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Der Israelit · 1927-06-02 · Heft 22 (2.6.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 22 (2.6.1927)
Date
1927-06-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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■ wm Schwuaus, dqs Sinaistfl der Seelenwanderung. *) ** . . Und wüst und üdö wav die Wett gMMen, Die Menschenseele noch ein schwarzer Abgrund; Und aus chaottsch düstren Tiefen stiegen Empor die Nebelschwaden irrer Triebe. Wann glühst du, Seele, endlich in den Klüften, Zerschmilzt der Wolkenschleier über'm Absturz? Wann wird herab vom Himmel in den Lüften M WM WMslM Dir WMW WIMMI Da sieh, ein Weltenbrand beginnt zu prasseln, Und fahle Blitze schießen wie aus tausend Schlünden, und alle Winde heulen,. und es rasseln Durch alle Sphärenräume alle Donnerwagen. Und eine lange schmetternde Posaune hallt; Und eines Volkes Herz halt an beit Sch-lag, Urti) eirts Sixmüte {^-öITJ:r Und — alle Wolken teilen ihre Schleier. Wie nun die -letzte Hülle sanft zerschwebt, .<> ' Da' tönt ein heilig Echo in den Herzen, Und jede Seele, die im Lichte webt, Pflanzt ffort den Klang bis in die tiefsten Münde; Trägt fort den Nachhall, fort auf Wüstengange, Durch aller Zeiten Wirrnis und Gebraus. Und lasse schwingen deinen Klang bis in die tiefsten Gründe: ülrägi -^orl Isert sfscrchhLiII^ fori rnif 2üii Durch aller Zeiten Wirrnis und Gebraus. Du heilig' Volk, du hör' nur deinem Mange, Und lasse schwingen deinen Klang ins Weite aus! Das Wunder mit der Weinflasche. Bon S. IzchM. ' " lFeNsttzflNgj, Im Hofe des Knias wurden Zrohe Festvorbereitungen getroffen... Es war von KornoM, dem rührigen Brewalter, alles aufs Beste gedacht und eingerichtet. Auf dem Balkone waren lange Tische schön gedeckt. Zwischen Blumen und.Mattpflanzen schillerten Likörfläschen und in blanken Eimern standen zur Seite geneigt die. bauchigen Champagnerflaschen. Es sollte zu Ehren des festes und der Mäste ein ^rÜhstll«§ den, das ihm, dem vertretenden Herrn des Gutes, alle Ehre machte. Ein Ehrenplatz war für den Kosakenhauptmann bestimmt, auswärtige adelige Gäste würben mit ihren Damen erwartet. Auch Michalowsky durfte, der Form wegen, nicht sehlmr obwohl ihn Kornossos für Mm nusgemnchr ten Dummkops hielt, der zudem noch ein wenig mit den Juden hielt. Die Sache war so aufgezogen, daß die Ehrengäste auf der.Est.rade sich. ■ gütlich an Speise Md'Ttä'Nk tust sollen, indes auf der weiten Wiese vor dem Schloß die Kosaken, die einheimischen Grenzsoldaten und vor allem die ortsfremden Flößer eine Art Volksfest auf Moftm Dßß HofM fßwtßn. SHnaMunbBisrsWr stunden bereit. Bretzel und andere gute Dmge sollten unter die Leute geworfen werden, damit sie sich wie ein Knäuel ineinanderballten und sich gegenseitig die Nasen blutig schlugen, zur Belustigung der hohen Herrschaften. Schaukel und Karuffel waren hergerichtet. Ein hundertmeterhoher Mast t»ar tn den Baden geJenJf und ans dessen Spitze eine Billige silberne Taschenuhr sestgeinachi, als Preis für denjenigen, der bis zur Spitze hinaufkletterte. Die Leute konnten dann vielleicht *) Aus „Aehren und Beeren", die zusammen mit „Jüdischen Welt- und Lebensperspektiven" als echte des füdifc^en Denkens nnd Dic^ten^ nvp kurzem von Ävölf,' Ä l dm a,n NH bcm vklMNten DDifraöbtner von Tklör, im Bsrlags von Carl Angermayer von Trier, in Prehburg erschienen sind. bei Harmonika und Balalaika heimatliche Lieder singen Mh.Mationastänze aussühren. Aber der Koup des Gänzen durfte nicht aus dssn ^fugen geladen toevh&ttl iüeHH äüch tticht fam schien, davon zu reden und allzu ausfällig darauf hinzuarbeiten. Gedacht war es etwa so: Wenn die Freude so die höchsten Wellen schlug, dann stand jemand auf, am besten wohl der Kosakenoffizier selbst, und hielt eine Ansprache ans Volk, sprach etwa von der Bedeutung des Festes, Dbt PlWch Der fißujigung Mb bßm von m Juden am Gottessohne begangenen Verrat, um dann darauf überzugehen, daß der „Judas" heute noch lebe, auch in diesem Judenneste. Heute früh in der Synagoge waren sie auf frischer Tat ertappt worden, bei der Flasche mit dem Christenblute und so fort. „Fluch und Tod den Juden", r»ür>dß de? RsftsU heißen. Kornossos hatte sich diese Rede in allen Teilen ausgedacht. Er hätte sie sofort ohne Konzept hal-. ten können, und w i e er sie gehalten hätte, wäre die Wirkung nicht ausgeblieben. Er sah schon die flammenden Gesichter der Leute, die sich erhoben und auf die Judengasse losstürzten. Diese Juden mochte er nicht. Er haßte sie von Haus aus und haßte sie,- weil sie die Einzigen waren, die um ftine Mißwirtschaft wtf f?in? an Den ihm vom Misten anvertiauim Gütern wußten. Aber Kornossos muhte sich Zwang auserlegen. Er durfte seinen. Haß nicht so zeigen. Er durfte nicht reden. Der Fürst W a s s i l z i k ö w , der Herr dieses Hofes und eigentlich Herr des ganzen Städtchens. ml indem Der!8DDen als fein. GnmdDM mit und die Bewohner alle ihm" Grundsteuer zu zahlen hatten, kam"Nur hie und da einmal im Sommer,--um mit seiner Familie für Tage und Wochen im Schlosse Aufenthalt zu nehmen. Im Winter hielt er sich auf Badeplätzen und in Spielklubs, auf. Man würde nicht recht klug aus ihm. Wenn er sich für Tage im Städtchen aufhielt, machken Dir SuDen ein ganges fMt; Daraus: Ci fuhr mit fsinött Kindsru im Bisrspännör langsam durch öie; Straßen, zeigte ihnen die Juden wie exotische Geschöpfe, hielt sogar jüdische Kinder an und beschenkte sie, sah sich die Synagoge an, Empfing jüdische Deputationen und bewilligte Geldunterstützungen für jüdische Angelegenheiten. Man konnte nicht wissen, wie er zu den Juden stand. Man munkelte von großen Verschuldungen Dßi Fürsten, nnn großen WwllMlnstön in Monaco und Monte Carlo, von kostspieligen Liebeshändeln, von aufgenommenen Anleihen bei Poljakow und anderen Juden. Und das schlimmste: man verlangte in letzter Zeit von ihm, Kornossos, genauere Rechenschaft über die WirWnstZführung, Hier fnnnten ihm Die öuDen isicht ein Bern stellen, über das er stolperte, ohne mehr auszukommen. Die Juden mußten, gewissermaßen a priori als, Vorschuß./einen Denkzettel erhalten. Aber er» Kornossos, durfte ’ direkt mit der Sache nichts zu tun haben. Es war gut, daß der Schwachkopf von Michalowsky auf den Plan, die Kosaken herzuholen, eingegangen war. Auf Diele fnnme man rann Danen ... Kornossos hatte sich aus all diesen Erwägungen heraus, nachdem das Geschäft mit Boris so glänzend abgewickelt war, möglichst fern gehalten von allem, was einen Verdacht auf ihn lenken konnte. Er war absichtlich an diesem Morgen nicht aus dem Hause gegangen, nicht einmal zur Ostermesse in die russische Kirche. Er durfte schon vertrauen, vast alles Weitere ohne sein Zutun sich bestens abwickeln werde. Ohne Zweifel waren Rabbiner und Vorsteher.nach dem grausigen Fund in der Synagoge bereits in Haft. Er wollte nicht fragen. Am Nachmittag sollte die ganze Sache mit einem schönen Feste gekrönt mßMn/ mm. mono Dann: nach MsMMuß Das Pusoer 'explodierte, was konnte er, Kornossos, dafür? Er hatte nur den echten Russen in diesem litauischen Neste ein kleines Volksfest gegeben, das konnte dem Fürsten ja nur recht sein. E r mußte gedeckt bleiben. Der? Verwalter' übersah nach einmal Den gam zen Platz, die gedeckten Tische, die Blumen, die Flaschen und war befriedigt. Es war alles aufs Veste gerichtet. Zuerst stellten sich die Holzarbeiter, einer nach dem andern, ein. Einige waren n o ch betrunken, andere fchonwiederso weit. Es kamen auch smigs Haußim, Dirott auß W istponro nnn -M Talkes und gruppierten sich etwas scheu und voller Erwartung, mit gierigen Augen um die Branntweinfässer auf der Wiese. Etwas später kamen die Soldaten, einzeln und zu Paaren, abgeschnallt, munter, aufgelegt, die Kappen auf die Seite bis zum rechten Ohr geschoben. Auf Zei- Wiest »HM schsu Mi MiintßM flßfißn fßinen Anfang. Es fing mit einer Plänkelei zwischen den Kosakest, und den hier stationierten Grenzsoldaten an. Letztere wurden von den ersteren als „Schmugglerbande", die mit echten rechten Soldaten nichts zu tun hätte, bezeichnet, was sie mit kräftigen Faustschlägen quittierten... Dann einigten sich die Grenzsoldaten mit den Kosaken auf der Basis, daß sie gemeinschaftlich die SSauernjungert gu f^ärtj’elrt begannen. Als aber das erste Fast gestochen war und die Schnapsgläser die Runde gemacht hatten, gingen ihnen allen die Augen über, daß sie rührselig weinten und sich die Hände reichten, ja sogar sich umarmten und unter Ausbrüchen brüderlicher Liebe ewige Treue schworen. Knitter kamen Die Wrengästk unD füllten langsam die Sitze auf der Estrade, Zu allerletzt kgm der Kosakenhauptmann cmgerittten, stieg vom Pferde, das ihm ein Soldat abnahm und marschierte sporenklirrend die Treppe hinauf, von Kornossos mit festem Händedruck empfangen. Die kleine Kapelle begrüßte ihn mit einem Marsch und die Gäste erhoben sich, die gefüllten Mtiser in Der H«nD, »nD Drnchttn ihm ein Dreifaches Hukl'ah aus. Er fetzte sich fchrveigend und sah vergrämt aus. Ohne die Ovation zu beachten, schob er den Champagner von sich und machte sich an den einfachen Schnaps, von dem er ein Glas nach dem andern hinuntergoß. Er blieb mißgelaunt, einsilbig und alle Versuche des Gastgebers und der .Festgenossen,- ihn mit Hinweis auf das laute und muntere Treiben auf Der Wiese ein wenig nnsMeilern, Weiienen an seinen steinernen abweisenden Mienen. Je mehr er trank, um so verdrießlicher schien er. Endlich wagte sich Kornossos an ihn heran: „Die L.eute unten wollen eine Rede haben, so einen Ostergruß." „Sn redei dnch zu Den Hunden!" gaö er kurz zurück. .„Nicht ich, der Herr Hauptmann muß zu seinen. Leuten und dem anderen, die ' fremd am Platze sind' und kaum ein Wort in ihrer Heimatsprache hier hören, sprechen." „Was habe ich der betrunkenen Bande da unten zu sagen?" „Nm ich Donfß nnn den TMM die 3h? hißv erlebt habt, den Äuden, der Synagoge.-" Des Hauptmanns Augen waren blutunterlaufen vor Wut. „Gut, ich rede!" Die Kapelle gab Fanfarenzeichen, daß Ruhe einträte für den Redner. 33e»or noef) diefe aitsgefönf tnaren^ ^cf^roang sich der Kosarenhaaptmann auf den Tisch, daß einige gefüllte Gläser klirrend zu Boden fielen. Dann schrie er, als hätte er ein Kommando auf dem Exerzierplatz zu dirigieren, hinunter, scharf, stoßweise: „Soldaten! Russen! Wenn Ihr Euch auch wie diß SchwßMß nnllgßtrnnkßn IjaDl sü hgflßk doch, was ich Euch sage. Man hat UNS hergebracht, und wir wissen nicht warum! — Man

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