Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1927-02-24 · Heft 8 (24.2.1927) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 8 (24.2.1927)
Date
1927-02-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450442-2450450--73858-2531292
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 Nr. 8 2er Israelit 24. Februar 1927 liche Folge ihrer wirtschaftlichen Stellung und MW noch ihrer üverrascheno schnellen AIMMN8 an die europäische Zivilisation durch. Aber immer noch bleiben die Mellahs der großen marokkanischen Städte, in denen sich auf viel zu engem Raum die dichte, sehr fruchtbare jüdische Bevölkerung zusammendrängt, Orte des Grauens. Noch — wenn auch gewiß nicht mehr für lange — existieren die Armutsgassen von Fez und Marrakesch, denn erst die Kinder dieser Gl-ettos lernen |ran^ö|tjcf> tn den neuen Schulen, tragen europäische Kleidung und stellen — französisch und arabisch sprechend — das Hauptkontingent der Post- und Bankbeamten und Angestellten in allen wirtschaftlichen Betrieben des Landes. Ihnen wird die Welt des Mellah bald so fremd und unverständlich erscheinen wie uns, und bald werden die Ghettos von Fez und Marrakesch, die eigentlichen Realitäten des jüdischen Lebens nicht mehr enthaltend — eine sterbende Kuriosität sein. Diese zukünftige Entwicklung ist in Mogador bereits vorweggenommen. Nie waren die Tore des Mellahs dort so unnachsichtlich verschlossen wie in Fez oder Marrakesch, und schon zu Beginn des Jahrhunderts wohnten zweitausend der reichsten Juden außerhalb seiner Mauern. In dieser Stadt tragen schöne, stolze Männer ihre sauberen fchrvargen Kaftarsf ftfiFTT HsWM Ulst fjlhks geht ihr MM über Menschen nnb Dinge. Me keimen weder die ängstliche Beflissenheit noch die Verstecktheit des immer Bedrohten und Gefährdeten. Numerisches Gleichgewicht und materielle Präponderanz gegenüber den 'muselmanischen Mitbürgern haben ihnen die Parialeiden der übrigen marokkanischen Juden erspart, ihnen ihre menschliche Würde gelassen. Die Häuser des Mellah in den breiten geraden Straßen haben ein geräumiges und freundliches Ansehen. KiösäV CiM gäsHuhl llichiL AtytU feU Juden. Der Samstag ist allgemeiner Ruhetag. Und an den jüdischen Feiertagen müssen die Karawanen tagelang warten, bis sie ihre Geschäfte abwickeln können. Es gibt ein jüdisches Krankenhaus in Mogador, das in jeder Beziehung vollkommen ist. Ein französischer Nichtmehr-Jude — dies sei als Kuriosität konstatiert — hat es anläßlich eines Aufenthaltes in Mogador gestiftet: so sehr empfand er sich dort im Herzen des Ju- Döiiiumß. in einer rein jMslHm MM. Und eine andere Kuriosität ist die, daß vor dem Kriege selbst die protestantische Mission in Mogador von einem konvertierten algerischen Juden geleitet wurde: In Mogador geschieht nichts ohne die Juden . . . Resultierte zu Beginn des Jahrhunderts aus den englischen Handelsbeziehungen eine starke Fühlungnahme mit England, so daß sogar in rnniiAli WWkli ynmMri kiWW Umgangssprachö war und dis Söhne nach England in die Lehre geschickt wurden, so hat sich das mittlerweile zugunsten des französischen verschoben. Die Schulen der „Alliance Jsraelite", die schon vor Bestehen des Protektorats erheblich im Sinne der Europäisierung der jüdischen Gemeinden von Marokko gewirkt haben, waren immer französisch orientiert und sind heute — von der französischen Regierung subventioniert ein wesentlicher Stützpunkt des französis hen Einflusses. Nirgmsis iftüie formale unD MMllilU Cm rapätsietmng W wärMättischött Judött sawsit vorgeschritten wie in Mogador, wo sie am besten vorbereitet war. Hier sitzen die alten Juden noch im schwarzen Kaftan am Abend im Eafe und spielei mit ihren Söhnen Schach: die Söhne aber tragen europäische Kleidung. (Hoffentlich bleibt es bei der Kleidung! D. Red.) Einmal trank ich mit französischen Offizieren und dem jüdischen Tkjtn rin?? gr?fj?n Tk? Im KMhaus Der MM. Die Scharfstnmgkm nnb Ausdruckskraft, mit denen dieser noch junge Jude mir Probleme der Wirtschaft im allgemeinen und die von Marokko im besonderen entwickelte, bewies eine intellektuelle Schulung und eine Nähe zu den internationalen Fragen, die jedes europäischen Großkaufmanns würdig gewesen wäre. Klar übersichtlich und europäisch wie der bä rolle LllupM der Straßen ist der Geist Der M den von Mogador. Nicht als ästhetisches Phänomen sind sie zu betrachten, sondern als Vorläufer einer. allgemeinen Entwicklung der marokkanischen Juden, die für die Kolonisierung und Europäisierung des Landes von größter Tragweite ist. Die Juden von Marokko — von den ständigen Demütigungen und temporären Raubzügen der Eingeborenen befreit — haben unter dem französischen Protektorat ihr goldenes Qeilalter gefunden. Ihr heißester Wunsch ist die französische Naturalisation, die aber bis jetzt die cherifische Regierung nur in den seltensten Fällen genehmigt. Jedoch auch ohne sie werden sie in kurzem der europäischen Zivilisation völlig adoptiert sein und eine tragende Rolle innerhalb der Kolonisation spielen. Wenn auch numerisch den Muselmännern gewaltig unterlegen, so sind sie wenig gehindert, sich neuen Formen und Inhalten des Lebens anzupassen. Ihr wirtschaftlicher Einfluß, Der blühM söhk Diifwf uhö im hirmi'- grund gewirkt hat, wird steigen, und die Folge wird sein, daß die islamische Bevölkerung, um der Konkurrenz dieser aktiven und klugen Minorität gewachsen zu sein, sich ihrerseits zu europäischen Techniken und Methoden wird verstehen müssen. Diese Bedeutung der Juden für die Kolonialisierung hat das Protektorat sehr wohl verwslßön RllMlkstaüt Mogatzg? ist mm\i die höchste Stufe der jüdischen Emanzipation und Assimilation von Marokko erreicht. Hier ist eine Entwicklungsmöglichkeit vorweggenommen, die überall sonst in Marokko nur geahnt werden kann, und die in großen Zügen wichtige Linien künftiger Gestaltung des Landes sehen läßt. Mogador, die „europäische Phantasie auf ein marokkanisches Thema", die weiße leuchtende Stadt am Atlantischen Ozean, ist eine jüdische Stadt, und mehr als ihr kluger BarockgrunDriß gM ihr Mqs m oerjeimnisnotte HRitie zwischen Afrika und Europa. Das goldene Kalb. Von David Pineas. III. Schweren Herzens, tiefbekümmert, ob des Volkes Fre- Diltat Daß an dem. was es gelobst. übte schmähliche» SSmst, Stieg nun Mosche von der Höhe, beide Tafeln in der Hand — Gottes Werk! und beiderseitig Gottes Schrift zu lesen st and! — Und als Mosche und Josua nunmehr weiter abwärts steigen Und des Volkes Toben hören, das da tanzt ums Kalb den Reigen; Sprach Qo^u«: twr ©^ott oom Cag-er Sri«gs ruf'tju Ulis trügtr Mosche draus: „Nicht Sieg, nicht F a l l! 2 e r Nus uns tief demüt'gend schlägt!" Wie er nun dem Lager naht und sieht das Kalb und sieht die Tänze, Sieht das Volk in brünst'ger Wildheit jenseits aller Sitten Grenze: Wirft er zornig hin die Tafeln, sie zerschmetternd an dem Berge, Und verbrennt das Kalb, zermahlt es, bis man von ihm Staub nur merke. Wirft den Götzenstaub aufs Wasser, gibt's den Irrenden zu trinken. and dann ioön mir Ihn im lom W Don TrMgMWMM winken; Wer für Gott und Sein Gesetz ist, komm' zu mir heran sogleich!" Schnell folgt diesem Ruf ein jeder Mann. aus Levis Stammbereich. Mosche rief: „Kehrt eure Schwerter, ohne Ansehn der Person, Gegen jeden Götzenknecht — und wär's der Freund, und wär's der Sohn!" Und die Söhne Levis taten, wie der Gottesheld geboten: Das ©ert cf)t ereilt* die ^afjt t>oit unge^älpr dreitausend ästm Und nun sprach er zu den Kämpfern: „ B l e i b 1 der Lehre treue Hüter! Schützt sie — sei's gen eure Söhne! Schützt sie — sei's gen eure Brüder! Dann wird Gottes voller Segen euren Häusern sicher sein, Und im Heiligtum den Priestern wird zu Helfern Er euch weih'n." Doch noch trübte mancher Fleck den Spiegelglanz der S3ottesfeeI« - p Viele lebten noch mitschuldig an dem sündeschweren Fehle. Diese traf ein plötzlich Sterben, jäh vom Himmel her gesandt: Reiner strebte „Gottes Erbe" nun nach dem gelobten Land. Ainderecke. Wer weiß es? Frage: Welche 5 711212 sagt man nur einmal in Jahr? Antwort: i* fin ura tr f lai latna isn itffr ö' um fwiai 4bi* V# 5* die nie ixi' .1212 am im m'* ’ijm uV rmian ll'vni- Leicht zu merken: zwei um die nos-Zeit, eine an 2X2 .iswti und zwei am 1122 tu* Richtige Lösungen sandten ein: Manfred Battanski, Wiesbaden. Nerostraße 181.; Isaak Nutzoaum, Wiesbaden; Seelig Nutzbaum, Fu'da; Adolf Zimmemann, ©orimunh; Manfred, unh Gusto! örtfefurl: j ^anna ^8 irr. ♦n v» n ’JX 711'71irr yhv 712 ,12’r> ..’V r (*b'i'psn nvbvi ’Timpin ,1271V» '2X 1VX b221 r'71121271 ,12SbN71 p npsx Tisrn ,1»2N2 »'111V.1 nbix fpl.11 VX-1,1 1NV 71k "7M271 m nsnV rann bki •wn isv2 f-»^ I. Lubinski, Schweinfurt. *) Aufgaben. -') von ^nin schneiden. Wochenkalender. vom 26 Febr. bis 8. März 1927. vom 24. — 1. Adar-8687 Samstay 26 24 5e>rmt«g §7 : «9 NüNtckg 28 26 Oiensta^ i? 1 127 Mittwoch i 2 28 Donnerstag 3 29 Freitag 4 30 samstag 5 1 ■»TtpÖ V1N.1 5 UBl ß BL ]t5j? 1122 DT> V1N 'S vipv firn? ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraienkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakter» auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. L. BARBARINO Ffflfikftifl L M. IWHAEIR A. STERN 1887 Cigaretten CIGARREN ’ral>ake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstr 81 V. Kaiserstraße 7 Telefon Hansa 3391 Zeil 88 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: k Schach« nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag .Israelit". G.m.b.H., Frankiert a.V. — Druck Sermon Verlags» Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M. .MV

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.