Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1927)
- Date
- 1927-03-03
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 16 Nr. 9 2 et Israelit 3. März 1927 einen Binder jjum ^enjter tjinausgejrmöt ober doch | wenigstens allen Mitreisenden erzählt von seinem Glück, das erste Mal allein zu reisen. Doch er hatte mit seinen vierzehn Jahren schon den Ovid und den Cicero im Urtext gelesen, verstand auch schon ein Blatt aus dem Talmud und empfand darum so etwas wie Würde. Er hielt seine Zunge fein in Banden, ließ dafür aber bald seinen Augen um so mehr Freiheit. Abwechslungsreiche Landschaftsbilder huschten an dem Fenster vorbei, und sein Blick nahm all ihre Schönheit in sich auf. gjjjjjjjj jjpjj Jjy .Qyijj au^ oor bem Meinen 2>orje^ in dem seine Großmutter wohnte. Cr sprang mit seiner Handtasche hinaus, ging schnell, um den großen Bogen der Chaussee abzuschneiden, den schmalen Wiesenweg entlang, balancierte über das eine Brücke des Bächleins darstellende Brett und sah dann auf der Dorfstraße feine Großmutter winken. Als er das letzte Mal die Großmutter besucht hatte — es war vor zwei Jahren —, da tollte er noch mit den Dorfjungen den lieben __ langen Tag herum und war nur zu den Essensißiton im MUSAN Der lSestzmuttek zu sehen. In Begleitung der Mutter fühlte er sich als eine Nebenperson, und Großmutter hielt in Gegenwart ihrer Tochter mit ihren Aeußerungen dem Jungen gegenüber taktvoll zurück, denn ErziehllNgMkltztzDkN MV Der* schiedenartig. Nun kam er allein zur Großmutter, ein Barmizwah, ein Mann schon in der Erfüllung seiner Pflichten. Die alte Magd nannte ihn jetzt den jungen Herrn, und auch der Großmutter gegenüber war er nik^t rnefjr bas Kind, sondern der Mann des Hauses. Wurde ein Brot angeschnitten, rief man ihn, daß er den Segensspruch spreche. Er weihte den Sabbat mit dem Wein und den Sabbatbroten und am AUSgüNst DCS SöDDflt Sie Woche mit Wein. Gewürzen und Licht. Er, den Enkel, hatte so eine Bedeutung erlangt, deren er sich zu Hause nicht bewußt geworden war. Daheim war der Vater der Repräsentant der Familie, hier war er es. Doch dieses Führettum war in Wirklichkeit nur äußerlich. Gar bald sollt» er merken, baß &ie. J^err jdja|i Ur a&gefiörfen Weisheit der Großmutter gehörte. Wenn er stürmisch einen seiner altklugen Aussprüche tat, spielend die Weltprobleme löste, dann zuckte es, rvohl mie von einem verhaltenen ßäc^efn über das Gesicht der Großmutter. Einige wenige einfache Worte, — und seine Behauptung wankte trotz ihrer Zitate aus Weltliteratur und Weltgeschichte. Ja, die Großmutter! Eben spielte sich wieder einmal ein solches . Intermezzo ab. Er hatte Nein, Großmutter!" »Da strebst d«, kluger Dunge, in di« Weite, möchtest immer mehr von der Welt erfassen und verstehst nicht einmal, was sogar der Tam in der Haggadah kann, zu fragen! Um dich herum geschehen Dinge, deren Sinn dir fremd ist, den du jedoch leicht erfahren kannst, — und du fragst nicht einmal!" Der Enkel schwieg, und die Großmutter fuhr fort: „Deine Großmutter mochte nie etwas gedankenlos tun, denn der Mensch soll mit all seinem Tun Gott dienen! Darum' rut»te idj, -audp nidp^ bis id^ umjjite^ roas mir Die Absonderung und Das Verbrennen Der Challah bedeuten soll. Als sich in Jerusalem noch der Tempel erhob, da bestand die Pflicht, dem Priester, der allein im jüdischen Volke besitzlos war, von jedem Teige etwas abzugeben und so mit dieser Hebe Haus und Familie jedesmal von neuem Gott zu weihen. Der Tempel ist feit zweitausend Jahren zerstört, das Won der Amsterdamer Keren ßalyora Konferenz. smüsten^ Jo möge ick, jeip menigpens eine ^eiilang bem jüdischen Volke in Eros Israel Dienen! So werbe ich Mit ' Der Vergangenheit und mit der Gegenwart des jüdischen, Volkes enger verbunden werden!" Die Großmutter erwiderte: „Deinen Wunsch werde ich erfüllen. Die Entscheidung steht aber, deinen Eltern zu; wenn sie Gründe haben, dir nicht zuzustimmen, mußt du dich fügen. — Doch nun will ich dir von meiner Reise nach Erez Israel erzählen." K^ie( i W ¥1 ff) AM" „Ich habe Die Reife schon hunderte Mal gemacht!" „Du scherzest!" „In ernsten Dingen scherzt deine Großmutter nicht, so wenig sie sonst einen Scherz verachtet."' „Erkläre! Erkläre!". „Jedesmal, wenn, ich einen. Nickel in die Schachtel lege, genieße ich die Vorfreude der Reise. Wenn ich aber nach Monaten das Geld herausnehme, zähle, in _ einen Schein umwechsle, diesen Schein in -einen Brief tue und nach mn. ösrati MM Dann macheich im Ge-, danken mit diesem Brief die Reise mit. Ich sehe das Geld ankommen und Juden in Erez Israel helfen. Ich male mir aus, wie mit meinem Geld ein Sternchen gefügt wird zu dem Bau. einer schönen-. öurunft M MMM Volkes im Laube seiner Väter — und ich bin glücklich." Die Großmutterwurde nachdenklich. Dann sagte sie: „Auch die im Hause wirkende Frau kann bewußt ihren Lebensweg gehen und dem Ganzen bienen! Großmutters &res Fahrt möge dich dies lehren!" Bilder von der Keren hathora-Louferenz. Oberrabbiner I. Fürst aus Wien. Bilder von der Keren hathora-Eonferenz. Dr. Leo DeuischlSnder aus Wien. bedauert, daß Großmutter mit den Besuchen von Kranken und Armen; denen sie aufmunternde Worte und Gatzen oraflne; m in men VkgWuiWn öüf MN M MM sein lasse. Cr meinte, sie bleibe mil solchem Tun nur in ihrer nächsten Umgebung. Die Großmutter blickte -ihn einen Moment an, ging dann zur Kommode, zog eine Schublade heraus und entnahm ihr eine Schachtel. Sie setzte sich wieder an den Tisch und stellte die Schachtel vor sich hin. Dann erst begann sie zu sprechen. „Du siehst in der Schachtel Geldstücke. Weißt du, was dieses Geld bedeutet?" „Mutter hat eine Büchse, in die sie an jedem Freitag Geld wirft. Sie nennt dieses Geld Challahgeld. Das Wort Challah heißt Kuchen, bedeutet aber hier Teighebe. Wiutter nimmt von bem Teig ber (Sabbatbrote ein mentg do, verbrennt es uns» mirsl ^lerchzettkg lllslD für Israel in die Büchse." „Mehr, mein Junge, weißt du nicht?" jüdische Volk in alle Winde zerstreut, — doch im jüdischen Volke ist nie der Glaube erloschen, daß sein Tempel in Alm MNWM wüm krflmn MM, -es Das Gebot Der Challah, aeröreimt Den Leig, Den es jetzt seiner Bestimmung nicht zusühren kann und spendet mit jeder Ehallah eine kleinen Geldbetrag für Erez Israel. Du liest am Beginn des Sabbat „Bameh madlikin". Darin heißt es, daß die jüdische Frau ihr Leben verwirkt, wenn sie nicht auf die Reinheitsgesetze, das Entzünden der Sabbatlichter und die Challah achtet. Sittlichkeit, Sabbat und Erez Israel erhalten das jüdische Haus, und die Frau, die Trägerin des Hauses, hat über diese drei zu wachen." Der Enkel hatte mit brennndem Interesse zugehört, jetzt konnte er nicht mehr an sich halten, und er rief: „GMmuttst'. mm Du ss Dinlfi Don« mußt Du Die Ettern übereben, baß sie mich auf einige Jahre nach Erez Israel gehen lassen. Früher hätte ich als Soldat dienen (Die attberühmken Heilquellen von Liberias gefährdet. Der betllMFiOü SOI: ncDloae, (sanüütsrat Dr. Lachmann aus Landeck, der sich an Ort und Stelle eingehend mit dem Studium der.Quellen. von Liberias beschäftigt hat, tollt der Jüdischen Telegraphenagentur mit: Seit Jahren tauchen unaufhörlich neue Projekte für die Fassung und Ausgestaltung der altberühmten Heilquelle» öd« Tiber-M auf Daöer ist der gange Bestand der Quellen, nicht durch den gegenwärtigen primitiven Betrieb, sondern ganz besonders durch die bevorstehende vollständige Veränderung der GvunDmMt'ULichältnrsfe bei ber Durchführung des Ruthenbergprojektes, aufs höchste gefährdet. Jetzt hat man ohne Rücksicht auf die heute noch gar nicht zu übersehenden späteren Ver- I hältnisse einem Privat - ' unternehmen . erlaubt, sich eine Zuleitung des Thermalwassers aus dem Quellgebiet in sein Grundstück Herstellen zu lassen. Es ist unbegreiflich, daß die Exekutice einer jo öüettantvjdjen 23ertoüpung eines unerje|jlichen nationalen Gutes ruhig gnsteht. Denn bei wirklich sachverständigem Ausbau Der Thermen würde sich in Liberias nicht nur für die Unternehmer, sondern sKr das ganze Land eine reiche Quelle des Wohlstands erschließen Allerdings: wo ist es in Palästina schon übliche zur rechten Zeit Sachverständige zu Rate zu ziehen?