Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1927)
- Date
- 1927-06-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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WWr^TTY' Aua Wie f f «ntf JLßlie {Illustrierte Beilage zum„tlsraelif \ e.dXq Die „große Abrechnung". Ein bißchen Schrvuauslernen. Don S. —tz. Auch viele MMagdim waren meseZ Layr am Schrvuausfefte bei Rabbi Rachman itt Vrazläw. Es war verlautbart worden, daß sich dieses Mal der Rebbe um die Mitternachtsstunde, dem starken Drängen der Freunde nachgebend, einmal deutlich über die Gegner, die Misnagdim und ihre Rabbiner, die chafsidifche Art ablehnen und ihre bösen Spässe darüber machen, aussprechen wird. Man wollte doch hören, was aus dem heiligst., ÜJitttt'be, bei? über diese Dinge stets geschwiegen und alle Anfeindungen ruhig hinnahm, kommen werden Ließe sich der heilige Mann '-Zu einem harten Worte, einer Verwünschung Hinreißen, dann wehe den Misnagdlm wtf Mrn \m tendünkel verblendeten Führern, so sagten die Chassidim, halb ängstlich, halb schadenfroh über die bevorstehende Abrechnung. Die Misnagdim 'lachten — und fürchteten ein wenig. Es kam die geheimnisvolle Nacht. Die Tafel hatte lange gedauert. Dann begann das .Schwuauslernen weiten- Veshamedrsfch^ In S>em ml1*- roerttge- Lichter geisterten. Der Rabbi saß in Weiß gehüllt, in engelhafter Reine und Erhabenheit, den. breiten, goldgestickten Gurt um den Leib, den riesigen gelben Zobelstreimel auf dem gewaltigen Kopfe. Der Bart rvallts breit und dicht und vor der Zeit grau bis Mi Linst. Der Nabln las Wvrr sür Won aus dem Tikun, langsam, bedächtig, als legte er all die Geheimnisse der heiligen Buchstaben und Worte in Ton und Melodie. Oft blieb er bei einem Worte einen Augenblick stehen, als suchte er, aus den verschlungenen Straßen, die sich ihm, und iuh ihm, tjiiUev dem Worts »schloffen, h»- auszukommsn. Dis Chassidim lauschtsn gespannt, gebannt, andachtsvoll, mit der Seele verstehend und mitgehend. Die nicht zum „Anhang" gehörten, warteten ruhige kühl, etwas stepitfch, warteten auf den Donner, der bald aus der Schwüle erdröhnen, auf die Blitze, die aus der Wolke aufleuchten müßten. Wie der Zaddik mit den kleinen Abschnitten der Jchora gu Ende roar, machte .er eine Panse und sing zu reden an: * „Und die Sachen liegen klar und wahr, eingehend in jedes Gemüt . . . Es gibt mancherlei Wege, die zu Gott führen. E r aber, der Heilige, gelobt sei Er, chennt und liebt sie alle. Es gibt Gottesdrener, in deren Herzen eine Glut lodert, die Funken und Strahlen nach außen schickt, so daß die Hülle in all ihren Teilen in Erschütterung ‘-'■$.'2* J -V ... . . _. t I llitl i IIJIII SÄ Ffi Tn^in Drehungen der Tanzenden und hält alles füi* wahnsinniges Getue, — weil er mit seinen tauben Ohren den Gleichtakt der'Musik nicht hört. Wem Ohr und Sinn für das Feuer in uns fehlt, der wird uns nie verstehen. —-" jrifjr der Rabbi sart^ ^es gib^ nach einen andern Weg, Gott zu suchen.' und zu finden, es ist der Weg der abgeklärten Ruhe, der stillen Ergriffenheit. In dieser Stille kann sich alles ausdrücken, was der Mund mit Worten und der Körper mit Bewegungen nie zu sagen vermögen. In solcher Stunde stiller Hingabe kann-der Mensch zutiefst und zuinnerst begreifen und empfinden, daß er Gottes ein Teil ist, und Naß das. u>05 zwischen 1 seinem Schöpfer liegt, nichts mit Raum, Körper und Zeit gemein hat. Die kochende Seele kann ebenso in wallendem, Wellen schlagendem Gewände mit fliegenden Schösien b ahersturmen. miß im enganliegenden Kleide geruhig und feierlich daherschreiten. Wir können zu Gott aufschreien wie die brausenden Wellen, der Wind, der durch die Bäume saust und der Vogel, der im p&pn fingt nur auch in der erhabenen Ruhe der Bäume und Blumen in Feld und Wald, des blauen Horizontes über uns und der stlH bst gen Gesetzen folgend, g o« messen ihre Bahn durchschreiten.-" Oberrabbiner Sonnenfeld und Präsident Masaryk durchschreiten die Altstadt Jerusalems. gerät, alle Gliedmaßen in Wirbeltanz jagen. Denn wisset: Es gibt neben dem Gesang der Seele auch eine Harmonie be<s Körpers, bie sich äußert in Nennen, schreien, Tangen unk HäntaUatfrtan, „All meine Gebeine sprechen, wer ist wie Du, o Gott!" Alle Glieder und Teile kommen in Bewegung, und die gleichbewegten Menschen reichen sich die Hände zu einem Reigen. Aber die Musik für diesen Tanz macht die Seele, sie schlügt p?ll Wss hstss^ nicht gleicht einem Menschen, der stvckianb ist und eins Kapelle sieht, die zum Tanze aufspielt. Er sieht die Handbewegungen der Spielleute, die Körperver- Nach Beendigung der - Propheten holte der Zadik tief Atem und sprach: „Zwei Gärtner, die ihre Kunst verstanden und des Königs Vertrauen besaßen, waren daran, jstar auf (?int Art, tan t?n!g!tch?n Palast «r zuschmücken. Die dabei stehenden Diener verstanden aber nicht die Verschiedenheit ihres Tuns und stritten heiß darüber, wer es von beiden besser mache. Mit diesem Gezänke störten sie nur die Arbeit der Künstler, drängten sich dazwischen unb hinderten bie .QujCTmmenarbeü. Vis ber Kömg selbst kam nnb die Zankenden ärgerlich nerv wies: „Was und w i e sie es machen, es geschieht ja zu meinen Ehren. Warum stört ihr MM t' m