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Der Israelit · 1927-02-24 · Heft 8 (24.2.1927) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 8 (24.2.1927)
Date
1927-02-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ßr.$ >-n Singet dem Herrn. (Pf. 96). Von Keinrich Hrugädter. I. Der Herbststurm blies. Lurchs Gezweig. Allentk-aiden raf^eiie es' irrt biirren Qattfee. ©ar man» ü)es Blatt trennte sich vom liebgewenufuen mb siel auf mannigfach gewundenem Wege zögernd zur Erde. Eines war noch ganz grün. Es faß fo mollig warm im der Mitte der. Krone und schmiegte sich dicht an den Mutterast: denn es war der Mutter Jüngstes, ihr Schoßkind. „Ach Mutter," meinte es, „ich soll doch nicht auch von dir gehen? Schau doch, wie hübsch ich : IM 0M! M mm kögt mW »mn stk «ni w , wellen besucht. Der sanfte Abettdtvtttd kost Mit mir. Und sogar der dicke Stamm hat mir rote und; gelbe und braune Kleider versprochen." Die Mutter zeigte ein ernstes Gesicht. „Hab' ich dich nicht schon oft vor den Schmeichi.lern gewarnt? Sie machen dich eitel und lassen . dich deiner Pflichten vergessen." Da wandte sich das Blättchen untröstlich ab. „Soll ich vielleicht auf den bösen Sturm mehr i pm" fragte esnama. Dtr mfflivütp umfadt und gar kein Auge für meine zarte Schönheit hat? - Er.will mich aus meinem warmen Neste treiben, .damit ich auf dem feuchten Boden fremder Leute Minder, die mich nichts angehen, decke und uor der 'Käste schütze. Ich soll sie hegen und pflegen, soll sie -ernähren und mich ihnen schließlich ganz Da zog die Mutter das zitternde Kmd an sich MWaH Iflßji fgifß Mil Ihm. Nö MM6 IW wlM' Pflicht und Lohn, von Nächstenliebe und Lebenszweck. Des Kindes Tränen versiegten bald. Es schaute -hinunter auf den Boden, in dem so viele herzige 'Pflänzchen schliefen, die betreut und gefördert iwerden wollten, und fragte, wie sie wohl aussehen und.was -aus ihm selbst werde, wenn es in eine;frembe Welt gelange und noth ntef anberes mehr. . „Mein > gutes $tnb,JJ sprach barauf bi? Muster, „,das weiß Gott. Er vergißt dich nie. Er wird dich -nie verloren gehen lassen, sonst hätte er dich ja nicht zu erschaffen brauchen." Da neigte das Blatt still sein Köpfchen und Oreitete die Arme nach der Erde aus, wo es bereits erwartet würde. Wochen waren über die Erde dahingeschritten. Sie hatten den Herbst mit sortgenommen und den Winter gebrächt. ■ II. , .. . . Ans dem AbHan.se, der sich bis Dorfs senkte, staub bie üSmterfaa^ hanbhvch, @lne feine Schneedecke verhüllte sie, um sie gegen die Kälte zu schützen. Schon früh sandte der Abend seine Schatten, Ruh gebietend auf der weiten Flur. Auch die Menschen schlossen baLd. die Läden vor den Fenstern, und nur selten drarlg ein Lichtstrahl aus einem Hause ins Freie. Unter den feinen Getreidehälmchen war eines, das insolgö stinW schlankm Wuchses Wer setne Genossen hmausragie. Mii seinem Köpfchen durchdrang es die Schneedecke; denn es wollte sehen und hören. Wohl spürte es den scharfen Wind, der ihm ins Gesicht blies; aber wenn man etwas erleben will, fö muß man schon solch kleine Unannehmlichkeiten hinnehmen. Seine Würzelchen hatten im steinigen Boden ein verwesendes Blatt schützend umschlungen. Die besten Säfte gab es dem Hälmchenmb. Sie drangen durch feine Oeffnungen ein, und fo ging fein Wefon m bas^bes Getreidek-alms über. Das Hälmchen pflog Zwiesprache mit dem demütigen, hingebenden Geschöpfe zu seinen Füßen:;;8in Drattr LWMM mtiU sW ükkl Ci? ÄkMAt AUS dsm Hauss gsgönllber, vesteil'Fenster heute nicht durch Läden geschützt werden. Dicht hinter den Scheiben flammen kleine Lichter empor. Einzelne Stimmen ertönen, und jetzt singt man im Chor ejn frohes Lied." „Ich höre es sogar hier unten," erwidert das Blatt. „Es ist das Schabboslied. Die Menschen feiern nach harter Arbeit." „Die Stimmen der Kinder schallen am lauieften/' bMchtölö Der Mm. „Mt trägt tmauü einen großen Kuchen ins Heu. Dazu haben fo viele unsrer Verwandten ihre Früchte hergeben müssen! Da freuen sich nun die Menschenkinder, und keines denkt daran, daß sie hier jubelnd verzehren, was vielen unsrer Ahnen das Leben gekostet hat." Doch das Blatt belehrte seinen Liebling eines besseren. Es. erzählte von den opfermutigen Helden, die etnf± ihr Leben für bas Judentum hrngegeben haben, unb von Lern Herrüchen vertrauen in Gottes allweife Waltung, die noch heute den Grundton der Chanukkafeier bildet. Dann fuhr es. fort: . „Die Kinder, deren Stimmen' du hörst, wollen gleich ihren Vätern Gottes Gebote erfüllen. Dazu müssen sie Mut und Kraft haben. Und uns schwachen Pflänzchen hat der Schöpfer die große Aufgabe zugeteilt, der Menschen Kraft und Mut gn beleben. Jft das nick,t eine herrliche Ehrenpflicht V 1 ' . > - Da beugte das Hälmchen, das inzwischen doch recht gefroren hatte, demütig sein Haupt, und sofort kam ein Lusthauch und deckte sanft ein weißes Tuch schützend und wärmend über das feine Geschöpfchen. III. Frühling!! (Ein strahlendes, duftendes^ prcm- 8?n)?K d!Iö W ö?m „Ts freUl stH der Himmel, und es frohlockt die Erde." Die ganze Natur singt und jauchzt. Vater und Söhn schreiten durchs Gefilde dem Walde zu. Alle Sinne des Jünglings vermitteln Empfindungen reinen Glückes, die seine Seele in Schwingung versetzen, die sie mit einstimmen lassen in den allgemeinen Jubel seiner Umgebung. ^23«ierÜ". ru.|i er. ^Gewa^rft £>u in btej’em ganzen vieigeflaMgen Bilde ein einziges, wenn auch nur ein winziges Ding, das störend wirkt? Siehst du in dieser Fülle von Wesen'ein Etwas, das sich nicht in diese höchste Freudenstimmung der Natur mit empaßt? Und doch wissen wir, daß das Feld einst andre Halme getragen hat, die abgeschnitten worden sind, daß den Baum andre Blätter geschmückt haben, die jetzt im Boden modern! Wie erklärst du dir diese Allgemeinheit des Jubels trotz der Tatsachen der Vergangenheit?" - „Mein Sohn," antwortet der Vater, „Geschlechter gehen, aber sie verderben nicht. Sie fol- Hin* Juhi Ruft tym in m ähDms Dasein. Ihr Leben ist ein Leben der Pflicht. Das Bewußtsein der Pflichterfüllung erzeugt die reinste Freude." Der Jüngling wird ernst. Er denkt über des Vaters Worte nach, und fast zagend bemerkt er: „Dann ist es die Urseele, die sich überall in der Welt zeigt, zwar in der Form verschieden, aber dem Wesen nach gleich." Und Uv Datsr führt Zustimmsnd dis Vssss des Psalmisten an: „Es freut sich der Himmel, die Erde frohlocket, Das Meer, es erbrauset und das, was es füllt, Das Feld, laut es jauchzet, es jubeln die Bäume des Waldes — Vor Gott, wenn er kommt, Wenn er kommt, um zu richten die Erde, Um zu richten die Welt in Gerechtigkeit, . und Völker in seiner Treue." Mogador, eine jüdische Stadt in Marokko. Einbrücke einer Reise. Von Dr. R. Graesenberg in Paris. " Einer spanischen oder portugiesischen Stadt ist Mogador ähnlicher als einer arabischen. Durch Ozeane — nicht durch einige hundert Kilometer Wüstenland — fühlt man sich hier von Marrakesch, der geheimnisvollen, wilden Beduinenstadt getrennt. Auf einer Landzunge, die eine Lagune fast völlig ovm Festtaav aüfttjmwrt, nm sitz ffis* Zs-sk ins Mssk, sins klsrns, von sine? Festung überhöhten Insel schier berührend. Ist es dies Jnselhafte oder sind es die Festung und die Bollwerke, die uns die Stadt so unmarokkanisch und seltsam europäisch erscheinen lassen? Oder sind es diese Straßen von vollkommener Regelmäßigkeit und Geradlinigkeit, in denen sich mehrstöckige hochgiebelige Häuser weiß und dicht aufreihen? Denn nirgends gibt es diese Straßen und Häuser in den ERzchLkKLMiUtt er» M«r«r. Ei ist jrtät); lich, als fei man nach Portugal oder Spanien oder nach Südfrankreich verzaube.rt. Doch weder Carmens noch Don Joses treten aus diesem Dekor. Und durch die Nacht, die unendlich viel schweigender ist als in Europa, gleiten die stillen weihen Schatten arabischer Menschen, und die schwarzen Kaftane und Käppchen der Juden stehen schön gegen die weißen Mauern. Was macht den Aspekt von Mogador so zweideutig zwischen Afrika unb Europa? äßeütfes ifi bas Geheimnis 4M?r Stadt? Hier ihre Geschichte: Mogador ist erst im 18. Jahrhundert auf den Ruinen enqer kleinen portugiesischen Siedlung entstanden. Der Sultan hatte, um die Unbotmäßigkeit der Bewohner des Sus zu strafen, den Hafen von Agadir sperren lassen und gründete in Mogador eine neue Hafenstadt. Ein französischer Architekt aus Avignon war ihr Erbauer und arbeitete zeha Jahre lang an seinem Werk. Cs galt, nach marokkanischem Bauplan jedes der verschiedenen Stadtviertel, Mellatz und Medina, das heißt Judenviertel und Eingeborenenviertel, getrennt in Mauern einzuschließen. Innerhalb dieser Umfriedung führte der französische Baumeister die Straßen in der trockenen Uebersichtlichkeit des zeitgemäßen französischen Barock, Diese barocke europäische Konzeption smsr rslümrschött Stadl — nach hMe sthr srappant — ist eins der Geheimnisse von Mogador. Das andere find die Juden: Mogador zählt zwanzigtausend Einwohner, von denen auf Muselmänner und Juden gleicherweise je zehntausend entfallen. Diese — verglichen mit anderen marokkanischen Städten verhältnismäßig sehr starke jüdische Bevölkerung — unterscheidet mehr als der Barockbauplan des Architekten aus Avignon Mogador von den anderen Städten des Landes, gibt ihm das Gesicht und dies merkwürdige Schillern zwischen Europa und Afrika. Man Eann sagen, baß Mogador jüdischen Ursprungs ist. Denn als der Hafen von Agadir geschloffen wurde, waren es jüdische Auswanderer aus dem Sus, die als Erste sich im Mbllah der neuen Stadt ansiedelten. Und seit dieser Zeit hielten die Juden den zeitweise sehr beträchtlichen Handel dieser Hafenstadt sowohl nach dem Süden als nach Europa hin in der Hand. Die Ausfuhr von Man- Dern, Dßlßn, Wachs, und ar>abisHsm Gummi sus dem Sus, die Einfuhr von Kerzen, Baumwolle und Tee zum großen Teil aus England ist bei den jüdischen Courtiers und einigen mächtigen jüdischen Firmen zentralisiert. Gewiß spielen auch im übrigen Marokko die Juden als Händler und Bankiers des Landes eine bedeutende Rolle. Doch erst feit Einsetzung des Protektorats sind sie den heftigsten Uebergriffen der muselmanischen Bevölkerung entzogen, beginnen Sicherheit und Freiheit ihrer Existenz sich einzustellen, setzt sich allwä^lick,!k>re (SmangipctUort als felbftverftänd-

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