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Der Israelit · 1927-06-02 · Heft 22 (2.6.1927) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 22 (2.6.1927)
Date
1927-06-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Tr; m i'k m Seite 14 Nr. 22 Der Israelit 2. Juni 1927 befet uns m bte Synagoge ber Suben, bafi wir sie mit unfern Pferden zu einem Stall machen, und wissen nicht warum! — Wir sollen bei ihnen Christenblut suchen, und wissen nicht warum! — Auch die Polizei weiß nicht warum, denn es ist ja gar kein Christenkind verloren gegangen, und in der Synagoge ist Wein in der Flasche! — KMöklj W!k M MMkll UM AM mt mit uns spielen! — Wehe, wer uns zu Schuften macht!" Dabei stieß er in überschäumender Wut mit dem Fuß einige Flaschen vom Tisch, daß sie in weitem Bogen über die Balustrade flogen, und auf dem Boden zerklirrten. Er wischte sich Dsn Echaum U8N dsn Lippsn und dsn EchlVsiß von der Stirn und sprach weiter: „Und nun gleich zu den Pferden! Aufgesessen und zur Stadt hinaus!"- Mitten aus ihrer Trunkenheit waren die Kosaken wie durch ein Beschwörungswort in völlige Nüchternheit gescheucht, standen ganz stramm und marschierten in Reih und Glied wie firrf wiederemgerenkte MsiskM pjjj Hxs j]r aus. Die andern blieben, aber ihr Gejohle hatte an Lautstärke sehr verloren. Der Hauptmann war noch nicht fertig: „Und Ihr, die Ihr hier betrunken herumlungert, ich sage es Euch, wehe, wenn Ihr Euch an jemand vergreift. Drei Kosaken mit guten Ncr^aikcrs lajje t)ter. ©ertiigt |ür bieje Lllmpeiwlmde. Cim Patrone wäre zu scharre!" Und wieder warf er ein paar Flaschen und Gläser vom Tisch, sprang hinunter und ging von dannen, ohne sich zu verabschieden.- (Schluß folgt.) hre buftlge Pracht, Vog gu Hag Wirb bl? | PlaMM sr?ll!ch ttWSn Wsü gkwvrbkN. §f»ch herrlicher. Ne Lust würziger. Jetzt erschließen auch die ein paar Tage ließ man sie, wie aus Mitleid, in ihren Blumen im Garten ihre Kelche. Narzisse und Tulpe, Hyazinte, Goldlack und Flammenblume, zuletzt auch Lilie und Rose sind nun erblüht, während leise der Duft des Flieders die Luft wie mit unhörbarem Flüstern erfüllt. Ein Wetteifern in Farbe und Pracht beginnt, ein Wettrüsten zum „Festtag der Blumen". Sie zählen Tag um Tag. Woche um Woche, wie Kinder ihre glitzernden Glasnerlen MM. Damit iSntn feine mriorin Mg zur DMlen Kette. Nur noch wenige Tage find es bis Schewuos. Hinter der Mauer der alten Schul lag ein Garten der mit den herrlichsten Blumen bestellt war. Mendel Chajim, ein einfacher Schnittwarenhändler, der die Woche hindurch mit Sack und Pack von Dorf zu Dorf zog und sich schlecht und recht ernährte, hatte ihn vor vielen Gläsern. Als sie aber immer runzliger und farbloser wurden, nahm sie eines Tages die Maid und warf sie über die Gartenmauer. Ein Windstoß trieb sie in die Ecke, wo sie zu Füßen des Buchfes liegen blieben. Fast erschreckt blickte dieser auf. Als er ihrer ansichtig, wurde, hätte er bittere Tränen weinen mögen, solches Mitleid hatte er mit ihnen. Er sprach keinen Laut. Was hätte kr autf) zu ihiM Mm fallml Zu off er MsulW. den armen Blumen ein Wort des Mitleids und Trostes zu sagen, blieb es ihm. in der Kehle stecken. Er fühlte, daß jedes Wort sie nur noch mehr oerwunden, ihren Schmerz und ihre Trauer noch mehr vergrößern mußte. So schwieg er und blickte mit Tränen in den Augen, in tiefes Sinnen verloren, in die Ferne. Dann neigte er vielen Jahren angelegt; und jeden Freitag holte er sich still und erst seine dunklen dichten Zweige über - die dort Jemen ©cf^ab&osjtraujjj Am glpyy Jj||j iroetteyj Blumenleiber^ damit Jie ein?|3Jg|jjfjen er es sich Nicht nehmen, me Schul NUS seinem Gurten! fanden. wo sie sich für alle' Jen llüsruhen könnten von zu schmücken. jihrem Leid und Schmerz. Der Rüsttag des Festes war angebrochen; der schönste Wochenfest. Tag im Leben der Blumen, ihr Freuden- und Glückstag sollte beginnen. Noch lag leichte Dämmerung über Feld und Au. Vereinzelte Laute der gefiederten Sänger suchten den Morgen zu wecken. Wie dünkte Diamanten glänzte der Tau der Nacht an Gräsern und Blüten. Da ging leise Erregung durch die Blumen des Gartens. Heute wollen wie die ausgehende Sonne in unsmn Mstttt M&M brMM! Delln pllU Mz man uns holen, damit wir unfern Ehrenplatz einnenhmen; und jede von ihnen wollte ihre Schwester übertresfen an Glanz und Pracht. Sie betrachteten einander, mit verstohlenen Blicken ihre Schönheit messend, und — es uag wohl wahr fein, daß Schönheit und Bescheidenheit nicht leicht beieinander bleiben können: Langsam schlich sich ein bißchen Stolz- und Hochmut in die sonst so reine Seele der Blumen. Und ohne daß sie es selber merktsn: .MM moröö ich Die erste jefti Die mm HM benn me r uberlrissl mich an (Sxfy'onijell unb Äust?!" dachte die Rose; und „Wer kommt mir gleich an Farbe und Wuchs!" lispelte die Tuple; und „Wer mir an Licht und blendenedm Weiß!" die Lilie; „Wer mir an würzigem Hauch!" die Nelke. Und alle sahen sich schon im' Halbdunkel des heiligen Raumes, dem sie herrlichen Schmuck verliehen und hörten schon im Stillen, wie alles ihre Schönheit bewunderte und ihren Wohlgeruch Mllg lm MUk man Myl OM DkMMli: Dast es ihnen gar gut gefiel, wenn man sie so anstaunte und lobte. - Es schmeichelte ihrer Eitelkeit. So vergaßen sie > fast ihre hohe Aufgabe, die doch sein sollte, den heiligen Tag zu feiern, den geheiligten Ort zu schmücken. Ja, ihr Stolz war so groß geworedn, daß sie im Innern den andern fast den Platz mißgönnten, den sie vielleicht neben ihnen einnehmen würden. Am liebsten hätte jede von ihnen gerufen: „Laß doch die andern daneben stehen, bin ich nicht schöner als alle um mich?!" Judas Lenz. Von David Pineas. Im Maienglanze lacht die Welt, Im Blütenschmuck prangt die Natur: sstmn am, M mm, Zum grünen Wald, zur bunten Flur. Sie freu'n sich der verjüngten Zeit, Der Düfte, die sie warm umweh'n, Des Vogelfangs, der blauen Pracht, Und wie die weißen Wolken geh'n. Auch Juda freut des Frühlings sich, Der Dank if>m non ben ßtppen (juitti: „Lssi Gott Der Welt nttfjtf fehlen siksii Daß Er mit Schönheit sie erfüllt." Doch ganz kann es sich freuen nicht, Beschattet wird sein Lenzesglück, Wenn von der frühen Gegenwart Es rückwärts wendet seinen Blick! Maisnpracht ringsum! lll > llN I l RU l! Auch damals Am Aonneugost giängi «nb Im weiß und roten Blütenkleid Die Bäume spiegelten sich drein. Doch was bestrahlt die Sonne grell, Was zuckt in ihrem feurigen Schein Dort in den Juden gaffen der Erschlag'nen blutiges Gebein. In den Synagogenräumen Prangt ein Wald von grünen Bäumen, Topfgewächse aller Arten Aus des Gärtners Luxusgarten, Palmen, herrlich anzuschauen. Stammend, aus entfernten Gauen; Vlükenreiche Azaleen Auf erhöhten Plätzen flehen. Schön nmfäumt von Floras Kindern, Die die Farbenpracht nicht mindern. Köstlich ist die Augenweide; Doch es fehlt noch ein Geschmeide, Augentzückend, herzerhebend, Tiefen Seelenfrieden gebend. Jubelnd tönts herab vom Chore: Kantor stellt am Dem Clnaare. Swit im Arm dis hsil'Zs Lshks, Unsres Volkes Stolz und Ehre. Aus zur Thora wenden alle Ihre Blicke oei dem Schalle: Preis für diese hehrste Gabe. Höchstes Glück und reinste Labe. F. Bachmann. Altona. Schewuos und die Blumen. Bon Edith Levi in München. Der Reigen der Blumen hatte begonnen, jener lieblichen Kinder der Wiesen und Wälder, der besonnten Hänge und Moosbänke, den Bach hinab und den Hügel hinan. Jeder Tag brachte ein neues Wunder. Anfangs noch schüchtern und bescheiden kroch das himmelblaue Leberblümchen und das stille Veilchen aus dem Moos, fsmamts sich M8MS UN8 WnstWillAll im Wststllgründe; bald folgte ihnen öle zarte rosig angehauchte Anemone mit ihrem lichtgelben Schwesterlein; das Frühlingsfingerkraut mit seinen niedlichen Händchen, Enzian. Safran und Primel, Maiglöckchen und Waldmeister wagten sich ans Licht. Die Sonne stickte goldene Blumen in den Wiesenteppich, der bald wie eine Matte, aus purem Gold gewirkt, unter dem Himmelsblau sich ausbehnte. Allmählich beginnt bas bunte Volk keck unb r ii |-rol^{!^ Immer III ti, ir unL m-c Ler Somre enlgeg,en^ukletern. Schlehdorn und Ahlkirfche, Geisbkatt und Schneeball, nach und nach Hartriegel und Vogelbeere, Hasel, Goldregen- und Weißdorn, nun auch Apfel und Aprikose öffnen behutsam ihre Knospen und zeigen blühend Und mit dem Duft der Blumen mengt Sich Brandgeruch und Qualen zusammen, Da, zündend, aus den Synagogen Zum Himmel lodern wilde Flammen. So ist denn Judas Maiensonne Nicht frei aoa MM, DuiMa Mstea. WeNn d'ieft LchräckäNLbildöt läuchsn Aus der Historie düstern Ecken. Für seines Gottes Thorawort Hat Israel all dies erlitten; Mit dem Gesetz im Herzen hat Die „Völkerwüste" es durchschritten. Nu. in einem waren sie eines Einne-j menn fle M Hfl® Jfflffljt » »W hinübersahen zum armseligen Buchs, der so bescheiden Schmerzensschrei der Wehelaut in seiner Ecke stand und der, wie sie meinten, auch allen Der Herzensgret öer Ablaut, Grund zur Bescheidenheit hatte. Eigentlich, wie kam me ^rmorveren Die suage. dieser traurige schmucklose Strauch in den gleichen Garten wie sie, die erlesenen schönen Gewächse!? Ihre Verachtung war so groß, daß sie ihn bald überhaupt nicht mehr ansahen, geschweige denn mit ihm geredet hätten. Und er wußte doch so gar nichts von Neid und Haß; er blickte immer nur in Bewunderung und Anbetung auf all bisse Schönheit und Hoheit. Ach, rnie schön stanb ijjnen bo$j ijjy <§tosg unb ttjfe majestätische ^estast! so Lachte der Buchs und hätte sich am liebsten noch welker in die Ecke gedrückt, wenn er nur gekonnt hätte. So vergingen die ersten Morgenstunden. Langsam erschien die Sonne als leuchtende Kugel über dem Horizont und hob sich allmählich höher und höher über den Himmelsrand. Ein Frühlingstag war erwacht, wie die Blumen lange Zeit keinen ryehr erlebt hatten. Noch güUsfksi?!t .'£”HfT?pf?n ln??n gsksstiktkn Kfschen. Da gillsi M GlliNemme Mf'llnv ein lüiin TOritt tangsam durch die Kieswege, Ausschau haltend nach passendem Schmuck für das Gotteshaus. An seiner Seite sprang ein kleines, munteres Kind, das vor lauter Freude am liebsten den ganzen Garten ausgerauft und mitgenommen hätte. Und ein ums andere Mal rief Leuchen: „Hier diese Rose!" — „diese Tulpe!" . . . aber immer nrehrte ihrbee Water: ..Nein, bte können mir heute nicht gebrauchen^ benn gar gu schnell slnh sie melk. §Se!|=ji bu noch, das vorige Jahr!? . . So ging er achtlos an den stolzen Blumen vorbei bis ganz hinten an die Mauer, wo der Buchs stand, einfach, blütenlos und schweigsam. Vorsichtig hob er ihn mit seinem Scherben, in dem er stand, aus der Erde. Der hätte am liebsten sagen mögen: „Nicht mich, dort die Blumen sind doch viel schöner als ich; was tu ich schmucklose Pflanze im Gotteshaus!" Ach, er schämte sich fast, wenn er sich vorstellte, wie er ganz vorne neben der heiligen' Lade stehen sollte, er, Us MÄ» M8M, AM M still MllMll Ws ihm nichts. Er mußte mit. um feinen Platz tzinznnsh- und all feine Schwestern und Brüder mit ihm. Unb bres lsieseh »om C-tnöiberQe Aufs neu im Geiste zu empfangen, Zählt es die Tage bis zum Feste, Wo wird gestillt, fein froh Verlangen. Beim Rückweg sagte der Vater zu Leuchen: „Schneide dir ein paar Rosen für unsere Jomtofstube und stelle sie in einem Glas auf den Tisch; suche dir die schönsten, die du findest!"- Schewuos war vorbei. Die alte Schul hatte prächtig ausgesehen im dunklen saftigen Gezrneige des Wuchses.!e labten unb berounberfcen fein frisches^ junges Sriin unD seinen erfrischenden Mem. der fast unmerMch den Raum erfüllte. Nach dem Feste setzte man ihn wieder lorgfältig an feine Stelle im Garten und war erstaunt, wie wenig sein Aussehen in diesen Tagen gelitten hatte. Als nähm' er teil an unsrer Freude — Und wir sind ihm dafür gewogen — Bringt uns der Mai viel Kränz' und Blumen, Za tchrnültm untere Synagogen. Zu dem jüngsten Rätsel in Nr. 21 sandten noch nachträglich (vor Veröffentlichung der Lösung) richtige Lösungen ein: Hanna Wolf. Köln; Alfred Katzenberg. Guxhagen b. Kassel; Selig und Isaak Nutzbaum, Wiesbaden. G r i n d e l w a l d , der weltbekannte Sommer- und Wrntsrkurart. ber msistbssuchts Platz des Psrner Obe** lanbes Lretei inmliten ber g ra^u r tigffen 8lt^>enn-atü-r §rholmigs- und Ruyebedürftigen einen angenehmen und nervenstärkenden Aufenthalt. Das Alpenklima von Grindelwald, inmitten der Bergriesen Wetterhorn, Eiger am Fuße des oberen und unteren Grindelwaldgletschers wird für Nervöse und Rekonvaleszenten wohltuend wirken. Die Höhenlage 1050 m u. M.. dis Waldungen mit Tannen- und Erlen werden 88» Lsszts« 3lL .SkWsMSN. Das Hotel Silberhoin, Bes. Frau F. Kahn aus Bafel gewährt im Sommer und Winter beste Pension bei mäßigen Preisen. Basel, Tel. Safran 30 22, Grindelwald, Tel. 79.

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