Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1927)
- Date
- 1927-02-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 6 Der Israelit 10. Februar 1927 nnrD nm mi Oonnsi Wks mm Donrr bll m LUilli Wiedsr ein Zuds! und sagt Isuir Lügen Cie dem Manu, es sei jetzt niemand zu sprechen." Ich erwidere: „Ich weiß, daß Sie bewußt einer unehrenhaften Handlungsweise nicht fähig sind, ich verstehe auch Ihre Beweggründe, — aber ich billige sie nicht. Die Aenderung des Namens, den Vater und Großvater in Ehren getragen haben, darf schon an und für sich nicht aus materieller Ursache geschehen. Doch noch viel mehr scheint mir dagegen zu sprechen, daß man dem Judenhaß ein Opfer bringt." Janus alias Jonas ist aber noch nicht eines andern überzeugt. Er erwidert: ..Den Zunamen zu ändern, macht WwkMMlM' — MM M still üstSk ÖflFUffl BQHÖüIL feinen Kindern den Vsrnnmen zu geben, dünn ist e£ heute selbst in den Kreisen der Orthodoxie üblich geworden, keine jüdischen Namen zu geben. Aus Abraham wird Adolf, aus Manfred, aus Salomo Siegfried ufw. Das zeigt, daß man auch in der Orthodoxie Rücksicht auf den Judenhaß nimmt." Ich zucke die Achseln. „Die Klugheit ist eine Schlange. Diese Schlange hat die Vertreibung des ersten Menschenpaares aus dem Gan-Eden verursacht. Daß unsere Volks m Der mmmn MMM NW so llun mm. ihren Kindern ägyptische Name zu geben, und ihre hebräischen Namen deibehielten, war nach der Erklärung der Weisen eine der Ursachen, daß sie der Erlösung ge würdigt wurden." Wohltun. Die Reoolutionsjahre 1904 und 1909 und die diesen vorangegangenen Jahre der schwärzesten Reaktion warfen aus Rußland tausende jüdische jungen Leute über die Westgrenze, dir die in ihrem Geburtslands verwehrte akademische Bildung an einer Universität Westeuropas zu erwerben suchten. Da die meisten dieser jungen Menschen kein Gymnasium absolviert hatten, denn auch die Gymnasien waren in Rußland nur wenigen Auserwählten unter Den QuDen offen, so mm MskMM Dlt Momer Universität Bern in Frage, die beim Fehlen des Abituriums eine Aufnahmeprüfung gestattete. Aber schon diese Vorkenntnisse verlangten Zeit, und Geld hatten die wenigsten. So entstanden von vornherein fortgesetzt Unterbrechungen im Studium. Reisen nach deutschen Großstädten sollten die Stipendien auf bringen, verschlangen viel Zeit, verursachten viel Demütigungen, — und am Ende fehlte immer noch Geld zum Notwendigsten. Die mentaTten Der MAn. Dü ihre (Baße Mfrußon. waren sich der Ethik des Judentums bewußt, die das Geben nicht zum Wo'^.tun, sondern zur Pflicht stempelt. „Am gleichen Tage gib den Armen seinen Lohn, damit er sich nicht deinetwegen bei Gott beklagt und du so Sünde auf dich ladest!", also spricht die Thora. Wie viele der Geber hatten sich hierbei versündigt! Sie, die beim kleinsten Geschäft zu ihrem materiellen Nutzen stets Zeit fanden, hatten bei diesem Geschäft zum Besten ihrer göttlichen Seele häufig keine Zeit. Sie dachten nicht an die qualvollen Stunden des Wartens, dachten ncht an die Spesen und an den Aufschub des Studiums ,die ihr Verzögern einem Menschenbruder verursachte. Die Gedankenlosigkeit der Philanthropie schuf Verbitterungen. Doch, wenn die Folgen keine schlimmeren wareri, ging es rtodp ^m. SDtand^ ^o||nungspotte5 Sefren Da war ein befähigter, charaktervoller Mensch. Normal hätte er in acht bis zehn Semestern sein Studium absolviert. Er studierte aber zwanzig Semester und starb, körperlich und geistig gebrochen. Wie kam dies? Seine Ferienzeit in der Großstadt bedeutete kein Erholen, vielmehr hieß es mit hungrigem Magen treppauf treppab zu laufen. Besuche über Besuche zu machen, um Stipendien aufzubringen, — und am Ende mußte er schon zufrieden sein, als Ergebnis seiner Mühe Mg Nölb sür Rückreise. Unwersitäisgebühi'en nnfc Zahlung Uv beuckendsten Schulden in der Tasche zu haben. An ein ersprießliches Studium war unter solchen Lebensbedingungen nicht zu denken gewesen. Wie ein Philanthrop sich versündigen kann, erzählt ein Rabbi folgendermaßen: „In einer Kehillah war der reichste Mann ein Philanthrop. Einmal kam zu ihm ein Bekannter. Cs war ein Mann, der stets in geordneten Verhälthältniffen gelebt hatte, und dem es nun das Herz abdrückte, um Hilfe bitten zu müssen; — doch er konnte zum ersten Male aus eigenen Mitteln eine fällige größere Zahlung nicht aufbringen. Der Reiche erwiderte, er könne sich jetzt mit der Angelegenheit nicht befassen, da er in wenigen Stunden eine größere Reise antrete. Sobald er MM sc!) mcrDt er Die summe geben. M er ober m luckkom, durchlebte der arme Mensch Stunden der Aengste. Der Gläubiger drängte und drängte, — und ein Versprechen ist keine Unterschrift. Der Reiche löste zur Zeit sein Wort ein und hatte bald das Vorkommnis vergessen. Die Jahre vergingen. Eines Tages berief der Todesengel den Reichen ab. Seine Seele flog dem lichten Gan-Eden entgegen. Am Tor des Gan-Eden wehrte ihr aber ein Engel den Eintritt. Die Seele nannch ihren irdischen SKamen und begann, iijv-e Guttaten au^jjugä^= Un, t &fn Ttrvm der Rede und fragte, ob sie sich des damaligen Borkommnisses erinnere. Freudig bejahte die Seele, — doch die Stimme des Engels rief: „Du ließest ihn warten, trotzdem du in der Lage warst, ihm das Geld sofort zu geben! Diese Tage bangen, zweifelnden Wartens, die du verschuldet hast, mußt du nun hier zwischen Gan-Eden und Gehinnom sühnen, ehe dir das Tor offen steht!" Saly Geis. fDlo MkliWrnWMinz UW? m 3U&8f$Sff iS? ) Der öetreiar des Zentralbüros her „Jewscktia", Tschemerisku, hielt auf dem gegenwärtig in Moskau stattfindenden Kongreß der jüdischen Sektionen der Kommunistischen Partei ganz Rußlands ein Referat über die Berufsumschichtungsbewegung der russischen Juden, in welchem er folgende Ziffern vorbrachte: die Zahl der jüdischen Lohnarbeiter und Angestellten hat sich in den letzten zwei Jahren auf 100.000 erhöht. Diese Zahl betrifft die den Gewerkschaften angeschlossenen Arbeiter. Alles in allem zählt man rund 360.000 organisierte jüdische Lohnarbeiter, sowie etwa 40.000 Nichtorganisierte Lohnarbeiter. Im ganzen gibt es also 4,00.000 jüdische Lohn- MM? is Kulm zm ml im SMiss m osfearbeli lebender jüdischer Seelen. Dem Ackerbau wandten sich in den letzten zwei Jahren 11.000 jüdische Familien mit insgesamt 55.000 Seelen zu. Zusammen mit den alten Kolonisten-Familien zählt man 170.000 jüdische Seelen, die von Ackerbau leben. Man zählt ferner 200.000 jüdische Heimarbeiter mit insgesamt 800.000 Seelen. Genaue Zahlen wird die jetzt durchgeführte Volkszählung erbringen. Während sich die Zahl dsr? jüdrstAsn jQof>«ar£>Ätier ststs erf>of)£„ rttmmir hie Xer fllngefielliö« \>ez Xerr [Regierxmgsinfülufion-en dauernd ab; dies hängt mii der ttfrcnmfferung und der Weißrufsifizierung der Aemter zusammen. In der Schwerindustrie erhöht sich die Zahl der jüdischen Arbeiter, während sie in der Kleinindustrie, wie Schneiderei ufw. abnimmt. Im Vergleich zur allgemeinen Arbeiterzahl hält das Zunehmen der jüdischen Arbeiterschaft nicht Schritt. Während in den letzten zwei Jahren die allgemeine Arbeiterzahl um 49% zunahm, erhöhte sich die Zahl der jüdischen Arbeiter um nur 31% in der Ukraine und um 37% in Weißrußland. Das kommt davon, daß die jüdischen Arbeiter in der Bergindustrie wenig beschäftigt sind. 95% der organisierten jüdischen Arbeiter sind in Staatsunternehmungen beschäftigt. Der Prozeß der Jndustrialisrsrirrrg h^r jührsiHen QJiaffert fcJ>ret±e± im att$«meinen 11! oormarb. Wer weiß es? Ainderecke. Für unsere kleinen. „Sprichwörter sind Denkmäler des Witzes und Verstandes aus alten Zeiten und drücken wichtige Lehren aus." (Nach dem rün» THZW’). Von Lehrer Schloß in Diersburg. Ist das Wort einen Dukaten wert, So gilt ss zrosi. mentts noch Ktr gehört. Weil das Kamel unbillig Hörner begehrt. Wurde ihm die Stützung seiner Ohren gewährt. Im Trunk, im Zorn und im Handel Wird dir bald bekannt des Freundes Wandel. Der, der uns gibt das Leben, Wird auch Brot uns geben. Die Knospe Won zeigt me Frucht. Aenderung des Ortes ist oft Aenderung des Glückes. Seiden- und Atlastracht Hat manchen Großen klein gemacht. Besuche nicht zu oft des Nachbarn Haus, Denn sonst wünscht er dich bald hinaus. Zuletzt kann das Geld nicht frommen, Das Leben nicht wieder kommen. Zuviel zerreißt den Sack. Leere Kornähren stehen hoch. Siegen kommt nicht vom Liegen. Das Unglück hat breite Füße. Reiner Mund und treue Hand Führen durch das ganze Land. Sin 9}<xrrcn|<^!|f fa^ri alle Ar Ae an. Glück und Unglück sind zwei Nachbarn. Ein leerer Sack steht nicht aufrecht. Geradeaus ist der nächst« Weg zum Ziel. Fragen: 1. Wie können zwei Brüder an einem Tage Iabrzett haben, der eine mutz fasten, der andere nicht? 2. Wie kann an einem jüngeren Kind vor einem älteren nV’ö vollzogen werden, trotzdem oeide gesund sind? 3. Welche Mizwo darf weder bei Tag, noch bei Nacht geübt werden? t\ efflcrinaoc: MlMr GMIMIM sann m mmi MUtvo eift gebraucht werden, wenn er zerbrochen ist? * Antworten: 1. Am nys der eine fastet als 1122, der zweite braucht wegen Nissan nicht zu fasten. 2. D<r erste ist am Freitag yibend tvj geboren, kann daher erst nach Ablauf des achten, am rmV und 2lv cn*» eventuell erst am 12. Tag MWMN Töftoni: Der mm. Dir naro ttim tim ver Nach! geboren, schon am achten. 3. Das Wasferschöpsen zu Mazzos muß MVvVN geschehen. 1 4. Die Mazzoh zu Aphikomon. die zu yn' erst zerbroch en werden mutz. Richtige Lösungen sandten ein: Bella Weber, Frankfurt a. M.; Philipp F uchter. Fulda; Frieda Blatter, Dortmund; M Ambiunn, München; Karl Z'ppel, Wiesbaden; Frieda Soefer, Buck (Posen); Selig Nußdaum, Fulda; Salomr-n Wesoiowsky, Köln. U IH flUlKHililig f fl$8 ft?« ßlfeH. IU Im Inserat-» feil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben rellgionsgesehtlchen Charakter» auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfeu. L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tabake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 T*““ Zeil 88 Versand nach auswärts JULIUS SCHMIDT ANNONCEN - AN NÄHME zu Originalpreisen T Frankfurt am Main Langestrasse 7 Telefon Hansa 4641 Postscheck-Konto Frankfurtmain 142 353 Einzige Inseraften-Annahme für Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAELIT« Annahme van Insöt'älen für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. 9t.; Inserate i. B.: S Ect-ach» nowttz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag .Israelit", G.m.b.H., Frank» ^rt u. 9 — Druck Hermo» Verlags» Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M.