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Der Israelit · 1927-05-26 · Heft 21 (26.5.1927) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 21 (26.5.1927)
Date
1927-05-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 21 Der Israelit 25 Mai 1927 „Willst Du ihn dann trinken, wenn es Wein ist?". Mattes mumm unD rang ossmsiHtlich nach einem passenden Worte. Pawel, der Polizist, hatte den Wein herausgeholt, er durfte ihn ja nicht mehr trinken. Oder doch?! Er sah nach dem Rabbi. Dieser krümmte sich unter dem Gebetmantel im Gebete. „Der Wein ist mir schädlich," sagte Mattes rasch und unsicher, „vom Arzte streng verboten. Aber wenn Eure Gnaden befehlen . . SIfili1 lötiädsn bsscr^Isrr Der Hauptmann, dessen Gesicht und Stimme zusehends an Schärfe und Härte verloren hatten, zog den Stopfen aus der Flasche, roch daran, setzte sie ganz vorsichtig an die Lippen, schnalzte prüfend mit der Zunge, zog die Achseln und murmelte etwas: „War bei Sewastopol und sollte wissen, was Blut ist, renne aller auch Wein ..." Und wieder setzte er die Masche langsam an den Mund, tat einen vorsichtigen Zug, dann warf er, als galt es eine Vastille bei Sewastopol zu nehmen ,den Kopf zurück, daß ihm die Offiziersmütze zu Boden fiel und goß den ganzen Inhalt in einem Zuge hinunter, worauf er die leere Flasche auf den Boden warf, daß sie klirrend in Stücke zerbrach. Nur die Fernstehenden und die lH ier UBe&erfcfjul faljen ln liefern Geklirre das Signal zum nun beginnenden Unheil. Die näher standen, verfolgten mit Genugtuung, wie sich das Gesicht des Soldaten ganz aufheiterte. Das Zerbrechen des Glases war der Schlußpunkt zur Aufklärungsarbeit in ihm. Im Weine war die Wahrllktt! »» ----- „Cr ist gut", sagte er und mischte sich den buschigen Schnurrbart. „Ihr Juden wißt schon, wie man Gott am besten huldigt. Wo bezieht Ihr diesen guten Tropfen her?" „Joel, der Schenker auf dem Markte, liefert ihn uns zu dem heiligen Zweck." „Und Ihr habt wirklich keine andere Flaschs, Um ThtPeMuj ^9" „Daß uns der liebe Gott behüte vor solchen grausigen Gedanken!" „Und es ist hier gar kein Christenkind verloren gegangen?" Michalowsky und Pawel, an die die Frage gerichtet war, schüttelten verneinend mit dem Kopfe. „Äcliri! hinaus! Äufgeseffeil!" dröhnten drei Kommandorufe. Wie eine Maschine setzte sich die Kolonne in Bewegung. In zwei Minuten verriet im Gotteshause nur noch der starke Geruch der tranigen Stiefel die frühere Anwesenheit der Soldaten. m Monschon atnuim auf, Gesichter tjalb versteinert vor Schreck. Abe Perez konnten den Ton nicht mehr finden, seine Sängerschar kam nicht mehr in die Melodie. Man betete ohne Sang und Klang rasch zu Ende und stürzte nach Hause. Im Hause von Mattes war das Kanapee leer. Boris, der Meschumed, war verschwunden. Irgend jernand iljvx in aller AIsItzßlh wie er mit verbundmem Kopfs dsm Njsmstt ZUstrebte. Ob er sich ins Wasser gestürzt oder mit dem Frühdampfer nach Kowno abgefahren war, dieses festzustellen, war nicht der Mühe wert. _ (Schluß folgt.) MkoryMke Ziffsm über die jüdische Wanderung. Die soeben erschienene Nummer 13 der „Jüdischen Emigration" (Zeitschrift des „Emigdirekt* Berlin), die ein reichhaltiges Material über die iüdische Emigrations-Arbeit. sowie eine interessante Diskussion 9M sein Defianmen ©enfer MMM Seif* und. Derm Nudel tu Berlin über dis Bshändlung des jüdischen Emigrationsproblems auf dem Londoner Weltwanderungstrongretz enthält, bringt auch das Ergebnis einer eingehenden Untersuchung des Herrn Jakob Lestschinsky über die jüdischen Wanderungen in den letzten Jahrzehnten. Nach den Berechnungen Lestschinskys find in dem Zeitabschnitt 1881-1925 3.648.500 Juden aus QftGUtojJa ausseroatthert. Dis tneiftext »on ibyien — Q.Q%Wß (gl.ö^N.j — sich nach Amerika. 415.000 (llpCI.) wanderten nach den westeuropäischen Staaten aus. 155.000 (4.2 pEt.) nach Asten, 85.000 <2.3f<Ztj ncnfj MM MtfiVW M?Mj MW Australien. Besonders intensiv war die Wanderungsbewegang des europäischen Judentums in der Zeitspanne 1900 bis 1925. In diesen Jahren wandten sich allein nach den Bereinigten Staaten 1.810.752 Juden, nach Argentinien 125.133, Kanada 98.828, Palästina nahm in den Jahren 1919-1925 82.922 jüdische Einwanderer aus. Unter den Völkern Europas zeichneten stch die Juden durch die relativ stärkste Auswanderung aus. «st Vif Tfssmmsl m BiDömminfl in ®tfltim des zwlmzlgmn JllMWllvens Deie©net, vöttagr die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten be^ den Juden 20.6 pEt., bei den Polen nur 8.7 pEt , bei den Litauern 6.4 pEt., bei den Deutschen 2.3pCt., bei den Franzosen i.3pCt. Dagegen ist die Rückwanderung bei den Juden äußerst gering. In dem Zeitabschnitt 1908—1925 wanderten aus den Vereinigten Staaten bloß 5.2pCt. der während dieser Jahre eingewanderten Juden zurück. Del den übrigen Völkern war die wanderrrng (»etautanb stärker und erreichte z. D» bei den Rumänen?6.0pCt.. bei den Italienern 55.8pCt., bei den Russen 50.6pEt., bei den Polen 40.0pEt. und bei den Engländern!9.0pCt. Es ergibt sich somit hieraus, daß in den Jahren 1908—1925 der zehnte Teil der ganzen europäischen Judenheit nach den Bereinigten Staaten endgültig ausgewandert ist. Die Netto-Einwanderung der der Polen machte bloß 3.0pEt., der Deutschen i.ipCt., der Litauer und Letten 2.8pCt., der Ruthenen und mifi \m MMMMMIW m mmp aus. Die jüdische Einwanderung nach Argentinien in den Jahren 1904—1925 betrug 2.8pEt. der Gesamteinwanderung nach diesem Lande, die jüdische Einwanderung nach Kanada in den Jahren 1900-..925 betrug 2.ypCt. der Gesamteinwanderung. In den letzten Jahren ist eine wesentliche Der-- Wlkbnna m MsmlmMmMitetMSL« üingstteten und die südamerllranischen Länder gewinnen immer mehr an Bedeutung. Im Jahre rS25 wanderten nach den Bereinigten Staaten bloß 10.292 Juden aus, nach Kanada 4500, nach Argentinien 6920, nach Palästina 33.801. Insgesamt erreichte die jüdische Auswanderung in diesem Jahre die Ziffer von ca. 60.000, was bei einem Auswanderungsbedürfnis von 300.000—360.000 jährlich als eine Misere anzusehen ist. MüN RUß leHiien, dqH sn blrstm Za^re die jüdische Auswanderung auch diese Zahlen nicht erreichen wird, da die Einwanderung nach Palästina m Abnahme begriffen ist. Dagegen ist das Auswanderungsbedürlnis infolge der unaufhörlichen wirtschaftlichen Krisen in Osteuropa noch viel dringender als in den vorigen Jahren. Amrerecke. ssss „Was kümmert mich das! Der ist doch nicht mein Verwandter." „Nicht mein Verwandter." spreche er. „Der lsl doch mein BruDer. lene meine SchMstei. ein Kind Gottes gleich mir. Ich will ihm Mal ins Auge schauen! Da sieht man sofort einen Teil seiner Welt. O, wie strahlt es! Wie muh der sich freuen! Wie möchte ich mich mit ihm freuen! — Oder: Wie trüb siehts da aus! Wie gerne will ich von den warmen Strahlen meiner Sonne ihm einen Büschel leihen." Ja, schau! Da fühlst du gleich, wie deine eigene Welt wächst und deine Sonne noch wärmer und noch strahlender wird. Du verlierst niemals dabei; du kannst nur gewinnen. In der Welt geht ja überhaupt nichts nerfnre«. Je meör Wellen M minim dests siMv uM uv Himmel, der sich über ihnen wölbt. Es gibt einen Herrn über alle Welten. Er ist ihr Schöpfer, Er ist Eigentümer. Wehe dem Menschen, dem Er den Vorwurf machen müßte: Du hast eine Welt verderben lassen, die du hättest erhalten können! Rätsel. Als Erstes einen Vokal m fiflfn MiiMsi mmu M' und Ijtntei dieses. 7vW ' eine Bezeichnung für Herrscher schnell. Hast Alles du geraten und auch verbunden schon, so war's vor langen Zeiten ein Mann, als Arons Sohn. I. Schönberg. Lösung: E-lea-^ar, Richtige Lösungen sandten ein: Addi Ucko. Nürnberg; Berthold Heymann, Siegburg; Paula Margulies, Bremen; A. Silbermann, Düsseldorf; Manfred und Johanna Bastanski, Wiesbaden. M-chknkalknder. 20N 88. IDlAt BIS 1. Süttt 1005. I bom 88. 3}ar dis 4. Siwan 5687 Rausch Chaudesch Benschen öamstag Sonntag Mai 28 29 26 27 Mauled Dienstag vorm. 7 Uhr 18 Minuten. p-,t, Jloitiag 30 28 Dienstag 31 29 ]t)p 1132 31' Mittwoch s 1 1 Din vrri Oonnetstag & S S FkrttsZ 3 3 l Zamstag 4 4 rrv2 jn^njn w v pis JULIUS SCHMIDT ANNONCEN - ANNAHME iu 0ngins>p»sisrn ♦ Frankfurt am Main Langestrasse 7 Telefon Hansa 4641 Postscheck-Kontp 1$2QÖ3 4 Die Welt des andern. Von Heinrich Einsiädker. Unsre Welt — darunter verstehen wir im allgemeinen die Erde, und wenn du „die Welt sehen" willst, io bedeutet das, du möchtest große Reisen machen, um Gegenden und Länder kennen zu lernen, die entfernt öon bir finbmkl man Duron, Dal Dü 38bM noch gar viele solcher unö noch größsi-sr Wellen umfaßt; denn was dem Menschen unerreichbar scheint, das besteht meist nicht für ihn. Dabei birgt noch jeder eine besondere Welt in sich. Was er erlebt und erfahren hat, das bildet die Umgebung. Seine Wünsche und Bestrebungen formen die oft meerfernen Länder hinzu, und das Ganze überdeckt er mit derrr Fimmel [einer Jffjf UU jj] Mg M swE 'i'itt wnndclbarcr als jene um uns. Wohl gibt u in öcr Umwelt Tag und Nacht, Sommer und Winter, Hitze und Kälte. Doch in der Innenwelt wechseln noch viel mehr Zustände: das weißt du aus eigner Erfahrung. Wie sehr aber würdest du staunen, wenn du erst einmal in die Welt anderer, blicken möchtest! Mancher spricht ja wohl: Mein Haus ist meine Welt! (£r bemüht sich, in die Welten feiner ffamlfierranaefionflCn 3u schauen und sich stts st? gg MtkicssiMN. M wM, was Frau und Kind, was Bruder und Schwester denken und tun, hoffen und fürchten, begrüßen und bedauern, und er sucht, ihnen die Länder ihrer Sehnsucht näher zu rücken, die Wolken an ihrem Himmel zu entfernen und ihren Sonnen noch mehr Licht und Wärme zu verleihen. Dadurch vervielfacht sich der Umfang seiner Welt. Wie schöpferisch kann sich aber erst der Mensch betätigen, wenn er die Welt anderer auch zu seiner sigensn mslyn Wenn er m fanr. Daß ws uui Uv ihm u, Wgml, feine eigne Well in sich trägt, und nicht denkt: Einzige Inserateh-Annahme für Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAELIT« Annahme -von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtig« Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter JULIUS SCHMIDT Annoncen - ANNAHME su origlltälpreisen In der bekannten Krefft-Gasherd-Ausstell.ung der Firma G. Hegewald u .Co., G.m.b.H., Stiftstraße 29—33 finden am Dienstag, den 24. Mai, nachm. 4 Uhr, am Mittwoch, den 25. Mai, abends 7'Uhr, ne «m gmffig, Skst 27, unu am Samsfaa. Den 28. Mni, machm. 4 Uhr TaskochvorfüHrüNgsn übsb zeitgemäßes Kochen, Braten, Backen, Grillen usw. statt, wobei an Hand praktischer Erläuterungen , mit Kostproben den erscheinenden Hausfrauen die Zweckmäßigkeit der neuzeitlichen Gasküche gezeigt wird. Der Besuch dieser Vorträge ist kostenlos. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das jfeutUeto* <3. Schachnowitz, Frankfurt a. 901.; Inserate 1. 95.: S. Schach» eBetthö. — Für hie $>£tbaaosifc2}e Seiragc: Scfirer S* lanfmann tu iiswiBliiiitH Qu. - 8°-?-.« lösiacitt", ffl.ra.B.S.. FraulMkt u. M. — DmS Mtlengesellschaft. Frankfurt a. M.

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