen, erstens in die Gruppe von — nach Ansicht des Kritikers —- geschmacklichen Verirrungen und zweitens in die Gruppe Zer LbstchtlrchW MIß!, Die nar unD misMM die kritische Einstellung der Uebersetzer zur Bibel beweisen. Mit der ersten Gruppe will ich mich nicht befassen, sie vielleicht nur gelegentlich streifen, da ein Streiten über Geschmack nutzlos wäre. Die zweite Gruppe will ich jedoch genau und nach ihrer Reihenfolge behandeln. Der Kritiker wählt als erstes ein Beispiel aus Gen. n, 4. Die Ueberjeijer haben durch Anordnung des Satzbildes in ihrer Uebersetzung!n bem Tatze 8DW HWllH tünann eine Trennung vollzogen und den zweiten Teil dieses Satzes von M'3 an als Unterschrift für den vorhergehenden Text gesetzt. Der anonyme Kritiker legt den Uebersetzern nun das Bekenntnis zu einer sogenannten „Urkunden- Hypothese" unter, und bezweifelt, daß sich im Pentateuch sine Parallele dazu findet, daß eine sprach?, j?{? kvvrZrnrertz siist ttü 7. SSßM ößß Kll? pitels den Hauptsatz zu einem Vordersatz im 4. Vers folgen läßt. Solche Parallele wird aber entschieden geboten durch Ex. XIX, iß—20, wo die Offenbarungsgeschichte am Sinai in vier Sätzen e i n g e l e i t e t wird. Wenn, man suchen man sicher mehrere Parallelen finden. Daß eine Teilung der Sätzein der Artz wie sie die Uebersetzer vornahmen, der Tradition widerspreche, ist mir darum unverständlich, weil die Möglichkeit von s'3iQv ■pttnn ein Hinaufbeziehen des Vordersatzes nach oben durchaus zuläßt. Hätte hingegen der Uebersetzer die Trennung nicht beim rrnnuin gemacht, bei dem trennenden Tonzeichen der Ueborliessrung, dann könnte vielmchi sin Bedenken anfluuchen, Aösr tarn!st nicht so. Und ebenso wie hier sind die Uebersetzer der Tradition gefolgt, wenn sie das verschwiegene n von DS-arrn dadurch wieder in Erscheinung treten lassen, daß sie dieses Wort substantivisch wiedergeben: ihr Erschaffensein anftatt: als sie MMssen wuMn, Alsr ist erste Beispiel des MMksrs nicht gv, eignet, die Uebersetzer in den Augen der Gesetzestreuen a/s traditionsferndlich hinzustöllM. Das zweite Beispiel ist der schwere Vers 10 aus Gen. 49: nh'VBI'^Mvas die Uebersetzer wiedergeben durch: bis erscheint, dem es zukommt. Weil zufällig Kautzsch u. a. ebenso übersetzen, sollen die Uebersetzer dasselbe gemeint haben wie K. Wie roäre es, rvenn dis Uebersetzer an eine Stelle aus! dem Tulmub- Junhsbrmi 99ageZüchj wo!nb'^ als Name des Messias gedeutet wird? Das -Wort wird nun im ganzen Tenach anders geschrieben als in diesem Vers. Ueberall steht dieses Wort als dann noch einige Male und dreimal steht sogar Also hat es nichts zu bedeuten, wofür die Uebersetzer sich entscheiden. Und rvenn ihre Uebersetzung, sich mit der Auffassung der dann ZÜ2st^ rnsn oan unsrem Standpunkte nichts dagegen einwenden. Das dritte Beispiel ist Gen. 49, Vers 21 ->SV snm Hier wird mvu mit Lämmer übersetzt, obgleich kein Dagesch darin steht. Auch das kann durch eine Talmudstelle in Sota 13ll, gestützt werdenwo b«s V« erst das Wort nsw in isv verwandeln muß, damit man eindeutig als W o r t e lese. Das letzte Beispiel: Gen. 49 Vers 26. 'Tin nm wird übersetzt: Segnungen der uralten Berge. Weil Kautzsch nach der Septuaginta so übersetzt hat, darum ist es ein Unrecht, ebenso zu übersetzen. Der anonyme Kritiker vergißt aber 1., daß die licDtriefjgr sich nicht i?i^fertig für eitüas en4schieden, hüben, sondern selbst den Rhythmus'des Verses opfern, den sie sonst peinlich genau wiederzugeben bemüht sind, um beide Auffassungen von mn zum Ausdruck zu bringen, durch uralte Berge und 2. hat der anonyme Kritiker den Raschbam zur Stelle nicht gesehen. Zusammenfassend Mächte ich anschließen; Vor äUm sind ss zwei wichtige Momente, deren Erkenntnis Voraussetzung für die Erfassung der neuen Uebersetzung ist. 1. Die Bibelübersetzung will nicht gelesen, sondern gesprochen werden. Mikro-Schrift bedeutet in der Ursprache Lesen und Nuf?n zugleich . Dis Usbsvsstzsv habßn öißfor Tatsache Rechnung getragen, indem sie den Rhythmus des Metrums anglichen an die Interpunktion der masoretischen Tonzeichen, die Worte auswählten nach den Klanggesetzen ihrer Vokale. Die Buber-Rosenzweigsche Bibel ist sprechbar, eine Photographie der Bibelursprache. Nur dazu dient die sorgfältige Formung des Ausdrucks, die Verätzung ätusv ZMHß, M nicht alltäglich, afigr dem wirklichen Leben, dem öeben des Denlens entliehen ist. Nicht Feierlichkeit, nicht Romantik, sondern ein gewaltiges Ringen um Form und Sinn. 2. Das Ringen ist siegreich, denn überall wird der Sinn getroffen, der durch die Tradition begründet und ^eftgelegt rvurde. Talmud und Midrasch sind dir Äacllrn für die glüiUstz^u Q?- sungen, die oft nur in einem einzigen Buchstaben ihren Ausdruck finden. Durch nicht «bguschätz?nde Geistesarbeit sind die Uebersetzer in den Sinn des Bibelwortes eingedrungen, nicht um der Form willen, nicht um der Aesthetik willen, sondern nur, um den wahren Sinn der Thora zu verdeutschen. Der wahre Sinn der Thora liegt in der Uebersetzung „Braus Gottes allüber den Sßaffßrn." Denn in Chagiga 12a gtchli Mw %r hudll im Namen Naws zehn Dinge aus, die am ersten der Schöpfungstage geschaffen wurden: Schomajim woorez, aur wechauschech, .uach umajitn usw., also lauter physische Begriffe. Man kann nur lesen Wind und Wasser, nicht Geist und Wasser. Warum soll der Geist Gottes nur über den Wassern sein? Diese Uebersetzung, non Lnthßr stammend, Mi im MMMuch mit der talmübischen Duelle und ist nicht sinngemäß, wenn wir auch an sie gewöhnt sind. Wenn die Uebersetzer anstatt Wi^d Braus setzen wegen der Alliteration Braus -4brütend wie ruach — merachefes, so wird diese Lösung außer dem Sinn such nach Der Farm MM. Erwlchm sei nach die Bemerkung des iben E s r a zur Stelle: Der Wind Gottes steht als Bote in seinem Dienst, um das Wasser auszutrocknen. Ein weiteres Beispiel für die Verläßlichkeit der Arbeit ist auch: hamolauch timlauch olenu im moschaul timschaul bonu. Schon Targum Onkelos bemerkt den Unterschied zwischen dem eingesetzten König und dem Usurpator. Siehe auch Ressino leger und iben Esra zur §1e/le. ffieirn nun übersetzt tlllüZl „WkikI wärst du wohl gern bei uns, du König oder Walter du, über uns Walter?" so sind die Uebersetzer dem Targum Onkelos nicht nur gefolgt, sondern übertrafen ihn sogar, da sie mit einem Worte dasselbe ausdrücken, wozu er eine Umschreibung benötigt. Und so ließen sich die Beispiele beliebig vermehren. Die Besprechung der im ^eschurun 100, naw Rlßichrode bezeugt, daß dieser Mann, der keinen Grund sah, feinen Namen zu verschweigen, mit Liebe und Verständnis das grandiose Werk, das hier im Werden ist, zu würdigen verstand. Es wundert mich nicht, daß dem Anonymus ^ikfk Tricks utchs srnßt. ^-^er jeder vorurteilslose Mensch wird anerkennen, daß überall aus der Uebersetzung der wahre Sinn des Vibelwortes spricht, in einem Deutsch, das die Uebersetzer selbst als das edelste unserer Tage bezeichnen. Es scheint eine sehr glückliche Fügung, daß Buber und Rosenzweig sich fanden, um gemeinsam ein Werk zu beginnen, dem die Geschichte des deutschen Judentums unferer TaHe nichts an die Seite AU stellen ylll. Hoffentlich sühn dcr ZLgru btf wntnnffr lichen Arbeit zu ihrer Vollendung.