Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1927)
- Date
- 1927-05-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 10 Nr. 18 Der Israelit WM! MW Kenntnis km xussisHm Wrachg an, was ihn, zum Jüngling herangereist, befähigte, in der Polizeikanzlei unter Führung Michalowskys vorübergehend Schreiberdienste zu leisten. Hier stellte er sich seinem Beamtenstande gemäß um und wurde vom Chapper zum «NkWkr^.. öllZ vmu ti mm m umtam sörllätt nicht mehr in der traditionellen Weise von „Hand in die Tasche" aus, sondern in der veredelten Form von Erpressungen, denn er stand mit seinem Chef, obwohl ihn dieser selten anders als „verfluchte Judenbrut" titulierte, nicht schlecht und konnte ihm manches zutragen. Als Boris mit einundzwanzig Jahren zu den Soldaten kam, und zwar zu einer entfernten siumi »arm üffi M im Stuntmen in Dem Wunsche einig, iljn nie unb nimmer wieder zu sehen. Aber er kam nach drei Jahren wieder, versetzte dem ersten, der ihn auf der Straße mit „Berke" anredete, eine schallende Ohrfeige und behauptete, er heiße Boris und hätte mit der jüdischen Schabboskugel nichts mehr zu tun. Man lachte in etwas respektvoller Entfernung, denn inon rvu^le, wa? MNN 00N skiNkN PttthkrischkN Redensarten zu halten hatte und wäre im allgemeinen zufrieden gewesen, mit ihm nichts zu tun zu haben. Als man aber nach einiger Zeit erfuhr, daß Boris es nicht nur auf der Straße mit den Russen halte, sondern Sonntags mit den wenigen russischen Rechtgläubigen die kleine Kirche int fürstlichen Gutshofe besuchte^ fich bekreuzige, die Gebete mitsinge unb sich besprengen lasse wie alle andern, ging man ihm in heimlicher Scheu in weitem Bogen aus dem Wege. Er hieß nunmehr allgemein nur noch „Boris. der Meschumed". Auch Pawel und andere christliche Freunde nannten ihn in gehobenen Stunden feuchtfroher Brüderlichkeit nicht anders als „den Meschumed", und sein Ohr hatte sich an diesen ülmnon allQßmaä) [o gMöhnt, Wiz fMssh oen „Ehappcr^. Wovon Boris, der Meschumed, der nach Russenart gut gekleidet daherging und ohne ersichtlichen Grund eine Kokarde mit Reichsadler auf dem blanken Mützenschirm trug, sich ernährte, wußte keiner genau. Man tuschelte, daß er von gewissen Händlern und Geschäftsleuten feste monaiticfye Bezüge erhielt. Diese aökr hatten Grund, so wenig wie möglich darüber zu, sprechen. Die eine Beziehung mit den Juden hatte er sich erhalten . . . (Fortsetzung folgt.) Pessach in Tel-Awiw. Man sagt in Erez Jisroel: „Purim in Tel-Awiw und MW in ötrnnM." Der Purim mit seinen Maskenscherzen beansprucht zu seiner vollen Entfaltung die Straße. Wo kann sich aber die Beherrschung des Straßenbildes ungehinderter vollziehen als in Tel-Awiw, der einzigen jüdischen Stadt der Welt? Jerusalem, der Sammelplatz aller monotheistischen Glaubensgemeinschaften der Welt, Jerusalem mit feinen Ijunberten Bauten jur Verherrlichung des urt£> ^es 9sictrri, ^erujalem mit j-eirrerr xm gärigen geistlichen Vertretern dieser beiden Religionen ist für den Juden mehr Erinnerung als Gegenwart und läßt darum ein natürliches Frohsein, wie es der Purim auf der Straße verlangt, nicht zum Durchbruch kommen. In den Gassen der jüdischen Mertel zeigen sich wohl kostümierte Kinder, das ist aber nach außen auch so ziemlich alles. Aber Tel-Awiw! Schon eine Woche vor Purim beginnt in der Stadt die Spannung auf das Kommende. Plakats vsrkündsn ÄNasksnball auf SUiasf-enbatl, Irr itert liege ^vloflär schreien Masken und Scherzarlikel aus. Besonders die Jugend ist in wachsender Erregung. Der Purimtag bringt dann mit dem Maskenzug den Höhepunkt. Schon des Bormittags sichern sich ganze Familien aus Jaffa — darunter auch Araber — jede höher gelegene Stelle und warten mit orientalischer Gelassenheit der Dinge, die kommen werden. Die Menschenmassen in den ___ , „„ __, ^auprjtragcn werden wfjjj jM MM, DWf'C Ufflf IfflMl. 13 DlllÜslgllMl'oi'N. 57 GMktöN. I MMUV 3UQ mit priomEtle\ UHÖ QmiiiQTltßTl Mimrn hält BfllMl Mrern, 10 Sängern, 9 F-lmfabrrkanten unb Thealer- Ikl-Awlw. Hiß Usffl kstszssisHr» Msusrirst l** Peßach nicht sägen. Ueöeraü wird gescheuert und geschrubbt. Alle Haushaltungsartikel verkaufenden Geschäfte haben ihre Hochsaison. Am Freitag Morgen war in dieser Stadt von bald 40 000 Einwohnern kein Brot mehr zu kaufen, denn die Bäcker hatten nicht mehr gebacken, um rechtzeitig ihre Backstuben zu reinigen. lieberalt verkündeten Plakate ße-frensrmtfret „Ko^ch a{ Pefscrc^". An ^rsch;?hxnkn 'Stellen der Tiam — so auf dem Markte — konnte man für eine kleine Gebühr Metallgeräte kaschern Eine Stunde vor Nacht ertönte — wie an jedem Freitag — das Schofar und.befahl die Einstellung jeglichen Gewerbebetriebes, widrigenfalls eine hochlöbliche Polizei wenige Tage später mit einem Termin und einer Geldstrafe aufwartet . . . Selbstverständlich achtet die Polizei nicht nur am Sabbat, sondern auch am Jomtow darauf, daß kein Betrieb geöffnet ist, Auster den Schafarrufen verkündeten lafßfn in MschiMnz» u fys mtig, von wann bis wann die Werkeinstellung zu erfolgen hat. Interessant ist es auch, zu beobachten, wie sehr sich die intelligenten Araber, unsere Verwandten durch den gemeinsamen Stammvater Abraham, auf die Lebensgewohnheiten der Juden einstellen. Freitag morgen um neun Uhr herum zogen arabische Frauen von Haus zu Haus und sammelten in Säcken das übrig gebliebene xitz, Das Brok wvr also aus TU-Aroiw hsraus. In der Bause bis Samstag abend mögen gar manche schon Mazzeklöße gekostet haben, gar manche auch bei Fleisch, das nicht gesalzen und nicht gewässert war, manche überdies bei Fleisch vom arabischen Metzger; als aber der Samstag abend kam, da' herrschte wohl in fast allen Häusern Sederstimmung. Selbst die Arbeiterorganisation hatte in dem großen Saal der Ausstellung einen Seder veranstaltet, und nicht weniger als sechshundert Charverini Mn iM öii $mn Mi Up ää Lr Tafel, Bekanntlich hat Erez Israel nur einen strengen Jomtowtag und ist der zweite Tag nur für das Galut bestimmt. Doch die Zwischenfeiertage in Palästina sind mit denen im Galut nicht zu vergleichen. In Palästina waltet die feiertägliche Stimmung auch über den Cholha-moed, während diese Tage im Galut gewöhnliche Wochentage geworden sind. In Tel-Awiw merkt man am Chol-ha-moed auf Schritt und Tritt, daß nicht nur beim alten, sondern auch beim neuen Discharv nur bas £>ririg(icf>e gearbeitet nsvrix Die Qewte gehen ststtäglich gekleidet. Manche Betriebe Naben sogar ganz geschlossen, viele arbeiten nur wenige Stunden^ Ich hatte am Chol-ha-moed im Rathaus, hier „Jrijah" genannt, zu tun; in allen Abteilungen bsrrfchte eine Ruhe wie im Ausland bei einer christlichen Behörde, von deren Beamten einige Sonntagsdienst haben. Früh des Morgens zieht besonders die Jugend zu Ausflügen ins Land. Die Jugend, die noch nicht ausflugsfähig ist, findet man im Rothschild-Boulevard oder am MeMUMö. Lat VW MM fiunsor. dann knübstört sie Mszzst öbtv Mükrönen. Die Touristen setzen sich in der Regel in Jerusalem fest und verweilen in Tel-Awiw nur "kurze Zeit. Ein Jaumtauw in Tel-Awiw würde ihnen aber wertvolle Eindrücke für das Verständnis der Psyche unserer heutigen Judenheit geben. Ein Jomtow in Tel-Awiw würde ihnen zeigen, daß wir Juden auch in jenen unserer Volksteile, die glauben, areligiös oder antireligiös zu sein, unseren Namen als Volk der Religion bewahrheiten. Am Sabbat Haagadol und arn ersten Tag 9ßefta<f) maten Ile Synagogen von iaujen&tn ülenfcfjen besucht. Tel-Awiw, Ehol-ha-moed Pessach 5687. Saly Geis. (Erwerbung des samaritanischen Pentateuchs durch eine jüdische Bank in Palästina.) Eines der ganz wenigem noch vorhandenen Manuskripte des Somcrritotzlsch^tz ^entateuszs?kn sif Lsm Vonk! tiütr ÜN Wl? scheu Danken in Palästina, ermorden. So wird nun wohl dieses seltsame Manuskript in Palästina bleiben. Es existieren in der ganzen Welt nur einige wenige Abschriften des Samaritanischen Pentateuchs, die sich in Museen befinden. Eines derselben ist noch heute im Besitze der Samaritanischen Gemeinde in Nablus. Das von der Loan Bank erworbene Manuskript wurde im Jahre 1486 in sehr schönen antiken hebräischen Buchstaben von .,Uzzi den Jttamar ben Abdael -den Azi bar Nathcinael ben 2tniram bar jttamar ben Astzsgstz Jßf Elikger Dar Nachanucl Dar Cllezcr" geschrieben. lDie Juden im amerikanischen Leben.) Der vom Jewilb Bioqraphical Bureau herausgegebene Band des .Who's Who in American Jewry" enthält biographische Daten von 2527 hervorragenden amerikanischen Juden, von denen 414 Internisten oder Chirurgen sind. Ferner bringt der Band Biographien von 4 Dichtern. 56 Pädafür Stunden das Interesse wach, denn selbst nachdem der Zug aufgelöst ist, durchflirten seine einzelnen Teile noch lange die Straßen. Scherz und Uebermut. — aber nirgends eine Roheit! Tel-Awiw ist eben eine jüdische Stadt . . . Tel-Awiw, dieses „trefene" Tel-Awiw, ist eine jüdische Stadt. — das zeigt aber auch der Peßach. der eine ganze llmstcllulig 0k8 MubhllttM unö Der LÄMMiMn- Wim Doriongt. Es gibt sicherlich nur ganz wenige Haushaltungen in leitern, 10 Dramatikern, 34 Schauspielern, 60 Sozial-Fürsorgern. 10 Philantropen, 38 Journalisten, 60 Bankiers u. a. m. Im Kongreß der amerikanischen Staaten sitzen 11 Juden. 13 weitere Juden gehören den einzelstaatlichen Parlamenten an. Von dep bekanntesten amerikanischen Verlegern sind 24 Juden. Kerner sind Biographien vorhanden WA MG Wstäkpen. 999 Rabbinern, 186 Zngenieären^ SS btlbenben Künstlern, 80 Musikern, 93 Professoren. 94 Kaufleuten, 32 Groß-Industriellen und 37 Chemikern. umm 5 Mai 1927 Ktnberecfe. ♦n *7 ’ n 'Wpy iV' nVrnn i'v n ivi» nrri »NIL n» bipn —. vnrrvn» — rrinpb»', MN ■’DID W D5T “JK -V'V *»3S •’V« V31 -DTOi AN2 w.» naan •mNQnVi 1122'? 12^ ‘jst tht» '•»issan *]Van ■»ono p2 ’3mn nnvrr n^’302 ''3171271 's?3i '3V vrri '^7i!?s3 p'irr V'ik '1' E. Agulnik. Bad Kreuznach. Zu dem jüngsten Rätsel in Nr. 15 sandten noch nachträglich (vor Deröffentlichnng der Lösung) richtige Lösungen ein: Majer Neugröschl, Bochnia lPolen); M, Kllnstlinger, Essen; Paula Margulies, Bremen. 1——i f - L.BARBARINO Frankfurt a.M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tabake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate ( ImBGFt VGfi Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 Tele!on Hansa 3391 Zeit 88 Versand nach auswärts Elektrische Beleuchtungskörper QeiegQimeiisteäufs Herrenzimmerkronen 3flimmif, echt Messing. . . ..Mk. 18.50 öflammig, echt Messing. ....... . Mk. 28.50 Speisezimmerzugkronen 4flammig, mit Seidenschirm . . .... Mk. 38.— Schlafzimmeriampen..;.. .m. Psshenbeleushtungen "‘"‘IE “E! Seit 1896 " Kein Ladengesekäft, daher billigste Preise miiMiimmiiiniiiiiiiiiiiiiiimmmmmiimmiiiiiiiiimiiiiiiiiiiuiiiiKiiiiiMiiimi J. Gischler, elektrisch. Anlagen Gr. Bockenheimerstr. 52 I. - Telef. Hansa 5079 Bad Mergent heim. Bon der ärztlichen Leitung des Kurhan^-es Bad Meraentheirn «Ülh tztzA NrtchItügIprüstvrm Löst M Iffi etnei Woche hier zur Kur befindet, erholt sich zusehends von den Folgen einer schweren Operation. Die Wunde ist vollkommen abgeheilt. Die Kur, welche der Behandlung der Gallenblasenerkrankung dient, nimmt einen normalen Verlauf. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton 3. ^routfurt cs. 3R.; Snferate i. SB.: @Aacb» .tSfflUL - Wtu „Ub^floalfAe Sei?affe.- I4rLI LSUsMSNN w M - Berka« .Israelit". V.m.b.K., Frankfurt u. M. — Druck Äemon Verlags« Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.