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Der Israelit · 1927-04-14 · Heft 15 (14.4.1927) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 15 (14.4.1927)
Date
1927-04-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 14 Nr. 15 Der Äscaelik 14 April 1927 Hu Mm, Fiff W?]J sU vor uns*aufgetan iu Würn. Ünv niih’tbarf noch M Artillerie hsitze. verderbenbringende Strahlmassen ln die wilden Aufruhr dieses Tohuwabohus. Wie gebannt lagen wir an den bellenden Mordmaschinen, die Ohren - sausten, als brande ein tosendes Meer hinter uns. Die Gurte glitten in rasender Schnelligkeit dupch die Zu sichrer. Mein Feuerdämpfer war plötzlich verschwunden und ein langer Feuerstrahl spritzte aus dem Lauf. Jetzt schien sich auch die feindliche Artillerie zu rühren, -Wir nahmen ßau|rocc^|el t>or. Ulacj^ roenlgcn §J^n|jen dampfte siedend die frische Kühlslüssigkeit. Ein Berg von leeren Hülsen türmte sich vor uns auf. Unsere Mu nition ging zu Ende. Plötzlich zischte grell aufleuchtend wieder eine rote Leuchtkugel aus: das Zeichen, daß das Unternehmen beendet fei. Schleunigst rückten wir mit Gewehr, Schlitten und leeren Munitionskästen ab. Eine Stunde hatte der wilde Tanz gewährt. Gegen 3 Uhr morgens gingen wir noch einmal vor, um die abge fchossenen Hülsen und zurückgelassenen leeren Kästen ab zuholen. Denn Deutschland war arm geworden und mußte sparsam auch das Verbrauchte wieder zu vertuenden suchen. Alz luräils!»; m 8is Mlkunz W »M vor, baß ich am nächsten Tag (§. Tag nach Mulsach kommen sollte, um die Beerdigung eines jüdischen Gefallenen zu leiten. Vergeblich versuchte ich zu erraten, wer der unglückliche Kamerad sei. Um so weher war mir zu Mute, als ich dann hörte, daß mein lieber Freund N. beim Minentransport in der ersten Eedernacht, um die Zeit, da seine Lieben in der Heimat wohl mit besonderer Sehnsucht des fernen Sohnes im fremden Lande gedachten, durch einen Granatsplitter, der ins Herz drang, gefallen fei. Am 2. Tag Peßach brachten wir ihn — 12 jüdische Kameraden — auf dem großen Militärfriedhof von Mulsach zur Kewurah. Ein Kamerad sagte das Kadisch- Gebet; die Kompanie salutierte und der Trauerzug verließ den Friedhof. Wir aber versammelten uns noch einmal in einem Zimmer der Kommandantur, sagten ein Lernkaddisch für den teuren Helden und beteten gemeinsam das Maariw-Gebet. Dann trennten auch wir uns, um noch am gleichen Abend wieder in unsere Stellungen zurückzukehren. . Ermochte gegen 9 Uhr crl>ends fern, als rch rvr-e^er in meinen Unterstand ankam. &i?{?r au? einem Tagesraum, der nur von Wellblech und einer dünnen Erdschicht als Deckung gegen Regen und Sicht überdacht war und einem tiefen Stollen. Gewöhnlich hielten wir uns im Tagesraum auf, da der Stollen kalt, feucht und nicht heizbar war. Und nun erzähle ich, wie ich an einem Erlebnis von ernstester Art rückdenkend, die weise Führung Gottes wieder einmal zu erkennen in der Lage war, wie Hafchgocho Perotis sich mit offenbarte auf einer Weife, die als Wunder nicht mirider grob ist. wie die Zeichen, die die Väter erlebten, trotzüem es nur aino KlöimgM. ßin flWNlllMlU. „Zufall" war, der die Rettung, eben däS Wunder, auslüstö. Aus besonderen Gründen wagte ich es in jener ganzen Stellungsperiode nicht, die Stiefel während des Schlafens auszuziehen und die Hosen von den Trägern zu lösen. Aber gerade an diesem Abend war ich so müde und abgespannt, daß ich ausnahmsweise sogar die Stiesel auszog, ohne vorher erst die Riemen, die sie über dem Knöchel zusammenzogen, zu lösen, und daß ich die Hose löste. Mein Schlafplatz war die Bank; die Gewehrbedienung lag auf dem Boden. Da erfolgte plötzlich ein Feuerüberfall. Schnell flüchteten alle in don Stollen. Einer der Schläfer rocrr indes nur rnühfam zu ermuntern, so daß die Gefahr schon wieder vorüber schien, als er sie nur gewahr wurde. „Mich ärgert es, daß ich aufgestanden bin", - sagt er und legt sich wieder nieder. Wir übrigen unterhalten uns ruhig weiter. Feuerüberfälle sind wir ja gewöhnt. Ich rate aber, in den Stollen zu gehen. Plötzlich ein neuer Einschlag in unmitelbarer Nähe. Ich schreie: „Alles in döll lslllllon!" Die ®tf)üß&n 1, 3 unD 4 folgen öcm Rat. Der Schläfstmied MsLsr> göimckt und will sich gerade schlaftrunken erheben; Schütze 2 springt aus dem Stollen noch einmal herauf, um die Karbidlampen mithinunterzunehmen. Ich bemühe mich vergebens in die Stiesel zu schlüpfen, die ja durch die ungelösten Riemen über den Riß zu eng dazu waren — zu meinem Glück. Denn in dem Augenblicke, wo ich am Stolleneingang hätte sein können, erdröhnte ein furchtbarer Schlag. Der Unterstand ist in Qualm, Staub und Finsternis verwandelt. Unmittelbar über dem Stolleneingang ist ein Schrapnell eingeschlagen. Der Luftdruck hat den Ofen lllliA?1lffb^j verschüttete Glut leuchtet mie mit gi|- ligen Ratlernaugen. . . . Zwei Tage daraus stehen in der Reihe neben meinem toten Freunde N. zwei frische Gräber. Dankbaren Herzens erkannte ich die Güte Gottes. „Der Glückliche glaubt nicht, daß noch Wunder geschehen; denn nur im Elend erkennt man Gottes Hand und Finger." (Hermann u. Dorothea, 2. Ges.) unx vfs «.isp ijjn mjf TktMfnMt Aach feiner Augen Qiöjt nnrt) er nitfjt richten. Nach seiner Ohren Schall zurecht nicht weisen; Wird mit Gerechtigkeit die Armen richten, Mit Grad heit die Bescheidenen verweisen. Er schlägt das Land mit seines Mundes Stabe, Den Bösen tötet seiner Lippen Hauch. Das Gottesrecht ist seiner Lenden Gürtel, Und seiner Hüften Gurt die Gottestreue. — roeifet friebltcf) bei hem ßamm her 9Bolf, 5er ^Stmil^er lagert ruijz>oü he! bem Süücflein. Und Kalb und Leu und Masttier sind beisammen — Von einem kleinen Knaben leicht geführt. Auf gleicher Weide grasen Kuh und Bär; Einträchtig lagern ihre Jungen sie. Und wie beim Rind ist Stroh des Löwen Speise. Wie lieblich spielt am Natterloch der Säugling! Wie sorglos greifet das entwöhnte Kind Mit seiner Hand nach giftiger Schlangen Höhle! — Nichts Böses tun fie mehr und kein Ver derben, Auf meinem ganzen heiligen Berge nicht Denn der Erkenntnis Gottes ist nun ool jaiui ffipfci _ B?ii äii WssssMutsn Des eres @ r ü n b e unermeßlich beefen. Kmberecfe. Aus dem Munde der Kinder. Mo mofsiamscho Amt. (Nach Jesaia 11. 1—9.) Von David Pineas. Es geht ein Reis hervor aus Jsais Stamme, Ein Sproß aus seinen Wurzeln fruchtet auf! Auf ihm wird herrlich ruhen Gottes Geist, Der Geist der Weisheit und der tiefen Einsicht, Der Geist hes Notes urtb her tätigen Kraft. Der Geiste der Gatt erkennet nnb ^^n Von Heinrich Einstädker. In den letzten Jahren haben es die Verhältnisse mit sich gebracht, daß die verschiedenen Bevölkerungskreise mehr denn je einander räumlich näher gekommen sind. Infolge des Wohnungsmantzels sind auch in manches herrschaftliche Hans Arbeiterfamilien nnb andere „kleine &ente" eingegvgen, und roerin sie auch nur Mansarden oder Räume in Nebengebäuden bewohnen, immerhin leben sie in der Nähe und kommen hie und da mit den ursprünglichen Einwohnern in Berührung. In das Haus Am Steindamm 18, das feit Jahrzehnten im Besitze der reichen Familie Rodero war und bisher stets nur von dem jeweiligen Eigentümer bewohnt wurde, schickte das Wohnungsamt eines Tages den Packer und Kassenboten Nathan Bleich, um zu melden, daß ihm eine Notwohnung im Dachstock angewiesen worden sei. und daß er sofort mit Frau und Dier finDern oiniiQ&on fönne. Da ®r aßer oin Qnftäni dlger Mann war, behielt er den letzten Teil her Bot- 'chaft für sich und fragte statt dessen bescheiden, „wann der Herrschaft es paffe, daß er einziehe". Und Frau Rodero hinwiederum ließ ihm auch nicht, wie manche Hausbesitzer durch ihr Mädchen sagen, daß ihm kein Fußbreit mehr gewährt werde als die beiden Stuben und die Küche, die vom Amt beschlagnahmt worden waren. Vielmehr ließ sie ihm freiwillig, als sie die Zahl der Familienmitglieder erfahren hatte, zwei weitere Zimmer einräumen, und erbot sich, ihm jeden berechtigten Wunsch zu erfüllen. ' Bleich na^m hie SSergröjjerung her 233of)nung dank- 6ar an, aöer er vermied cs, seine freundlichen Wirte durch irgend eine Bitte zu belästigen. Er und feine Angehörigen benützten nur die Lauftreppe, die in vornehmen Häusern für Dienstboten und Lieferanten eingerichtet ist, während die Herrschaft auf der breiten, mit Läufern belegten Haustreppe verkehrte. Seine Kinder betraten nicht den Rasenplatz, auf dem die Sprößlinge der Famillö Morn fmolton. ®io giiWN zum 8M äns Äii belebte Nsbänsti-äßs, dis sich hinter' im Haufe hinzog. Diese Bescheidenheit gefiel Herrn und Frau Rodero 'ehr wohl. Sie hatten sich bereits nach ihrem Mieter und seinen Angehörigen erkundigt und nur Gutes gehört. Die Leute wurden als fleißig und ehrbar, die Kinder als wohlerzogen geschildert. Darum begab sich Frau Rodero selbst eines Tages in Bleichs Dachstockwohnung, und als sie sich davon überzeugt hatte, wie auber und ordentlich es dort aussah und wie artig und manierlich die Kinder sich zu bewegen verstanden, da lud ste selbst die Kleinen ein^ den ©pierptatj itjver Kinder im Dausgarten zu leiten. Es dauerte gar nicht lange, da waren die Kinder der beiden Familien schon gute Kameraden. Besonders eng chlossen sich zwei zehnjährige Knaben einander an. Max Rodero und Leo Bleich besuchten seit der Umschulung des letzteren auch noch die gleiche Klasse einer Oberrealchule, und infolgdessen spielten sie nicht nur miteinander, sondern sie lernten auch oft zusammen. So ergab es sich: haß Max Häufig in Blsichs Wohnung kam und Gelegenheit halte, dort willen . und Mebräiich^ zu beobachten. Bleich war ein aufrichtig religiöser Mann. Er erzog seine Kinder zu treuen Juden, und feine Frau sichele den Haushalt streng nach jüdischem Gesetz. Da bekam Max gar manches zu sehen, was ihm fremd war und was den Sitten in seinem Elternhause nicht entsprach. Die strenge Heiligung des Sabbats war das erste, was ii)m auffief. Ö££s aber kamt ber rtafyie, b-a £am ifjm £>er ^aus^a/t fc-c M!el, er tote eine attoere *???? OH TU H?H$f sM TtMNM, M sah, rote in Dm refttn Wochrn Taft Das g^famte Tun und Denken der Familienangehörigen nach dem Feste hinzielte. Die Kinder sprachen kaum mehr von anderem. Da sie einen eingehenderen hebräischen Unterricht als Max genossen, konnten sie ihm viel aus der Hagada erklären, die in seinem Elternhause an den Sederabenden nur oberflächlich verlesen wurde, und ihm all die Gebräuche schildern, die die Feier so reizvoll gestalten. (Ein S^tnb*erf>er5 ifi ein fruiij±£>ar*er für -eine saal, h! re ans re )I IIII Itgtojer Weil tammt, uni wille, der daraus emporwächft, ist schier unwiderstehlich! Max nahm mit Erlaubnis feiner Eltern am ersten Sederabend an der Feier der Familie Bleich teil, und was er von dem dort Gelernten und Empfundenen am zweiten Abend seinen Eltern und Geschwistern erzählte, das . erweckte bei ihnen helle Begeisterung. Die nächste Folge war, daß die Kinder von jetzt ab ebenfalls einen gründlichen hebräischen Unterricht erhielten. Herr Rodero ließ es sich sehr angelegen sein, diesen Unterricht selbst zu überwachen und dafür zu sorgen, daß zwischen dem, was die Kinder als geboten und verbindlich beim Unterricht femten lernten, und den Verhältnissen, die sie iin ZZllsi lim (Buiütey ittMrrr. Lill miiii Sieben zog ln bos schone hfaus am §tembarnrn ein, und als der nächste Peßach kam, da bildete der De der im Hause Rodero die Krönung einer Entwicklung, die von allen Teilnehmern als eines der Wunder der Lel Schimmurim empfunden wurde. rni'nin IQ mn .'r>i»r n«“m ö« (i -•’n'TÄn yina *>n^ •>5^ '•»mpa ‘r»on üx ’n*? (2 ••>2 121' r>tpj?2 D'bnn ''iDsnn dxi (3 ''1X211 dx dVei . (4 •’1p22n 21.2 2ixV ''iX2pn 2inx bx bVix (5 •'ixxan nmxn bv tx fyppy anir nyaa-’Vygj-’jp niaW anaa L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tabake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 Tele,on Hansa 3391 Zeil 88 Versand nach auswärts Hierdurch weisen wir darauf hin, daß das Cafe und die Konditorei Julius Loeser, hier, Gr. Eschenieimer|tra|e 72^ jeme ©rgeugnijje in altbekannter Güte auch zu den Pesiachiagen hersiellt und an den Chol-- Hamoed-Tagen geöffnet ist. Der Frühling naht, die Kurplätze rüsten sich zum neuen Saisonleben. Wer die Naturschönheiten und die Heilwirkungen von Bad Krssingen kennt, erstere einmal genossen und letztere an sich erfahren hat, den zieht es immer ünv immer wievcr miß llleser Perle Oer Oeulschm Davsr. Jullffche Kurgäsis, Me zu den alten Kissmgern zählen, muß es interessieren, daß das mit allem m 0 - ernen Komfort ausgebaute Hotel Ehrene i ch in Bad Kiffingen, dessen Besitzer Emil Jeidel vor kurzem gestorben ist, von der Familie in unver- "nderter Weise wie bisher weiter geführt wird. Das Hotel ist auch am Peßachfeste geöffnet und zur Aufnahme von Gästen bereit. Es kann als Ergebnis der wissenschaftlichen Forschungen auf diesem Gebie festgestellt werden, daß der galvanisiHe Strorn den kranken und geschrvächten Organismus tärkt. &e FäMzff ZzlUll mmlA hMi gXZi» chädliche Stoffe ausfcheiden, die Storung im Vlutumlauf verhindert, in vielen Fällen Schmerzen ganz wegnimmt, die geschwächten Energien und das Arbeitsvermögen des ganzen Nervensystems wieder herstellt. Die Möglichkeit, mit Hilfe des galvanischen Schwachstromes der W 0 h l m u t h - A p p a r a t e die Gesundheit zu erhalten, Linderung von Schmerzen und neue Lebenskraft wiedeer zu gewinnn, sollte eigentlich von jeder Familie ausgenum meroen. Mil Nrllil sagte rin rrsahrencr Ner? nmarzii Eine Slunüs lägliWr EchwuchsMimDöhanMung mit dem Wohlmuth-Ap parat sollte zu den Bedürfnissen des modernen Kulturmenschen ebenso gehören, wie die Reinigung der Zähne. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das FeutUeto« S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate t.B.: S Schachno witz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen («r- Offenbach). — Verlag Ö&raeltt", W.m v.S-, Rronlturt u. 3», — Druck ümmn 93ertags»

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