Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1927)
- Date
- 1927-02-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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WWWWMSKNMWuWMWV ßr.7 1927 Die Geschichte des Schrankes Moisches des Bocks. Tragikomik des jüdischen Volkslebens im neuen Rußland. AUS DEIII MssWkN 1,071 Das war ein ganz gewöhnlicher FichtenhslZschrank, der außer seinem hohen Alter keine besonderen Merkmale, die ihn von anderen Schränken unterschieden, besaß. Aber von dem Augenblicke ab, in dem das Finanzamt von Schitomir ihn mit Beschlag belegt hatte, weil sein Besitzer die Einkommensteuer nicht bezahlen konnte nahm dieser Schrank unter den Immobilien Moisches des SBoefs eins besonders Stellung ein. — Früher war er. Moisches Prwaleigenlum vm$ jUW! Aufbewahren der mit Mottenpulver reichlich überstreuten Kleidungsstücke und der silbernen Sabbatleuchter. Run aber ist er in den schmerbauchigen, mit Schnüren zusammengehaltenen Büchern des Finanzamts registriert, mit einer Nummer versehen, und stellt nun die von Moische dem Bock nicht bezahlten 4 Rubel und 63 Rv- Httm Öer TlMSllisMMrrer barf — ist somit Eigentum dss Staates geworben. Dies wußten fest und sicher die Finanzbeamten Dychne und Kalensky, als sie, mit einem Handwagen ausgerüstet, als Vertreter des Staates bei Moische im Glorienschein des Gesetzes erschienen waren. Sie untersuchten gründlich den Schrank, der die 4 Rubel und 63 Kopeken der Staatsgelder darstellte, und taten darauf Moische ihre Absicht kund, diesen Schrank abzuholen. Moische protestierte heftig und begann zu beweisen, haß sie kein Recht hWtt, M WMNk abzuholen, denn 1. sei er ein arbeitsloser Hausindustrieller, 2. habe die Gewerkschaft das Gesuch, ihn von der Einkommensteuer zu befreien, bereits eingereicht, und 3. habe das Finanzamt bereits eingewilligt, mit der Versteigerung des Schrankes zu warten, bis die wirtschaftliche Lage des rückstLnzigrn miMsmA ift. Die M nanzbeamten möchten doch bloß einen Augenblick warten, bis er die betreffende Bescheinigung von dem Finanzinspekteur geholt habe. Doch die Finanzbeamten wollten davon nichts wissen, — und zwar nicht deshalb, weil sie diesen Schrank dringend brauchten, — nein gar nicht!! — aber sie können es unmöglich zulassen, daß in ihrer Person.der Staat selber vor der baufälligen Treppe Moisches auf die Bescheinigung des Finanzinspekteurs warten soll. — Soll er sie auch ruhig Wien lW?n —Mse DeslWnWns ~ w?nn es schon seinem Charakter entspreche —, ihnen aber gestatte die Würde ihres Amtes weder Unfchlüssigkeit, noch Verzögerung. Und als Moische der Bock sich auf den Weg zum Finanzinspekteur machte, näherten sich Dychne und Kalensky finster und feierlich dem Schranke. Doch auf dem Wege dahin stießen sie auf ein nsuss MnÄsknLs „ eine-Ma- , - - ED-' liche.-Franen sind -konserMiv yexanWti Md'dulden- Eeinerlei Neuerungen. >Mfeser Schrank stand jahrelcmg-Mf ^einem-rmd ^demselben Platz; Me? Schrankbeine haben sich mit der Zeit tief M ,den MßboKen-.hineingebohrt;; hinter t bem' SchmnkrückMDben^ch^FemAüchWMästseeintzerichW —' und lsie Wirdes nicht' TyMen,/datz: mani deH Schrank auch nur vom Fleck rührt! Vergeblich versuchen die^FinanzbeÄrNten, sie zu M^rredM zu überreden, einen Schrank auszüliesern, wenn es ihr nicht paßt. Möchten die Finanzbeamten nur ruhig reden — sie brauche ihn selber! — Ja, und sagen Sie rnal, bitte, — wohin soll sie denn die Wäsche, die Nöcke, die Socken hm?! — etwa auf Der Finanzbeamte Dychne fand bald einen Ausweg aus dieser schwierigen Situation — er ergriff Moisches Weib und warf es auf den Fußboden. In dieser Lage konnte sie die Finanzbeamten bei der Ausführung ihrer Amtspflicht nicht weiter hindern. Sie brach in ein lautes Geheul aus, und sofort stimmten die kleinen Böcke im Chor ein ... Die Fmaugbeamteu machten steh Medium an den Schrank heran. Bereits hatten sie ihn bis zur Tür gebracht, aber mit dem echten Eigensinn eines Greises wollte der Schrank nicht durchschlüpfen. Das war wirklich zum Verzweifeln, aber nicht umsonst waren der Mut und die Entschlossenheit der. betreffenden Finanzbeamten in der ganzen Gegend bekannt. Das Zimmer hatte noch eine andere Tür, die mit Filz und Stroh vermauert Wsk, Skk er8riff einen Holzklotz und zerschmetterte sie mit einigen mächtigen Hieben. Die Finanzbeamten ergriffen wiederum den Schrank und schleppten ihn zur Bresche; doch hier ereignete sich ein äußerst peinlicher Zwischenfall: nämlich der Schrank zerbrach völlig unerwartet und sein Inhalt, bestehend aus Wäsche- und Kleidungsstücken bedeckte die anliegenden Teile des Fußbodens . . . A/s Mrüschk» mi MschMjhMig und zwei Delegierten der Gewerkschaft angeeilt kam, näherte sich die Exekution bereits ihrem Ende. Der Finanzbeamte Dychne stand, umgeben von den hysterisch heulenden Familienangehörigen Moisches, zwischen den sterblichen Ueberresten des unglücklichen Schrankes. Die tatkräftigen Finanzbeamten hatten bereits den Widerstand von Moisches Eheweib glücklich überwunden und waren gerade dabei, die Ueberreste des Staatseigentums auf Den $mmm au raDim Der Finanzinspekteur schrieb den Beamten, daß sie den Schrank stehen lassen sollten. Dieser Brief ließ in den Seelen der Finanzbeamten plötzlich Zweifel aufkommen, ob sie auch tatsächlich entsprechend den Vorschriften und Gesetzen gehandelt hätten. Schreibt denn das Gesetz wirküch vor, MlljslW Wernew aus Den iMDsDsn m werfen?! — War es dentt ällH wirklich ZU* AUf^ rechterhaltung der ^taatsautorität unbedingt erforderlich gewesen, die vermauerte Tür zu zertrümmern?! Und weshalb zerbrach auch dieser Schrank (Gott strafe ihn dafür!) so ungelegen??!! Jetzt aber legten die Finynzbeamten eine ungewöhnliche Spitzfindigkeit zu Tage — sie forderten von Moische eine Bescheinigung, daß er keinerlei Ansprüche an sie zu stellen hätte; andernfalls,, drohten sie, die Ueberreste des Schran- 'Was «her ben ^evbr^ cheneinSchrank angehl, so kMNen die WnunsbeamtenMoischedarüber auf, daß dieser Schrank Eigentum des Wtgates sei, und sie — die Finanzbeamten — als dessen.Vertreterhas Recht,hätten, ihn zu zerschlagen. Der eingeschüchterte Moische händigte ihnen auch die verlangte Bescheinigung aus, und das Darauffolgende zeigte, daß die Finanzbeamten ihr Fach vorzüglich beherrschten: in tev. MMtSvoihllMiM wllrvM Tw freigk- CTlfvv.'.1* 'je; , Die Gewerkschaft stellte fest, daß die -Finanzbeamten,? die frägsichen 4 Rubel und 63-Kopeken eWrBbeNd^/für 20 Rubel materiellen Schaden aM^xichtet^MttM-,. Und Mojfche-wollte seine 20?Rubel MrüHaben; er ging umher und erzählte überalh breit und ausführlich, - wie die FinMzbpcWten^sDenMW-Wk -in Sfücke Mützen/ sMe,Kraü aüfIen Wüßhahen..warfen, und, wie seinelieben Kinderchen» als sie. ihre liebe Mutter ltt rjzftm ^Ustsnvs sghsn, in sin börzMMtzviMs Weinen ausbrachen . . . ha, ja, dieser Schrank hat ihm viel Kummer verursacht. Und die Nerven — seine Nerven sind nicht aus Stacheldraht gemacht — die Nerven kosten auch Geld ... Der Staatsanwalt erhörte eines Tages Moimm Maßen unß nmnralv ilmi: feine §0 Mtzkt ausgahfen gu iaffen - - - Döch SlZ tziS lZSkSSkkschaft von diesem Erfolge Moisches hörte, strich sie ihn von der Liste der von der Einkommensteuerbefreiten. Da Moische eine neue Einkommenquelle (Einkommenquelle von Verlusten) gefunden hätte, so könnte er auch die Einkommensteuer bezahlen . . . Und der Prozeß zieht sich in ide Länge, endlos wie eine italienische Nudel. Verleumdung^ Von L. F. Beim Lesen Ihres Artikels in der vorletzten Nummer Ihrer Zeitung „Der Herr Anonymus" fällt mir folgende wahre Begebenheit ein, die sich vor ca. 30 Jahren in Polen zugetragen hat. Im Städtchen L . . . hatte zu jener Zeit MsH Dl UM: Der iMHWnMch tuinen Laden. Er besaß eln großes jüdisches und pro-- fanes Wissen, zu großem Reichtum hatte er es jedoch nicht gebracht, sondern konnte sich mit seinem Sohne Verl nur schlecht und recht ernähren. Dieser war ein intelligenter und lebhafter Junge. Es litt ihn nicht in den bescheidenen Verhältnissen, und so wanderte er in jungen Jahren nach Amerika aus, um dort sein Glück zu versiert. iDu^iS Mug chm auch. Denn als er nach längerer Zeit zurückkehrte, um seinen alten Vater zu besuchen, war er ein reicher Mann geworden. Er hatte aber gleichzeitig die Absicht, sich von Polen eine Lebensgefährtin nach Amerika mitzunehmen. Kaum hatte man im Städtchen Wind davon bekommen, so wurde er mit Einladungen und Aufmerksamkeiten überschüttet und von den Schadchonim belagert und bedrängt. Jedes junge Mädchen, mit dem er ein paar Worte MlWllk, hksstk pik A^erw^lte des jungen Mannes zu werden. Verl verkehrte hauptsächlich bei Mosche Riesel, dem Schneider. Dieser besaß ein kleines Häuschen und lebte dort zusammen mit seinen beiden verheirateten Söhnen. Sie waren ungefähr mit Verl im gleichen Alter, und es bestand seit ihrer GZtjeb ex^eijeine triftige ^reurtb jc£)a|± zrvischen MM. Mosche hatte aber auch eine Tochter, Gittel, ein hübsches, achtzehnjähriges Mädchen. Ihr größter Wunsch war, nach Amerika zu kommen, und Verl mußte ihr viel von dem Leben dort erzählen. Gelegenlich neckte er sich auch mit ihr herum Md erweckte so in ihr die Hoffnung, bald die Verlobung mit dem „Amerikaner" feiern zu können. Die Brüder erzählten im Städtchen davon als einer fest beschlossenen Sache. Auch dem »Amerikaner" kam dieses Gerede zü Ohern. M ävZzvts sich söh? Mnifior, Daß man so ohne weiteres über ihn verfügte, machte kurzen Prozeß und verlobte sich mit der Tochter des „Gabbe" im Nachbarstädtchen P ... . Die Enttäuschung in L . . . kann man sich vorstellen. Tagelang bildete diese Verlobung den einzigen Gesprächsstoff des Städtchens. Gittel weinte bittere Tränen vor Entäuschung und ijain ünb iraitie stc^ nic^t aus lyeraus. Denn bllv. waren Die fließen Mkundinmn^ zur Stelle und suchten durch „innige Teilnahme" und durchironische Beme-ykungen auch ihre eigene Enttäuschung zu verbergen.. Jedenfalls war der „Amerikaner" jetzt - glücklicher Bräutigam. Da erschiey eines Tages in der meistgelesenen Zeitung Polens ein Aufruf mit ungefähr folgendem Inhalt: , - »Wer,, hat ^Erbarmen .mit einer unglücklichen „Ägunah" und ihren 5 kleinen,. ünifiumtßm linDermenii MkMlj'Ämm ÄIkt Vlum, aus L . . . stälnmsnd, .hÄt?mich bös-