Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1927)
- Date
- 1927-03-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage W27 Die Arau an der Tür. Gart' Kolleröaurn. Im dämmerdunklen Raum, der mit kostbaren, bunten Geweben rundum ausgeschlagen war, lie- ^en unruhig l^aj'iige Spatien utrcJjer. <Ste fi-iefjen in vöseii^ spitzen Kellen vom mcllyvelcglcn Doösn her hinauf gegen die alabasterne Decke und zerrissen die kunstvollen Zeichnungen der Teppiche zu einem sinnlosen Gewirr unwirklicher Linien und Farben; sie warfen sich in massiven Flächen gierig über die seidenbespannten Truhen und fraßen den flimmernden Goldhauch der Geräte, die wie wartend sich längs der Wände hinduckten. Eine Flamme glühte, dicht neben der einzigen, schwerverhängten Tür des Gemachs, in einem silbergetriebenen, ovalen Becken, dessen Relief in bct&glcmij’cfjer Strfceii glerlid^e^ ertgoerj<f)I«rtgene Figuren zeigtesie zullle valv rvunveriilh erregt in zartblau getönter Stichflamme zischend empor, bald leckte sie breit und behäbig, in rotbraunen Ringen sich wiegend, dampfend über den Rand des Gefäßes. Matte, dünngeballte Schwüle schwebte in MEkNökN MMMll MtliH 2kl £?*?■$?«* Uttd bMtsts sich wolkig um öen rviltzverziertsn Baldachin, der wie die weiten Falten eines Zaubermantels in weichen Linien bis auf den roten Belag des Bodens herabrieselte. Halb verhüllt von dem kühlen Glanz der perlgrauen Seide hob sich in der Mitte des Raums kniehoch ein mächtiges, lydisches Polster aus flaumigen, tiefpukpurfarbenen Stoffen, umgeben von dem irisierenden Schaum hellfarbener Tierfelle.. : | Die spielende Flamme riß aus dem,fHlen MrWin, zzzW-WW MWW Baldachms wuchs, die Äestal^ LtnesMWÄ die Stirn in die Mtzscheln der., Hande ^g^ tzebückt auf hem Rand des üppigen, HchzM Lange mochte der Einsame gedankenschch^ verharrt haben, denn als .Mt der. Vorhang,Lder hie, Tür verWllte, hHMam zurückgeschlagen ivurdL. richtete er sich nur langsam auf. wandte «i« in 'tinnwhOM WM M KW uns aus verwirrtest,.WWsWMMst .Augem den 'HKnmeüdeN äst." 7 ' ' Der Eintretende verschränkte kreuzweise die Arme über der Brust, verbeugte sich tief und ehrerbietig. Leise, fast flüsternd, sprach er: „Herr, die Zeit ist gekommen!" Mit offnen, hungrigen Poren sog das Gemcwi) bte fiaute in sich hinein, überlang drohte unsicheres Schweigen wie eme stumme Fr«ge zwischen den Männern. Der Sitzende sprengte mit fröstelndem Zucken die Fesseln der Gedanken, die den Körper schmerzend umklammerten; er hob leicht, wie kraftlos die Hand, um sie müde dann auf das Polster zurückfallen zu lassen. Der Vorhang rauschte; hinter dem Dienenden schloß sich die Tür. Die flamme fcräd^ jrä^oetertb ln einen ±riilbglnyenöen Kern zusammen, slnllerie dann in stahlblauer Garbe, steil empor und nahm ihr rastloses Spiel von neuem ausi Der Mann erhob -sich, sah' wie verwundert umher, erblickte einen mit köstlichen Früchten überladenen Tisch aus/zartgeripptem, mattglänzendem Holz und lächelte ein wenig in den vollen, Lünklen Bart, der mit' verstohlen aufblitzenden, silbernen Fäden leicht durchwirkt war. Er trat sinnend in den samtdunklen, verworrenen Sl^atfen einer Nis^e uttb stand dort regnngslas. Das GsrnaH würv zum llvenvlichkv. Land, das triebhaft nach heißyerglühtem Sonnentag schmetternden Blitzschlag in die Stille seines gefesselten Lebens ersehnt und dem erlösenden, erquickenden TromMelschlag rauschenden Regens entgegenfiebert. Die weichen Stoffe der Wände Bäumten M MkkmMM88 »nk gfit±etT löisö ökösbönS mmmm, me Konmren Der Möbel verschwommen zu wesenlosen Formen, die Kanten der Geräte verloren die starrbegrenzten Schatten und versanken in warme Rundungen . . Und dann brach siegend in die düsterschwüle Harmonie des Raumes ein opalfarbenes Leuchten rote erd^ast genjorbene Srföfnng: ließen bw HJUD ianzenöen Flamme ragte in Las fafienW Dämmern wie ein Bild aus schimmerndem Marmor — eine Frau. Von tiefatmenden Schultern floß steil ein hauchzartes Gewand herab. Um die hohe, märchenhaft weiße Stirn wand sich ein schmaler, einfacher Goldreif, der den flutenden Strom des duftenden Haares in seine Enge zwang. Im ernstgespannten Antlitz, bleich wie eine windverwehte, hilflose Blüte, lagen wundersam und unergründlich tiefe Seen, Augen, in denen das unfaßbare Gottssrvunder der Msnfchsnfssle jauchzend und «nklagsnd Aus dem traumgebannten Harren erwachte der Raum und der Mann . . . „Mit welchem Namen muß ich dich rufen?" frug aus der Finsternis gepreßt eine Stimme. Die Frau , an der Tür blieb stumm. Srn Raun, fprang pulsendes Leben auf. Sn tollen, verzerrten Sprüngen raste and bvg sich die Flamme im silbernen Rauchbecken. Asts den weingefüllten Bechern, die drüben aus den reichen Tischen standen, blitzten irre, spöttische und doch angstvolle Reflexe über das purpurne Polster. Eine Weile war es totenstill, nur das tanzende Licht zischte. Dann schwang sich gläsern, klar und doch voll in demütiger Weichheit wie leise verklingender ^«rstnto^ eist LDort a'nst . Und füllte, die jcfpnar« M Nischen, die dunkeln Erker, die Vorhänge, die Polster, die rieselnde Seide: das ganze lebende Gemach. Und zerrte den fragenden Mann in den Zitterkreks des Leu'chtens an der Tür. Noch einmal erklang, es: „Hadafsa!" Eine greifende Hand streckte sich aus. Die Frau wich wie unbewußt zurück. Schwerer Atem mttsfts siidmtjMtsn Srtfv Arr? heM Hewäsid haben sich schtteMsihs Arme zu hilfloser Abwehr. Zitternd lehnten sich die Schultern gegen den Behang der Wand. Die namenlose Angst der Frau kroch wie feuchtkalter Nebel vom Boden auf und legte sich in dichtem Schleier um das bereitete Polster. Stumm stand im ungewissen sterbenden Flackerschein der langsam verglühenden Flamme Sßsm. Hiss mH GluM Bai ffigflaußani; Dag gell in ihm herausgestoßen 'war, verblaßte und wich reinerem Erkennen. Er trat mit kürzen, weichen Schritten zurück und sank schwer in die Polster. Sinnend sah er, wie die Frau ermattet', mit den Händen Stütze an den Pfosten der Tür suchend, langsam zu Boden glitt. Die knisternde Seide legte sich um sie wie milchfarbenes Gefieder. Lautlos tropfte die Zeit, das Gefäß der Eroig- $f{{ gU Endlich warf sich der Mann entschlossen hoch aus der zäh klammernden Flut des ringenden Denkens. Er erhob sich, ging mit wiegenden Schritten zur Tür, beugte sich tief hinab über die stumm Kauernde und sagte fast unhörbar: „Fürchte nichts, Hadaffa! Ich habe gefunden, daß .auch der König ein Herz hat. Vielleicht wirst du es erkennen, wenn du Königin fein wirst an meiner Seite als: „Esther", als „mildstrahlender Stern". DieJlamme aber erlosch. Im Dunkeln blieb einsam Hadassa, die Pflegetochter Mordechais, des Juden. Schrkibrn -es tzshkn os«. über die Schöpfung -es Golem. Der Vorhang an der Tür rauschte aus wie in jubelndem Frohlocken. Im hebräischen Verlag Menorah - Wien erschien eine Sammelschrift von Chaim B l och - Wien „Kowez Michtawim mekoriim meha-Baal Schein Tow w-Talmidaw", in deren Anhang ein angebliches Schreiben des Maharal mi-Prag über, die Gründe, die ihn zur Schöpfung des Golem bestimmt haben und über den Mang Bei ree MMttlig m MlM EMM M Wenn llll© m AlllhenNMi Des Gtoraoens mehr als fragwürdig ist und vom Herausgeber auch nicht erwiesen werden kann, so wollen wir es doch mit Rücksicht auf das für diesen Gegenstand neuerdings lebendig gewordene Interesse hier wiedergeben: Leben und den Frieden des Segens und des Glückes dem ehrbaren, meinem Seelenfreunde, Raw und Gaon usw., die Ehre seines heiligen Namens ist sein Ruhm, Muharer Jaakow Ginzburg, *) er lebe ein langes und gutes Leben, Rabbiner der heiligen Gemeinde Friedberg, daß unsere Stadt (Jerusalem) erbaut werde, Amen. Nachdem ich mich nach dem Wohle Euer glorreichen Ehrwürden erkundige, gehe ich daran, Ihnen auf Ihre Fragen, die Euer glorreiche Ehrwürden, sein Licht leuchte, M nach 8M?!lh M ö ö“?r nntrooritn. DD es Btr Wahrsten cnlwncht. Daß ich einen Mann wie Rowo erschaffen habe, und wie ich in meiner Seele den Mut aufbrachte, Handlungen vorzunehmen und mich Namenszusammensetzungen zu bedienen, um durch sie eine Neuschöpfung in der materiellen Welt zustande zu bringen, und welchen Zwang und welche große Notwendigkeit ich hiefür empfand, und nach welcher Ordnung die Schöpfung vor sich ging, und über die Mög- Iiifiit \tm HinmMösiunz. kamst M. ML Süst Mi mal)re, nicht gu einer Vernichtung heiliger Rinnen komrne, um das Verbot nicht zu übertreten, „ihr sollet also nicht tun dem Ewigen, Eurem Gotte", und was meine Meinung ist bezüglich der Pflicht der Erfüllung der Gebote durch diesen Mann. Und nun bin ich bereit, Eurer glorreichen Ehrwürden, sein Licht leuchte, auf diese Ihre Anfragen im detail zu antworten. Wie es Eurer glorreichen Ehrwürden bekannt ist, hat Israel seit jeher viele Verfolgungen von den christlichen Völkern zu erleiden und vieler Art Leiden . kamen über uns, sie überschütteten uns mit Verachtung und Schande, indem sie.Israel mit der verächtlichen 33tut&e|d^uU>i|jimg aerbäd^tigten. Und «ls id^ pon der oViiigeVWmeinDe PosM'si. I.Ä.) "nach"öer ijeiligm Gemeinde Prag (j. I. A.) im Jahre „Haschatom" kam, da war eine Zeit des Leidens für die Juden; sie litten viel Leiden von den Bedrängern Israels durch die, erwähnte Blutbeschuldigung und viel Blut von jüdischen Menschen, die vollkommen unschuldig und rein von jedem Vergehen waren, floß zufolge dieser verächtlichen Beschuldigung. Damals befahl ich, aller Welt bekanntzugeben, daß ich bereit bin, mit aller Kraft gegen diese Beschuldigung gll [üWftn URB MM WWkll NESökE BBH BiflfF REE; öchtüchM_ Mfchulbigung zu befMsn. GUich damals richtete sch ein B-rttschreiben an den hiesigen chöchsien Geistlichen, der Kardinal Jan Salwefter genannt wird, und habe ihn gebeten, daß er mich ernläde, vor ihm zu disputieren über die Blutbeschuldigung, und daß ich bereit bin, mit klaren Beweisen aufzuzeigen, daß diese Anschuldigung verlogene Grundlagen hat, und daß sie nur eine verächtliche Verdächtigung ist. Der Kardinal antwortete mir, daß er damit einverstanden sei und es auch tun werde. Nach Verlauf einiger Tage ließ der Kardinal DrdOimDcrr MlMlk GkWlllU MM M LWlIMlM zu sich. rnnlairnn. Als ich Ms srfnhrsn habe, lieg ich dem Kardinal sagen, daß ich mich nicht kräftig genug fühle, mit dreihundert Geistlichen Angesicht zu Angesicht zu disputieren. Jedoch empfehle ich, die Disputation auf die Dauer von dreißig Tagen anzuberaumen und an jedem Tage mögen zehn andere Geistliche ihre Fragen und Argumente dem Kardinal schriftlich vorlegen. Ich aber will täglich vor dem Kardinal erscheinen, Um meine Antwort ebenfalls schriftlich zu geben. Der Kardinal war hiermit einverstanden. Als die Disputation begann, da sagte die ganze Judengemeinde der heiligen Gemeinde Prag (j. I. ^8? innner Vortags THilini in allen Tempeln in® allen LeMhänfTMi au© ialtittn st? am zweiten und fünften Tage der Woche, lleder die Disputation, die ich mit ihnen hatte, glaube ich, daß Euer glorreiche Chrwürden kein Interesse daran habe, daß ich sie hier wiedergebe. Uebvigens habe ich die Disputation schon niedergeschrieben zum Andenken. Die dreißig Disputationstage waren vorüber. Täglich wurde über eine andere Angelegenheit disputiert. Meine Antworten auf alle Fragen waren dem Kardinal sehr einleuchtend; er nahm, meine Worte mit großem Ehrgefühl auf. Trotz alledem stellte sich ein hiesiger Geistlicher mir mit Gewalt entgegen, der als ein großer Judenfeind bekannt ist, mit Namen Tadäus. Dieser Geistliche argumentierte, daß *) RaM SafoiM SinjöuM ma? Lshror Des ßeruljmten Baal Tosafot Jom Tow s. A.