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Der Israelit · 1927-04-07 · Heft 14 (7.4.1927) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 14 (7.4.1927)
Date
1927-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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W- M YWW. 7. April 1927 KmWrt «r M., Un D.'üipn mi Nr 14 Begründet von Dr. Lehmann in Main-. Abonnement ab Januar 1834: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vierteltahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar: England 4 sh.; ab 1. Juli 5rankreich 35 Fr.; Belgien 7 Belga;Holland 3 fl.; Italien 38 Lire; Jugoslawien 68 Din.; Uoueu 7.60 ßitj Rumänien 200 Lei: Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs öder ( iUutUj SOirocU ° sr-i, a;röbec^o=iSIoiDarct SS Sfionc.; XZtxaa^„ s ^intemorl Stnseluumut^ bi>stSts MMfeimtge. ' Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 48 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 38 Pf. Die 76 mm breite Reklamezeile: letzte Textsette 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. 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Für sie kommt eine weltliche oder ähnliche Schule nicht in Frage, weil ihnen „Religion und Weltanschauung als wertvollstes Kulturgut geradezu die Grundlage jeder Erziehung ist." Auch eine nichtchristliche, aber religiöse Gemeinschaftsschule kommt für sie nicht in Frage, einmal, weil eine deutsch-religiöse Erziehung christlich sein muß,- dann weil es geschmackvoll heißt: „die Rücksicht auf Juden und Christentumsfeinde zu oerro«||ea:ler sllhstäA fflÜjfiß. Sie wollen eine dritte Lösung: Die christliche Gemeinschaftschule, die Simultanschule für Katholiken und Protestanten, als Deutsche und als Protestanten. Als Deutsche, da sie in der Schule, die das gemeinsame christlich-deutsche Kulturgut verwaltet, die letzte Einheit der Volksgemein- WllMll sthkNi uM, MWgklW?? Bekenntnis erschiene ihnen als @ünDe, menn es »zur ©ünDe wider die von Gott gegebene Volksgemeinschaft verleitete". Ditzfe fromme und patriotische Anschauung hindert sie auch darüber nachzudenken, ob die Juden denn nicht auch zu der „von Gott gegebenen Gemeinschaft" gehören, und veranlaßt sie zu der UeberZeugung, „daß alle katholischen Bekenntnisschulen nicht nur aus der deutschen E^iehunZ süLschsidon, sonDöin DöllMseindliche Erziehung haben". Ais Evangelische zählen sie dann, eine ganze Reihe von Gründen auf, die gegen die Konfessionsschule in kirchenpolitischer Beziehung sprechen, Gründe, die letzten Endes auf die Angst vor Rom hiNauslaufen, das ihnen fast so gefährlich erscheint wie 2uda. Der gange Artikel zeigt, messen wir UNS ZU y Die Deutschtzircbe, (Verlag d. Deutschkirche. Berlin-Niedernhönhausen. Kaiserweg 60), 5. Iahrg. Blatt 1. versehen haben, wenn diese Lösung der Schulfrage allgemein angenommen würde. Für uns kann es sich nur um die Entscheidung zwischen weltlicher und konfessioneller Schule handeln. Die Rücksicht auf die jüdische Lehrerschaft, die vielfach auf unsere Schulen — besonders die WikLsSWN — lllWwIMl 1TI. M MM SM Judentum und die Pflicht der CelbstvMsM. gung, schien alle positiv denkenden und tätigen Organisationen und Führer, von Schulmännern gar nicht zu reden, zur Bejahung der jüdischen Schule geführt zu haben, Außer in gewissen Gemeindestuben, wo die Furcht vor dem Anti- SMicfjxc^i ouj1 Slotoenbtgf eiten Des Judentums schwelgen lützl. Men jeör £r batte über den großen Wert jüdischer Schulen überflüssig, nur über die Form herrschte Meinungsverschiedenheit. Daß dem heute nicht mehr so ist, beweist die Tatsache, daß Lehrer Steinhardt in dem Hamburger Familienblatt eine heftige Fehde deswegen führen mußte. Nichts ist bezeichnender über die Unklarheit, der man sich grade in jüdischen Kreisen über diese Frage hingibt, wie eine Diskussion, die die C. V.- MMng'M Mllllllr VVNMN Dtthss? w e^±en NüiNMsr tym Jugsndbeilags eröffn öl hm, in der Ansichten vertreten sind, die wir nicht unwidersprochen lassen können, weil sie, wie wir wissen, noch in vielen anderen Köpfen spuken. Nach Druck und Anordnung hervorgehoben ist der Artikel von Kawerau, der gegen die jüdische Schule spricht. Er ist Mit den deutschen mvtssuk. Er tonnt Don „Rassenhaß und Rassenwahn", er weiß, wie vst sich „der Druck auf unsere jüdischen Kameraden steigert, wenn sie durch Lehrer und Klasse bewußt isoliert werden", er-weiß, daß bei der heutigen autoritativen Schule der Antisemitismus hemmungslos wüten kann. Kann man nach diesen Beobachtungen heute nodj gegen die jübijdpe Schule fein? Kann matt nach Diesem Urteil; Das Herr Kawerau t$?r -M? Situation des jüdischen Schülers an den deutschen Schulen fällt, überhaupt noch anders sagen als: „Das jüdische.Kind gehört in die jüdische Schule?" Da macht der Verfasser, einen Rückzieher: Die Isolierung schasst Trennung von andern Gesellschaftskreisen!, Er vergißt, daß nach feiner Schilderung die Isolierung doch nicht zu vermeiden ist. Die s^rage ist nur: Wann eviväqi ber Mensch Die Isolierung leichter, als Kind oder als Erwachsener? Schicke ich das Kind in eine der von K. geschilderten Schulen, so ist es in seiner Klasse, unter seinen Mitschülern isoliert und einem freudlosen Schülerdasein ausgesetzt. Dafür prophezeit ihm K. für später das Verständnis für die es umgebende Gesellschaft und ihr gemeinsames Leben und Streben. Nach so bitteren Kindheitserfahrungen ist das ein vages Versprechen. SchMe,'schütze ich es vor roher Zerstörung aller Kindlichkeit, und all dessen, was das kindliche Herz mit'Liebe umfaßt, so wird es sich vielleicht bei seinem Eintritt ins Leben seiner Isoliertheit bewußt, aber es wird nicht geknickt und geduckt sein und es wird aus einer gefestigten Innenwelt heraus Isiehtef zur umgebenden Gesellschaft Brücken tonnen rote %as fml IBlüD 8£ DtO Vertrautheit mit der jüdischen Lehre befähigen. Aber Kawerau ist entsetzt: Das wird ja wieder nur Kopfschule! Für ihn handelt es sich nämlich gar nicht um die Frage „Jüdische oder nichtjüdische Schule", sondern um weit mehr. Er ist Anhänger der entschiedenen Schulreform von Oesterreich. Wir haben oben schon festgestellt, daß Oesterreich in dem Streit „Konfessionelle Schule oder nicht" gar nicht zitiert werden kann, da er sowohl gegen bas eine n>ie gegen bas anbsts ist. Daß ahör auch bei der jüdischen Brhan^ung k« \?ra8e Oesterreichs Geist bemüht wird, sollte man nicht erwarten. Denn eine Schule, wie sie ihm vorschwebt, würde die Entpersönlichung und Entjudung des jüdischen Schülers gänzlich durchführen, Zum Glück wird die jüdische Gruppe der „entschiedenen Schulreform" noch einige Zeit Dramm Dis nt ans öm 8kl«M. müßte äüch ttäch KSWSMU Die Mische Schule mn der größeren Freiheit, die sie dem jüdischen Individuum läßt, das Gegebene sein. Verlangt doch auch Oesterreich: „Jedem seine Erziehung!" Sagt doch auch' er: „Der ganze Mensch wächst nur aus seiner Struktur, wenn die ihr gemäßen Bildungsmittel durch Leistungen ihre Edelform erreichen können." Gibt es eine bessere Rechtfertigung für die Bildung öeZ Suäm DuM) SuDontum? . Dienst an der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit soll aus der idealen Schule Kaweraus erwachsen. Das ist nicht zu unterschätzen. Wollen wir aber damit nicht bei unserer! engeren Gemeinschaft anfangen, indem wir die jüdische Schule, die die stärkste Probe aufs Verantwortlichkeitsgefühl und die festeste Stütze unseres Zusammengehörigkeitsgefühls ist^ zu einer Musterschule aus- Wik erhallestWenn Karne^üü eines> Utopie zuliebe die jüdische Schule ablehnt, so hat er in unseren Augen die Entschuldigung, daß er das

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