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Der Israelit · 1927-05-05 · Heft 18 (5.5.1927) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 18 (5.5.1927)
Date
1927-05-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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1927 Das Wunder mit der Weinflasche. VomS. Zzchaki. L Boris der MLsichnwetd. Mit Lew Schmelzen Les Flusses durch 'die ersten Sonnenstrahlen und lauen Vorsrühlingswinde begann das große Reinmachen im Städtchen, die fieberhafte Vorbereitung für das MsilllMsi, M liöj csimüO doh an allen Häusern und Häuschen Die den -ganzen Winter über festverschlossenen Fenster für kurze Weilen im Tage aufgingen. Dann fetzte ein Putzen, Fegen und Scheuern in und vor. den Häusern ein, als wären tausend.schlummernde Kräfte erwacht und in Wirkung getreten. Geheime Kobolde legten lustig mit Hand an, um aller von unten zu oberst uub von oben zu untEFlt riWWMni Am stoben und Mädchen, wuschen und rieben an irdenen, hölzernen und kupfernen Geräten wie besessen. Jisroel Jankel, der Melamed, jagte die Schüler heim und schaffte neu gehobelte Bretter herbei, um das lange Chederzimmer mit dem guten Backofen ineine Mazzobäckerei umzuwandeln. Andere waren ihm zuvorgekommen und hatten bM!ts ip Dofon für WM Mkli hergrNMl, Männer trugen Mehlsäcke nach Hause und sahen dann aus, als wären sie selber aus einem Mehlsacke gekrochen. Aeltere Frauen „stellten" in der Slitbettede, wohin kein Choinez mehr hin durste, den Vorscht (Roterübenbrühe), damit er noch - rechtzeitig bis zum Feste ordentlich gähre. Dann IvM M mthszelhem Honig und Hvsisen in einem großen Kessel der M e t gedräut. 2ie losi ZklSWM ANW '^"7" M T~le naschten denfür das Peßachgetränk bestimmten e Honigs und steckten Flüche und Hiebe in Fülle ein. (Dann tummelten sie vor dem Gemeindebade, den ersten Frühkäfern nach. Das Städtchen war zu neuem, regem Leben erwacht. Wie der Fluß, 'der in müder Erstarrung lange Monate schwere MMMn m MUl Dmk mMMkll mmm hatte, um nun, aus der Erstarkung erwacht, rauschend und wütend die Eisschollen, die letzten Mfte seiner Eiszeit, hinunter nach Preußen zu treiben.' Auf. demungepflasterten Markte, der umsäumt, war von der. hölzernen alten Schul mit den kunstvollen Schnitzereien und der seit Jahr- MNlM htMfllllWN VlllkNk- VkM gkvsikN vierten; undi. bis-! aus den Pechschwarzen Unterteil schneeweißangestrichenen Beshamedrosch, der großen Schankftube des Joel Salkes, in dem Bauern Weißbrot aßen zu mit. angebranntem Zucker gefärbten angeblichen Tee und abwechselnd Kirchen-: und Wirtshauslieder sangen, einigen Kramläden und dem langen Hause von Of «her: bexrt: ■ Mertzid, ba& mit feinem überhängendcn, Dülhe; derr ^inbrusE tim? Greifes machte, der die Kappe bis über die Augen gezogen hat; auf diesem Markte standen ein paar Bauernfuhren, aus denen an den Füken gebundene Hühner, Enten und Gänse gackerten und schnatterten: Ein Bäuerlein an einer anderen Mtzkk SWMiM KMMWkN ff!ff nehen 'lilm hatte Meoev öMM emm ganzen riesigen Baumstamm, der um viele. Meter über den kleinen Wagen in der Länge hinausragte, zum Verkauf gebracht. Eine alte! Bäuerin breitete auf Stroh, das sie auf den Morast gelegt hatte, behutsam ein paar Schock Eier aus und fluchte mit dem Bettler, der sich mit seinem Krückbein ausgerechnet dgneben niedergelassen hatte und mit tdoljinnö^elnden Kirchenliedern die Aufmerksamkeit .der.Passanten aus das Dorgeftaeile und die geöffnete Hand zulenken suchte. Er .erwiderte die Flüche zwischen den Gebetworten prompt, daß diese im gleichen Singsang herauskamen, als ständen sie im Gesangbuche. Jüdische Männer und Frauen gingen von Wagen zu Wagen, sahen, prüften, feilschten und zankten erregt mit Konkurrenten, die überbietend Pch um die gleichen Produkte bewarben. Jacker, her „Ärenz!nreÜor", (er iUflW noch aus früherer Zeit, da er gegen Geld und gute Worte Emigranten über die Grenze schmuggelte, obwohl er sich längst umgestellt hatte und Gier nach (England exportierte), der seinen kurzen.grauen Ziegenpelz mit Grandezza trug, prüfte die (Eier .mit Kennerblick und legte die ihm Wfagenöen in deN gkößStt Köktz, ÜöN AN Junge vor ihm hertrug, unberührt von den Flüchen des Bettlers, dem er mit seiner breiten Gestalt die Sicht verstellte, und den , Verwünschungen der Fxauen, denen er. mit.seinen hohen Weisen die sür Peßach so nötigen Eier förmlich vom Munde wegnahm. Zwischen Bauern, Händlern, Frauen und Äasssniungen schritt Maviiliiitch iw Mbütülli* sein feinet b-sx°t,Wn MP OÖIÜ StSftS gSNP Getrmbe, Pawel, der Polizist, die langen Schastenstiefel üis zu den Knien, die eng und farblos gewordene kurze Uniform behaglich aufgeknöpft, die rot umrandete Amtsmütze kühn und schief auf dem.glattgeschorenen Kopfe, der wie ein schief geratener Kürbis aussah. In seiner Sjxxnb 'die Uiagatfa imb fern 9JHmb pfiff irgend eine Reitermelodie. Mit spähendem öuchsauge verfolgte er eine Weile das Gewoge und Getriebe, dann, bog er in die Schenke von Joel Salkes eisi. Bei Joel Salkes durste nur „Tee" getrunken werden. Joel hatte keine Konzession. für den Schnapsausschank. Darum war bei ihm der Schnaps billiger und bester .als anderswo, beim er war von KMMDWlt... Pornel profitierte "habet ein Zwiefaches: Er bekam lhten „^reu^islheu^ un! au^er^eN N3Ns 88!?! wie Trinker etwas in die Hand, daß er weiter kein Aufsehens daraus mache. Konzessionen waren für einheimische Produkte da, der Schnaps kam aber von Preußen und ging den Fiskus eigentlich gar nichts an. Daß er eingeschmuggelt mar, ging toieberum ihn nicht an. (Er war ja nicht als ° Meng- DDcf Zvllhärcr öeMtt. §v legte sich Pawel das Gesetz zu seinem Nutzen und zum Wohle^aller aus. Auf der Schwelle der Schenke stieß er auf Boris den Mesch um ed, den er zwar nicht mochte, aber nicht umgehen konnte, weil dieser hie und da Zutritt zu Amtsstellen hatte und jetne fange Nase gern in Dinge fiecfte, die kr, Pllwkl, am liebsten für sich behielt ohkv sie von Mann zu Mann, will heißen: von Hand zu Hand ohne fremde Einmischung ausmachte. Er mußte ihn wohl oder übel freundlich ansprechen, und dabei geschah ihm ein kleines Malheur. Na Boris" sagte er, „jetzt kommts bald. Euer Peßachfest, da gibts bald Mazzen und Knödel." Pawel lief das Wasser im Munde zuämrneü Ui ZeM MZSttAtt 3N dis MgMkNvUflb die er am Feste in allen Wischen Häusern der Reihe nach auszukosten pflegte. Boris biß sich auf die Zunge, zog die Augenbrauen zusammen, daß die Augen ganz klein und giftgrün schillerten und die gewölbte Rase sich c£j montäglich nejrfängerfe. „W i r7° erwiderte'er gkreigt, „Wae heißt W i r? Was Hab i ch mit der Gilde von den Mazzoknödeln zu tun? Wir feiern Pascha Sonntag in acht Tagen, dann sehen wir uns in der kleinen russischen Kirche im Hofgut des Knias. Du bist doch auch rechtgläubig, Pawel, was?" - - , „Es ist wahr, Boris, verzeihe!" lenkte Pawel wieder ein. „Habe es ganz vergessen. Du bist ja tim der llnsr>igon.. Unter uns MmnHen", klopfte er Boris vertraulich auf - die Schulter, „ich hätte, gehörte ich zu den Beschnittenen, die Religion der Mazzoknödel nicht so mir nichts dir nichts'verlassen können." „Du bist gut aufgelegt, Pawel." „Kann ja sein. Ich sehe es gern, wenn der Frost nachläßt, der Fluß sich öffnet und die Juden anfangen, für ihr Peßachfest zu putzen. Miß ick Jiufel, >H hin um hilft pi immer um ein Jahrzehnt jünger und meine Nagaika schwingt in der Luft wie die ersten Käfer. Saust sie jemand auf den Kopf, — ein Bäuerlein, das vorhin mit einem jüdischen Händler Krach anfing, mußte es spüren —, so kann ich gar nichts dafür, sie sauft herum wie ein losgelasiener Hund, Uv dis Frühlingslust im Geruchs Hai." Boris rückte ein wenig ab. „Ein elendes Judennest", lenkte er verdrießlich auf. fein ^hema'wieder, über. - „Hier gibt es nur Synagogen'und eine hinter Kastanienbäumen versteckte katholische Klosterkirche sür das Landvolk. Die paar echten Russen wie ich und Du und die Herren vom Amte und der fürstlichen ffiuisüertödliunfl titiifkn mit dem Weil WwfyWm im GutsPf VMM vöhmon. Don in Rostow, wenn die Osterglocken von den vielen vergoldeten Zwiebelkuppeln der großen russischen Kirchen läuten! Heilige Madonna, ist das ein Geläute und eine Freude, wenn sich die Menschen auf der Straße in die Arme fallen und sich mit den Worten grüßen: Christ ist auferstanden." ^^miebeltn^^reln"^ miederf>c»lte der PaliArft das Wort mit Behagen und schmatzte. Zwiebeln weckten , bei ihm den Vorgeschmack gut gezwiebelter Osterspeisen in den jüdischen Häusern. Er tvjschke sich bedeutsam den Schnauzbart und meinte: „Ja, läuten können die Russen, trinken auch. Aber essen können die Juden. Ihren gefüllten Nteh lind iljke Kliödet rncht ihnen. Lein Nostorv noch-" Dann traten $6 m Lle §cf).eufe. Joel, ein breitschultriger Jude mit struppigem Barte, in Hemdsärmeln, mit herunterhängendem rotweiß gestreiftem Arbakanfos, begrüßte die Herren mit dem ^gemessenen Kopfnicken, das er eigens für Kunden hatte, aus denen nicht viel |u traten mar. ^amef nahm den Schankmirt am Arm UM flüsierie ihm eiivas ms rechlc Oyr, worauf Joel, mit beiden flachen Händen eine Art Schalltrichter bildend, ihm wieder etwas leise zurück ins linke Ohr sagte. Pawel hatte geflüstert: „Einen guten Preußischen, 90 Prozent, darf ein Viertelliterglas sein." 3oef im gleichen Ton durch den Schalltrichter: „§ir, rKkht gkru, W 9$?f4jwme& muß erst zum Teufel . . ." Pawel verstand, sah die Vorsicht des Wirtes für begründet an und gab sich zunächst mit einem angeblichen Tee, der die Farbe aus gebranntem Zucker erhielt, zufrieden. Mit Boris hatte es seine eigene Bewandtnis. Sohn von „Motte C h a p p e r ", der als Oberfmn# öilW DiökMbllMs im (Sofänoniß QsftDrößn war, hatte er als Kind den Namen „Verke C h a p p e r", nicht allein, weil er auf Grund des erblichen Adels Anspruch auf den väterlichen Titel hatte, sondern, weil er sich schon in jüngsten Jahren im väterlichen Gewerbe mit einigem Erfolg erprobte. Für den dheder zeigte er rnenig ^igNUNg' <§>? nffffTP siclj Ue Iiabide^örde^ ln der Hauptsache vertreten durch den Polizisten Pawel und seinen Vorgesetzten, den Revierobersten Michalowsky, seiner an und steckte ibn, um ihn wenigstens für einen Teil des Tages von der Straße fernzuhalten, in die für das Hofgesinde des Knias erhaltene kleine russische Schule. Dort eignete er sich neben den Kirchen-

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