Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1927)
- Date
- 1927-05-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 2i Der Israelit 26 Mai 1927 Intervention litauischer Rabbiner. K o w n o, 12. Mai. Bekanntlich hat das litauische Finanzdepartement eine Verordnung erlassen, wonach jüdische Schanker und Spirituosenhändler gezwungen sein sollen, an Sabbath und jüdischen Feiertagen die Geschäfte offen zu halten &ämtl &er Askus ntct^t burtt; v?rm!n^?rt?N ^PMtNvskN Verkauf geschädigt werde. Eine Abordnung der lit-au ischen Rabbinerschaft unter der Führung des Kownoer Oberrabbiners Schapira erschien heute beim Finanz minister Tuwialis und unterbreitete ihm die Bitte diese Verordnung, die einem Gebot, den Sabbat zu ent weihen, gleichkommt, zurückzuziehen. Der Finanzminister oerfpracfj, bie notco-enbigen «Schritte gu unternahmen Damit die Angelegenheit eine Seihe Teile bsfriödigsnde Regelung finde. Die jüdische Gemeinde Schauten, eine der groß ten in Litauen, wo seit Jahren das Rabbineramt vakant ist, hat den Charkower Rabbiner, Rabbi Milaikowskf zu ihrem Rabbiner gewählt. Die Behörde gestattet aber nicht die Einreise des hochangesehenen Rabbiners; eine Intervention beim Innenminister blieb erfolglos. Sitzung des Iewish Board of Deputies in London London, 17. Mat. In der gestrigen Sitzung des Deputierten-Ausschusses der englischen Juden wurde zunächst die Frage der Teilnahme der englischen Juden an ber I e ro i h Agency erörtert. Herr A. C. D'Avigdor Goldsmid, der Präsident des Board, erwiderte auf Anfragen, daß der inzwischen verstorbene frühere Präsident des Board, Henriques, sowie Herr Laski im Jahre 1924 an einer Sitzung des in Frage stehenden vereinigten Komitees teilgenommen hatten. Man kam jedoch überein, die ganze Angelegenheit so lange unentschieden zu lassen, bis die Frage Her Wlmtzm-s Der üliMikliniWrr ÄMnM ZU der Jewifh Agency entschieden sein werde. Der Board befaßte sich sodann mit dem Bericht des Fremden-Komitees, der zu dem Schluß kommt, daß es zwar gegenwärtig nicht an der Zeit sei, eine Milderung des Fremdengesetzes zu erlangen, daß aber das Komitee nach wie vor die Meinung vertritt, es widerspräche ber Geschichte unb ber Tradition Englandben Punkt 1 Des Allans Neflriction Act vom Jahre 1919 permanent bestehen zu lassen. Diese Vorschrift sollte höchstens noch fünf Jahre bestehen dürfen. Mr. Joseph Prag wandte ein, der Board habe nicht das Recht, das Bestehen der Fremden-Bill für den gegenwärtigen Augenblick anzuerkennen. Der Board hätte die Pflicht, gegenüber der Regierung die Ansicht lü mrtMm. daß Wsg Bill nicht bestehen bärs. Die Bill wurde vor sieben Jahren mit dem Ziele der Milderung der Arbeitslosigkeit eingeführt. Bis jetzt hat das Bestehen der Bill keinerlei praktische Bedeutung gehabt. Die jetzt dem Parlament neuerdings vorliegende Bill bedeute, daß England aufhört, ein Asyl zu sein und bnjj es ben Geist ber briti^N MU M M MW Traditisnsn verläßt. Rach einer erregten Diskussion wurde diese Frage ari das Komitee zur nochmaligen Berichterstattung zurückgeleitet. Sodann berichtete Herr Lucien Wolf über die Lage der Juden in Rumänien, die sich eher verschlechtert, denn verbessert hat. gllNW WrsiinlWM in Uw Mnst m MnuiuM zu stellen. Getreu dem Wirken seines Amtsoorgängers, Herrn Rabbiners Dr. Tawrogi, will auch Herr Dr. Jacobs für die Einheit und den Frieden der Gemeinde bemüht sein, um sich würdig zu zeigen, des hohen Erbes, das er aus dieser Hand empfangen hat. An diese erhebende Feier schloß sich der Freitag Abendgottesdienst an. Sulzburg (Baden), 20. Mai. Von einem stattlichen Verwandten- und Bekanntenkreis umgeben, begeht die öllW Frau unfßm SgMpganpmßtaM, Mir Mizzs Stadt, Frau Maria Kahn, am Dienstag, 31. Mai ihren 89. Geburtstag. Der hohen Jubilarin zu Ehren veranstaltet der jüdische Frauenverein eine kleine Fest lichkeit. Auch unsere altehrwürdige Kehilloh blickt in Dank barkeit zu dieser Patriarchin empor; ist sie doch das Muster einer wahrhaft jüdischen Frau, eine durch und durch religiös veranlagte Natur. Weder die Kälte im Winter noch bie .füge im «Sommer tjmb-zxn Jie «m Be suche „ihrer Neben SynugvM", an der sie mir allen Fasern ihres jüdischen Herzens hängt. In ihrer uner schütterlichen Glaubenstreue gleicht sie ihrem großen Schwager, dem bekannten Rabbiner Dr. Cahn, Wies baden, Begründer der orthodoxen Gemeinde in Wies baden. So möge nun der Hochbetagten ein sonniger Lebens abend noch beschieden sein. &"w- Bremen. 22. Mai. Herr Rabbiner Dr. Felix Aber hat, wie wir hören, den Ruf erhalten, das neu zu gründende Bezirksrabbinat der Synagogengemeinden Mittel- WM zu MMhMN. Miltenberg. 20. Mai. Am vergangenen Sonntag wurde Samuel Marx unter starker Anteilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung zu Grabe geleitet Der Verstorbene, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, entstammte einer guten jüdischen Familie aus Mittelinn und kam schon in jungen Jahren hierher, wo er ,Aeil seines Lebens dis Ideals des überlieferten Jubsntunu hrchhirlt. Am (Mu zäiHllete Herr Lehrer Hch ein Lebensbild des Dahingeschiedenen, dankte im Namen der Kultusgemeinde dem treuen Mitgliede und langjährigen Vorstand für die erwiesenen Dienste und richtete herzliche Trostworte an die Hinterbliebenen. Sodann nahm Herr Hauptlehrer Gundersheimer-Brückenau im Namen der Verwandten in innigen Worten von dem geliebten Oheim Abschied. Ein treues Andenken wird dem Verblichenen hier stets bewahrt bleiben, rraxan Vermischtes. Köln er. Rh.. 16. Mai. Die aufblühende Gemeinde Höngen b. Aachen hat sich jahrelang mit einem baufälligen Betsaal beholfen. Nunmehr ist sie aber gezwungen, diesen Raum zu verlassen und ist dazu übergegangen, sich eine sehr notwendige Synagoge zu bauen. Bn rübrenber Opjrrjreuiigf eit jfpannte ein Jeder seine höchste Leistungsfähigkeit an, doch kann das Werk nicht ganz ohne fremde Hilfe gelingen. Heutzutage muß es als besondere Ehre der Gemeinde angerechnet werden, daß 'ie mit der Synagoge zugleich eine Mikwoh errichten will. Das Geld hierzu muß aber zum Teil von auswärst beschafft werden. Herr Rabbiner Dr. Wolf in Köln, Hohenstaufenring 14, hat sich bereit erklärt, Spenden zu diest'm Zweck anzunehmen und weiter zu befördern. Es rnird gebeten, dis Absicht der Gemeinde reichlich zu unetrfrankfurter Berichte. Personalien. Bad Kreuznach, 15. Mai. Freitag den 15. April fand die feierliche Amtseinführung des Herrn Rabbiner Dr. Jacobs statt. Kurz nach 6 Uhr versammelten sich die Vertreter der Gemeinde, Vorstand und Repräsentanten, zum Empfangs ihres neuen Rabbiners im Gemeindefaal, und geleiteten denselben zur Synagoge der Stätte seines nunmehrigen M ZkMMg Wlk M die Gemeinde fast vollzählig eingefundsn. Zuerst bestieg der erste Vorsitzende der Gemeinde, Herr Julius Vogel, die Kanzel und hieß Herrn Dr. Jacobs auf das Herzlichste willkommen. Als zweiter Redner sprach Herr Hch. Lieben, als Vorsitzender der Repräsentanten. Redner schilderte den Werdegang der Rabbinerwahl und betonte, daß insbesondere die anerkannte Eignung des Herrn Dr. Jacobs Lehrer und Führer der Zugend zu fein, mit öaiu Mgatwiaßn Ms, ihn imftimmii <siif ie« feit über einem Jahr verwaisten Rabbinerstuhl zu berufen. Nunmehr bestieg Herr Dr. Jacobs die Kanzel und dankte in bewegten, zu Herzen gehenden Worten für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Redner gelobte, das Feuer der Religion im Sinne der U e b e r l i e f e r u n g weiter zu entfachen und feine Die Frankfurter Rabbinerwahl. M Ms Mt WM Sonntag «ngOW WM siim neuen Gemernderabblners der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschast" ist in letzter Stunde vertagt worden. Die hierüber in den Vormittagsstunden des Sonntag ausgegebene Bekanntmachung des Vorstandes, die alsdann in Plakatform vor dem Wahllokal angeschlagen wurde, lautete wie folgt: ..Das in letzter Stunde ohne Vorrviffen des GemMMlWstanim an hiß EßMßMßMitgMßv Rundschreiben des Herrn Rabbönats-Astestors G. Posen nötigt den Vorstund im Einvernehmen mit dem Gemeinderat, die auf heute angesetzte Rabbinerwahl bis auf weiteres zu vertagen. Vorstand und Gemeinderat fühlen sich vor ihrem Gewissen verpflichtet, ganz im Sinne ihres Beschlusses vom 13. März 1927, vor einer Wahl die in Betracht kommenden halachifchen Vorfragen, die durch den Berzillst Des tierrn MBmer Dr. MMel Srtutr MM schien,sn, nun aber wisdsr aufgsrvll't sind, zu klären." Frankfurt a. M., den 20. Jjar 5687. Der Vorstand. Man wird annehmen dürfen, daß noch geraume Zeit bis zur Ausschreibung eines neuen Wahltermines vergehen wird. Hoffentlich wird sich die durch den Wahlkampf beispiellos aufgsmühlte Gemütsstimmung ©emeitt&emitgfie&er mimischen ber^l^tgen. Jubiläum des Rolhschild'fcheu Israelitischen Arauenheims. Es sind nun volle 25 Jahre her, daß Freifrau Mathilde von Rothschild und deren Töchter Freifrau Adelheid von Rothschild in Paris und Frau Max Goldfchmidt Bin NothMlb!>«? Haus auf Mr Heil, in welchem Freiherr Anselm von Rothschild ein frommes Leben geführt und Baron Wilhelm von Rothschild viele Jahre hindurch seinen jüdischen Studien oblag, als Heim, für alleinstehende „Israelitische Frauen und Jungfrauen besserer Stände" einrichten ließen. Herrn Michael Mainz, war es damals beschieden, das Pietätsempfinden der edlen Stifterin auf diesen Weg zu leiten. Geitbem hat sich bas Heim als eine Quelle bauernden für Mengen tewaf^ri, tak, gu den besseren Ständen gehörend, in dem Hause neben bester Versorgung alles fanden, was ihnen Ansehen und soziale Stellung auch für den Lebensabend sicherte. Der Jubelanlaß wurde am Donnerstag abend um 7 Uhr in dem stimmungsvoll hergerichteten Heime in Gegenwart aller Damen, der Mitglieder der Verwaltung, der Aerzte im Ehrenamte, der Ehrendamen und von Mitgliedern der Baron Rothschild-Familie mit einer schlichten, aber überm fiimnfffPBHKn MMMMn Mer begangen. Zn? nächst sprach mr DorMenM der dörMigsn Bsrwüllung, Herr Leo Hamburger, einige Dankesworte an die Stifter und deren Nachkommen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es die Munifizenz des Pariser Hauses ermöglichen werde, das Heim, das im Kriege sein Stiftungskapital verloren hat, fernerhin auf gleicher Höhe zu erhalten. Im Aufträge der Verwaltung hielt dann Herr Redakteur Schachnowitz eine kurze Festrede, in der er zugleich auch den Dank der Damen an die edle Begr ünb er f am in e, bie Bernraltung, bie Stergie unb bie gum Ausdruck brachte. Mit dem Jubiläum des Hauses verbindet die Hausoerwalterin, Frau Bing, ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Sowohl von Herrn Hamburger im Namen der Verwaltung, wie von Herrn Schachnowitz im Namen der Damen wurde ihr in ehrenvollen Worten Dank ausgesprochen. Blumenlieferung zum Schorvuaus-Feste Hatorah ükrntmmt zum diesjährigen Schowuausfeste die Lieferung einfacher aber geschmackvoller Blumensträuße zum Preise von 1 Mark. Der Reinerlös ist für die bekannten, bedeutsamen Zwecke des Keren Hatorah (Unterstützung von Jeschiwaus und allgemeine Förderung des Limmud Hatorah) bestimmt. Die Blumen werden den Bestellern Sonntag, den 5. Juni in frischem Zustande ins Haus geliefert. Dies ist auch deshalb von Vorteil, da die Vlumsn in sonstigen MttllllWMn ömite Wßitag gitouff müßM. Unsere Beauftragten, merken IM Lttüfk V nächsten Woche den Gutscheinverkaus an verschiedenen Stellen aufnehmen, diese Gutscheine sind alsdann an die darauf befindliche Adresse abzusenden, woraufhin die Lieferung pünktlich erfolgen wird. Diejenigen Interessenten, welche keine Gelegenheir hatten, die Gutscheine von unseren Beauftragten zu kaufen, werden gebeten, ihre Bestellung bis spätestens mmiffsg «n M AtaM m ägitaas roei Jugendorganisation, Schützenstr. 12, gelangen zu lassen, woraufhin alsdann das Nötige erfolgt. Der Kcren Hatorah führt auf Wunsch auch die Lieferung im Aufträge dritter an jede angegebene Adresse^ owie auch an Krankenhäuser, Waisenhäuser,- sowie onstige Institute aus. Es ist zu hoffen, daß von dieser schönen Gelgeenheit, Festesfreude zu bereiten, m reichlichem Maße Gebrauch cmaJ/c n>iro. Wr vie Thora am Feste der Thora- Gedenket des Keren Hawrah beim Lernen in der Schowuaus-Nacht. Führt den Erlös des Mizwaus-Berkaufes oder der Schnoder-Spenden an den Keren Hatorah ab. Seid überzeugt, daß es keine schönere Ehrung ^r die Thora am Tage ihres Geburtsfestes gibt, als zur Stärkung dsrjen,igen Stätten beizutragen, melche ^ie [forierung te§ HÜtsl0r«h «uf ihrc Fahne geschrieben haben. Zu dieser Förderung vermittelt der Keren Hatorah den Weg. Cingegangene Spenden beliebe man auf Postscheckkonto Nr. 144 303 (H. Bing) für Keren Hatorah zu überweisen. Zum Andenken an Charlotte kra rry- Qlm 27. 9Hatrunbef sich ein Jahr, feitbem ^rL Kr« im Samen^elmf M V tfjf «tjtföf Sf)Sn HaUskS auf der Zeit ihre reine Seele ausgchaucht hat, Charlotte Kra war eine Wohltälerm von Beruf und Neigung^ deren Namen noch lange Liebe und Dankbarkeit in unzähligen Herzen auslösen wird. Ueber ihren Lebenspflug wird uns von Freundesseite geschrieben: Frl. Charlotte Kra, Tochter des bekannten Frankfurter Lehrers, hat zuerst ihr Leben ihrer früh verwitweten Mutter gewidmet. Aus Gesundheitsrücksichten gezwungen, ihre Tätigkeit im Geschäfte aufzugeben, zogen MM Mta Mn ZU lhW Mvt sschrtarfzfz» TzhlLr resp. Schwester. — Nach dem m Köln erfolgten Hinscheiden ihrer Mutter, wurde die allgemeine Armenpflege Frl. Kra's Lebenszweck. Ohne Unterschied der Konfession nahm sie sich aller Bedürftigen an. Hierdurch bot sich ihr Gelegenheit, sich Oügang zu den höchsten Persönlichkeiten zu verschaffen. Bald war ihr Name, in Köln überall bekannt. Infolgedessen erhielt sie nach einem schroeren Unfalls ber fie am Gehen, oerhinberte^ fuj und «ins Bcgkcttsnn trretrantn auf Der Slcätzeüöahn, um ihre große Wohltätigkeit weiter ausfühven zu können. — Nach 15-jährigem Aufenthalte in Köln, nachdem auch ihre Schwester schon mehrere Jahre nicht mehr am Leben war, kehrte sie wieder nach Frankfurt zurück, um ihren Lebensabend im v. Rothschildschen Altersheim zu verbringen. Ihre Hoffnung, hier ihrer Lieblingsbeschäfti--