Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1927)
- Date
- 1927-03-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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J4 11 Der Israelit 17 LKärz LSL7 „No, Sie brauche es mir auch nit zu sage", ruft Merle nach. „Mei Mann kanns taxiere!" V o m L a n d. Bei einem Besuch in Würzburg sieht Made Hersch zum ersten Mal einen Spiegelschrank. Und-das Merkwürdigste: Wie sie sich auch dreh und wendet, ob sie vor- oder zurücktritt, den Kopf hebt oder den Rock gerade streicht — eine Gestalt. MM Nie firgßfloM. üMögt sich mio sie hinter diesem Glase. „Molchen, Rifke, Frummet," ruft sie laut durchs Haus, „kommt doch schnell a mol! Was is denn das? Da habt Ihr ja noch so e alte Fraa stehe wie ich!" Der Schofcrrbläser. Nach dem Morgen- und Nschmittaggebei im Monat Elul bläst Mendele Hersch seit alters her das Schofar. Am Rofch-Hafchonoh aber tut dies der gelehrte Salme Wolf. Seit einiger Zeit nun munkelt man, daß Mendele auf den Dörfern draußen die Speisegefetze nicht mehr genau innehalte. Und wirklich ertappt ihn einer über einem Hasenbraten und meldet es dem Parnes. „Msm PPn jkSkrmsnn unti tan MO'Z machen," sagt der Parnes. Und am ersten Elul darauf zieht der länge Eisik Levi mit viel Umständlichkeit das Gemeinde-Schofar aus seinem Pult und bläst die vielerlei Töne. „Was is los?" schreit Mendele Hersch zum Parb.es hinüber. „Doch der «parnes gibt nchig gnrßS; »Bkk haß itzt, braucht nit zu bloss?"') Aindsrseks. Das Verhör. Von «LditH Levi in München. Es ist Schabbos vormittag. Die goldene Frühlingssonne steht strahlend, am azurblauen Himmel. Mit ihren freundlichen Augen guckt sie rings herum in die festlich geschmückten Schabbosstubstt. und freut sich, daß sich alle so redlich bemuht haben, den Schabbos in rechter Weise zu feiern. Da sitzt am geöffneten Fenster in einer Nische die Großmutter mit ihrem Schabboshäubchen im Lehnstuhl über den Zeeno-Ureno gebeugt; in der Schulstube ist eine Schar Knaben versammelt, eifrig bemüht die heutige Sidroh mit Raschi zu lernen. Hier hat sich ein Junge in die fesselnden Geschichten des Machne-Levi vertieft, während daneben seine ältere Schwester über rrnern allen ßeberfmnb mit Erzählungen aus dem Midrasch sitzt; ach wie liest sie so gern in diesen wurmstichigen vergilbten Blättern mit den selsamen jüdischen Buchstaben; wie freut sie sich schon immer die ganze Woche auf dieses stille Schabbos-Vormittagsstündchen. Wie oft hat sie es schon durchgelesen und immer liest sie es wieder glkiKn kksmrrmZvlMii fjreutit Wo fie ijinfDimp!, ubsrall tsifft fftan Sonne fröhliche Laune, weiße blumengeschmückte Stuben, Sinder mit frisch gewaschenen Schürzchen, die lachend, spielend und singend an einem Stück knusperigem Berches knabbern, Schabboskleider, glänzende zufriedene Gesichter. Doch als sie eben in das alte getäfelte Eckzimmer eines Giebelhauses blickt, da möcht sie sich am liebsten gar nicht mehr von dem lieblichen Bilde trennsrr. das ihr hier sä freundlich enlgeg?^sch«^f. ist LiNk Schabbosstube, wie sie selbst die alte Frau Sonne noch nicht viele gesehen hat. Ueber das alltägliche Tischtuch ist eine weiße reich mit Handarbeiten und Spitzen geschmückte Decke von fein- 2) Ein Sprichwort: Wer heiß essen kann, braucht nicht zu blasen. Hier in der dialektischen Aussprache: „haß" auf den Hasenbraten bezogen. stem Linnen gebreitet, gewiß die schönste, die die fürsorgliche Hausfrau in ihrem Schrank aufbe wahrt hat und die nur Schabbos und Jomtow zh Ehren, aber da auch regelmäßig zwischen dem Weißzeug hervorgeholt wird. Mitten auf dem Tisch steht der duftende Schabbosstrauß, ein Bild der Frühlingspracht in Wiese und-Feld, die heute auch selbst Schabbosschmück angelegt zu haben §»Mn M -fite Mutter iflrt VMS samtene Tephillöh gelegt, die mit ihren goldenen Beschlägen die Sonne so glitzernd anlacht, daß man ihr die feierliche Stimmung so recht anmerkt, die sie Heute im Herzen hat. Kein prächtiger Lüster hängt in der Mitte; dafür aber eine frisch geputzte Schabboslampe. die beim Anblick der (sonne miß pum MS stsshtt tM zlW.!B4 hintere Wand nimmt ein altes eichenes Büchergestell ein, das voll von kostbaren Sephorim steht, deren gepreßte Leder- oder Pergamentrücken mit goldenen Aufschriften versehen sind. Auch sie schimmern heute so freundlich und frohgestimmt und verbreiten Schabbosfrieden von ih trauten Winkel aus friedlich und versonnen. Oben auf dem Regal stehen alte Zinnteller, Krüge und Becher, das turmförmige Besomim düchrchsn, Sü DMn-Heärbeiiech alles liebe und kostbare Andenken aus Groß vaters und Urgroßvaters Besitz, die die Schabbosruhe dazu benützen, um still und in sich versunken von den alten Zeiten zu träumen, während die Sonne neckisch tanzende Kringeln auf ihre verträumten Gestalten spielt. Auf das Brett hoch über der Türe hat die besorgte Hasfrau das MrßWug -wMßkäumt. st ösß ftltzfi SisstZ arbeitsame Stückchen Werktag in seiner ungewohnten Ruhe und Beschaulichkeit mithilft, die Schabbosstimmung zu vertiefen. Der frisch geputzte Fußboden mit seinen blendend weißen Brettern strahlt in hellem Silberglanz, alles atmet heiligen Schabbosfrieden. An dem mit Sephorim belegten Tisch lehnt der kleine Isaak neben einer ^eöst^neten Gerny^p. Es ist Bcrhör bei MvAvalkr wie alle Gchabbvss vormittäge. Isaak, sonst ein Kind wie alle andern, lachend, weinend, spielend, steht heute als kleiner König voller Selbstbewußtsein vor einer Gemoro. Alles um ihn her ist verchwunden, wenn er mit seinen großen glänzenden Augen und glühenden Wangen sein Omed Gemoro hersagt, das er diese Woche gelernt hat. Natürlich kann er es auswendig und weiß auch. was mafnoi ju Den ßMMßll Mßllvn sagt. Dsß er es auch richtig verstanden hat, weiß Großvater durch seine unvorhergesehen dazwischen geworfenen Fragen zu erfahren; aber auch Isaak weiß .Fragen zu stellen; und sein tüchtiger junger Lehrer weiß von mancher Verlegenheit zu erzählen, in die ihn sein kleiner wißbegieriger Schüler schon versetzte, wenn ihm eine Stelle nicht klar klar werden wollte. Ach wie glücklich m UM: wenn fflromur ihm eine sßilM vßkständrgen Fragen mit einer schönen Erklärung beantwortet und erhellt. Da hängen seine strahlenden Augen an Großvaters Lippen wie festgebannt; ein freudiges zufriedenes Lächeln geht über sein gerötetes Gesichtchen. Seine Hände, sein' ganzer Körper sind in ständiger leichter Bewegung. Und rnie er kn 'sN «ltgk«vhniku Mbsingenden Tone ganz im „Lernen" vertieft ist, gleich als wäre er in einer andern Welt, da merkt er nicht wie Großvater auf einmal stille geworden und, von alten Erinnerungen erfüllt, tief ergriffen seine Blicke auf chm ruhen läßt. Er dachte zurück an seine eigene Kindheit, sein Elternhaus und manchen seiner Jugendgenössen, die nicht „lernen" wollten und hinausgezogen waren in Die weite Welt. Deren ffißntßwr tönen verlockender schienen als das „Lernen" und das Bes-Hamidrafch und die anderswo ihr Vergnügen suchten. Er dachte an so manch einen, der jetzt verschollen und vergessen war, ohne daß man je wieder etwas von ihm gehört hatte oder doch wenigstens nichts Gutes. Er erinnerte sich wie ihm fein Großvater gesagt hatte: „Mein Kind,! blicke nicht auf diese alle, sondern lerne fleißig und werde ein guter Jehuvi. Das ist das Einzige was dich später durch alle Lagen deines Lebens begleiten wird." Er hatte viel Schweres erfahren müssen in seinem Leben; aber alles mutig und stark ertragen, denn sein „Lernen" und seine Sephorim waren ihm stets seine treuen Begleiter und Freunde. Als schönster Lohn für all seine Mühen und-Entbehrungen erschien ihm heute Dieses fromme. Hugo linö, Das Ms M sichtlicher Freude und innerem Vergnügen betrachtete, wenn er es sah; und in seiner Dankbarkeit gegen den himmlischen Vater dünkte ihn sein ganzes Leben in dieser Stunde erfüllt von Glück und Freude. Gerne hätte er Isaak jetzt das Gleiche gesagt, wle einst ihm sein eigener ©rojjt«ngs¥, langer Seit; Aber er mar zu freudig erregt, als daß er ihm jetzt ein Wort hätte sagen können. Er nickte nur, als das Verhör zu Ende war, Klein-Jsaak stumm und freundlich mit dem Kopfe zu, wie es: feine Art war. — Isaaks Mutter schritt rasch auf ihn zu, stellte einen Teller mit Süßigkeiten, den sie während des Verhörs halb verborgen in ihrer Hand gehalten hatte, aufden Tisch; dann zog sie ihr Kind mit beiden 8trmsn an sich und drückte hm Innigen ^uh auf die Stirn, mährend sich ihre Augen mit Tränen der Freüde füllten. •nrvn Von 2R. Weinreb in Lüdwigshafen a. Rh. 2m vbwn bwirmp ^02 DniS D'tfl 'mnnn nwn töw&a m m »taps ** 'rnnnn Vn nx nwin 222 ns non dvn VS2 nsi d's.2 VS2 ns S2 np V'in nnn VS2 arrw ns v'v tnas^ö m!?2 nnsr ns si ’isr’attn ms a'vs '22s ar nxt nx pan '2 naisx mVi *V»BB trl» -j»T3; Lösung: 222 tp’s nns nnsr 222 2VL S2 22.2 2nos nVaa •n^an niD22 Mchttge Lösungen sandten ein: M. Zimmermann. MMMkk llr M:I Toni ML MnMkl ll. M.; SM LandkM. FköNMtt ä. M.; David Züpnik, Frankfurt a. M; Ruth Pappenheim, Frankfurt a. M.: Selig Padawer, Frankfurt a. Ml.; Michel Lieber, Frankfurt a. M.; Leo Eisenberg, Berlin; -rinrich Glaser, München; Dawid Eli Wunder, München; Lotte und Bernhard Lübinski, Schweinürt a. M; Selma Gerstel, Wetzlar; P.. Äatz, Stuttgart; Hannchen Berlinger, BetUchingeN; D. Roth, Namborn; Jtchok Rosenberg, Mannheim; Samuel Wesolowsky. Köln a. Rh.; Hilde Wassermann. Darrnpabt j ffrevY Vgsi fjß, MMj MwM Pack, Karlsruhe i. D.; M. Lewner. Karlsruhe r.D.; A. I. Areimann. Hamburg; A. Vogel, Remscheid: Hanna Wolf, Köln a. Rb.; M. I. Leiner, Karlsruhe; Selig Nutzbaum, Fulda; Oskar Artmann, Remscheid; Paula Margulies, Bremen; L. Heymann, Stegburg; F. Häusler. Duisburg; - S. Schlager, Essen; A. Silbermann. Düsseldorf; Mktor Hammel, Frankfurt a. M. £?. W?ffffrtis im Snferatni* ett cnthattenen Gmpsehlungeu ritueller Warm ober sonstige Angaben reNgionsgesehlichen Lharatter, auf ihre Auveriasfigkett zu prüfen. L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIG-AlRREN t a b a k ißiflStß Häfilbüii^er und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 Te,efOB Hansa 3391 Zeil 88 Versand nach auswärts! Ti ' li MT <